Tierheimkater hassen uns und lassen sich nicht anfassen, wir sind frustriert - Retraumatisierung?

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Gast
  • #21
Hallo!
Die Katzen hassen euch sicher nicht!
Ich finde, 6 Wochen noch nicht sehr lang. Wie hier schon geschrieben wurde: freundlich ignorieren, den Katzen einfach die
Zeit geben, die sie brauchen und mein Tipp wäre, sich einfach nicht zu sehr reinsteigern und keinen Druck machen.
Die Katzen spüren ja deine negative Einstellung. Und wer weiss, was sie schon alles erleben mussten!

Wir wurden von einem Streuner "auserwählt", der zwar nicht scheu aber schon sehr speziell und eigensinnig war/ist.
Weisst du, ich hab ihn einfach so machen lassen, wie er das wollte. Wenn er sich nicht streicheln lassen wollte, hab ich das auch nicht gemacht. Wollte er seine Ruhe, hab ich ihn ignoriert. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis
er endgültig angekommen ist und sich jetzt wohlfühlt so wie es ist!
Gib ihnen einfach Zeit!
 
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Froschn

Froschn

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  • #22
Mein Streuner hat Jahre gebraucht bis der wirklich gerne gekuschelt hat... und Besucher haben ihn oft gar nicht zu Gesicht bekommen. ( der wollte auch nie mehr raus....)
 
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Nimsa

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  • #23
Hi! Willkommen im Forum erst Mal.

Ohne jetzt alle Antworten im Detail gelesen zu haben... mein erster Gedanke war: Ohje, gebt sie wieder zurück ins Tierheim.
Aber vielleicht helfen euch ja auch unsere Erfahrungen und Einschätzungen mit der Situation klar zu kommen.
Ich habe selbst zwei eher scheue Katzen aus dem Tierschutz. Die waren aber noch sehr jung und tauten tatsächlich schnell auf. Dennoch verhalten sich die zwei ganz anders als die Zuchtkatzen meiner Freundin. Die kann man bald wie Teddybären auf den Schoß nehmen. Sie lassen sich alles gefallen. Bei meinen zwei undenkbar. Auch nach vier Jahren ist hochheben nicht wirklich drin. Wenn nur kurz. Sie laufen weg wenn es klingelt und Besucher meiden sie.
Für mich alles normal, da wir immer Katzen aus dem Tierschutz hatten.
Bei euch ist es anders. Nie Konatkt zu Menschen gehabt zu haben. Streuner. Das ist die oberste Kategorie von scheuen Tieren und diese Tiere tauen vielleicht auch nie richtig auf. Lassen sich nie richtig kuscheln und werden vielleicht nicht nur Wochen brauchen. Vielleicht auch Monate und Jahre. Wer weiß.
Mit dem Gedanken müsst ihr euch anfreunden. Auftauen ist hier ein sehr dehnbarer Begriff. Da sind die kleinsten Zeichen von Vertrauen schon ein großer Gewinn. Wie beispielsweise das sie in eurer Nähe sind und sich nicht nur ständig verstecken.
Solche Katzen brauchen in der Regel keinen Körperkontakt zu Menschen und ich kann mir vorstellen, dass das auch so bleiben wird. Vielleicht lassen sie sich mal streicheln, aber es wird nie so werden wie mit Katzen, die Menschen von klein auf gewohnt sind. Sie werden den Körperkontakt wenn nur selten einfordern und das dauert nun Mal lange.

Behaltet die Katzen nur wenn ihr das akzeptieren könnt. Wenn ihr ihnen ein zu Hause geben wollt, obwohl ihr wisst, dass ihr sie nicht anfassen dürft. Wenn ihr es als Zutrauen sehen könnt, dass sie in eurer Nähe liegen und fressen (denn das ist es).
Denkt da mal in Ruhe drüber nach. Lest euch hier bisschen ein.
Das eigene Verhalten spielt hier eine große Rolle. Die Neuankömmlinge sollte man ignorieren. Man sollte sie weder locken noch bedrängen.
Was hilft ist es sich auf den Boden zu setzen. Leise zu sprechen. Aber halt auch einfach den Alltag weiter zu führen und den Tieren keinerlei Gefühl von Aufmerksamkeit zu geben. Sie fühlen sich dann eher bedroht.
Wenn sie nach und nach Vertrauen fassen, dann werden sie von alleine auf euch zugehen und dann ist es die größte und schönste Freude überhaupt.

