Plattenepithelkarzinom - infauste Prognose - noch Freigang?

Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen

Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.
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Teddybaer

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Hallo @all,

ich bin neu hier im Forum und habe mich angemeldet, weil ich mal einen Rat bräuchte.

Mein erster Kater (kam als Kitten zu mir) wurde 15 Jahre alt und blieb Zeit seines Lebens von Krankheiten verschont. Er lag irgendwann tot im Keller, ohne dass es vorher Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung gab. Im Nachhinein kann ich nur vermuten, dass es vielleicht eine Nierenerkrankung oder Diabetes war, da er die letzten paar Tage seines Lebens mehr getrunken hatte als sonst.

Danach war ich 7 Jahre katzenfrei und kam erst Ende 2012 über Umwege zu einer Katze. 2011 zog eine Frau samt Katze in die Nachbarschaft, die ihr wohl mal zugelaufen war. Die Katze lag immer viel auf unserem Grundstück - die Nachbarin kümmerte sich nur wenig um ihr Tier. Als die Nachbarin irgendwann wegen Sozialbetrugs Ärger mit den Behörden bekam, machte sie sich in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Staub und lies die Katze zurück. Daraufhin habe ich sie aufgenommen.

Als ich zum ersten Mal zum Impfen und Chippen zum Tierarzt war, wurde sie auf ca. 7-8 Jahre geschätzt. Sie ist immer eine Freigängerin gewesen - habe daher wieder eine Katzenklappe eingebaut.

So vergingen die letzten 1 1/2 Jahre relativ unspektakulär - Tweety (so heißt sie) hat sich hier gut und schnell eingelebt und ist ein sehr braves und ruhiges Kätzchen. Sie kannte wohl schon viel, da sie direkt wusste, wie die Katzenklappe funktioniert. Im Winter ist sie auch immer auf die warme Fensterbank gesprungen, ohne irgend etwas runter zu schmeißen. Bis auf eine gewisse Grundängstlichkeit, die wohl aus schlechten Erfahrungen ruht, ist sie eine total unkomplizierte Katze. Dagegen war mein Kater früher ein richtiger Rabauke.

Die letzten Wochen ist mir dann aufgefallen, dass sie immer weniger Trockenfutter frisst, fast nur noch ihr Nassfutter. Anfangs dachte ich mir nichts dabei, da sie schon immer ihre Phasen hatte und wählerisch beim Essen war. Sie hat nie riesige Mengen verschlungen, hielt aber ihr Gewicht konstant bei 4 bis 4,2 kg - aufgrund ihrer ruhigen Art hat sie wohl nicht viel gebraucht.

Als ich dann am Sonntag am Napf gesehen habe, dass sie das Trockenfutter nur weich lutscht und dann schluckt anstatt zu beißen, bin ich Montag morgen direkt mit ihr in die Tierklinik gefahren (normale Tierärztin hatte Urlaub). Ich dachte an eine Entzündung im Maul oder einen kaputten Zahn (davon hatte sie einen, als ich sie "übernommen" habe, der dann entfernt wurde). In der Tierklinik sah man zuerst nur, dass die Zunge etwas schief ist - tiefer schauen lies Tweety nicht zu. Daher wurde gegen Mittag unter Sedierung nachgeschaut und ein Tumor hinter der Zunge gefunden. Der Arzt rief an und fragte, was wir tun möchten. Laut seiner Aussage wurde noch die Lunge geröntgt, aber keine Metastasen gefunden - daher könne er noch versuchen, den Tumor von außen zu entfernen, was aber schwierig sei. Da ich mir später nicht vorwerfen wollte, nicht alles versucht zu haben, stimmte ich für die OP.

Abends konnte ich Tweety abholen - der Arzt sagte mir, er konnte den Tumor nur zur 90% entfernen - er würde wieder nachwachsen, egal ob gut- oder bösartig. Zumindest sei noch etwas Zeit für die Katze gewonnen. Die OP hat sie gut überstanden, konnte aber Dienstag aufgrund der Schmerzen nicht essen oder trinken.

