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Alt 28.11.2015, 08:21   #1
Regine
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Standard Schmerzerkennung/Schmerztherapie bei Katzen

Ganz am Anfang möchte ich mich für die wahnsinnig tolle Hilfe von JFA bedanken!! JFA, danke für deinen Input, deine unendliche Geduld mit mir und deine tollen Informationen!!

1. Einleitung
Vorab sei gesagt, dass in jedem Fall nur in der Zusammenarbeit mit einem TA/TÄ agiert werden darf. Das Thema Schmerzmittel ist brisant, Schmerzmittel selber sind nur auf Rezept zu erhalten, die Dosierung sollte niemals auf eigene Faust vorgenommen werden (das kann tödlich für eure Katzen sein). Es dürfen auf gar keinen Fall Schmerzmittel für Menschen gegeben werden.
Unsere Katzen sind empfindende Wesen. Das gilt auch für das Thema Schmerz. Bei offenen Wunden, nach Operationen oder schweren Verletzungen (wie Brüchen) ist es für uns nachvollziehbar, dass unsere Katzen Schmerzen empfinden.
Schmerzmanagement muss auch für unsere Katzen möglich sein. Wer selber schon Schmerzen hatte, vielleicht sogar chronische Schmerzen, der kann nachvollziehen, dass dies die Lebensqualität unter Umständen erheblich einschränken kann.
Wie aus der Humanmedizin bekannt, gibt es akute Schmerzen und chronische Schmerzen. Schmerzen können die Herz- und Atemfrequenz, den Sauerstoffverbrauch sowie den Blutdruck erhöhen, sie senken unter Umständen die Durchblutung und die Magen-Darm-Motilität und stören/verzögern die Wundheilung.
Schmerz löst auch bei unseren Katzen Angst und Stress aus, diese wiederum können den Schmerz verstärken.
Es ist auch bekannt, dass der Körper ein sogenanntes „Schmerzgedächtnis“ aufbauen kann, aus dem dann chronische Schmerzen entstehen können.
Akute wie chronische Schmerzen sollten unbedingt behandelt werden, um die Lebensqualität zu gewährleisten bzw. wiederherzustellen.
Immer wieder wird hier im Forum über Schmerzmanagement und Schmerztherapie diskutiert, daher einmal eine Informationsgrundlage.
Dass unsere Katzen Weltmeister im Verbergen von Schmerzen sind, wird immer wieder betont und es ist manchmal nicht ganz einfach für uns zu erkennen, ob es nun Schmerzen sind.
Meine Katzen haben mir nie gezeigt, dass sie z.B. Zahnschmerzen hatten, dagegen konnte ich den akuten Pankreasschmerz sofort sehen, durch eine ungewöhnliche Körpersitzhaltung meiner Katze (sie hatte keinerlei der sonst üblichen Symptome).
(siehe Bild)


Die Ursachen ungewöhnlichen Verhaltens zu erkennen und Schmerz überhaupt wahrzunehmen, ist somit der erste Schritt, um unseren Katzen helfen lassen zu können.

Geändert von Regine (28.11.2015 um 08:38 Uhr)
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Alt 28.11.2015, 08:22   #2
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2. Schmerzen erkennen
Folgende Fragen kann man sich stellen:


Läuft und springt die Katze wie immer? Und kann sie gut springen oder nur mit Anstrengung? Zeigt sie Anzeichen von Abwehr?
Kann sie noch leicht auf den Kratzbaum oder andere erhöhte Plätze klettern? Zeigt sie Anzeichen von Aggression?
Kann sie sich noch überall putzen? Ist mangelnde Körperpflege zu erkennen? Zeigt sie Anzeichen von Berührungsempfindlichkeit?
Hat sie im Fell Verklebungen oder Verfilzungen? Ist das Fell stumpf oder matt? Hat sie eine eingezogene oder tiefe Kopfhaltung?
Spielt sie noch gerne und ausgiebig? Kauert sie oft?
Frisst sie mit gutem Appetit? Sind starke Geräusche aus dem Bauchraum mit Aufkrümmung des Rückens zu erkennen?
Riecht sie unangenehm aus dem Maul? Hat sie eine geduckte Haltung?
Lässt sie sich gerne überall anfassen und streicheln? Gibt sie Laute von sich wie: wimmern, fiepen, schreien?
Reagiert sie auf Menschen, äußere Reize oder andere Katzen wie sonst auch? Kaut sie mit schief gelegtem Kopf?
Benutzt sie ausschließlich ihr Klo für Groß und Klein?

