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Erkältungen bei Katzen Alles zu Katzenschnupfen und Erkältungen bei Katzen


Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen
Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.

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Alt 01.04.2013, 18:48   #1
FrauFreitag
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Standard FAQ - Atemwegsinfektionen, Erkältungen, Katzenschnupfen & Co.

... da ich jetzt schon mehrfach darum gebeten wurde und auch ständig Anfragen bzw. Bitten um Hilfe bekomme, habe ich mal ein "kleines Textchen" zum Thema verfasst - in der Hoffnung, dass es hilft! Korrekturen, Verbesserungen, Anregungen, Wünsche etc. - gerne her damit!

Die Links überprüfe ich hin und wieder einmal - sollten sie einmal nicht mehr funktionieren, bitte melden und/oder nach dem Titel suchen, den ich meist mit angebe. Oft findet man die Artikel/Arbeiten noch an anderer Stelle im Netz


Gliederung:
1. Vorwort
2. Definition Katzenschnupfen(komplex)
3. Die Nase läuft, die Augen sind zu, der Hals kratzt, die Katze röchelt: Erkältungen bei Katzen - Die Symptomatik.
2.1 Exkurs: Impfungen
4. Ursachenfindung und Diagnostik
4.1 Exkurs: Was ist ein Antibiogramm?
5. Behandlung
5.1 Exkurs: Zoonose oder nicht?
5.2 Der Mythos des "chronischen Katzenschnupfens"
6. Eklatante Behandlungfehler, die es zu vermeiden gilt
6.1 Achtung Gefahr - Cortison & Antibiotika-Cortison-Gemische bei Erkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex
6.2 Exkurs: Cortison - Was ist das?
7. Praktische Hinweise zu einer möglichen Medikamentation
8. Bindehautentzündungen - ebenfalls ein Krankheitsbild des Katzenschnupfenkomplexes


1. Vorwort

Ich, der Verfasser, bin kein studierter Tierarzt und lediglich medizinischer Laie. Meine hier dargelegten Informationen spiegeln deshalb meinen Wissenstand dar, den ich mir aufgrund einer schweren Infektion meiner Asthmakatze Zora autodidaktisch angeeignet habe unter Zuhilfenahme von jeder Menge wissenschaftlicher Literatur, in Gesprächen mit Vet-Med- und Hum-Med-Ärzten usw. und natürlich auch auf Basis von eigenen Erfahrungen, aus denen ich gelernt habe.

Ich habe mich bemüht, alles nach bestem Wissen und Gewissen darzulegen und zusammenzufassen. Darüber hinaus war ich bestrebt, alle dargelegten Fakten mit (am besten offen im Netz zugänglichen) wissenschaftlichen Quellen zu belegen. Alle Aspekte, die ich trotz umfangreicher eigener Studien nicht (er)klären konnte, habe ich dementsprechend kenntlich gemacht - will sagen: Ich habe keinerlei Behauptungen als Fakten dargestellt, war ich mir mit Einzelnem nicht sicher, steht das genauso hier drin.

Trotz allem kann ich natürlich keine Garantie auf (vollständige) Richtigkeit geben. Das FAQ hier ist und bleibt "work in progress", sprich: Immer, wenn es mir meine Zeit erlaubt, werde ich es ergänzen, wo es noch ergänzt werden kann und/oder wo neue Forschung(sergebnisse) vorhanden ist, Studien und ähnliches.

Dieses kleine Nachschlagewerk, diese Zusammenfassung ersetzt deshalb keinen Tierarztbesuch!

Es möchte aber – sensibilisieren. Und ermuntern, als Katzenhalter selbst Verantwortung zu übernehmen. Umsichtig zu sein, sich zu informieren und die Behandlung des eigenen Tieres aktiv zu begleiten - und gegebenenfalls die Möglichkeit zu haben, zu erkennen, dass eine zweite tierärztliche Meinung vonnöten ist oder vielleicht auch ein Tierarztwechsel.

Meine eigenen Erfahrungen mit Zora haben es mich gelehrt und das Forum hat es mir bestätigt mit den ständig wiederkehrenden gleichen unzureichenden oder gar falschen Behandlungen des Katzenschnupfenkomplexes, der weiß Gott keine Tropenkrankheit ist sondern eine der häufigsten Krankheiten bei Katzen: Viele Tierärzte scheinen mit dem Katzenschnupfenkomplex überfordert zu sein. Über die Gründe mag man mutmaßen, Fakt ist aber, dass ich jedem nur empfehlen kann, selbst Verantwortung für sein Tier zu übernehmen und dem behandelnden Tierarzt wissend und (einigermaßen) kundig entgegenzutreten, um fehlerhaftes Vorgehen (mangelnde Diagnostik, suboptimale Behandlung etc.) zu vermeiden oder schnell zu erkennen und dann daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen - zu Gunsten des eigenen Tieres.


1. Definition Katzenschnupfen(komplex)

Widmen wir uns zuallererst einmal der genauen Definition:

Zitat:
"Katzenschnupfen ist eine Sammelbezeichnung für ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute des Kopfes bei Katzen. Synonym verwendet werden die Bezeichnungen infektiöse Katzenrhinitis, Katzenpneumonitis, cat flu und Rhinotracheitis infectiosa felis. Es handelt sich hierbei also um einen Symptomkomplex, der durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen wird, und Nase, Maulhöhle und Augen betrifft.
Beteiligte Erreger sind verschiedene Viren (Herpes- und Caliciviren) und Bakterien (Chlamydien, Bordetellen und Mykoplasmen). Da die Erreger sich gegenseitig begünstigen und damit parallel auftreten können und Behandlung und Bekämpfung dieser Erkrankungen etliche Gemeinsamkeiten aufweisen, ist diese Sammelbezeichnung dennoch berechtigt." Quelle:Wikipedia
Zitat:
"Katzenschnupfen ist ein Sammelbegriff für ansteckende Erkrankungen der Atemwege bei Katzen. Andere Bezeichnungen für Katzenschnupfen sind infektiöse Katzenrhinitis, Rhinothracheitis infectiosa felis, cat flu, feline upper respiratory disease (FURD) und Katzenpneumonie (Hartmann, Hein 2002).

Erreger: Der Symptomkomplex Katzenschnupfen kann durch unterschiedliche Erreger ausgelöst werden. Zu diesen Erregern gehören neben Viren (Herpes - und Caliciviren) auch Bakterien (Bartonellen, Bordetellen, Chlamydien und Mykoplasmen).

Dem Katzenschnupfen liegen in der Regel Infektionen mit mehreren Erregern zu Grunde, die sich gegenseitig begünstigen. Atemwegserkrankungen bei der Katze sollten daher stets als multifaktorielle Geschehen betrachtet werden (Huebner 2008)." Quelle:Vetion.
Zitat:
"Katzenschnupfen ist zunächst einmal eine Sammelbezeichnung für ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute der Katze. Es handelt sich hierbei also um einen Symptomkomplex, der durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen wird und Nase, Maulhöhle und
Augen betrifft
. Beteiligte Erreger sind verschiedene Viren sowie Bakterien und Pilze." Quelle: Laboklin 2013.
--> Hierzu sei bemerkt: Die Behandlung mit dem antibiotischen Wirkstoff Enrofloxacin ist nicht mehr zeitgemäß, es ist davon dringend abzuraten. Dazu mehr/Gründe siehe Kapitel 6.

Ausgewählte weitere Literatur zum Ein-/Nachlesen:
- "Untersuchung verschiedener klinischer, hämatologischer, serologischer und immunologischer Parameter bei Katzen mit Katzenschnupfen" - Doktorarbeit von Christian Bildhauer, Universität Gießen 2001; siehe hier.
- "Was ist, wenn es nicht das Herz ist? Krankheiten der Atemwege bei Hund und Katze" - Deutsche Gesellschaft für Kleintiermedizin Arbeitstagung 2008, diverse Autoren vertreten mit Aufsätzen; siehe hier.
- "Neues zum Katzenschnupfenkomplex" - Dr. Bianka Schulz (Pneumologin an der Vet-Med-Uniklinik der LMU München) 2008; siehe hier.

Deutsche Vet-Med-Fachbücher/-Standardwerke über Google Books - teilweise online lesbar:
- "Infektionskrankheiten der Katze" - Katrin Hartmann & Jutta Hein (Standardwerk! Hartmann ist Leiterin der Vet-Med-Uniklinik der LMU München); siehe hier, Seite 62ff.
--> Des Weiteren kann man mal bei Google Books "fahnden" nach folgenden renommierten Autoren: Horzinek, Kraft.

Englische Literatur:
- "UPDATE ON FELINE UPPER RESPIRATORY DISEASES" - Dr. Michael R. Lappin, Colorado State University; siehe hier.
- "Update on Feline Upper Respiratory Diseases: Introduction and Diagnostics" - Jessica Quimpy & Dr. Michael R. Lappin; siehe hier.
- "Dyspnoea in Cats" - Dr. Danièlle Gunn-Moore (bekannte Atemwegsspezialistin); siehe hier.

Geändert von FrauFreitag (08.07.2016 um 04:07 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 18:49   #2
FrauFreitag
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Bei Asthmakatzen ist darüber hinaus Folgendes zu beachten:
Fallen Symptome der Augen und Nase weg, ist die Infektion bei einer Asthmakatze oftmals schwieriger zu entdecken, da ja ohnehin Atemwegsprobleme vorhanden sind. Häufig denkt man, es handle sich um eine eventuell temporär/saisonale Verschlechterung des Asthmas.
Deutliche Zeichen für das Vorhandenseins einer weiteren Erkrankung sind:
- Die Symptomatik ist plötzlich (und vielleicht auch sehr intensiv) aufgetreten
- Eine mehr als zwei Wochen andauernde Erhöhung des inhalativen Cortisons, eventuell inklusive zusätzlicher Bronchienerweiterer, erbringt bei einer vormals stabil medikamentös eingestellten Katze keinerlei Verbesserung, ganz im Gegenteil →
- Die Symptomatik verschlechtert sich rapide und signifikant
Eine rapide, signifikante Verschlechterung, die trotz anfänglich erhöhtem Einsatz von inhalativen Medikamenten (Flutide/Cortison, evtl. kombiniert mit Serevent/Salmeterol und im Bedarfsfall Sultanol/Salbutamol) nicht besser wird und/oder sich weiter verschlechtert, deutet verlässlich auf ein akutes sekundäres Geschehen hin, das sehr häufig bei Asthmakatzen vorkommt. Diesem Verdacht nicht nachzugehen kann schnell lebensgefährlich werden!

