Was ist noch Tierschutz und was kontraproduktiv

misirlou

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  • #41
Schön, dass das Thema Auslandstierschutz hier kritisch diskutiert wird!

Nachdem ich einige Jahre in einem Tierschutz-Verein hier in Deutschland aktiv war, der Tiere aus Griechenland vermittelt hat, habe ich doch gemerkt, dass ich von der Arbeitsweise und Ausrichtung nicht überzeugt bin und mich aus der aktiven Arbeit zurück gezogen.
In erster Linie war es genau der Punkt, der mich stutzig gemacht hat, dass es mehr darum ging für möglichst viele griechische Katzen und Hunde ein Zuhause im "heiligen" Deutschland zu finden, als sich langfristig mit der Verbesserung der Zustände vor Ort zu beschäftigen und sich konkret dafür einzusetzen.

Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass Adoptionen ins Ausland kontraproduktiv für die Entwicklung vor Ort sein können. Oder andersrum gesagt, jede erfolgreiche Vermittlung vor Ort, ist die beste Werbung und fördert ein Umdenken. Und natürlich haben in Griechenland, genauso wie in Deutschland, Welpen, reinrassige oder kleine Hunde die besten Vermittlungs-Chancen. Werden diese nun ins Ausland exportiert, natürlich unter dem Vorwand so Platz für andere Notfälle zu machen, entzieht man dem Tierschutz vor Ort eine wichtige Möglichkeit, vor Ort Adoptanten zu finden und so die Entwicklung des Tierschutzes zu fördern.

Was mir grundsätzlich am Auslandstierschutz missfällt, ist die Arroganz vieler deutscher Tierschützer_innen. Wir sind die vermeintlich hoch entwickelten, super schlauen Tierhalter_innen: "jedes Tier kann froh sein, endlich in Deutschland zu sein." Auf der anderen Seite, ist jeder "normale" Hundehalter im Ausland (Hirte, Viehzüchter etc.) ein abartiger Tierquäler. Diese Einstellung finde ich höchst problematisch und führt leider auch oft zu misslungenen Adoptionen hier in Deutschland. Wenn man sich nun noch mit Neokolonialismus und der Kritik an Entwicklungszusammenarbeit, denn nichts anderes ist Auslandstierschutz, beschäftigt, merkt man schnell, wie viel da schief läuft.

Momentan arbeite ich an einem neuen Projekt zum Thema Kettenhunde in Griechenland, Ziel ist es in Kontakt mit Ketten-Hundehalter_innen vor Ort zu kommen. Wir stellen Info-Flyer und Spenden zur Versorgung des Hundes zur Verfügung, mit dem Ziel dadurch ein Umdenken bzw. eine Sensibilisierung der Ketten-Hundehalter_innen vor Ort zu bewirken, hoffentlich mit dem Endergebnis, dass der Hund kastriert wird, sich seine Lebensumstände verbessern oder er falls nötig, in ein anderes, besseres Zuhause umziehen kann.
Ich bin noch nicht sicher wie mein Weg im Tierschutz weiter geht, aber eines habe ich mir fest vorgenommen, meine Arbeit immer wieder zu hinterfragen und bereit zu sein, ggf. wieder etwas zu ändern.

Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr Selbstkritik im Tierschutz!
 
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HappyKerky

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  • #42
Doch, genau darum geht es. Solange noch Katzen in den Tierheimen sitzen, dürften eigentlich keine Katzen mehr vermehrt werden. Zuerst muss das "aufgebraucht" werden, was existiert. Da sollten wir in Deutschland mit gutem Beispiel voran gehen. Wir verlangen von südlichen oder östlichen Ländern, dass die Menschen mehr auf ihre Tiere achten, wir verlangen von Auslandstierschutzorganisationen flächendeckende Kastrationsprogramme, aber im eigenen Land wird unter dem Deckmantel des Rasseerhalts munter weiter gezüchtet.
Wie viele Threads kann man hier im Forum ständig lesen, in denen Kitten gesucht werden, in denen Katzen, ungewollt und völlig aus Versehen, trächtig geworden sind.
Das Bewusstsein für Tierschutz liegt hier, im eigenen Land, doch noch ziemlich im Argen.
Tierschutz heisst, für mich zumindest, für die Tiere zu sorgen, die bereits das Licht der Welt erblickt haben und weitere Tierproduktion zu verhindern.

