Streuner adoptieren - wenn ja, wie gehe ich das am Besten an?

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Hadji

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Hallo liebe Foris,

nachdem mir hier im Forum schon sehr geholfen wurde komme ich heute wieder mit der Bitte um Rat Bitte entschuldigt, der Text ist lang geworden.

Es geht um einen (vermeintlichen) Streuner, den ich letzte Woche verletzt im Tierheim abgegeben habe und mir nun überlege ihn zu adoptieren sofern sicht nicht doch noch ein Besitzer meldet.

Wir haben natürlich eine Vorgeschichte, die im Sommer 2019 beginnt. Mein damaliger Neuzugang Zoe hat den ersten Sommer im Freigang verbracht und sich ganz entgegen ihrer sonstigen, doch recht zickigen Art, von einem riesigen schwarzen Kater becircen lassen. Ich hatte den noch nie zuvor gesehen aber er fand Zoe so toll, dass er sich ihr über Wochen und Meter für Meter genähert hatte bis die beiden friedlich nebeneinander in der Sonne gechillt haben. Immer wieder habe ich ihn mit Zoe zusammen gesehen und das ungleiche Pärchen (meine Zoe ist winzig) wurde nur durch mein plötzliches Auftauchen jäh gestört oder durch meinen Kater Felix, der alles was vier Beine hat und nicht zu unserem Haushalt gehört in die Flucht geschlagen hat.
Der Schwarze hat sich von Felix jedoch nie provozieren lassen sondern zu dessen Leidwesen immer eine Schlägerei vermieden und sich zurückgezogen.

So ging das bis Herbst letzten Jahres, mal war der Schwarze da – nennen wir ihn Romeo – mal habe ich ihn wochenlang nicht gesehen. Ich hatte in der Nachbarschaft herumgefragt, keiner kannte den Kater. Dann ist mein Felix plötzlich schwer krank geworden und verstorben (RiP mein Schatz, ich hab‘ Dich lieb) und auf einmal war auch unser Garten wieder häufiger von Fremd- und Nachbarskatzen frequentiert. Nur Romeo hatte ich nicht oder nur selten gesehen aber auch nicht mehr wirklich auf dem Schirm.

Im Januar diesen Jahres haben wir dann rund um unser Haus Überwachungskameras installiert. Interessant, was sich am Stadtrand so alles an Getier tummelt. Auch Romeo. Ständig, zu jeder Tages- und Nachtzeit und hat auf unserer Terrasse in eine alte Decke gekuschelt geschlafen. Häufig war er in Gesellschaft von Zoe, die nach Felix Tod auf einmal auch Nachts raus ist. Sogar im Winter. Ich war einigermassen fassungslos und da ist mir das erste Mal der Gedanke gekommen, dass Romeo wohl kein Zuhause haben könnte. Die anderen Katzen (bei uns leben Vier) schienen ihn gut zu kennen, man begrüsst sich höflich Nase an Nase und seit es wärmer geworden ist lümmeln alle im Garten rum und geniessen die Sonne.

Mein Mann fand das alles sehr amüsant und ich habe mich wochenlang bemüht, einen Blick unter des Katzers Schwänzchen zu erhaschen (hat er oder hat er nicht) was nicht ganz einfach war weil er mich total doof findet. Aber irgendwann war klar, er hat und der Plan war 1. herauszufinden ob er nicht doch jemandem gehört und 2. das mit den Eiern korrigieren zu lassen. Aber erstmal Vertrauen aufbauen, ganz langsam und Schritt für Schritt. Zu diesem Zweck habe ich versucht ihn mit allem möglichen zu bestechen - nicht mal Thunfisch wollte er haben. Bis er dann eines Tages freiwillig das Haus betreten hat, schnurstracks zu Katzens Spielzeugkiste gelaufen ist und sich sabbernd ein altes Baldriankissen rausgekramt hat. Von da an hatte ich ihn, zwar noch nicht an den Eiern aber immerhin. Mit Kaustängelchen – die guten von Lidl, die so nach Baldrian riechen - haben wir dann ein Morgen- und Abendritual aufgebaut – er kommt, kriegt ein Stängelchen und hält es aus, dass ich ihm nahe komme. Sogar schon am Köpfchen streicheln konnte ich ihn.

Letzte Woche stand er dann morgens an der Tür, völlig zerfleddert und mit einem verletzten Auge. Ich war panisch weil irgendwie nicht richtig vorbereitet und habe im Tierheim angerufen und um Hilfe gebeten. Die waren sehr freundlich und ich konnte ihn vorbei bringen. Jetzt ist er also versorgt, das Auge genäht, kastriert, Zähne gerichtet, Zecken, Flöhe usw. entfernt also komplett runderneuert.