3. Ursachenfindung und Diagnostik.

Wie schon oben erwähnt - Katzenschnupfen ist eine Allerweltskrankheit. Er tritt relativ häufig auf und ist meistens für Atemwegserkrankungen zuständig.
Sicher - es gibt auch andere Krankheiten, die hinter plötzlichem Husten, Röcheln, Schnupfen etc. stecken können. Statistisch betrachtet sind diese aber seltener und betreffs ihrer Diagnostik auch komplizierter, das heißt das normale Vorgehen ist ohnehin jenes, dass man vorab eine Erkrankung des Katzenschnupfens ausschließt bzw. versucht zu diagnostizieren.

Der Vollständigkeit halber möchte ich einige Erkrankungen nennen, die ebenfalls zu Atemwegssymptomen führen können, die aber für uns hier jetzt keine weitere Rolle spielen werden:
- Pleuraerguss/Lungenödem - deutet oft auf Herzerkrankung hin
- Herzerkrankungen (zu deren Diagnostik ein Herzultraschall mit Farbdoppler nötig ist)
- Lungenwürmer (zweifelsfreie Diagnostik meist mittels Lavage)
- mykotischer Befall (Pilze - z.B. Aspergillus; extrem selten bei Katzen; eine Anlaufstelle dafür wäre z.B. die Uniklinik Leipzig, die sich sehr gut mit Veränderungen der Nase bzw. Korrekturen auskennt)
- Mycobaterium tuberculosis (sehr sehr selten) – Tuberkulose, Achtung: ansteckende Zoonose!
- Umfangsvermehrungen jeglicher Art, Verwachsungen, Polypen, ...
- mechanische Verletzungen, Traumata, ...
- felines Asthma oder chronische Bronchitis (wird per Ausschlussdiagnose diagnostiziert - ein Bestandteil derselben ist das rigorose (!) Ausschließen von einer vorliegenden Infektion viraler und/oder bakterieller Natur)

Kommen wir nun zur Diagnostik:

Blutbild

Ein Blutbild ist immer sinnvoll in einem solchen Fall, da sich die meisten Infektionen auch in den Blutwerten niederschlagen.
Links zum Verständnis des Themas und der Bewertung von Blutbildern:
http://www.catgirly.info/Krankheiten...tersuchung.htm
→ Ist zwar zum Thema FIP (eine der besten Seiten dazu), allerdings gibt es eine detaillierte Erklärung der einzelnen Blutwerte, deren Funktion und Aussagekraft
http://www.med4you.at/laborbefunde/laborbefunde.htm
→ Humanmedizinische Quelle; sehr detaillierte Erklärung der einzelnen Laborwerte.
http://www.netdoktor.de/Diagnostik+B...en/Laborwerte/
→ Humanmedizinsche Quelle; hier werden diverse Laborwerte ausführlich erklärt.
http://www.bossow.de/Schweine/Biblio...e/labor_01.htm
→ Blutwerte und deren Altersabhängigkeit von Prof. Hartmann & Prof. Kraft / LMU Mü

Rachenabstrich

Je nach Symptomatik kann und sollte man einen Rachenabstrich in Erwägung ziehen. Ich habe selbst einige bei meiner Katze durchführen lassen, war danach komplett dagegen, weil ich sie für vollkommen sinnlos hielt. Mittlerweile sehe ich das wieder etwas differenzierter.

Ein grundlegendes Problem von Rachenabstrichen ist die Rachenflora der Katze: Als Carnivore (Fleischfresser) sind dort so gut wie immer Bakterien vorhanden, ein Abstrich sollte also meistens irgendwelche Ergebnisse bringen (ein oder mehrere Bakterien), ohne dass die Katze notwendigerweise krank sein muss (ganz im Gegenteil, es gibt viele Bakterien, die sich bei gesunden Katzen im Maul tummeln und diese nicht krank machen). Dieser Fakt alleine erschwert schon die die diagnostische Auswertung eines solchen Abstrichs: Der Tierarzt muss aufgrund der vorliegenden Symptomatik abwägen, ob und welche Keime diese auslösen können – dazu muss er auch wissen, welche Keime grundsätzlich pathogen (d.h. krankheitserregend) sind und welche nicht, welche an der vorliegenden Stelle pathogen sein müssen, welche es nur sein können usw.. Meiner Erfahrung nach kennen sich viele Ärzte damit nicht ausreichend aus. Wenn man dann auf Basis einer „falschen“ Diagnostik behandelt, auch gemäß eines ausgearbeiteten Antibiogramms, läuft man Gefahr, nur harmlose Keime der Rachenflora zu bekämpfen, aber nicht die Krankheitserreger an und für sich.
Siehe dazu das Dokument „Rachenabstrich (Laboklin)“, das auch hier im Netz verfügbar ist.

Der zweite Aspekt ist ebenfalls ein gewichtiger: Ein Rachenabstrich ist nicht unbedingt oder vielmehr: nur sehr bedingt aussagekräftig, was das Geschehen in den unteren Atemwegen angeht. Hier bin ich mir nicht sicher, inwiefern eine Krankheit sich gleichzeitig über die oberen und unteren Atemwege erstrecken kann (und nicht zum Beispiel eher wandert) – in einem solchen Fall wäre ein Rachenabstrich natürlich sinnvoll und (eventuell) auch aussagekräftig. Bei Infekten der oberen Atemwege ebenfalls. Allerdings würde ICH aufgrund meiner Erfahrungen, wenn z.B. die Nase noch mit betroffen ist, am besten zwei Abstriche machen lassen. Und ich würde alleine auf Basis eines Rachenabstrichs nicht mit Ausnahme-Antibiotika, das heißt mit ganz schweren Geschützen zu Werke gehen.

Wieso? Aus persönlicher Erfahrung heraus. Bei meiner Katze wurden mehrfach Rachenabstriche gemacht bei einer Erkrankung der unteren Atemwege, einmal sogar ein Luftröhrenabstrich (unter Narkose). Ich habe später alle Ergebnisse ausgewertet: Kein einziger der Abstriche zeigte zu 100% das gleiche Ergebnis an, das bei späteren Lungenspülungen herauskam. Einige Abstriche, u.a. der Luftröhrenabstrich, zeigten ein oder zwei Bakterien richtig an, die auch später in den Tiefen der Bronchien gefunden wurden, aber eben nicht alle. Darauf basierend wurde zum Teil einseitig, falsch oder nur bedingt richtig behandelt – mit dem Ergebnis, dass die Infektion nicht gestoppt wurde, sich sehr wahrscheinlich auch weiter ausbreiten konnte. Zum Teil wurden schon Einschläfer-Empfehlungen gegeben, die sich rückblickend als fatal erwiesen, weil schlichtweg der falsche Keim behandelt wurde und mit einem simplen Wechsel des Antibiotikums signifikante Erfolge erzielt werden konnten.

Aber kommen wir zurück zum Rachenabstrich: Ein solcher ist in jedem Falle sinnvoll, wenn der Tierarzt sich mit der Beurteilung der potentiell vorhandenen Erreger auskennt. Auch sollte man ihn machen lassen, wenn die Gefahr des Vorhandenseins viraler Erreger besteht. Prinzipiell würde ich aus pragmatischen Gründen ohnehin im Falle einer Atemwegserkrankung einen Rachenabstrich auf ALLES untersuchen lassen - ergo auf alle Viren und alle Bakterien. Viele Tierärzte machen dies nicht automatisch, leider. Wenn wir schon wieder bei Tierärzten sind: Viele behaupten, dass Abstrich sinnlos seien - wegen der vielen Bakterien, die ohnehin im Mäulchen vorhanden sind. Argumente dagegen hatte ich ja schon geliefert. Darüber hinaus behaupten viele Tierärzte, dass ein Rachenabstrich nicht ohne Narkose gemacht werden kann - gehen wir von einer normalen Katze (und nicht von einem Wildtier) aus, ist das totaler Blödsinn: Der Abstrich erfolgt mittels eines kleinen Stäbchens, mit dem der Arzt lediglich ein bisschen im Rachen rumstreichen muss - ist innerhalb von ein paar Sekunden erledigt.

Diese diagnostischen Mittel beziehen sich vor allem auf Erkrankungen der unteren Atemwege:

Röntgenbild

Ein Röntgenbild ist nicht immer aussagekräftig hinsichtlich einer Infektion der unteren Atemwege - ganz speziell auch bei Asthmakatzen, da hier ohnehin in vielen Fällen bereits irreversible Veränderungen in Form von Lungenzeichnungen, fibrotischen Veränderungen vorhanden sind.
Allerdings besitzt man ja häufig als Besitzer ältere Röntgenbilder, lässt evtl. regelmäßig welche erstellen – ein Abgleich kann deshalb nicht schaden. Vor allem kann ein Röntgenbild in den meisten (leider nicht in allen) Fällen etwas darüber aussagen, ob ein Fremdkörper oder eine tumoröse Veränderung vorhanden ist. Ist das alles (hoffentlich) nicht der Fall, ist man leider auch noch nicht schlauer, selbst wenn sichtbare Veränderungen/Verschlechterungen vorhanden sind: Man weiß in diesem Fall dann eben nur, dass etwas gerade den Zustand der Lunge negativ beeinflusst, den Grund dazu präsentiert das Röntgenbild meist nicht. Das heißt es ist nur ein Puzzleteil im Rahmen der Diagnostik.
Hier ein genereller Link zur Beurteilung von Röntgenbildern der LMU München.