Hat sie Schwierigkeiten beim Kotabsatz? Zeigt sie Bewegungsunlust?
Ist sie wenig aktiv oder zurückhaltend? Wirkt sie teilnahmslos? Steht sie mit aufgekrümmtem Rücken, hat einen staksigen Gang, Schwierigkeiten beim Aufstehen, danach läuft sie sich aber ein?
Ist sie manchmal auch ruhelos? Hat sie einen veränderten Gang oder ist Lahmheit zu erkennen?

Legt und setzt sie sich in einer fließenden Bewegung hin oder unterbricht sie die Bewegung dazwischen?
Hat sie zusammengekniffene, schrägstehende Augen (manchmal mit einem V dazwischen)? Macht sie eine Abwehrreaktion bei Druckausübung?
Ist sie apathisch und/oder versteckt sich? Sitzt oder liegt sie in einer ungewohnten Position (Katzen liegen gerne auf der schmerzenden Körperseite!)?
Hat sie beschleunigte Atmung oder rasenden Puls? Hat sie hohen Gewichtsverlust bei gleich bleibendem Fressverhalten?
Beleckt sie wiederholt bestimmte Stellen? Ist ein Zittern zu erkennen?
Legt sie die Ohren an? Hat sie verengte oder extrem geweitete Pupillen?
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Alt 28.11.2015, 08:23   #3
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3. Informationen rund um den Schmerz

Oberstes Ziel sollte es immer sein, den Schmerz auszuschalten und die Ursache des Schmerzes zu erkennen und zu behandeln. Manchmal ist dies leider nicht möglich.
Anzeichen für Schmerzen sind alle Verhaltensweisen, die normalerweise nicht auftreten. Jeder kennt sein eigenes Tier am besten und kann daher beurteilen, ob ein ungewöhnliches Verhalten vorliegt.
Schwieriger ist es bei chronischen Schmerzen, da diese sich über einen langen Zeitraum langsam entwickeln. Manchmal denkt man auch, das könnte altersgerechtes Verhalten sein, obwohl ein Schmerzverhalten vorliegt – degenerative Gelenkserkrankungen sind bei älteren Tieren extrem häufig.
Umso wichtiger ist es, genau hinzusehen und gegebenenfalls mit einem Tierarzt eine Diagnosefindung durchzuführen.
Manche Tierärzte probieren auch die Gabe eines Schmerzmittels und beobachten dann, ob sich das Verhalten ändert oder bessert. Wenn ja, lag wohl Schmerz vor und jetzt muss die Ursache gefunden werden, damit eine gezielte Behandlung möglich ist. Wichtig ist für uns, auch allein auftretende Symptome können auf Schmerz hindeuten.


Hilfsmittel Schmerztagebuch:

Bei immer wieder auftretenden Schmerzattacken, nach Operationen oder besonders bei chronischen Schmerzen ist es sehr hilfreich ein Schmerztagebuch zu führen.
Hier kann man tagesgenau die Medikamente mit entsprechenden Dosierungen festhalten sowie die Wirkung auf die Katze.
Auch sollte hier vermerkt werden, welche weiteren Maßnahmen (z.B. Wärme, Kälte, Verbände) gut geholfen haben und über welchen Zeitraum.
Bei chronischen Schmerzen ist es besonders wichtig eine Dosierung zu finden, die den Schmerz nimmt und damit die Lebensqualität verbessert, aber eben möglichst wenige Nebenwirkungen hervorruft.


Therapeutische Maßnahmen in spezifischen Situationen:

Leider gibt es nicht für die Krankheit XY das Schmerzmittel Z und damit ist gut.
Jede Katze reagiert individuell auf Schmerz und auch auf Medikamente. Was also für den einen Schmerz bei Katze A super ist, ist für denselben Schmerz bei Katze B unter Umständen schlecht. Das muss man bedenken, wenn man über Schmerzmittel nachdenkt, spricht und diese anwenden will.
Auch zeigt sich dieselbe Erkrankung bei jeder Katze unterschiedlich die Stärke des Schmerzes wird ebenfalls unterschiedlich wahrgenommen und/oder gezeigt.