Wenn das Argument kommt, dass Rassekatzen niemals zu Notfellen werden.................!:rolleyes:

Ich gebe dir Recht, was das Vermehren angeht. Jedoch hat das gar nichts mit dem Auslandstierschutz zu tun. Meine Katzen sind aus Spanien, sie sind NullAchtFuffzehn-Hauskatzen, keine Rassemixe. Ich wollte auch keine Rassekatzen. Die Herkunft meiner Katzen ist unbekannt, sie wurden vor einem Tierheim in Spanien ausgesetzt.
 
nandoleo

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  • #43
HappyKerky, ich glaube, Du hast mich falsch verstanden.:) Ich bin in keinster Weise davon ausgegangen, dass man Auslandstiere wegen einer bestimmten Rassezugehörigkeit adoptiert.
Wobei Podenco-,Galgo-, Helenikos ichnilatis-oder Gekasliebhaber, um nur einige wenige Rassen auf zu zeigen, nur im Auslandstierschutz fündig werden.

Mir geht es vielmehr darum, dass man vom Auslandstierschutz und im Ausland Dinge verlangt, die im eigenen Land bisher noch in keinster Weise gang und gäbe sind.
 
HappyKerky

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  • #44
Ich habe das noch nie jemanden behaupten hören, ehrlich gesagt. :oops:

Das Einzige, was den Tierschutz in Spanien von dem in Deutschland unterscheidet, ist der, dass dort immer noch offiziell getötet wird.
 
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Gwion

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  • #45
Nachdem ich einige Jahre in einem Tierschutz-Verein hier in Deutschland aktiv war, der Tiere aus Griechenland vermittelt hat, habe ich doch gemerkt, dass ich von der Arbeitsweise und Ausrichtung nicht überzeugt bin und mich aus der aktiven Arbeit zurück gezogen.
In erster Linie war es genau der Punkt, der mich stutzig gemacht hat, dass es mehr darum ging für möglichst viele griechische Katzen und Hunde ein Zuhause im "heiligen" Deutschland zu finden, als sich langfristig mit der Verbesserung der Zustände vor Ort zu beschäftigen und sich konkret dafür einzusetzen.
Du hast viel Elend gesehen und viel Gutes bewirkt, dafür hast du meinen Respekt.
Und du hast ja auch einen Weg gefunden, in Richtung Aufklärung vor Ort aktiv zu werden.

Ich möchte das nur als Beispiel nehmen, denn genau dieses Argument hört man oft.
Und ich stelle mir dann die Frage: was hätte denn der Verein dort vor Ort an Aufklärung machen sollen und können?
Wenn es jemand so wichtig ist, müßte er dann nicht dahingehend wirken?
Innerhalb eines Vereins, auf eigenen Faust?

Daß es nicht getan wird, hat logische Gründe - man ist nicht vor Ort, hat
beschränkte Mittel, wenig Zeit, wenig Geld, kann die Sprache nicht usw. usf.

Nur - es ist ja nicht so, daß es nur entweder-oder gibt.
Es muß die Aufklärung erfolgen, ja.
Aber es müssen auch die Tiere, die unmittelbar vom Tod bedroht sind, gerettet werden, sofern möglich.

Wenn jemand sich dann zurückzieht oder gar nichts mehr macht, nützt das weder dem einen noch dem anderen.

Man kann nur nach seinen Fähigkeiten helfen und da man es in DE/Ö etc. nicht bezügl. Aufklärung und Änderung der Einstellung in Spanien, Griechenland etc. kann, tut man eben etwas anderes.

Das teuflische daran ist eben, daß es immer zweischneidig ist. Ebenso wie die Sache mit dem Hundewelpenhandel.
An dem Beispiel sieht man ganz deutlich, wie schwierig es ist.

Man muß die Käufer überzeugen, es zu lassen, man muß die "Produzenten" davon abbringen, aber man kann auch nicht einfach die beschlagnahmten Welpen alle einschläfern. Ok, könnte man schon, aber ist das die beste Lösung?