Geändert von FrauFreitag (09.07.2013 um 10:59 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 18:50   #3
FrauFreitag
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Endoskopie/Bronchioskopie & Bronchoalveoläre Lavage & Bronchiallavage

„Die Bronchoskopie (Spiegelung der Bronchien) ist ein medizinisches Untersuchungs- und Therapieverfahren. Dabei wird ein Endoskop über das Maul eingeführt und durch die Trachea in die Bronchien der Lunge vorgeschoben.“
Sie dient vornehmlich der Diagnostik von Tumoren oder Fremdkörpern, der Entnahme von Probenmaterial (Biopsie). Darüber hinaus kann parallel eine Bronchiallavage oder ein Abstrich durchgeführt werden.
„Die bronchoalveoläre Lavage (BAL; von lat.: bronchus „Bronchie“, alveole „Lungenbläschen“ und lavare „waschen“) und die technisch davon verschiedene Bronchiallavage sind diagnostische und therapeutische Verfahren in der Medizin. Letztere wird im englischen auch - eher historisch - als tracheal wash („Luftröhrenspülung“) bezeichnet. Diese Verfahren dienen zur Entnahme von Schleim, auch der Entfernung von Schleimpfropfen, und zytologischer Proben aus der Lunge im Rahmen einer Bronchoskopie.“
„Die bronchoalveoläre Lavage erfolgt in der Lungentiefe, den Alveolen, und dient zytologischen und immunhistochemischen Untersuchungen.
Die Bronchiallavage hingegen wird in der Luftröhre und den Bronchien durchgeführt und hilft bei bakteriologischen Untersuchungen, bei mechanischer Reinigung oder zytologischen Untersuchungen. Oft wird sie mit Bürstenabstrichen im Rahmen der Gewinnung von Zellen kombiniert, ebenso auch mit Probenentnahmen mittels feinen Zangen.“
[Quellen: Wikipedia, zum Teil leicht abgeändert und gekürzt]

Eine Bronchioskopie wird dementsprechend eher als Mittel der Wahl herangezogen, wenn man einen Tumor oder einen Fremdkörper vermutet. Ist man sich vollkommen unklar, wird parallel dazu eine Lavage gemacht. Kann man tumoröse Veränderungen und Fremdkörper (nahezu) ausschließen, wird man sich eher für eine alleinige Lavage entscheiden.

Bei einer solchen wird sterile Kochsalzlösung für eine kurze Zeit in die Bronchien eingebracht und hernach abgesaugt. Diese Kochsalzlösung nimmt dann sozusagen das Milieu an, kann also, wenn man sie auf Viren, Bakterien und Pilze untersucht, ein aussagekräftiges Bild dessen abgeben, was in den unteren Atemwegen gerade vor sich geht. Basierend darauf wird dann ein Antibiogramm erstellt – was das ist darauf kommen wir später noch.

Eine Lavage ist meines Wissens nach die einzig sichere Möglichkeit der adäquaten und sicheren Deutung hinsichtlich eines infektiösen Geschehens der Bronchien bzw. unteren Atemwege.

Zwecks der Narkose: Eine Lavage kann auf jeden Fall mittels Inhalationsnarkose gemacht werden. Eine BAL bzw. eine Bronchioskopie setzt wegen der anderen Instrumente eine konventionelle Narkose voraus. Gemäß meines Wissensstands bin ich der Überzeugung, dass eine Inhalationsnarkose mit Monitoring und Co. die sicherste und schonendste Vorgehensweise ist. Trotz allem bergen Bronchioskopie, BAL und Lavage – gerade auch für eine Asthmakatze und erst recht, wenn zusätzlich noch ein Infekt vorhanden ist – nicht unerhebliche Risiken. Dessen sollte und muss man sich bewusst sein. ICH würde (und habe auch immer) deshalb eine solche Prozedur nur und ganz ausschließlich an einer Klinik durchführen lassen, die über ausreichend Erfahrung und Übung verfügt (das heißt für die derlei Vorgehensweisen zum Alltag gehören und nicht der Sonderfall sind), einen Spezialisten (Pneumologen oder zumindest Internisten) sowie über intensiv-medizinische Möglichkeiten für den Ernstfall.

Exkurs: Was ist ein Antibiogramm?


„Das Antibiogramm ist ein Labor-Test (Plattendiffusionstest/Agardiffusionstest) zur Bestimmung der Empfindlichkeit bzw Resistenz von Krankheitskeimen gegenüber Antibiotika. Ein Antibiogramm wird vor jeder Antibiotikatherapie empfohlen, falls möglich. Dazu werden die zu testenden Bakterien auf einem speziellen Nährboden netzartig ausgestrichen und mit verschiedenen Antibiotikaplättchen beimpft. Nach der 18–24-stündigen Bebrütung werden die Hemmhöfe ausgemessen und auf Resistenz oder Sensibilität hin ausgewertet.
Das Maß für die Wirksamkeit eines Antibiotikums gegenüber einem Bakterium ist die minimale Hemmkonzentration (MHK), also die Mindestkonzentration einer Substanz, die gerade noch ausreicht, das Bakterienwachstum zu hemmen. Die minimale bakterizide Konzentration (MBK) ist die Konzentration, die ausreicht, um 99,9*% des inokulierten Keimes abzutöten.“ [Quelle: Wikipedia, leicht abgewandelt]

Einfacher erklärt: Die auf welchem Wege auch immer - ob nun bei einem Abstrich oder einer Lavage - gefundenen Bakterien werden im Labor in Petrischalen angezüchtet. Hernach wird mit verschiedenen Antibiotika experimentiert: Man lässt also eine Horde Antibiotika verschiedener Wirkstoffgruppen auf die Bakterien los und schaut, was passiert. Danach hat man drei Ergebnismöglichkeiten: Sensitiv (= S; manchmal in verschiedener Intensität, verdeutlicht auf dem Antitbiogramm mit + oder ++), mäßig empfindlich (= I für intermediär) oder resistent (= R; sprich: die Bakterien sind unempfindlich auf das Antibiotikum, sie lassen sich damit weder im Wachstum hemmen noch töten).

Gegeben werden sollte demnach dann ein Antibiotikum, auf dass die Bakterien sensitiv reagiert haben. Das heißt allerdings nicht, dass eben jenes dann wirken MUSS - es tut es in aller Regel, aber ein Antibiogramm findet natürlich unter Idealbedingungen im Labor statt, die eben "einfacher" sind als die Realität.

Zum Thema Antibiogramm hier auch ein Link der Uni Heidelberg - Empfindlichkeitsprüfung Antibiogramm. Im übrigen macht es im Bereich der Antibiose keinerlei Unterschiede, ob man sich bei Humanmedizinern oder Veterinärmedizinern schlau macht - zwar gibt es unterschiedliche Bakterien und nur wenige können Mensch und Tier befallen, ABER die Grundregeln sind die gleichen, die Wirkstoffe auch.

Wer wirklich tieferes Verständnis gewinnen möchte, dem sei dieses ziemlich aktuelle Veterinärmediziner-Script "Antimikrobielle Wirkstoffe" der Uni Zürich empfohlen, das mir wirklich sehr weitergeholfen hat!

Geändert von FrauFreitag (09.07.2013 um 11:00 Uhr)
FrauFreitag ist offline  
Alt 01.04.2013, 19:36   #4
FrauFreitag
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4. Behandlung

Wie schon oben ausgeführt beruht der Katzenschnupfenkomplex auf einer Vielzahl von Erregern viraler und bakterieller Natur, die in vollkommen unterschiedlichen Kombinationen zu finden sind. Eine Erkrankung aus jenem Komplex kann also primär viral, bakteriell oder auch gemischt, viral und bakteriell ausgelöst werden. Zu diesen Primärerregern, also ersten Erregern, können sich auch Sekundärerreger gesellen.

[Begriffserklärungen:
Primärerreger: Erreger, die bei einem Infektionsgeschehen mit mehreren Erregern die erste Infektion auslösen.
Sekundärerreger: Mikroorganismen, meist Bakterien, die nicht primär für das Entstehen einer Erkrankung verantwortlich sind, sondern von der Schädigung des Gewebes oder die Schwächung des Wirtes durch die Primärerreger profitieren. Sie rufen dann ein für sie charakteristisches Erkrankungsbild hervor.]

Als primäre Erreger des Katzenschnupfenkomplexes gelten:
  • Viren: Herpes und Calici
  • Bakterien: Mykoplasmen, Chlamydien, Bordetellen, ferner – Pasteurellen.

Näheres zu den Viren und Bakterien ist sehr gut in Hartmanns schon genanntem Standardwerk "Infektionskrankheiten der Katze" nachzulesen - siehe ab Seite 61 bzw. 62.
Auch im Standardwerk von Dürr "Katzenkrankheiten", Band 1, findet sich ein Abschnitt zum Thema "Katzenschnupfen" - ebenfalls geschrieben von Hartmann - siehe hier ab Seite 206.
Der Artikel bei Wikipedia hilft für einen ersten Einblick auch ganz gut weiter, ist aber zum Teil ungenau bzw. etwas verfälscht dargestellt.
Hier ein Artikel zu den in Deutschland noch nicht allzu häufigen neueren Calici-Stämmen.

Nun fragt sich bei einer Erkältung eben nur, welche Erreger auslösend sind, um adäquat zu behandeln.

Der klinisch-saubere Weg bei einer Erkrankung der oberen Atemwege sowie einer Bindehautentzündung ist natürlich immer der eines Abstriches. Allerdings dauert dieser Abstrich, vor allem wenn die Auswertung eines Antibiogramms noch nachgeschaltet ist im Falle von Bakterien, eine ganze Zeit (in der Regel ca. fünf Tage) - ganz abgesehen davon, dass eine sinnvolle Antibiose eben auch davon abhängt, ob ein Mediziner einen Abstrich zu bewerten weiß (siehe meine Ausführungen zum Thema Rachenabstrich). Darüber hinaus sollte ein akut krankes Tier, auch wenn ein Abstrich in Arbeit ist, initial trotzdem in vielen Fällen sofort medikamentös behandelt werden.