VG,

Nimsa
 
GroCha

GroCha

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  • #24
Vielleicht lassen sie sich mal streicheln, aber es wird nie so werden wie mit Katzen, die Menschen von klein auf gewohnt sind. Sie werden den Körperkontakt wenn nur selten einfordern und das dauert nun Mal lange.
Also das ist Blödsinn.
Die meisten Scheuchen werden riesige Schmuser ihren vertrauten Menschen gegenüber.
Klar gibt es Fälle, bei denen rein gar nichts zu machen is und die wieder raus gesetzt werden müssen.
Aber wenn man sich das Vertrauen eines solchen Tieres erarbeitet hat, kann man die sehr wohl anfassen und sie fordern die Nähe auch ein.
Für mich alles normal, da wir immer Katzen aus dem Tierschutz hatten.
Is sicher nicht so gemeint, aber man versteht darunter schon wieder diesen Seitenhieb auf TS-Tiere.
Ich hab hier nen Kater, der uns als Fauch-Spucki vermittelt wurde, und von der ersten Minute an ne völlig normale, mega verschmuste Katze war, als er ausm Kennel stieg.
Nicht alle Tiere ausm TS ham nen Hau weg.
 
Azar

Azar

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  • #25
Ich bin auch für mehr Zeit.

In meiner Gruppe ist auch ein Katerchen dabei, welches wirklich sehr sehr lange den Kontakt zu mir gemieden hat. Mit Ignorieren so wie GroCha und andere User schreiben UND dem Orientieren an den anderen (zutraulicheren) Katzen, hat er auch irgendwann nach und nach Vertrauen zu mir gefasst.
Er kommt auf Zuruf, ist sehr gut zu handhaben wenn mal eine Medikamentengabe bevorstand und lässt sich auch ordentlich durchkraulen. Das alles allerdings vorrangig von mir und meinem Partner. Von fremden Menschen will er nichts wissen, aber das ist ja vollkommen okay.
Das Ganze hat aber auch sehr lange gedauert. Ich glaube, dass er beispielsweise wirklich im ersten Jahr bei mir nicht gefressen hat wenn ich in Sichtweite war.
 
Alberta

Alberta

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  • #27
Nicht alle Tiere ausm TS ham nen Hau weg.
Das kann ich nur absolut unterstreichen!
Alle meine Katzen waren und sind aus dem Tierschutz und ich werde in Zukunft auch keine andere Quelle nutzen.
Keine meiner Katzen hatte nen Hau weg, manche aber sicher recht schlechte Erfahrungen gemacht. Da half die oben mehrmals geschriebene Geduld, allerdings erwartete ich auch keine zügige Kontaktaufnahme der Katzen, sie sollten die Zeit bekommen, die sie selber benötigten (und wenn es Jahre sein sollten). 6 Wochen finde ich nicht sehr lang, bei Katzen mit der Vorgeschichte. Mir fiel es nicht schwer mich erstmal darüber zu freuen, wenn sie vorsichtig aus der Entfernung guckten.

Katzen müssen lernen den Menschen erst einschätzen zu können und wenn die Katzen vorher auf der Straße lebten, ist eine Wohnung ein gänzlich fremdes Umfeld mitsamt den Geräuschen. Kontaktaufnahme ist für viele Straßenkatzen erst einmal eine Bedrohung.
 
Irmi_

Irmi_

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  • #28
Vielleicht lassen sie sich mal streicheln, aber es wird nie so werden wie mit Katzen, die Menschen von klein auf gewohnt sind.