Auch Physiotherapie oder Akupunktur können helfen, Schmerzen zu lindern. So können Schmerzmittel u.U. reduziert oder ganz weggelassen werden, wobei diese Maßnahmen unter Umständen wirklich nur begleitend eingesetzt werden sollten.


Schmerzgedächtnis:

Gibt es im Körper so etwas wie ein Schmerzgedächtnis?
Ja, gibt es.
Bei dauerhaftem Schmerz werden die Nervenbahnen, die diesen Schmerz leiten, ständig gereizt. Diese Reizsignale werden an das Gehirn weitergeleitet. Wenn ein Schmerz lange anhält, auch wenn er nicht stärker wird, denken die Nervenzellen um und senden permanent Signale an das Gehirn. Dort merken sich die Gehirnzellen den Schmerzreiz und selbst wenn die Ursache des Schmerzes behandelt ist und kein Schmerz mehr vorliegt, suggeriert das Gehirn weiterhin Schmerz. Dauerschmerz beeinflusst sogar die genetische Aktivität der Nervenzelle. Es bilden sich neue Eiweißketten, die die Zellmembran so verändern, dass die Nervenzelle nun schneller reagiert. Die Folge: mehr Schmerz.
Ein weiteres Problem eines Schmerzgedächtnisses ist es, dass die Schmerzmedikamente mit der Zeit nicht mehr richtig wirken bzw. dass überhaupt Schmerzmedikamente gegeben werden müssen, obwohl gar keine Schmerzursache vorhanden ist, aber dennoch ein Schmerz empfunden wird.
Oberstes Ziel ist es also hier, den Schmerz und seine Ursache frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, damit es erst gar nicht zu einem Schmerzgedächtnis kommt.
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Alt 28.11.2015, 08:24   #4
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4. Perioperativer (im zeitlichen Umfeld eines chirurgischen Eingriffs) Schmerz

Vor, während und nach einer Operation wird der Tierarzt Schmerzmedikamente verwenden.

Dies dient einer Vorbeugung gegen Infektionen, einer verbesserten Wundheilung, einer verbesserten Durchblutung und nicht zuletzt dem körperlichen Wohlbefinden nach der Operation, um die Genesung positiv zu beeinflussen.

Während einer Operation bedeuten Schmerzmedikamente, dass zum einen die Dosis der Narkosemittel niedriger sein kann, was dann wieder zu weniger Komplikationen bzw. Belastungen des Körpers führt. Zum anderen gibt es Narkosemittel, die zwar das Bewusstsein ausschalten, nicht aber das Schmerzempfinden. Je nach Bedarf, Ursache und Anlass der Narkose hilft man so dem Körper, den entstehenden Schmerz nicht oder nur gering zu empfinden.

Nach einer Operation sind Schmerzmittel wichtig, damit sich der Körper in Ruhe erholen kann, kein Schmerzgedächtnis aufgebaut wird und das allgemeine Wohlbefinden schnellstmöglich wieder hergestellt wird.

Empfohlen werden (ITIS) während der Operation Opioide, die gegen den akuten Schmerz wirken. Nach einer Operation wird meist mit NSAIDs gearbeitet, da diese sowohl schmerzlindernd wirken, die Wirkung der Opioide verstärken können und auch entzündungshemmend wirken.
Eine zusätzliche Verwendung von Schmerzmittel, also die Kombination der Gabe von Opioiden und Schmerzmitteln, sollte man in Einzelfall mit dem TA besprechen, in wieweit Nebenwirkungen dadurch reduziert werden können und/oder die Schmerzlinderung verstärkt wird.

Nach der Operation hängt die Entscheidung für ein bestimmtes Schmerzmittel ebenfalls davon ab, welcher chirurgische Eingriff vorgenommen wurde sowie welche weiteren, eventuell chronischen, Erkrankungen vorliegen.
In der Regel werden dies NSAIDs bei leichten bis mittelschweren Schmerzen sein, Opioide bei starken Schmerzen, eventuell kombiniert mit NSAIDs.