Mittwoch bin ich dann zu einem anderen örtlichen Tierarzt, da Tweety ihr Amoxicillin und Metacam immer ausspuckt hat, wenn ich es ihr in den Mund geben wollte. Beim Tierarzt bekam sie das Amoxicillin und ein anderes Langzeit-AB gespritzt und Metacam ebenfalls als Spritze. Als die Schmerzen nachließen, hat sie wieder mit Fressen angefangen. Auch sonst ist sie seither wieder lebhafter. Habe ihr zudem ReConvales gekauft, was sie unters Essen bekommt.

Heute kam der Anruf der Tierklinik, dass der pathologische Befund da ist. Wie vermutet ist der Tumor bösartig - Plattenepithelkarzinom. Laut Erfahrungswerten sind wohl nur ein paar Wochen gewonnen, da der Tumor wieder schnell wachsen werde. Mehr kann man jetzt nicht mehr machen. Hätte ich das am Montag gewusst, hätte ich ihr die OP erspart - aber es bestand ja Hoffnung, dass ggf. alles entfernt werden kann. Auch hat sie immer viel Haare verloren, weil sie ein flauschiges Fell hat - aber jetzt, wo sie krank ist, wird es mehr.

Ich vermute mal, Tweety ist schon älter, als sie vor 2 Jahren geschätzt wurde. Wie im Internet steht, ist ein genaues Schätzen bei ausgewachsenen Katzen quasi unmöglich. Da sie schon immer ruhig war, viel gelegen und geschlafen hat, dachte ich, es wäre halt ihre Art. Aber vermutlich liegt es daran, dass sie schon eine Seniorin ist, die nun eine heimtückische Krankheit bekommen hat. Zuerst war ich nach der Diagnose geschockt - inzwischen bin ich aber froh, dass sie ihre letzte Lebenszeit hier verbringen konnte/kann und es ihr gut ging und an nichts fehlte.

Montag ist unsere normale Tierärztin zurück und dann gehe ich hin, um zu besprechen, wie es nun weitergeht. Mein Wunsch ist, dass Tweety ihre letzten Lebenswochen schmerzfrei verbringen kann und noch etwas Lebensqualität hat. Sobald der Tumor wieder gewachsen ist und die Nahrungsaufnahme und Atmung erschwert, möchte ich, dass sie erlöst wird, weil es sonst nur Qual wäre.

Tweety hatte immer Freigang, auch wenn sie sich meist rund ums Haus aufgehalten und irgendwo an einem warmen Platz gelegen hat. Sie soll jetzt bis zum Fäden ziehen im Haus bleiben - das ist nächsten Donnerstag. Momentan ist sie sehr unglücklich, da sie sich wohl fit fühlt und raus möchte - sie rennt durchs ganze Haus und hofft, dass sich irgendwo eine Tür öffnet. Ihre Katzenklappe ist zugestellt. Irgendwie tut mir das leid, weil ich es als Qual empfinde, sie in der letzten Lebenszeit noch einzusperren, wo sie doch so gerne draußen ist.

Andererseits hab ich auch Angst, dass sie, sobald sie wieder Freigang hat, irgendwann nicht mehr nach Hause kommt, wenn es mit ihr bergab geht. Es gibt ja Katzen, die sich zum Sterben verstecken und nicht gefunden werden wollen. Das stelle ich mir aber schlimm vor, da sie dann irgendwann qualvoll ersticken würde. Ich kann nur hoffen, dass sie immer zurück kommt und ich rechtzeitig merke, wenn es mit ihr bergab geht - damit ich die Tierärztin anrufen kann, damit sie vorbeikommt und Tweety erlösen kann.

Was würdet ihr machen? Freigang gewähren und riskieren, dass sie irgendwann nicht mehr zurück kommt oder die restliche Zeit im Haus halten, was aber für Tweety auch Quälerei wäre, da sie total unglücklich ist?

Wer möchte, findet hier noch ein paar Bilder der letzten 2 Jahre von Tweety: https://drive.google.com/folderview?id=0B1Xwno_O1NmYekJmV19JX3FxelE&usp=sharing

Bedanke mich im voraus für Antworten und wünsche allen ein schönes Wochenende.
 