Und was nun? Natürlich würden wir ihn aufnehmen, als Drinnen- / Draussen- oder Halbdraussen-Katze. Je nachdem mit was er sich wohlfühlt. Aber macht es Sinn ihn in sein altes Revier zurückzubringen? Würde er lernen unser Haus als Basis anzunehmen? Er hatte Panikattacken bekommen wenn ich nur kurz die Terrassentüre geschlossen hatte. Wie soll ich ihn unter diesen Umständen ans Haus gewöhnen? Würden wir damit klar kommen, einen Kater zu haben der „fremdgeht“ – schliesslich ist er in seinem bisherigen Leben eigentlich ganz gut zurecht gekommen sonst wäre er nicht so alt geworden – er ist mindestens 8 Jahre alt. Dazu kommt, er ist kein wilder Kater sondern nur scheu und vorsichtig und wäre es daher nicht besser für ihn, irgendwo anders in eine neue Katzengruppe, zu neuen Menschen und in ein neues Revier zu kommen um völlig neu anzufangen? Ich kenne mich mit Streunern überhaupt nicht aus. Wo hat er die besten Chancen? Es würde mir leid tun ihn aufzugeben. Zoe geht seit zwei Tagen nicht mehr in der Nacht raus oder nur ganz kurz und auch die anderen schnüffeln immer wieder seine Lieblingsplätze ab. Aber ich will nicht egoistisch sein und Zoe wird vielleicht einen anderen Freund finden – was ganz einfach wäre, würde sie nicht immer Backpfeifen verteilen.

Mit dem Tierheim habe ich Bedenkzeit vereinbart und werde ihn Anfang nächster Woche dort besuchen und die nächsten Schritte besprechen . In zwei Wochen verreisen mein Mann und ich für ein paar Tage. Das TH würde ihn solange in einer Gruppe mit kleinem Aussengehege behalten so dass wir ihn danach entspannt abholen können.

Was meint Ihr?

Liebe Grüsse
 
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Cat_Berlin

Cat_Berlin

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Hey, ich würde ihn auf jeden Fall abholen und wieder mitnehmen.
Ob er bei Euch drinnen wohnen möchte mit Freigang oder vielleicht lieber draußen mit Option reinzukönnen, falls er will, sollte ihm überlassen bleiben. Aber warum ihn dort wegholen, wo er sich ja seit Jahren gerne aufhält?
Und Deine Katzen verstehen sich mit ihm doch auch.
Ich wüsste nicht, was dagegen spräche.
 
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ferufe

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Hallo,

ich würde ihn auch so schnell wie möglich holen und ihn entscheiden lassen. Er hat euch gefunden unsd ausgesucht, besser geht es doch nicht. Deine Katzen suchen ihn, sie vermissen ihn, hole ihn! warte nicht länger, er gehört doch schon zu euch - warum soll er warten dort einzuziehen wo er hingehört?;) Warum übers Wochenende noch im TH sitzen? Bring ihn heim!
VG
 
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Onni

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Noch eine Stimme für "hol ihn". 🙂

Du hast doch bis jetzt schon alles so toll gemacht und hinbekommen, zweifel nicht so an dir selbst.

Ich habe unseren Fundkater auch aufgenommen/wiedergenommen? 😂 und bei euch sind noch viel bessere Vorraussetzungen, wie sie hier damals waren.
 
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Amalie

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Holen und wieder nach draußen lassen. Er wird sich dann im eigenen Tempo annähern. Eigene Streuner ist wirklich ideal. Alle kennen sich schon und früher oder später wird er mit ins Haus laufen.
 
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sMuaterl

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Das ist genauso wie bei unseren Flitzi - auch 8-9 Jahre alt und auch eigentlich immer schon in unserer Nähe, aber furchtbar ängstlich. Und jetzt - endlich - seit knapp einen Monat kastriert, gechippt, versorgt, ...
Nachdem bei uns noch das Problem war, dass er an unserer Chip-Katzenklappe registriert werden musste und die ein paar Tage gebraucht hat, bis sie gekommen ist, habe ich ihn nach dem Tierarztbesuch in einem relativ kleinen Zimmer ohne große Versteckmöglichkeiten eingesperrt. Das hat ihn natürlich nicht gefallen, aber ich habe mich zu ihm gesetzt, mit ihm geredet und ihn mit gutem Futter und ganz viel Schleckpaste bestochen - die liebt er über alles. Mit der Zeit konnte ich ihn dann streicheln und nach dem ersten Schreck hat es ihm wohl auch gefallen.
Nachdem er bei der Katzenklappe registriert war, habe ich ihn raus gelassen und erst Mal einen Tag und eine Nacht nicht mehr gesehen. Aber am zweiten Tag war er dann wieder da und inzwischen kommt er auch wieder durch die Klappe ins Haus. Wenn er nicht rein kommt, füttere ich ihn mit normalen Futter draußen, wenn er rein kommt, bekommt er Schleckpaste und Dreamies. Und ich habe das Gefühl, so langsam wird er häuslich. Es gibt Tage, da ist er kaum draußen.