Bitte erkläre das Irmi:
20201103_102521 (Small).jpg
Sie war auch mal ziemlich scheu bzw. ist das auch noch immer gegenüber Fremden. Bei uns ist sie eher... anstrengend.
 
Gigaset85

Gigaset85

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  • #29
Was ist daraus geworden?
 
Petra-01

Petra-01

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  • #30
Auch wenn man Taskali nicht unbedingt anschreiben sollte weil sie genug am Kopf hat...
ihren Thread zu lesen alleine macht vielleicht Mut es weiter zu versuchen!
Pflegis by Taskali

Ich würde die Katzen erstens nicht trennen und zweitens auch nicht zurück geben.

Es ist eine echte Aufgabe aber eine so wundervolle und lohnende genau diese Katzen zu behalten und ihnen eine Chance zu geben.
Dabei braucht es einfach noch viel mehr Zeit.
Aber meistens macht es irgendwann *klick* im Kopf dieser armen Geschöpfe und sie merken daß es ab jetzt besser wird.

Ich finde es klasse daß ihr Katzen genommen habt die ansonsten kaum eine Chance gehabt hätten.
Und es ist großartig hier im Forum zu berichten und Rat zu holen.

Bitte, Mut Mut Mut, macht weiter.
Ich glaube ihr werdet irgendwann belohnt und werdet unheimlich stolz sein das geschafft zu haben und den Katzen ein gutes Zuhause gegeben zu haben.

Ich wünsche euch Gelassenheit und Mut und Geduld
 
16+4 Pfoten

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  • #31
Man muss allen Katzen Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Meine verstorbene Gina, die vor langer Zeit ausgesetzt wurde und anschließend 5 1/2 Jahre im Tierheim resignierte, ist zu Beginn immer zusammengezuckt, wenn eine Hand von oben kam, um ihren Rücken zu streicheln. Sie hat sich richtiggehend verkrampft. Ich will gar nicht wissen, welche Vorgeschichte dahinter steckte.

Gina hat lange gebraucht, viel länger als alle anderen Katzen, um sich an ihre Menschen und an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Sie war nicht scheu, aber sie wollte lange Zeit keinen Körperkontakt und war misstrauisch. Hat viel gepfaucht und geknurrt, wenn man sie anfassen wollte. Eine richtige Kuschlerin wie meine anderen Katzen ist sie nie geworden, aber das musste sie auch nicht, das hätten wir nie von ihr verlangt.

Aber nach ein paar Monaten kam sie von selbst auf den Schoß und in ihren letzten Lebensjahren saß sie manchmal 2-3 Stunden auf meinem Schoß wie angenagelt und wollte nicht runter. Es hat ihr genügt, auf dem Schoß zu sitzen, das war für sie etwas Schönes (und für mich auch).

Streicheln konnte sie bis zum Schluss nicht genießen, außer am Kopf und am Goderl, das hat sie geliebt.

Sie blieb bis zuletzt eine eigenwillige Kratzbürste ❤ und das durfte sie auch sein. Nicht jede Katze will jeden Körperkontakt, den der Mensch ihr angedeihen lassen möchte. Darauf muss man sich einstellen.
 
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biveli john

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  • #32
Die TE meldet sich nicht.
Vielleicht hat sie keine Zeit.
 
Freewolf

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  • #33
Vielleicht lassen sie sich mal streicheln, aber es wird nie so werden wie mit Katzen, die Menschen von klein auf gewohnt sind. Sie werden den Körperkontakt wenn nur selten einfordern und das dauert nun Mal lange.