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steinhoefel

steinhoefel

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Schöne Miez, mir gefallen die weiß/blau-grauen schon immer gut.
Wir hatten vor 4 Jahren bei einer unserer Katzen exakt die selbe Diagnose, sogar an der selben Stelle.
Nachdem wir das Ergebnis der Gewebebiopsie abgewartet hatten, haben wir uns gegen eine OP entschieden.
Gegen Ende war dann nicht das fressen ein Problem sondern dass die Katze lange vorher schon nicht mehr trinken konnte, putzen ging natürlich auch nicht mehr.
Gefressen hat sie gut, natürlich gabs nur noch Nassfutter und Rohfleisch, Hühnchen ging z.B. bis zum Schluß.
Halte uns für verrückt aber in den letzten 6 Wochen haben wir ihr 2x wö. subcutan Flüssigkeit infundiert ( habe ich selbst gemacht) damit sie nicht austrocknet.
Lebensqualität hatte sie bis zum Schluss und raus durfte sie auch, die letzten Tage aber nur noch unter Aufsicht.
Sie wollte aber auch nicht mehr lange raus, nur noch ihren Garten inspizieren.
Für uns war klar wenn sie Schmerzen haben sollte werden wir sie gehen lassen, allerdings hatte wir nie den Eindruck.
Erst als sie nicht mehr fressen konnte haben wir uns entschieden sie einschlafen zu lassen,
bis dahin zeigte sie uns auch deutlich dass sie leben will.
Ab diesem Tag dann zog sie sich plötzlich zurück und es war klar dass es Zeit war sie gehen zu lassen.
Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen und wünsche dir noch viel Zeit mit deiner Kleinen.
 
diddly

diddly

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Plattenepidelkarzinom

Hallo, dies ist eine sehr traurige Diagnose.
Mein Hund ist daran gestorben, er hatte auch einen plattenepidelkarzinom im Maul. Konnte noch operiert werden und innerhalb von 3 Wochen ist er so stark gewachsen, dass er nicht mehr fressen könnte.
Es kann leider bei Katzen vorkommen, dass sie sich verkriechen und sich zum Sterben irgendwann zurückziehen.
Ich würde versuchen sie evtl. Nur begrenzt rauszulassen und sehr genau darauf achten, dass sie jeden Tag über Nacht zu Hause ist.
Vielleicht hast Du noch ein paar Wochen, leider ist diese tumorart sehr schnell wachsend.
Viel Glück und genießt die Zeit mit der kleinen und lasst sie spüren, das ihr da seit.
Vielleicht zeigt sie Euch auch irgendwann, wenn sie nicht mehr will oder kann.
 
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Teddybaer

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Danke für eure Antworten.

Nachts ist sie sowieso meistens im Haus und liegt entweder bei mir auf dem Bett oder in ihrem Katzenbett. Vielleicht sollte ich dann zur Vorsicht die Katzenklappe nachts zumachen und sie nur tagsüber rauslassen.

Mit dem begleiteteten Freigang ist so eine Sache - Tweety ist sehr schnell. Wenn sie draußen einmal Gas gibt, ist sie weg. Sie kommt zwar immer wieder zurück - habe nur Bedenken, dass sie irgendwann nicht mehr kommt, wenn es mit ihr bergab geht. Ich werde das Risiko wohl eingehen müssen, weil ich es auch für schlimm finde, sie in ihrer letzten Lebenszeit noch einzusperren.

Können das Amoxicillin und Metacam eigentlich Verstopfung verursachen? Tweety macht normal ihr großes Geschäft immer draußen und nutzt das Katzenklo im Haus nur ab und zu fürs kleine Geschäft. In der Nacht nach der OP hatte sie noch Durchfall und seither kein Stuhlgang mehr. Da sie seit Mittwoch wieder mehr isst, kommt das hoffentlich spätestens am Wochenende. Sonst muss ich sie deswegen am Montag direkt zur Tierärztin mitnehmen. Urin macht sie regelmäßig und Flüssigkeit nimmt sie durch Nassfutter und Wasser auf - ich hoffe genug, ist aber auch nicht weniger als vorher auch.

Putzen konnte sich Tweety noch letzte Woche - sie hat nur nicht mehr so gegähnt wie sonst und die Probleme beim Trockenfutter. Momentan geht das Gähnen und Trockenfutter wieder. Wird aber dann bald erneut vorbei sein, wenn der Tumor wächst.

Ich werd sie genau beobachten und dann hoffen, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wo es dann nicht mehr geht.
 
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