Man kann aber auch nicht hingehen und alle freikaufen. Und beschlagnahmen geht auch nur beschränkt.

Also versuchen die einen es mit Aufklärung im Land, die anderen über den juristischen Weg, andere päppeln die Welpen auf, andere spenden dafür, andere nehmen so ein Baby bei sich auf.
Jeder wie er kann.
 
thuri

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  • #46
Ein Tier bei sich aufzunehmen kann ja an sich niemals falsch sein.
Nur diejenigen, die Tiere aus dem Ausland hier vermitteln, sollten sich überlegen, ob sie den Tieren wirklichen einen Gefallen tun.

Wenn aber die Tiere hier sozusagen vom LKW gerettet werden, dann wäre es ja auch blödsinnig, die wieder in ein fernes Land zu schicken, weil sie dort ursprünglich herkommen.

Wenn ich beschließe, eine weitere Katze aufzunehmen, dann suche ich ein Tierheim oder eine Pflegestelle hier in der Nähe auf und lerne sie erst einmal kennen. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für die Katze wesentlich entspannter, als durch die halbe Welt gekarrt zu werden, bevor das "neue Leben" endlich losgehen kann. Es kann nicht sein, dass ein Tier, welches im näheren Umkreis ein zuhause finden würde, dann doch dringend nach Deutschland geflogen werden muss.

Und gerade bei dem Beispiel Hundewelpen sieht man doch sehr deutlich, dass Freikaufen keine Hilfe ist.Egal wie niedlich die Welpen winseln und schauen, man fördert doch das Leid der Tiere, wenn man die Vermehrer dafür auch noch bezahlt. Auch wenn dem einen geholfen ist, mehrt man damit das Leid seiner Geschwister.
 
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HappyKerky

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  • #47
Was ich absolut unmöglich finde ist, dass Auslandstiere nach Deutschland verfrachtet werden, um dort in ein Tierheim zu kommen. Welchen Zweck soll das bitte haben? Das ist etwas, wo man ansetzen sollte.
 
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  • #48
Was ich absolut unmöglich finde ist, dass Auslandstiere nach Deutschland verfrachtet werden, um dort in ein Tierheim zu kommen. Welchen Zweck soll das bitte haben? Das ist etwas, wo man ansetzen sollte.
Naja, damit sie erst mal wo unterkommen und nicht im Ausland umgebracht werden?
Und dann hofft man sicher auch auf Adoptanten, die nicht die Vermittlungsseite im Internet kennen, sondern einfach mal im TH schauen oder bestenfalls auf der TH Homepage.

Allerdings, welches TH nimmt denn Ladungen an Auslandstieren auf? Die sind doch selbst überfüllt und könnten doch auch gar keine Quarantäne für die große Zahl machen?
 
Nike74

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  • #49
Einzelne Tiere retten damit sie da nicht sterben hat nichts mit Tierschutz tun...nicht wenn man ein Tier rettet und sich um die anderen 10000 die zurückbleiben nicht kümmern kann weil die Vermittlung und Ta Kosten eines Tieres alles an Ressourcen aufessen..

Aber steckt man sein Geld z.b.in ein Aufklärungsprojekt zum Beispiel in Schulen und erreicht nur 50% der Kinder, zukünftige Tierhalter dann hat man vielleicht ziemlich viele Tiere gerettet...geht man auf die Menschen zu auf Augenhöhe und vergrault sie nicht mit arrogantem Fingerzeig erreicht man auch da den ein oder anderen..Kompromissfähigkeit ist ein wichtiger Punkt.

Eines meiner Lieblingsprojekte war in der Türkei, dort ist man in die dünner besiedelten Gebiete gefahren und hat den Bauern Hundehütten geschenkt, hat so Zugang zu einigen Menschen gefunden, insbesondere auf die Kinder ist man eingegangen und der ein oder andere Kettenhund, durfte seine Kette für immer ablegen und vor allem mussten sie dank der Hütten nicht in der prallen Sonne ausharren

Das Engagement der Tierschützer wo ich Emmy habe zeigt das auch Einzelne ohne große Vereinszugehörigkeit vor Ort viel erreichen können, Zugang zu Einwohnern, Kastraprojekte organisieren, Hilfsarbeiten im Tierheim und nebenbei auch einzelne Tiere nach Deutschland gerettet, das geht schon...
Diese waren auch erst mit anderen Vereinen zusammen und haben sich nach und nach distanziert, weil das was oft gelebt wird im Ausland kein Tierschutz mehr ist..