Darüber hinaus gibt es natürlich den pragmatischen Weg, wie ich ihn nenne, der durchaus auch seine Berechtigung hat: Es liegen ja bereits Erkenntnisse vor, welche Bakterien Erkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex auslösen können. Ein erfahrener Tierarzt wird also, wenn er keinen Verdacht auf z.B. Viren und/oder eine virale Beteiligung hat (das erkennt man unter anderem zum Beispiel an/durch Blasen im Mund, einen offenen Rachen, Blasen an der Nase, etc.), durchaus auch einmal eine blinde Antibiose verabreichen - ergo eine Antibiose, die ohne vorheriges Antibiogramm auskommt. (Ein verantwortlicher, kompetenter Tierarzt wird nicht mehr als eine, maximal zwei blinde Antibiosen hintereinander geben - wenn die Erkrankung dann ständig wiederkommt bzw. gar nicht weggeht oder sich gar verschlimmert, wird er sofort einen Abstrich machen bzw. in eine tiefere Diagnostik gehen und nicht einfach lustig weiterbehandeln!)

Hier sollte man allerdings Vorsicht walten lassen, da Antibiose bzw. antibiotische Behandlung einer der Hauptfehlerquellen ist bei Erkältungen - unter anderem leider durch inkompetente Anwendung. Auf diesen sehr wichtigen Punkt komme ich noch im Folgenden zurück.

Bei einer Erkrankung aus dem Katzenschnupfenkomplex gänzlich auf medikamentöse Behandlung bzw. Schulmedizin zu verzichten und/oder auf die Abwehrkräfte des Tieres zu vertrauen halte ICH PERSÖNLICH für vollkommen fahrlässig. Derlei Erkrankungen können bei fehlender, mangelnder oder nicht adäquater Behandlung gerne mal eskalieren und hernach lebensgefährlich werden, was zum Verlust des Augenlichtes, Ohrenentzündungen, verschleppten Infektionen, Lungenentzündungen, Organversagen usw. führen kann.

Das Vorgehen bei einer Erkrankung der Atemwege sollte also sein (zum Thema Auge kommen wir später noch):
  • Gang zum Tierarzt
  • Erregerbestimmung in Form eines Abstrichs ODER blinde Antibiose WENN kompetenter Tierarzt (Weiß dieser, welche Bakterien in Frage kommen und welches Antibiotikum Mittel der 1. Wahl ist? - dazu später mehr; Hat der Arzt ins Mäulchen, den Rachen geschaut und kann er ziemlich sicher Viren als Verursacher ausschließen?)
    ---> Im Zweifelsfalle bzw. bei Zweifeln an dem Tierarzt: Entweder sofort wechseln oder auf einen Abstrich bestehen
  • Wahl der richtigen Medikation (Antibiose bei Bakterien, Virostatika/Immunpusher bei Viren)

Diese Hinweise beziehen sich auf eine Erkrankung der oberen Atemwege. Eine solche sollte ein Arzt eigentlich von einer Erkrankung der unteren Atemwege unterscheiden können - sollte... Erkrankungen der unteren Atemwege sind meist schwerwiegender, und, wenn viral und/oder bakteriell bedingt, meist verschleppte Erkrankungen der oberen Atemwege. Man kann sehr wohl auch als Laie einen gewissen Unterschied hören - bei Erkrankungen der unteren Atemwege rasselt die Katze meist richtig, es blubbert, brodelt innerlich, dazu braucht man oftmals nicht einmal ein Stetoskop. Wenn hier Zweifel bestehen, sollte man die Katze röntgen lassen, um einen ersten Eindruck vom Zustand der Lunge zu bekommen. Ein Blutbild ist, wie schon erwähnt, auch nicht falsch.

Was kann ich als Besitzer/Halter selbst noch unterstützend tun?

Zuallererst: Der Katze Ruhe gönnen. Ihr Verständnis entgegenbringen und Liebe. Wir sind auch knatschig, leidend und oft ungenießbar, wenn wir krank sind - dasselbe gilt auch für unsere Katzen
  • Aufpassen mit Zugluft, dass sich die Katze nicht noch mehr erkältet.
  • Warme Plätze anbieten - viele Katzen genießen, wenn sie kein Fieber haben, Kirschkernkissen, Heizkissen oder ähnliches.
  • Sollte es keinen zusätzlichen Stress für die Katze bedeuten, kann man versuchen, mit ihr zu inhalieren. Dazu bieten sich zwei Methoden an: Entweder die uralte bewährte Topfmethode - ein Aufguss aus Salbei, Thymian und/oder Kapuzinerkresse (alles rein und ohne Probleme in der Apotheke zu bekommen) zubereiten und in die Nähe der Katze stellen (oder sich zusammen mit ihr in einen kleinen Raum, unter die Bettdecke oder den abgedeckten Tisch setzen). Oder dann eben, bei geduldigen Katzen, die Inhalation mit einem elektrischen Vernebler. Einige verwenden hier den Pariboy, den es gebraucht schon günstig zu erstehen gibt (bitte Besteck wechseln vor der Verwendung!), oder eben Tascheninhalatoren wie z.B. diesen hier, der im Vergleich zum recht lauten Pariboy so gut wie geräuschlos arbeitet. Zur Inhalation wird NaCl-, also Kochsalzlösung, und zwar isotonische (0,9%) empfohlen, die es von Pariboy selbst oder auch angereichert von Emser Sole gibt.
    Ein Beispielvideo meiner eigenen Katze beim Inhalieren mit dem Pariboy - siehe hier.

    Bitte KEINE ätherischen Öle! Das ist für Katzen im besten Falle reizend, im schlimmsten Falle toxisch, also giftig!
    Hierzu meine Anfrage bei einer Vet-Med-Pharmakologie, damals betreffs Pinimenthol (obgleich viele der Präparate hier sehr ähnlich sind):
    http://www.vetpharm.uzh.ch/perldocs/index_x.htm
    Man kann diese Uni-Abteilung anschreiben:
    http://www.vpt.uzh.ch/index.html

    Die Antwort, die ich erhalten habe zum Thema Pinimenthol, genauer Eukalyptus, Kiefernnadeln, Kampfer und Levomenthol (Die Wirkstoffe, die in den Produkten in verschiedener Zusammensetzung enthalten sind):

    "Sie haben recht, ätherische Öle können für Katzen, vor allem nach oraler Aufnahme, sehr toxisch sein. Eukalyptus, Kampfer und Levomenthol sind sehr stark reizende ätherische Öle und deshalb würde ich sie für Katzen nicht empfehlen. Die Inhalation mit Salbei, Thymian und Kapuzinerkresse hingegen, erachte ich, sofern nur gering konzentriert, als sinnvoll."
  • Sollte es Probleme mit dem Fressen geben, muss man hier doppelt aufmerksam sein: Das kann einerseits ein Hinweis auf virale Beteiligung sein, die man allerdings im Regelfalle sehen kann (Blasen im Maul/Rachen, roter, entzündeter Rachen usw.)"]. Andererseits ist es häufig auch einfach so, dass die Tiere schlecht(er) riechen und deshalb sowie aufgrund des allgemeinen Unwohlseins keinen oder nur wenig Appetit haben. Hier sollte man dann nachhelfen durch kleine Tricks: Warmes Wasser über das Nassfutter oder kleine Trockenfutterbrösel, dass es intensiver riecht, Thunfisch in Maßen und/oder selbstgemachte Hühnerbrühe (natürlich ungewürzt). Darüber hinaus bei Gewichtsabnahme Reconvales, Bioserin, Päppelfutter Hills Prescription Diet A/D, Rinderfettpulver oder ähnlich Hochkalorisches.

Geändert von FrauFreitag (10.12.2014 um 00:28 Uhr)
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FrauFreitag
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Exkurs: Ist meine Katze ansteckend? Habe ich meine Katze angesteckt? - Zoonose oder nicht?

Eine häufig wiederkehrende Frage...

"Zoonosen (von altgriechisch ζῶον zōon „Lebewesen“ und νόσος nósos „Krankheit“) sind von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1959 besagt einschränkend, dass Zoonosen Krankheiten und Infektionen sind, die auf natürliche Weise zwischen Mensch und anderen Wirbeltieren übertragen werden können. Ursprünglich verstand man unter Zoonosen lediglich Tierkrankheiten. Während des vorletzten Jahrhunderts fand ein Wandel in der Bedeutung der Bezeichnung statt. Neben den eigentlichen Tiererkrankungen verstand man Mitte des 19. Jahrhunderts unter Zoonosen nun auch Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden konnten. Beim heutigen Gebrauch der Bezeichnung Zoonose wird keine Unterscheidung hinsichtlich des Übertragungsweges gemacht. Zoonosen können also vom Mensch auf ein Tier (Anthropozoonose) oder vom Tier auf den Menschen (Zooanthroponose) übertragen werden. Es sind gegenwärtig etwa 200 Krankheiten bekannt, die sowohl bei einem Tier wie auch beim Menschen vorkommen und in beide Richtungen übertragen werden können. Die eigentlichen Erreger können dabei Prionen, Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen, Helminthen oder Arthropoden sein." (Quelle: Wikipedia)

Sowohl das feline Herpesvirus als auch das feline Calicivirus sind KEINE Zoonosen. Von den Primärerregern des Katzenschnupfenkomplexes sind ausschließlich Chlamydien sowie Pasteurellen Zoonosen, generell gibt es ohnehin viel weniger Zoonosen als man gemeinhin immer annimmt. Siehe zu Zoonosen der Katze den Artikel "Zoonoserisiko Katze?" von/bei Laboklin. Die meisten menschlichen Erkältungskrankheiten werden von vollkommen anderen Erregern ausgelöst als die bei Katzen, ganz abgesehen davon, dass die meisten dieser Erreger eben KEINE Zoonosen sind. Will sagen: Nur die wenigsten Krankheiten sind wirklich übertragbar.

Der Mythos des chronischen Katzenschnupfens...