D.h., ich pflichte den anderen bei - zu dir holen und raus lassen. Ich würde wetten, dass er so ganz langsam ganz zu euch kommt.
 
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Hadji

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Vielen lieben Dank für Eure Rückmeldungen. Ihr seid ja recht einhellig :)

Also gleich holen geht leider nicht - erst müssen die Fäden gezogen werden. Am Montag gehe ich ins TH und werde nochmal mit denen reden. Die Tierärztin hatte von Mitte der Woche als frühstmöglichem Termin gesprochen. Das kommt dann verdammt nah an unseren Urlaub und kurz vorher wieder raussetzen mag ich ihn nicht. Dann muss er leider warten bis wir wieder da sind und alles vorbereiten können.

Das mit der Katzenklappe einprogrammieren ist eine prima Idee, vielleicht könnte ich ihn durch diese rauslassen, dann ist er registriert und kann rein wenn er möchte - er weiss, dass unsere Katzen da immer durch verschwinden und ist ihnen auch schon oft hinterher gelaufen.

Vielen Dank nochmal, ich berichte wenn es was Neues gibt.
 
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sMuaterl

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Sehr gute Idee :) Wenn ich es richtig lese, ist ja eure Zoe derzeit alleine und so würde sie (evtl. mit der Zeit) wieder einen Kumpel bekommen, den sie sich eh schon selbst ausgesucht hat.
Ich denke auch, dass du bis nach eurem Urlaub warten solltest - sonst ist das für Romeo doch etwas verwirrend. Und vielleicht wird er ja auch schon im Tierheim etwas zutraulicher.
Ich weiß nicht, ob das relevant ist, aber wurde bei ihm ein "großer" Bluttest auch auf Viren gemacht (auf FIV, FIP, FelV)? Denn, auch wenn sich die Katzen bereits nahe gekommen sind, fand ich es beruhigend zu wissen, dass da nicht irgendeine Ansteckungsgefahr da ist.
Bzgl. der Katzenklappe kann ich nur raten ihn zu registrieren, bevor du ihn wieder raus lässt. Bei unseren Flitzi war das nämlich ein hartes Stück Arbeit (ich habe hier Streuner ohne Falle einfangen? drüber geschrieben) und nach seinen jetzigen Erfahrungen würde ich ihn nicht noch ein zweites Mal fangen können.
 
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Katzenliebhaberin77

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Auf jeden Fall zurückholen❤️ er scheint dir ja schon zu vertrauen und wahrscheinlich würdest du dich immer fragen, was aus ihm geworden ist.
Uns ist ja auch eine Streunerle zugelaufen.
Wir haben sie kastriert (und alles drum und dran) und nach sechs Wochen die Türen aufgemacht.....und sie ist geblieben.Sogar als Schönwetterfreigängerin😁
Wir haben es trotz aller Bedenken noch nicht eine Sekunde bereut .Das unten ist sie heute🥰
 

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Hadji

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@katzenliebhaberin 77 - so ein Foto möchte ich von Romeo auch gerne haben :love:

@sMuaterl – Zoe lebt nicht alleine bei uns, wir haben noch zwei Kater und eine weitere Katzendame. Zoe ist leider nicht sehr selbstbewusst und eigentlich ein typisches Mobbingopfer. GsD mobben unsere anderen Katzen nicht. Bela checkt jeden Abend von Neuem ab ob er von ihr zur Begrüssung ein Küsschen oder eine Kopfnuss bekommt, Yuki wird nicht müde sie zum Fangenspielen herauszufordern (meistens klappt es nicht) und Lasse liebt sowieso alle Katzen. Aber sie lässt sich auf keinen der Drei wirklich ein. Deswegen war ich ja auch so überrascht, dass Romeo es tatsächlich geschafft hat ihr so nahe zu kommen.

Ein grosses Blutbild werde ich machen lassen sobald Romeo sich uns tatsächlich angeschlossen hat. Ich lasse meine Tiere einmal im Jahr testen, einfach um Bescheid zu wissen und ggf reagieren zu können. Ich glaube für alle Halter von Freigängern ist dieses Thema ein ständiges „Klopf-auf-Holz“.

Ich habe Deine Geschichte mit Flitzi durchgelesen. Ich denke wir haben wirklich einige Parallelen zu Romeo. Ähnliches Alter, ähnliche nicht allzu schlechte Verfassung. Irgendwo in unserem Viertel werden die Katzen gefüttert – ich glaube es gibt immer Leute die das tun deshalb ist es ja auch so schwierig Streuner als solche zu erkennen. Nur das mit dem Transportkorb war sehr viel einfacher – er kannte so was schlicht nicht und ist völlig arglos seinem Baldriankissen hinterher getappert. Er hatte sich auch gar nicht arg aufgeregt. Kurz hat es in der Box gerappelt, dann war er ganz ruhig.
Eure Geschichte mit Flitzi ist ja auch ganz aktuell - ich wünsche Euch ganz viel Erfolg!
 
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