Schön das es wenigstens ein paar Menschen die auch hier vertreten sind gibt die auch daran denken und die sich nicht dem Trend anschliessen blind alles herzuschiffen, das führt nur zu mehr Leid und bringt einfach garnichts..ausser für den Einzelnen, aber wir reden von Zehntausenden die noch da sind und die mit dem ach so tollen Seesternspruch einfach mal weggewischt werden und die es auch verdient haben und von unzähligen die nachrücken. Tierschutz im Ausland sollte Zukunftsorientiert sein..


Böse Zungen behaupten ja auch das im Ausland schon mit unserem "Mitleid" geplant wird und sich damit auch nen Euro machen lässt..
 
nandoleo

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  • #50
die sich nicht dem Trend anschliessen blind alles herzuschiffen, das führt nur zu mehr Leid und bringt einfach garnichts..

Ganz genau das ist der Punkt! :)
 
snowflake

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  • #51
Ich glaub so viele Menschen es gibt so viele Meinungen gibt's auch zum Thema Tierschutz.

Für mich ist Tierschutz ohne wenn und aber grenzenlos. Total egal ob ich ne Katze aus Bayern mit ner Riesen Fahrkette oder aus Spanien adoptiere. Aber es ging ja hier nicht um Ausland / Inland.

Ferner sehe ich das so dass an 1. Stelle Kastrationsaktionen stehen. Nur leider gibt es immer Theorie und Praxis. Wenn ich gerade auf dem Weg bin zum Katzen einfangen und ich finde am Straßenrand ein schwer verletztes Kitten dann helfe ich dem, und ich würde es auch nicht fertig kriegen dem kleinen Mäuschen ins Ohr zu flüstern "es tut mir leid ich brauche das Geld für Kastras, wir erlösen dich daher". Jede gerettete Seele ist für mich Tierschutz und auch das freikaufen von Katzen aus der Tötung. Leider ist Tierschutz immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Oder wie ich es schon 1 Million mal hörte: du kannst nun mal nicht die Welt retten. Nein, alleine kann man es nicht. Aber das ist kein Grund aufzugeben. Jeder der mir so nen Mist erzählt tut nämlich selbst gar nichts. Und jeder "kontraproduktive" Tierschutz ist besser als nichts tun.
 
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  • #52
Es ist so frustrierend zu hören, dass immer wieder die Tierheime in Spanien schließen müssen, da sie viel zu viele Tiere haben, kein Geld und viele Gründe mehr.
Diese Leute geben alles und müssen zum Ende zugucken, wie auch ihre Tiere getötet werden, da die Gemeinden nur eine Anzahl erlauben.

Dann werden deutlich weniger Tiere vermittelt als aufgenommen?

Sehr viele Vereine haben auf ihren Seiten Welpen und kleine Hunde, diese werden gut vermittelt. Aber macht das Sinn, diese Tiere haben auch in Spanien gute Chancen in Spanien vermittelt zu werden.

Dann könnten sehr viel mehr Tiere in Spanien vermittelt werden?

Das sind 2 sehr unterschiedliche Problematiken.

Wieso vermitteln wir deutschen Tierschützer nicht hauptsächlich die Fellchen, die vor Ort keine Chance haben?

Allein aus Deinen beiden obigen Beispiele könnte man Ableiten, dass dies pauschal nicht zutrifft.

Und 'wir deutsche Vermittler' - das gibt es doch eigentlich gar nicht.
Das ist doch keine Einheitstruppe.

Vor lauter Vermitteln bleibt oft keine Zeit mehr an die wesentlichen Dinge zu gehen, Aufklärungsprojekte, Kastration. Man hört immer von Kastrationsprojekten, aber ich kriege selten mit, dass sie durchgeführt werden.

Von wem bekommst Du mit oder nicht?