Was Katzenschnupfen angeht kursieren immer noch jede Menge Missverständnisse - eines der fiesesten ist das eines "chronischen" Katzenschnupfens.

"Chronischen Katzenschnupfen" in dem Sinne gibt es nämlich nicht.
(Erblich bedingt und/oder prädisponiert ist er natürlich auch nicht, wie ich ebenfalls schon lesen konnte.)

Mediziner sprechen zwar ab einer bestimmten Vorhaltezeit einer Erkrankung irgendwann von einer chronischen Erkrankung - im Sprachgebrauch von "uns Laien" wird "chronisch" allerdings normalerweise mit "immer" oder "lebenslang" gleichgesetzt. Das trifft so nicht wirklich auf (alle) Erkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex zu.

Eine Erkrankung aus dem Katzenschnupfenkomplex KANN Bestimmtes nach sich ziehen, das chronisch werden kann - die Erkrankung selbst ist alles andere als chronisch. Beteiligte Bakterien lassen sich alle bei einer ansonsten gesunden Katze mit der richtigen Antibiose eliminieren. Die Bakterien sind dann WEG.

Betreffs der Viren ist es nicht ganz so einfach: Hier gibt es keine "Killer"-Medikamente wie Antibiotika bei Bakterien - es gibt also keine Medikamente, die zuverlässig Viren ausrotten können. Es existieren lediglich zwei verschiedene Möglichkeiten, gegen Viren vorzugehen: Virostatika (das Virenwachstum hemmende Präparate) und Präparate für das Immunsystem (wie beispielsweise Feliserin, Zylexis, Interferon) helfen dem Körper bzw. können ihm helfen, mit einem akuten Krankheitsschub fertig zu werden.

Hernach ist es ein bisschen diffizil:

Bei Herpes können einige genesene Tiere dauerhaft Viren ausscheiden, etwa 80 Prozent aller erkrankten Tiere bleiben nach überstandener Infektion Träger des Erregers, der sich in die Ganglien des Nervus trigeminus zurückzieht (siehe Wikipedia).
ABER: Ob eine Katze Herpesviren in sich trägt, kann man nur während eines akuten Schubs sagen - und selbst da gibt es falsch-negative Tests. Sprich: Es ist nicht möglich, bei einem Tier festzustellen, ob es Herpesausscheider oder -träger ist. Ganz abgesehen davon, dass eine Infektion bei einem solchen Tier auch nicht zwingend noch einmal oder überhaupt einmal ausbrechen muss.
Stress, zusätzliche Krankheiten, schlechte Konstitution, Depressionen, etc. können einen Schub mit auslösen - ähnlich wie beim Lippenherpes bei uns Menschen.

Bei Calici schätzt Hartmann (siehe Seite 64, Infektionskrankheiten der Katze) die Anzahl an Virusträgern in Deutschland unter gesunden (!) Katzen auf zwischen 10 und 25% - die Zahl der Virusausscheider schätzt sie auf bis zu 49% in Mehrkatzenhaushalten.

[Meiner persönlichen Erfahrung nach wird die Diagnose "Chronischer Katzenschnupfen" leider allzu gerne und allzu oft vorschnell gefällt - und zwar ohne ausreichende Diagnostik und/oder Behandlung und als Etikett für "Jetzt weiß ich nicht mehr weiter". Man sollte sich mit so etwas als Halter nicht abspeisen lassen und eine genaue und ausführliche Diagnostik verlangen, eine Begründung - und sich auf jeden Fall eine Zweit- oder auch gerne Drittmeinung einholen.]

Geändert von FrauFreitag (01.06.2016 um 11:07 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 19:37   #6
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5. Eklatante Behandlungsfehler, die es zu vermeiden gilt.

In dem oben von mir verlinkten veterinärmedizinischen Script „Antimikrobielle Wirkstoffe“ der Vet-Med-Uni Zürich finden sich bereits einige „Kunstfehler“ im Umgang mit Antibiose unter der Überschrift „Die häufigsten Sünden im Umgang mit ABC“:

Der Einsatz als Fiebermittel
Ein Witzbold hat einmal Fieber als Zustand relativen Antibiotikamangels bezeichnet. In
Wirklichkeit gibt es viele Ursachen von Fieber, die ätiotrop nicht mit antimikrobiellen ABC bekämpft werden können:
• praktisch alle viralen Infekte
• Parasitosen, die einer speziellen Behandlung bedürfen (Antiparasitika)
• Malignome verschiedensten Ursprungs
• viele Kollagenkrankheiten
• Arzneimittel (drug fever)
• Gifte.

Unterlassen eines chirurgischen Eingriffs
Purulente Exsudate, avaskuläre nekrotische Gewebsstücke, wie z.B. Sequester, sowie
Nierensteine und Fremdkörper, brauchen primär eine chirurgische Therapie. Die Heilung der Begleitinfektion tritt oft ohne ABC ein. Die Unterlassung chirurgischer Massnahmen ist als Kunstfehler zu betrachten.

Fehlende bakteriologische Information
Etwa die Hälfte aller ABC-Behandlungen an Spitälern werden ohne genügende Diagnose durchgeführt. Der grösste Teil aller "Chemoprophylaxen" ist sinnlos und kombinierte ABC-Gaben ersetzen allzu oft präzise Untersuchungen. Schrotschusstherapien sind nicht nur unnütz und teuer, sondern auch recht gefährlich. Die Beseitigung der lebenswichtigen Bakterienflora führt leicht zur Ausbreitung von Pilzen und zum Auftreten nicht therapierbarer tödlicher Infektionen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Abwehr des Patienten geschwächt ist.

Unterdosierung der ABC
Nachgerade hat es sich herumgesprochen, dass einige ABC recht toxisch sind. Es ist aber sinnlos, z.B. Aminoglykoside aus lauter Angst zu niedrig zu dosieren und damit den Therapieerfolg ernstlich zu gefährden.

Gleichsetzen einer Therapieresistenz mit einer ABC-Resistenz
Das Versagen einer ABC-Therapie kann sehr viele Gründe haben. Allein eine ABC-Resistenz in Betracht zu ziehen, ist manchmal verhängnisvoll. Unter Umständen wird nämlich das ABC der Wahl abgesetzt und ein weniger geeignetes verabreicht. Zwei häufige Gründe seien hier aufgeführt:
• Mangelnde Mitarbeit (Compliance) des Patienten oder Tierhalters. Nur etwa 40% von
ihnen verwenden die ABC nach Vorschrift! Hier gilt es, geschickt nachzufragen.
• Ungenügende Konzentration am potentiellen Wirkort. Hier gilt es, entweder die Dosis zu erhöhen oder eine andere galenische Form oder einen anderen Verabreichungsweg zu wählen.

Falsche Interpretation eines bakteriologischen Befundes
Der Nachweis eines Erregers ist nicht mit dem Nachweis einer Infektion gleichzusetzen, und der negative bakterielle Befund schliesst die Infektion nicht aus. Der Bakteriologe "befundet", was bei ihm wächst. Der Bericht des Bakteriologen muss in einen sinnvollen Zusammenhang gestellt werden.“


Die Möglichkeit einer Fehlinterpretation des bakteriologischen Befunds hatte ich ja bereits im Rahmen des Rachenabstriches weiter oben angesprochen. Ich möchte deshalb hier noch auf zwei weitere mögliche Fehlerquellen eingehen, nämlich die fehlerhafte Dosierung sowie den Einsatz von blinder Antibiose in Verbindung mit Cortison, der leider sehr gängig zu sein scheint.

Betreffs der Dosierung kann ICH PERSÖNLICH Tierhaltern nur anraten, sich selbst kundig zu machen bzw. zu vergleichen - und zwar mit den Angaben bei http://www.vetpharm.uzh.ch, dem Kompendium der Schweizer Tierärzte. Dort finden sich zu so gut wie jedem gängigen Medikament und/oder Wirkstoff Dosierungsempfehlungen für die Anwendung, bezogen auf verschiedene Tierarten sowie mit Angabe der wissenschaftlichen Quellen. Im Falle einer Diskrepanz der Anwendungsempfehlung des Tierarztes mit den dortigen Angaben würde ICH PERSÖNLICH dezidiert nachhaken beim behandelnden Arzt und gegebenenfalls schnell eine Zweitmeinung einholen und/oder den Hersteller des Medikaments selbst befragen.
[Leider weiß ich nicht nur aus eigener Erfahrung, dass hier manches aus Schludrigkeit oder aus Unwissenheit falsch gemacht wird/werden kann... Eine Unterdosierung gefährdet den Erfolg der Antibiose und fördert Resistenzen, eine Überdosierung kann, je nach Medikament, sehr gefährlich werden!]


Achtung Gefahr! Cortison oder auch Antibiotika-Cortison-Gemische bei Erkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex

Die Gabe von Antibiotika-Cortison-Gemischen wird kontrovers diskutiert, da vor allem auch gerade im humanmedizinischen Bereich gerne mal bei einer schweren Erkältung parallel Antibiose und Cortison gegeben werden.
Nach all dem, was ich gelesen, nachgeforscht und auch im Gespräch mit diversen Veterinärmedizinern, zum Teil auch und gerade Spezialisten, eruieren konnte, ist eine solche Kombination im Regelfalle absolut falsch und kontraindiziert, vor allem wenn es sich um blinde Antibiose handelt (also eine Behandlung mit einem Antibiotikum, das nicht auf Basis eines Antibiogramms und einer genauen Erregerermittlung ausgewählt wurde).

Hier ein paar Quellen wissenschaftlicher Natur zum Thema:

Katzenkrankheiten von Kraft, Dürr, Hartmann, Seite 218:
"Glukokortikoide sind beim akuten Katzenschnupfen kontrainduziert."

Dasselbe Buch Seite 674:
"Kortikosteroide verbieten sich bei akuten infektiösen Bronchitiden."

Im alten "Katzenkrankheiten" ohne Hartmann steht auf Seite 678:
"Kortikosteroide sind mit Ausnahme von eosinophilen Pneumonien kontraindiziert. Ihre Anwendung bei viralen,bakteriellen,mykotischen oder parasitären Pneumonien ist als"Kunstfehler"anzusehen."