Das stimmt so aber absolut nicht. Wir bekommen oft Rückmeldungen im Tierheim von ehemaligen Scheuchen, die sich zu absoluten Schmusekatzen entwickelt haben.
So wie zB auch Charles von GroCha, der sich bei uns niemals hat streicheln lassen und uns sogar alle angefaucht hat.
 
jasmine

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  • #34
Es ist sehr schön, das Ihr diesen zwei Kater ein Zuhause schenken wollt. Ich habe jetzt auch schon etwas Erfahrung mit Scheuchen und das erste was ich Euch sagen möchte ist erstmal irgendeine Erwartungshaltung gegenüber den Tieren ein zu stellen. Man kann nicht erwarten das die Tiere so reagieren, (eigentlich von keinem Tier) wie man sich das vorstellt. So wie Ihr lernen müsst die Kater besser kennen zu lernen , Ihre Körpersprache besser zu deuten, so müssen die Tiere auch erstmal lernen mit Menschen zusammen zu leben. Auch die zwei Kater müssen Eure Körpersprache erstmal lernen und bei sehr sensible Tiere, wie der eine Kater wahrscheinlich ist kann das sehr lange dauern. Es ist ganz wichtig das Ihr die Tiere zu nichts zwingt, Sie werden von selbst kommen jedes Tier wahrscheinlich in einer anderen Schnelligkeit. Wenn das eine Tier schneller zugänglich wird, dann genießt es der andere Kater wird das sehen und irgendwann auch von selbst kommen. Gibt Ihm einfach Zeit bedrängt Ihn nicht und reagiert mit positive Zuneigung (leise mit sanfter Stimme mit Ihm reden oder Leckerli auf den Boden legen). Meine zwei Tiere haben mit einem kleinen Körperkontakt bei mir angefangen d.H. Sie lagen auf dem Sofa direkt neben mir und lagen auf meinen Unterschenkel drauf, wollten aber nicht angefasst werden. Habt Geduld und mit viel Einfühlungsvermögen kann das irgendwann ein schönes Zusammenleben werden.
 
Rickie

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  • #35
Das stimmt so aber absolut nicht. Wir bekommen oft Rückmeldungen im Tierheim von ehemaligen Scheuchen, die sich zu absoluten Schmusekatzen entwickelt haben.

Das kann ich auch nur bestätigen.
Wir haben hier 3 Ex-Streunerkater, die sich monatelang nicht anfassen ließen, alle 3 sind die größten Schmuder vor dem Herrn und 2 schlafen mit im Bett.
Und eine unserer Katzen ist auf Sibiriens Straßen groß geworden, war mindestens 3 Jahre alt, als sie eingefangen wurde und wurde auf der PS zu einer sehr zutraulichen, wenn auch schüchternen Katze. Heute schmust sie rund um die Uhr und kommt auch ins Bett.

Ich kenne allerdings auch Katzen, deren Freiheitsbedürfnis allen Zähmungsversuchen widerstand.
 
Paty

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  • #36
Benji (bei Taskali Rusty) war nicht nur ein Scheuchen sondern auch ein Panikkater der sich sehr sehr schnell aufgeregt hat und panisch geworden ist

39337074uk.jpg


Raus will er nicht mehr, sobald er eine offene Tür oder ein ganz geöffnetes Fenster ohne Gitter sieht versteckt er sich
 
Feli02

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  • #37
D

DoriSch

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  • #38
Hallo Luilu92,

als ich deine Geschichte gelesen habe, wurde ich instintiv an meine erinnert. Im Sommer hatten mein Mann und ich den Wunsch Katzen aufzunehmen. Zwei sollten es sein und ich wollte auch keine typischen Kuschelkatzen, sondern Katzen aufnehmen die sonst keiner haben wollte.