Vermittlungen nach D sind bekannt, Projekte im Land selbst von dem Verein vor Ort haben nicht immer unmittelbar mit dem deutschen Verein zu tun.

Zeit, Geld, überfüllte Zwinger und Katzengehege. Und wir machen weiter. Wo sind die Erfolge???
Diese sind nicht an Vermittlungszahlen zu messen.

Die Erfolge vor Ort sind nicht an den Vermittlungszahlen der deutschen Vereine zu erkennen.

Im deutschen Tierschutz ist es nicht anders.

Die Probleme sind nicht aus der Welt.
Man kann zur Verbesserung der Lage beitragen.
Manchmal schneller, meistens langsam über viele Jahre.

Genauso mit der Gesundheit, hab ich auch schon angesprochen. Man hört immer, dann würden wir nichts mehr vermitteln, aber man riskiert die Gesundheit der Fellchen, die schon bei den Adoptanten leben.
Die Testung kostet im Labor 30 Euro FIV und Leukose.

Hört man das immer?

Ich höre das manchmal.

Wo ist der richtige Weg?

Der richtige Weg?

Es gibt nicht immer den richtigen Weg.

Es gibt eine Lage vor Ort.
Die Lage kann woanders andere Grundzüge aufweisen.

Das ist der Ausgang, der Start, von da geht es los.

Dementsprechend kann man Ziele formulieren.

Katalonien ist schon sehr weit.

In Deutschland hat sich über die Jahre einiges verändert.

Leider braucht es viel Geduld und Hartnäckigkeit.
 
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Annemone

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  • #53
Ferner sehe ich das so dass an 1. Stelle Kastrationsaktionen stehen. Nur leider gibt es immer Theorie und Praxis. Wenn ich gerade auf dem Weg bin zum Katzen einfangen und ich finde am Straßenrand ein schwer verletztes Kitten dann helfe ich dem, und ich würde es auch nicht fertig kriegen dem kleinen Mäuschen ins Ohr zu flüstern "es tut mir leid ich brauche das Geld für Kastras, wir erlösen dich daher". Jede gerettete Seele ist für mich Tierschutz und auch das freikaufen von Katzen aus der Tötung. Leider ist Tierschutz immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Oder wie ich es schon 1 Million mal hörte: du kannst nun mal nicht die Welt retten. Nein, alleine kann man es nicht. Aber das ist kein Grund aufzugeben. Jeder der mir so nen Mist erzählt tut nämlich selbst gar nichts. Und jeder "kontraproduktive" Tierschutz ist besser als nichts tun.

Ja, wer hinschaut, der muss dann entscheiden - und natürlich würde jeder mit etn bisschen Herz im Leib das gleiche tun wie Du.
Ich muss mich auch manchmal der Kritik stellen, viel Geld für die medizinische Versorgung (TA, Medikamente, Spezialfutter, etc.) für chronisch kranke Katzen-Senioren auszugeben, wo damit doch soviel anderes Tierleid gemildert werden könnte.
Aber es gibt tatsächlich auch die andere Seite, wo wirklich regelmäßig "per Abo" Tiere aus den Ausland von "Tierschützern" regelrecht "importiert" werden, weil sie (weil jung, gesund und hübsch) hier die besseren Vermittlungschancen haben - da finde ich es nicht falsch, so was auch manchmal kritisch zu hinterfragen.
Was tun für den Auslandstierschutz könnte ja auch bedeuten dort gute Tierheime finanziell zu unterstützen - oder eben auch Organisationen, die sich für Kastrationsprojekte einsetzen. Ich bin da jedenfalls ein bisschen "gespalten", ob es da ein klares richtig oder falsch gibt und finde es gut, dass man das hier diskutieren kann, ohne gleich verbal am nächsten Baum aufgehängt zu werden.
 
dagmar.b

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  • #54
Ich glaube, keiner würde hier ein Wesen in Not liegen lassen. Keiner ein Tier in schrecklichen Verhältnissen zurück lassen.
Aber welche Bereiche sind wichtig, in denen man gemeinsam etwas bewirken kann?
Politisch...sicher. Das dauert, sollte aber auch nicht vergessen werden.