Atlas der klinischen Immunologie bei Hund und Katze von Michael Hay:
"Kortikosteroide - Kontraindikationen: Virus-/Pilz-/Bakterielle Infektionen, Fehlende Indikation (!)"

Praktikum der Hundeklinik von Kohn/Schwarz, Seite 18:
"Die Hemmung dieses pulmonären Abwehrmechanismus begünstigt bakterielle Sekundärinfektionen weshalb Glukokortikoide bei infektiösen bronchopulmonären Erkrankungen kontraindiziert sind."

Deutsche tierärztliche Wochenschrift, Band 99 von 1992:
"Bakterielle Infektionen stellen eine relative Kontraindikation für die Anwendung von Glukokortikoiden dar (JENKINS. ... Bei Vorliegen viraler Infektionen sind Glukokortikoide absolut kontraindiziert (UNGEMACH, 1991)."

Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren von Löscher, Ungemach und Kroker, siehe Seite 421ff - über Glukokortikoide (man mag ruhig mal den ganzen Text lesen!):
"Anwendung bei Infektionskrankheiten ist zu vermeiden. Bakterielle Infektionen sind, außer in lebensbedrohlichen Situationen, keine Indikation für Glukokortikoide. virale Infektionen stellen eine absolute Kontrainduktion dar."
Und weiter:
"Die in der Veterinärmedizin früher häufig eingesetzten fixen Glukokortikoid-Antibiotika-Kombinationen sind aus verschiedenen Gründen abzulehnen. [...] Der Einsatz [derselben] zur Krankheitsvorbeuge ist therapeutisch sinnlos und mit erheblichen Risiken behaftet."

Vetpharm, das Kompendium der Schweizer Tierärzte, zum Thema Glukokortikoide:
"Infektionskrankheiten mit immunsuppressiven GK zu therapieren, erscheint paradox. Es gibt wenige Fälle, in welchen GK indiziert sind, z.B. (McGowan 1992):
- interstitielle Pneumonie: GK verbessern die Oxygenierung und reduzieren die Inzidenz von Lungenversagen (McGowan 1992)
- Hepatitis B (chronisch aktive Hepatitis) (Frey 1992)
- zerebrale Malaria (Humanmedizin) (Coyle 1999)
- Haemophilus influenzae meningitis bei Kindern (Coyle 1999; Schimmer 2001)
- Pneumocystis carinii Pneumonie (AIDS Patienten) (Frey 1992)
GK sind insbesondere dann indiziert, wenn die Infektionskrankheit lebensbedrohlich ist. Die Kombination mit einer erregerspezifischen und lückenlösen chemotherapeutischen Behandlung wird empfohlen. Im Fall von bakteriellen Infektionen, sollten bakterizide Wirkstoffe eingesetzt werden (Ungemach 1992)."
...

Geändert von FrauFreitag (01.04.2013 um 23:46 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 19:50   #7
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...
Natürlich sind Infektionen auch bei den Kontraindikationen zum Thema Glukokortikoide gelistet:
"Glukokortikoide und Infektionen
GK sollten insbesondere bei septischen Prozessen nur in lebensbedrohlichen Situationen (vitale Indikationen; siehe Indikationen: Infektionskrankheiten) angewandt werden. Die Kombination mit einer erregerspezifischen und lückenlosen chemotherapeutischen Behandlung wird empfohlen. Es sollten bakterizide antimikrobielle Wirkstoffe eingesetzt werden (Ungemach 1992).
Es wurde beschrieben, dass es bei Rindern unter GK-Therapie und einer folglich erhöhten Infektionsanfälligkeit (Immunsuppression) zum Ausbruch von Babesiosen und Kokzidiosen (Roth 1982) und zu Sekundärinfektionen mit Pasteurellen nach Virusinfektionen der Atemwege kam (Roth 1982; Jenkins 1984). Klinisch und serologisch inapparente IBR-Infektionen wurden reaktiviert und führten zur Virusausscheidung und folglich zu Krankheitsausbrüchen in Rinderställen (Ungemach 2003a). Gutartig verlaufende bovine Virusdiarrhoen können sich bei Kälbern zu unstillbaren Durchfällen bis hin zu tödlich verlaufenden Virämien entwickeln (Roth 1982; Ungemach 2003a).
Beim Hund kann sich unter der GK-Therapie eine relativ harmlose lokalisierte Demodikose zu einer komplizierten generalisierten Demodikose entwickeln. Die Anwendung von GK bei Demodikose sollte somit als Kunstfehler betrachtet werden (Bigler 2001).
Allgemein gilt, dass das Risiko einer Infektion mit der Therapiedauer steigt. Nutzen und Risiko der GK-Therapie ist vor jeder Anwendung und während der Therapie für jeden Patienten individuell zu beurteilen."

Nach all diesen Quellenangaben zum Thema sollte eigentlich klar sein, dass die Anwendung von Cortison bei Atemwegserkrankungen infektiöser Natur lediglich im absoluten Notfalle durch einen Spezialisten (!) durchgeführt bzw. empfohlen werden sollte - und selbst dann ist sie nicht gefahrlos... Wieso?

Exkurs: Cortison - was ist das?

[TEXT FOLGT.]

Geändert von FrauFreitag (01.04.2013 um 22:27 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 22:03   #8
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6. Praktische Hinweise zu einer möglichen Medikamentation.

Im Vorangegangenen habe ich ja bereits dargelegt, dass es neben dem klinisch-sauberen Weg der konkreten Erregerbestimmung auch noch die Möglichkeit gibt, blind zu behandeln.
Wie schon erwähnt - eine Abwägungssache... Auch bei uns Menschen wird der Arzt nicht bei jeder Infektion einen Abstrich machen, sondern profitiert von dem (Erfahrungs)Wissen, dass er hat bezüglich der für dieses Merkmale und Symptomatik eventuell verantwortlichen Erreger - im IDEALFALL.

Leider liest man hier immer wieder im Forum, wie Tiere komplett falsch behandelt werden. Einige der potentiell zu machenden Fehler hatte ich im vorherigen Kapitel Fünf bereits dargelegt. Hier möchte ich noch einige einfache Hinweise geben, die man im Kopf behalten sollte, was Empfehlungen zwecks Medikation angeht. Hinsichtlich dieser beziehe ich mich rundum auf wissenschaftliche Literatur, die ich belegen werde, und betone nochmals, dass diese als Argumentationsgrundlage für den Tierarztbesuch gelten sollen und NICHT als Vorlage zur Eigenmedikation.


Inadäquate (blinde) Antibiose bei dem Verdacht auf bakterielle Erreger.

Wichtig zu wissen ist meiner Meinung nach, dass es (weltweite!) Richtlinien und Anwendungsempfehlungen bezüglich Antibiose (sowohl im humanmedizinischen als auch veterinärmedizinischen Bereich) gibt. Diese werden auf Basis der Erfahrung erstellt: Für (so ziemlich) jedes Bakterium gibt es ein Mittel der 1., der 2., der 3. Wahl und so weiter - und eben Antibiotika, die dafür nur unter ferner liefen in Frage kommen oder gar nicht. Das sollte der Tierarzt wissen - viele handeln nicht immer danach, aus welchen Gründen auch immer.

Bei Erkältungskrankheiten wird zum Beispiel sehr oft das Antibiotikum Convenia gegeben, vermutlich, weil es für den Halter bequem ist - es ist das einzige Langzeit-Antibiotikum auf dem Markt und hält ca. 14 Tage (schwirrt aber noch länger im Organismus herum, nämlich über zwei Monate). Ganz abgesehen davon, dass ein Langzeit-Antibiotikum im Körper drin ist und insofern immer mehr Gefahr birgt bei Unverträglichkeit als eine normale Antibiose...

[Kleiner Einschub zu Convenia und den potentiellen Nebenwirkungen:
Aus Amerika gibt es einige Berichte schwerer Nebenwirkungen mit Todesfolge. Unter anderem raten mittlerweile einige Tierärzte dezidiert von Convenia ab - siehe hier, der Artikel von Lisa A. Pierson.
Siehe auch - hier.
Meine Meinung: Convenia gehört, wenn überhaupt, dann nur in eine Katze, wenn keine andere Wahl mehr bleibt (Straßenkatzen, die keine regelmäßige Medikamentengabe bekommen können oder ähnliches).
Fast alle der Erreger, die für Convenia sensibel sind, bekommt man auch mit einem anderen Beta-Laktam-AB OHNE diese fiese Möglichkeit der Nebenwirkungen in den Griff.]

... ist Convenia alles anderes als das Antibiotikum 1. Wahl bei Erkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex. Genauer: Convenia wirkt NUR bei Pasteurellen, nicht aber bei den drei anderen möglichen bakteriellen Erregern (Chlamydien, Mykoplasmen, Bordetellen), die, nebenbei bemerkt, sehr viel häufiger auftreten als jene Pasteurellen. Warum?

Ganz einfach: Convenia beruht auf einem Wirkstoff namens Cevofecin, der ein Cephalosporin 3. Generation ist. Cephalosporine gehören zu der (Wirkstoff)Gruppe der Beta-Laktam-Antibiotika, deren Wirkweise darin besteht, dass sie die Zellwände von Bakterien zerstören und diese somit vernichten. Mykoplasmen und Chlamydien allerdings sind zellwandlose (Kleinst)Bakterien, die intrazellulär in der Wirtszelle leben - dort werden sie von den Beta-Laktamen gar nicht "gefunden" bzw. "gesehen", da diese ja keine wirtseigenen Zellen angreifen.

Sprich: Eine Behandlung von Mykoplasmen oder Chlamydien mit einem Antibiotikum der Gruppe der Beta-Laktame ist IMMER ABSOLUT SINN-, NUTZ- UND WIRKUNGSLOS.