Entschieden hatten wir uns für zwei 3-Beinchen (Straßenkatzen) aus dem Ausland. Den beiden wurde nach einem Unfall jeweils ein Beinchen amputiert. Auf der Straße hätten sie keine Chance gehabt. Mir war klar, dass es nicht einfach werden würde. Kurz bevor sie zu uns kamen musste eine Katze eingeschläfert werden (inoperabler Tumor). Somit kam nur das Katerchen zu uns. Das war Mitte August. Die ersten zwei Wochen war er alleine und hat gefühlt jeden Tag 18 Stunden unter dem Bett verbracht. Da wir ihn nicht alleine lassen wollten haben wir sofort nach einem zweiten Kater gesucht. Der zweite Kater war natürlich auch kein "einfacher" Kater. Der TSV hat ihn als absolutes Scheuchen bezeichnet. Und das war er wirklich. Seit Anfang September ist er bei uns. Er hat die erste Zeit freiwillig in einer Lade verbracht, die hinten ausgeschnitten war. Die hatte er nur in der Nacht verlassen um ein wenig zu fressen und aufs Klo zu gehen. Tagsüber habe ich nichts von ihm mitbekommen.

Mir war bewusst dass es schwierig ist. Ich habe mir aber auch viele Sorgen gemacht ob es gesund ist für die Katzen sich stundenlang nicht zu bewegen und nur nachts aufs Klo zu gehen. Aber man muss es akzeptieren. Ich wollte ihnen nie etwas aufdrängen. Fips der 3-beinige ist dann ab und zu schon mal rausgekommen. Aber immer auf 2 Meter Abstand. Irgendwann war es dann so, das Fips die Tage sogar im Wohnzimmer im Katzenbettchen verbracht hat und Muck das Scheuchen unters Bett gezogen ist. Manchmal war seine Angst so schlimm dass er sich im Bettkasten komplett verkrochen hatte.Oft über Stunden.

Wenn er sich dann mal heraustraute, dann wurde Fips aggressiv und hat Muck gehauen. Das hat den kleinen Muck natürlich noch mehr eingeschüchtert. Es hat Tage gegeben da war ich echt verzweifelt und habe meine Entscheidung angezweifelt. Ich konnte keinen der beiden irgendwie berühren oder streicheln. Fips hat den Straßenkater voll raushängen lassen und war immer öfter aggressiv Muck gegenüber. Wenn sich Muck mal in den Abendstunden aus seinem Versteck rausgetraut hatte, bekam er wieder eine gewischt von Fips. Und Muck hatte sich nie gewehrt. Er hat denke ich still gelitten. Ich glaube beide haben gelitten.

Vor allem hatte ich auch immer öfter den Eindruck das Fips unglücklich in der Wohnung war. Mir gegenüber ist Fips ein klein wenig aufgetaut nach ungefähr 6-8 Wochen. Streicheln konnte ich ihn nicht, aber er war immer in meiner Nähe wenn es Futter gab. Mein Mann konnte keine Beziehung zu ihm aufbauen. Kaum hatte Fips ihn gesehen, war er ganz schnell weg.

Wir haben uns dann schweren Herzens entschieden Fips zu den Tierschützerinnen zurückzugeben. Das Verhältnis zwischen beiden Katzen wurde immer schlechter und er hat wirklich in der Wohnung gelitten. Das hat mir sehr wehgetan und gleichzeitig habe ich mich als Versagerin gefühlt. Ich wollte einer Katze mit Handicap ein zu Hause geben und es hatte nicht funktioniert.

Muck hat sich aber seitdem stark verändert. Er ist regelrecht aufgeblüht. Und als er das erste Mal vor dem Futter geben um meine Beine gestrichen ist habe ich geheult weil ich glücklich war. Aber er ist eben immer noch ein Scheuchen. Und dass muss man respektieren.

Noch ein Wort zum Spielen: ich hatte extrem viel verschiedenes Spielzeug gekauft. Bei Fips hatte damals gar nichts funktioniert. Wahrscheinlich weil er es nicht kannte. Muck lässt sich in letzter Zeit immer wieder animieren ein bisschen zu spielen.