Beschreibt ihr doch mal, was, egal wo, gemacht wird außer "Vermitteln".

Ich wollte mich hier mal Kastraaktionen anschließen, wurde aber gar nicht so gewünscht.

Na ja, vielleicht tun sich ja noch gute Ideen auf, die gemeinsam angepackt werden können.:)
 
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  • #55
Wie sollte es auch sonst laufen?

Wer würde sich anmaßen, entscheiden zu wollen, wofür sich Menschen einsetzen, wem sie Hilfe zukommen lassen in einer Notlage?

Wer würde sich hinstellen und ihnen sagen, Du mußt da wegschauen?

Das sind theoretische Spielereien.

Es gibt keinen allgemeinen Spendentopf, der von wem auch immer verteilt werden könnte.

Den es einfach so mal eben gibt.

Alles privates Geld von meist einzelnen Privaten für einzelne Private.
Ob Vereine oder Einzelkämpfer.

In dem Zusammenhang möchte ich loswerden, wie sehr mich der Begriff 'betteln gehen' als Bezeichnung für 'Spenden sammeln' nervt.

Das ist für mich so falsch und negativ.
Eigentlich sogar noch eine Abwertung der Spender quasi als 'Almosengeber'.

Ohne monetäre Unterstützung käme kaum ein 'größeres' Projekt über die Planungsphase hinaus.

Tiere zu unterstützen ist - angesichts der überwältigenden Masse, der Flut der alljährlichen Kittenwelle - immer auch ein Tropfen.

Aber diese Tropfen sind es, die den Stein höhlen.

Ja, das dauert meist.

Rickies Beispiel vom OC, habt Ihr mal gerechnet wie lange es gedauert hat, bis sie da waren, wo sie jetzt sind?

Übrigens, viele 'Auslands-Orgas' sind auch in Deutschland für Katzen aktiv.
 
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nandoleo

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  • #56
Dagmar, ich denke, dass man in ganz kleinen Bereichen auch etwas bewirken kann. Das ist vielleicht nicht spektakulär und hört sich trivial an, aber schon allein die Tatsache, dass man die Menschen, mit denen man es im täglichen Leben zu tun hat, dazu bewegt, Althergebrachtes zu überdenken hilft letztendlich den Tieren.

Kleines Beispiel: Eine Kundin hat mir erzählt, dass eine ihrer drei Katzen ständig ihr Fell ausrupft. Ich hab die Kundin zu unserer TÄ geschickt. Ergebnis: Getreideallergie! Umstellung auf getreidefreies Nassfutter ist zwingend erforderlich. Solang ich diese Kundin bedient und nebenher über die Möglichkeiten der Umstellung gesprochen habe, haben sich zwei weitere Kundinnen ins Gespräch eingemischt und ihren Wunsch bekundet eigentlich auch gerne Katzen zu halten, es aber aus bestimmten Gründen scheitert.

Inzwischen war eine der beiden, damals anwesenden, Kundinnen im Laden und hat mir stolz Bilder ihrer zwei erwachsenen Wohnungskatzen gezeigt, die sie aus dem nahen Tierheim adoptiert hat." Ohne das Gespräch hier im Laden, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass man Katzen auch in der Wohnung halten kann und dass erwachsene Katzen soviel Freude machen." so die Kundin.

Über solche Sachen freu ich mich. Das sind winzige Kleinigkeiten, aber letztendlich zieht es Kreise.

Ich denke, Tierschutz fängt vor der Haustür an. Jeder, wirklich Jeder, kann auf die ein oder andere Weise einen kleinen Beitrag leisten.
 
thuri

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  • #57
@SChatzkiste
Was ist an dem Begriff Almosen denn so verkehrt. Almosen sind ein freiwillig und ohne Gegenleistung gegebenes Geschenk an jemanden in Not. Und die Bitte um ein solches Geschenk heißt nun einmal betteln (Sprachgeschichtlich stammt das von Bitten)
Ich würde fast das Spenden sammeln als falschen Ausdruck ansehen, weil es wie das Einsammeln von (verpflichtenden) Abgaben daherkommt.
 