Darüber hinaus wirkt speziell Convenia als solches NICHT gegen Bordetellen (Siehe Vetpharm: "Isolate von Pseudomonas spp., Enterococcus spp. und Bordetella bronchiseptica besitzen eine inhärente Resistenz gegen Cefovecin.")
Das heißt: Eine Behandlung mit Convenia bei einem Katzenschnupfen ist, wenn überhaupt, nur sinnvoll bei einer bestätigten (!) Erkrankung an Pasteurellen.

Ähnlich sieht es für den Wirkstoff Amoxicillin aus, der sehr häufig in Kombination mit Clavulansäure unter Medikamentennamen wie Clavaseptin, Duphamox, Amoxiclav, Synulox und ähnlichen zur Anwendung kommt bei Atemwegserkrankungen. Wie Cefovecin gehört auch Amoxicillin zu der (Wirkstoff)Gruppe der Beta-Laktam-Antibiotika - und wirkt somit NICHT und NIE gegen Mykoplasmen und Chlamydien (Das ist Basiswissen, das häufig in Publikationen gar nicht mehr genannt wird - siehe aber z.B. hier bei Wikipedia). Bleiben also nur noch Pasteurellen und Bordetellen, und laut Vetpharm ist hier die Wirksamkeit eher mäßig: "Pasteurella spp; häufig Resistenzen (Langston 1999; Hernandez 2005; Berge 2006)" sowie "Bordetella spp. (Weiss 2003; Vaden 1995b); hohe Dosierung nötig (Martinez-Larranaga 2004)". Einzig gegen Bordetellen scheint also Amoxicillin (vielleicht) ausreichend wirksam zu sein - aber auch hier ist es NICHT Antibiotikum der 1. Wahl (dazu kommen wir noch).

Insofern kann ICH es nicht verstehen, wieso sich - auch und gerade hier im Forum - die Verschreibungen der beiden Wirkstoffe bei Atemwegserkrankungen so häufen.

Antibioseempfehlungen laut der wissenschaftlichen Literatur

Nochmals: NICHT zur Eigenmedikation, sondern lediglich zur Information, der eigenen, und Absprache mit dem Arzt für den Fall einer blinden Antibiose!

Laut Prof. Hartmann, Leiterin der Vet-Med-Uniklinik München, ist das Antibiotikum der 1. Wahl für Chlamydien, Mykoplasmen und Bordetellen gleich - es ist Doxycyclin, siehe hier.
Doxycyclin eignet sich allerdings NICHT zur Anwendung bei Kitten (ergo Katzen unter sechs Monaten) - darüber hinaus scheint die Anwendung bei trächtigen Tieren ebenfalls nicht gesichert. Des Weiteren ist Doxycyclin mitunter sehr sehr schlecht verträglich: Es führt häufig zu Nebenwirkungen des Magen-Darm-Traktes und somit zu Unverträglichkeit.
[Diesem Umstand lässt sich zum Beispiel damit begegnen, dass man sich Doxyval, ein veterinärmedizinisches Doxycyclin-Präparat aus Frankreich auf Rezept bestellt. Ich selbst habe diesen Tipp von dem hervorragenden Dr. Rieker bekommen - bei meiner Katze hat es tadellos funktioniert: Sie vertrug normales Doxycyclin überhaupt nicht, Doxyval hatte keinerlei gastrointestinale Nebenwirkungen bei ihr. Damit konnte ich sogar die Unikliniker in München beeindrucken, bei denen wir in Behandlung waren/sind.]

Azithromycin, ein Wirkstoff der gerne als Kindersaft Zithromax oder als geteilte Tabletten (gibt es nur für erwachsene Menschen - Wirkstoffkonzentration zu hoch für Katzen) gegeben wird, taucht vor allem in dem Script der Züricher Vet-Med-Klinik bei Mykoplasmen und Chlamydien immer noch auf als Antibiotikum der 2. Wahl. Es wird darüber hinaus auch bei Pasteurellen eingesetzt - siehe Vetpharm.

Veraflox (Wirkstoff: Pradofloxacin - Wirkstoffgruppe: Fluorchinolone bzw. Gyrasehemmer), eines der modernsten Antibiotika auf dem veterinärmedizinischen Markt, wirkt wohl ähnlich gut wie Doxycyclin, aber nicht gleich gut, so zumindest bei Chlamydien - siehe diese Doktorarbeit aus München "Untersuchung der Konzentrationen von Pradofloxacin und Doxycyclin in Serum, Tränen- und Speichelflüssigkeit bei Katzen und Prüfung der Wirksamkeit von Pradofloxacin im Vergleich zu Doxycyclin bei Katzenschnupfen und Infektionen mit Chlamydophila felis und Mykoplasmen" sowie Hartmann Seite 77.
Die Vorgänger von Veraflox/Pradofloxacon sind Enrofloxacin ("Baytril") also auch Marbofloxacin ("Marbocyl") - beide ebenfalls den Fluorchinolonen bzw. Gyrasehemmern zuzurechnen. Beide haben wohl im Vergleich zu Pradofloxacin ein vermindertes Wirkstoffspektrum.
...

Geändert von FrauFreitag (14.11.2014 um 00:47 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 22:16   #9
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...
Bei dem gerne von Tierärzten auch blind verwendeten Enrofloxacin ("Baytril) kommt noch hinzu, dass es die Gefahr von Retinaschädigungen birgt - siehe Vetpharm:

"Bei Katzen kann es in sehr seltenen Fällen (Inzidenz 0,0008%) nach der Applikation von Enrofloxacin und anderen Fluoroquinolonen zu einer akuten, in der Regel irreversiblen, diffusen Retinadegeneration kommen (Wiebe 2002; Gelatt 2001; Ford 2007). Diese toxische Reaktion ist dosis- und konzentrationsabhängig. Bei jungen, gesunden Katzen können erst ab einer Enrofloxacindosierung von 20 mg/kg einmal täglich über 21 Tage verabreicht, milde bis schwere Formen der Retinadegeneration beobachtet werden (Wiebe 2002). Die Verabreichung von Enrofloxacin in einer Dosierung von 50 mg/kg 1 × täglich an junge, gesunde Katzen, kann schon nach 3 Tagen zur Erblindung als Folge von generalisierten degenerativen Veränderungen der Retina führen. Es kommt zu Veränderungen in der Fundusregion in Form einer Zunahme der Körnung und Grauverfärbung der Area zentralis und entlang der Sehfasern, gefolgt von einer generalisierten Hyperreflektivität des Tapetum lucidum (Ford 2007). Der exakte Mechanismus ist noch unbekannt, jedoch scheinen die Fluoroquinolone direkt retinotoxisch zu sein und eine hohe Affinität zu Melaninpigmenten zu besitzen. Die Entstehung einer Toxikose ist abhängig von der maximalen Konzentration des aktiven Wirkstoffes und seiner Metaboliten, welche innerhalb einer bestimmten Zeit in der Retina erreicht wird. Risiko- und prädisponierende Faktoren für eine Fluoroquinolon-induzierte Retinadegeneration bei Katzen sind:

1. hohe Dosierung oder hohe Plasmakonzentrationen des Wirkstoffes;
2. schnelle intravenöse Applikation;
3. lange Behandlungsintervalle;
4. Alter: ältere Katzen sind wesentlich gefährdeter als junge Katzen;
5. starke Belastung mit UVA-Licht während der Therapie (UVA-Licht kann die Schwere der Retinadegeneration erhöhen);
6. Medikamenteninteraktionen (erhöhte Enrofloxacinkonzentrationen im Blut);
7. Wirkstoffakkumulation infolge verminderter Metabolisierungs- und Eliminierungsfähigkeit bei alten und/oder kranken Tieren (Wiebe 2002).

Eine weitere mögliche Ursache für die toxische Retinadegeneration ist auf molekulargenetischer Ebene zu suchen. Nach der Haut ist die Retina das empfindlichste Organ gegenüber einer Phototoxizität. Normalerweise ist die Retina durch die Blut-Retina-Barriere vor photoreaktiven Substanzen geschützt. Die Blut-Retina-Barriere besteht aus tight junctions der kapillären Endothelzellen und der Pigmentepithelzellen der Retina, und einer Vielzahl von Transportproteinen. Dazu gehören z.B. das P-Glycoprotein und das sogenannte breast cancer resistance protein (BCRP oder ABCG2). Das P-Glycoprotein und ABCG2 sind auf der luminalen Membran der kapillären Endothelzellen positioniert und transportieren aktiv Substrate aus den Endothelzellen in das kapilläre Lumen zurück. Fluoroquinolone sind Substrate des ABCG2, somit ist ihre Verteilung in die Retina normalerweise beschränkt. Eine Fehlfunktion dieses Transportproteins kann zu einer Akkumulation von photoreaktiven Fluoroquinolonen in der felinen Retina führen. Eine Licht Exposition könnte dann eine phototoxische Reaktion auslösen und die charakteristische Retinadegeneration verursachen. In einer Studie konnten 4 Katzen-spezifische Veränderungen an der Aminosäurefrequenz von ABCG2 festgestellt werden. Die Funktion des felinen ABCG2 war im direkten Vergleich zum humanen ABCG2 eingeschränkt (Ramirez 2011).
Im Allgemeinen sollten Fluoroquinolone bei Katzen nur für schwere oder rezidivierende Infektionen verwendet werden. Bei älteren Katzen oder Katzen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Dosis exakt berechnet und eventuell auf 2 Gaben aufgeteilt werden. Schnelle intravenöse Injektionen sind zu vermeiden (Wiebe 2002)."


Darüber hinaus ist gerade bei Fluorchinolonen - und damit bei den gängigen beiden Wirkstoffen Enrofloxacin und Marbofloxacin (Veraflox/Pradofloxacin ist erst seit Mitte 2012 auf dem Markt) - auf eine Verschlechterung der Resistenzlage hinzuweisen - unter anderem natürlich wegen der exzessiven und oftmals blinden Verwendung in der Veterinärmedizin. Siehe dazu:
"Resistenzentwicklung gegen Marbofloxacin und Enrofloxacin" bei Vetline.de
"Chinolone in der Veterinärmedizin" von O. Robak, W. Graninger (Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Klin. Abt. für Infektionen und Tropenmedizin, Medizinische Universität Wien) für Antibiotikamonitor

Meiner persönlichen Meinung nach wären das Gründe, von einer blinden Antibiose mit vor allem Enrofloxacin abzusehen.