Meine Erfahrung ist: es ist extrem schwer sich zurückzunehmen und die Katze nicht zu streicheln auch wenn man es gerne möchte. Man muss für sie da sein und für sie sorgen, aber die Katzen entscheiden selbst ob sie dich in ihre Nähe lassen oder nicht. Und ja, oft hat man das Gefühl als hätte man Geisterkatzen zu Hause und man denkt sich - wofür das alles. Es ist zeitweise wirklich frustrierend. Und es ist mir nicht einmal so ergangen. Aber wenn du das erste Mal unvermutet das weiche Fell an deinen Beinen spürst, das wiegt alles auf. Das ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Und ich würde mich wieder für schwer vermittelbare Katzen entscheiden. Haben wir auch. ;) Vor einer Woche ist Mucks neue Gefährtin eingezogen und es ist sehr schwierig derzeit. Aber mit viel Geduld werden wir das hinkriegen.

Und ich bin sicher, wenn ihr die beiden Katzen wirklich bei euch haben wollt, dann bekommt ihr das hin. Ihr müsst euch nur ganz sicher sein. Katzen sind so sensibel, die spüren einfach wenn sich der Mensch nicht 100% sicher ist. Zeit und Geduld ist ein wichtiger Faktor. Wer weiß was die beiden erlebt haben.

Ich wünsche euch alles gute.
 
Chaos Menschin

Chaos Menschin

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578
  • #39
Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei mir sind im Frühling 2 Katzen eingezogen. Es hieß zwar, die sind scheu und man braucht Geduld, aber ich hab mir gedacht, ach, das wird schon. Mina ließ sich immerhin im TH von mir kraulen und hat sogar für ein Leckerli laut geschnurrt. Wär bei meinen Kindheitskatzen bei Fremden undenkbar gewesen.

Als sie dann da waren, kam ziemlich bald die Ernüchterung. Die sind ja wirklich scheu. So extrem wie bei euch nicht, aber deutlich scheuer als gedacht. Ich kann nur sagen: Geduld ist gefragt. Wie man richtig mit so extrem scheuen Katzen umgehen, da haben andere User hier mehr Erfahrung. Aber ich war zwischenzeitlich auch kurz davor, sie zurückzugeben: Sie müssen unglücklich sein, Fee rührt sich den ganzen Tag nicht, sie sind bei mir unsauber geworden, etc. Aber ich hab's nicht übers Herz gebracht. Also sind sie noch immer da. Fee streicht mir mittlerweile um die Beine, wenn's Futter gibt und dreht Rückwärts-Saltos, wenn ich mit der Spielangel ankomme. Beide lassen sich voller Hingabe kraulen und Mina hüpft sogar manchmal ins Bett.

Klar, stinknormale Kuschelkatzen sind sie (noch) nicht. Aber das Eis ist gebrochen und es wird immer besser. Ich möchte euch also gut zureden. Habt Geduld, lest euch ein in die Scheuchen-Thematik.

Evtl. wären auch Zylkene oder Anxitane eine Idee. Ich hab damit keine Erfahrung, aber das sind Mittelchen gegen Stress. Wird anscheinend von den allermeisten Katzen gut angenommen. Auch Bachblüten und CBD-Tropfen könnten helfen, wobei ich bei CBD die Erfahrung gemacht habe, dass sie nicht gefressen werden. Aber einen Versuch ist es wert. Es gibt auch noch Gabapentin, das ist ein Schmerzmittel aus der Humanmedizin, was bei Katzen beruhigend wirkt. Das kann anscheinend auch längerfristig gegeben werden, aber da musst du auf alle Fälle mit einem TA Rücksprache halten, das ist verschreibungspflichtig.
 
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dojo

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130
  • #40
Ich hatte mal eine Katze, die (obgleich keine Streunerin) bei mir 3 Monate unter einem Regal gewohnt hat und nur nachts rauskam (zum Fressen und aufs Klo gehen). Nach 6 Monaten ist sie das erste Mal auf meinen Schoß gekommen. Erst so nach 18 Monaten war sie so richtig angekommen und ab da super anhänglich und verschmust.
Also ja - sie brauchen mehr Zeit. Ob ihr die Geduld dafür habt, müsst ihr natürlich selbst entscheiden. Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht. Aber 6 Wochen sind wirklich nicht lange.
 
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