Schatzkiste

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  • #58
@SChatzkiste
Was ist an dem Begriff Almosen denn so verkehrt. Almosen sind ein freiwillig und ohne Gegenleistung gegebenes Geschenk an jemanden in Not. Und die Bitte um ein solches Geschenk heißt nun einmal betteln (Sprachgeschichtlich stammt das von Bitten)
Ich würde fast das Spenden sammeln als falschen Ausdruck ansehen, weil es wie das Einsammeln von (verpflichtenden) Abgaben daherkommt.

Es hat einen komplett anderen Hintergrund.

Betteln bedeutet, 1 Person bettelt für sich selbst, eine Katze bettelt um Futter.
Organisiertes Betteln betreibt eine sog. Bettel-Mafia und ist verboten.

Almosen sind die Gaben für einen Bettler.
Oftmals traditionell verbunden mit einem religiösen Hintergrund und daraus bedingt nicht unbedingt ausschließlich selbstlos.

Betteln ist zudem ein verhaltensbiologisches Merkmal.

Kontext ist u. U. negativ besetzt.

Spenden ist für mich etwas anderes.

Organisationen, die um Spenden bitten und den Verwendungszweck ja dokumentieren müssen, ebenfalls.

Es liest sich für mich wenig positiv, wenn eine Orga meint, sie gehe betteln.
 
Rickie

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  • #59
Rickies Beispiel vom OC, habt Ihr mal gerechnet wie lange es gedauert hat, bis sie da waren, wo sie jetzt sind?

Ich lese hier noch mit Interesse mit.
Es hat 15 Jahre gedauert; seit 1998, wo mit 60 Katzen einmal im Monat begonnen wurde.
Seit Oktober also Null Toetungen, seit 1.5 Wochen eigenen OP-Raum, dass wir auch die "Tageskatzen" selber kastrieren koennen. Ich weiss gar nicht, wann wir begannen, Kranken und Kleinen ein voruebergehendes Heim zu bieten.

Zum Betteln:
Wir bitten um eine Spende von $30, denn das sind die Unkosten fuer Kastra und Impfen (Narkose, Medikamente, AB, Schmerzmittel, Impfstoff usw).
Wir bitten auch um Sachspenden wie Benzingutscheine, Papierhandtuecher, Futter usw. Spass macht das nicht.

Z.Z. bewerben wir uns um einen Regierungszuschuss. Da wir konkrete Zahlen und Fakten und konkrete Arbeitsstunden von Freiwilligen vorweisen koennen, sehen wir gute Chancen. Und dieser Grant ist dann kein Betteln, denn schliesslich werden ja der Stadt Gelder erspart mit Toeten oder eigenem Betreiben von TH.

Ich bin nicht prinzipiell gegen Auslandsvermittlung, aber die bringt nicht viel. Ist ein Tropfen auf den heissen Stein und ist eher kontraproduktiv auf lange Sicht. Die Quelle des Uebels muss beseitigt werden. Z.B. statt Geld in Toetungsstationen zu stecken, kann auch eine (mobile) TA-Station eingerichtet werden und vor Ort Katzen kastriert werden. Da es sich in Spanien hauptsaechlich um Streuner handelt, denke ich, koennen die - geimpft - wieder ausgesetzt werden. Auf lange Sicht wird das billiger und resultiert in gesuendere Katzenkolonnien.

Geldspenden an irgendwelche dubiosen Organisationen gebe ich nie. Da gibt es zu viele mit aufgeblasenem Verwaltungs- und Werbungsapparat (PETA z.B.), oder man weiss nicht, wo das Geld konkret bleibt. Entweder ganz direkt was abgeben, am besten in Form von Sachspenden, oder mit der eigenen Arbeitsleistung helfen. Mit mitleiderregenden Blicken hilfsbeduerftiger Tiere wird auch zu viel Unserioeses getrieben.
 
Schatzkiste

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  • #60
Rickie, die Tötungen sind voll, Streunerkolonien sind je nach Standort alles andere als sicher.

Und sichere Standorte sind häufig absolute Mangelware.

Wenn man die Tiere wieder raussetzt riskiert man evt. deren Tötung oder Vertreibung.

Die Anwohner und andere Bürger müssen halt mitziehen.
 
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