[TEXT FOLGT.]

Geändert von FrauFreitag (02.04.2013 um 00:53 Uhr)
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Alt 01.04.2013, 22:16   #10
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Platzhalter für die Weiterführung des Kapitels 6.

TEXT FOLGT.

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Alt 01.04.2013, 22:21   #11
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7. Bindehautentzündungen - ebenfalls ein Krankheitsbild des Katzenschnupfenkomplexes

Bindehautentzündungen, die in der Medizin als eine Konjunktivitis bezeichnet werden, sind ein sehr gängiges Krankheitsbild des Katzenschnupfenkomplexes. Wie bei allen anderen Krankheitsbildern auch - sie können alleine auftreten oder parallel zu Atemwegserkrankungen.
In jedem Falle sollte man sie aber dringend medikamentös behandeln, denn gerade mit Augen ist nicht zu spaßen, das kann, Achtung Kalauer, böse ins Auge gehen...
Ganz im Ernst: Der Verlust des Augenlichtes ist eine mögliche Konsequenz.

Hier erst einmal einige Quellen:

Die sehr ergiebige Seite der Fachtierärztin für Augenheilkunde, Sabine Wacek
:
„Bei der Katze hat die Konjunktivitis meist ihre Ursache in einem infektiösen Agens. Eine der Hauptursachen stellt das feline Herpesvirus 1 dar. […] Das typische Krankheitsbild der Infektion mit Chlamydia psittaci tritt bei Katzen jeden Alters auf und zeichnet sich durch eine meist unilaterale Konjunktivitis aus.[...] Eine Konjunktivitis kann ihre Ursache auch in einer Infektion mit Mycoplasma felis und M. gatae haben. […] Als andere Ursachen für eine Konjunktivitis bei der Katze kommen verschiedene Bakterien (Pasteurella spp., Staphylococcus spp., Streptococcus spp., Moraxella spp., Salmonella typhimurium), Reoviren und Caliciviren in Frage.“

Auf der Seite der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK) findet sich ebenfalls Hilfreiches dazu:
„Entzündungen der Bindehaut stellen ein zentrales Problem bei der Katze dar und sind keine Bagatellerkrankungen. Bindehautentzündungen werden hauptsächlich durch infektiöse Ursachen ausgelöst. Ferner kommen auch Reizungen durch äussere Faktoren (Fremdkörper, Haare, Allergene) vor. Herpesviren sind die häufigsten Erreger von Bindehautentzündungen. Erstinfektionen werden begleitet von Erkrankungen der oberen Atemwege. Betroffene Tiere zeigen Niesen, Nasenausfluss, geschwollene Lymphknoten und Fieber. Die Viren sind Wegbereiter für bakterielle Folgeinfektionen. Zunächst kann nur ein Auge betroffen sein, später folgt die Entzündung des zweiten Auges. Die Bindehäute sind teilweise stark geschwollen und gerötet. Ein zu Beginn der Erkrankung wässriger Augenausfluss wird mit fortschreitendem Krankheitsprozess schleimig-eitrig. Der Ausfluss ist dann von gelber Farbe. Herpesviren können auch Hornhautverletzungen verursachen. Dabei entstehen linienförmige bis grossflächige Hornhautläsionen, die von einwachsenden Gefässen begleitet werden können. Der Krankheitsverlauf ist manchmal sehr hartnäckig, und die Abheilung dauert oft mehrere Wochen. Bei ausgewachsenen Katzen können Infektionsschübe nur ein Auge betreffen. Nach überstandener Erstinfektion bleiben bis zu 80 % der Katzen mit dem Herpesvirus infiziert. Stressfaktoren (z. B. Ausstellungen, Besitzerwechsel, Umzug, neue Katze im Haushalt) führen nicht selten zu einem erneuten Aufflammen der Infektion. […] Bakterielle Erreger wie Chlamydien und Mykoplasmen sind ebenfalls weit verbreitet. Im Gegensatz zu den Herpesviren werden bei diesen beiden Erregern normalerweise keine Hornhautveränderungen beobachtet, ansonsten ist die klinische Unterscheidung schwierig. Chlamydieninfektionen können ein- oder beidseitig auftreten. Begleitende Erkrankungen des Atemtrakts sind weniger von Bedeutung.“

IDEXX komprimiert zum Thema.

Die Behandlungsempfehlung der oben genannten SVK (Quelle siehe oben):
„Die Behandlung der Bindehautentzündungen wird mit Virostatika-Tropfen (die bis zu 6 x täglich in die Augen verabreicht werden müssen) und bei bakteriellen Folgeinfektionen mit antibiotischen Medikamenten durchgeführt. Fazit: Viren und Bakterien sind die Hauptursache für Bindehautentzündungen bei der Katze. Der Einsatz von kortisonhaltigen Augenpräparaten ist daher bei den meisten Bindehautentzündungen falsch. Der Krankheitsverlauf kann dadurch sogar verschlimmert werden.

[→ Das kann ich gar nicht dick genug unterstreichen! Bitte, absolute Achtung: Viele Tierärzte verschreiben immer wieder Augentropfen oder -salben, die Antibiotika-Cortison-Gemische enthalten wie zum Beispiel Tiacil (Gentamycin und Dexamethason). Das ist im Falle von Viren schädlich, im Falle von (undiagnostizierten) Bakterien schädlich, im Falle von Viren+Bakterien schädlich und im Falle einer mechanischen Verletzung beim Abheilen hinderlich.]

Es gibt, soweit ich das sehe, nur einige wenige Fälle, in denen reine Cortisonsalben oder Cortison-Antibiotikum-Salben bei der Behandlung von Augenkrankheiten bei Katzen indiziert sind – ich habe bisher diese hier recherchiert:
  • Eosinophile Konjunktivitis – Als möglicherweise immunvermittelte Spätform der Herpeskonjunktivitis. Was passiert? Das Immunsystem reagiert auf nicht mehr vorhandene Viren oder Bakterien im Auge und muss deshalb langfristig mit Cortison ausgebremst werden, damit nicht das Auge in Mitleidenschaft gezogen wird)

Will sagen: Genauso wie bei Atemwegserkrankungen aus dem Katzenschnupfenkomplex verbieten sich auch bei Augenerkrankungen Cortison- als auch Antibiotika-Cortison-Gemische in nahezu allen Fällen. Sonderfälle sollten nur durch einen versierten Spezialisten diagnostiziert werden.

Die Behandlungsempfehlungen von Sabine Wacek – Quelle siehe oben - sind Folgende:
„Konjunktivitis und Keratitis
1. Virusstatika
lokal: Triherpine®-Augentropfen (Trifluorothymidin; Novartis → Auslandsapotheke Italien) mind. 4x täglich ODER Triflumann®-Augentropfen (Trifluorothymidin; Fa. Mann→ Auslandsapotheke Deutschland) mind. 4X täglich
Systemisch:
Famvir® 125mg-Tabletten (Famciclovir; Novartis) 1x täglich 1⁄4 Tablette (Welpen 1/8 Tablette)
2. Antibiotika
Gegen Sekundärerreger (Chlamydien, Mykoplasmen)
Oxytetracyclin®-Augensalbe (Tetracyclin; Jenapharm → Auslandsapotheke Deutschland) 2x täglich
3. Tränenersatz
Durch die Konjunktivitis kann es zum Zuschwellen der Ausführungsgänge der Tränendrüse kommen (der Schirmer Tränentest sollte bei der Katze in 1 Minute > 8mm sein).
4. Interferon
Felines rekombinantes Interferon omega (Virbagen omega® 10ME, Virbac)
Augentropfen herstellen: Interferon : NaCl 0.9% = 1 : 10 à 500.000 U/ml in ein Augentropffläschchen ; 3 Wochen im Kühlschrank / Monate im Tiefkühlfach haltbar
5. Eiweiss
Wird statt Arginin in das Erbgut des Herpesvirus eingebaut und reduziert somit die Replikationsrate – auch vorbeugend als lebenslange Therapie, wenn es von der Katze freiwillig aufgenommen wird.
L-Lysin-Pulver (z.B. von Richter Pharma 1kg-Säcke für die Schweinemast erhältlich, die in Tiegel
abgefüllt werden können oder über das Internet http://www.vitaviva.com als Tabletten erhältlich) 2x
täglich eine Messerspitze (250mg) über das Futter.
6. Jod touchieren
Bei Hornhauterosionen und –ulzera.
Solutio Jodi spirituosa (ca. 3,5%ig), Baumwollstieltupfer “

[Weiterer TEXT FOLGT]

Geändert von FrauFreitag (15.06.2016 um 22:45 Uhr)
FrauFreitag ist offline  
Alt 01.04.2013, 22:58   #12
FrauFreitag
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Platzhalter - für Bindehautentzündungen.

Geändert von FrauFreitag (02.04.2013 um 00:36 Uhr)
FrauFreitag ist offline  
Alt 01.04.2013, 23:36   #13
FrauFreitag
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Ein weiteres Mal ein - Platzhalter.


GEPLANT sind hier noch:
Zähne, Zahnerkrankungen - Zusammenhang Calici
Impfungen

Fällt wem noch etwas ein, fehlt was?
Gerne per PN an mich

EDIT: Juni 2015.
Lange ist es her - ich muss demnächst mal hier weiterschreiben zum Thema Zähne.

Hier schon einmal eine Linksammlung, die ich demnächst in die weiterführenden Texte einbinden werde:

Gebiss und Zähne - ein langes Fortbildungspamphlet von einem Arzt für andere Ärzte.

Geändert von FrauFreitag (24.06.2015 um 13:34 Uhr)
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Alt 02.04.2013, 00:38   #14
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Platzhalter - noch einer.
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Alt 02.04.2013, 00:42   #15
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Platzhalter - und nochmal einer.
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