Wichtig im Zusammenhang mit Operationen ist also folgendes: Schmerz vor, während und nach der OP möglichst gering halten bis ganz ausschalten.
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Alt 28.11.2015, 08:24   #5
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5. Akutes (Poly-)Trauma

Ein akutes Polytrauma ist eine lebensbedrohliche Mehrfachverletzung. Oft tritt es in verschiedenen Körperregionen auf, zum Beispiel nach einem Autounfall.
Ein Schockzustand in einer solchen Situation ist zu erwarten und kann an folgenden Merkmalen erkannt werden:
Teilnahmslosigkeit bis hin zur Apathie, starrer Blick, keinerlei Interesse an der Umgebung, schnelle und flache Atmung, blasse Schleimhäute. Ein Schockzustand ist eine lebensbedrohliche Situation, er kann zum Kreislaufkollaps führen und muss, ebenso wie der Auslöser, ebenfalls behandelt werden.
Durch den Schock werden oft starke Schmerzen nicht wahrgenommen, diese müssen aber unbedingt mitbehandelt werden.

Exkurs Behandlung von Schockzuständen:
- Tierrettung / Tierarzt rufen oder so schnell wie möglich in die nächste TK bringen
- warm zudecken und für eine warme, weiche Unterlage sorgen
- für ausreichend Atemluft sorgen, den Hals leicht überstrecken
- eventuelle Blutungen stillen
- beruhigend reden

Erste Hilfe bei Katzen: http://www.katzen-fieber.de/erste-hilfe.php

„Empfohlen werden bei starken Schmerzen (Brüche, Rückgratverletzungen, Bauchverletzungen) Opioide. Bei mittleren bis schwachen Schmerzen werden Opioide oder Metamizol empfohlen.

Abgeraten wird deutlich von Opioiden bei Kopfverletzungen sowie von NSAIDs bei Schock (mögliche Folge könnte sonst ein Nierenversagen sein).“
Quelle: http://www.bundestieraerztekammer.de...012%20ITIS.pdf
Verbände, Wärme oder Kühlung verletzter Partien können ebenfalls hilfreich sein, Schmerzen zu minimieren.
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Alt 28.11.2015, 08:25   #6
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6. Akuter orthopädischer Schmerz / chronisch degenerative Gelenkerkrankungen


Nicht jeder orthopädische Schmerz ist verursacht durch z.B. einen Knochenbruch. Auch Arthrosen oder Spondylosen zählen zu orthopädischem Schmerz.
Jeder Knochen im Körper kann brechen, auch Luxationen (Auskugeln) von Gelenken kann bei Katzen vorkommen, ist wohl aber eher selten.

siehe dazu: https://books.google.de/books?id=CJ0...rsache&f=false


Therapeutisch können Brüche entweder operiert und gerichtet werden oder geschient und gegipst werden.
Bei Luxationen müssen die Gelenkknochen wieder in das zugehörige Gelenk eingesetzt werden und dieses muss dann ruhig gestellt werden, unter Umständen muss die Katze einige Zeit in eine Box. Methoden dafür sind konservativ oder chirurgisch.

Beispiel Hüftgelenksluxation:
https://www.enpevet.de/Lexicon/ShowA...rticleid=40897


Schmerzmittel der Wahl sind hier wohl NSAIDs aufgrund der sowohl entzündungshemmenden wie auch schmerzreduzierenden Wirkung.
Wichtig hier wieder: es darf zu keinem Schmerzgedächtnis kommen.

Arthrosen und Spondylosen zählen zu den degenerativen Gelenkerkrankungen. Arthrosen können durch z.B. Luxationen hervorgerufen werden. Eine andere Ursache kann der Verlust an Knorpelgewebe, die Bildung von wildem Knochengewebe oder der Umbau eines Knochens sein.
Meist beginnt eine Arthrose mit einem Knorpelschaden, der wiederrum die Gelenkkapsel entzündet. Durch diese Entzündung wird vermehrt Gelenkschmiere aufgebaut, die aber nicht dem Original entspricht und daher nicht ausreicht. Die große Produktion an minderwertiger Gelenkschmiere führt auch dazu, das die Gelenkkapsel anschwillt, der Körper versucht sich selbst zu helfen und produziert mehr festes Bindegewebe, welches das Gelenk durchsetzt, um das Gelenk zu stabilisieren.
Das Gelenk wird mit zunehmendem Bindegewebe steif, dick, es verliert seine Beweglichkeit.
Der gesamte Vorgang ist äußerst schmerzhaft.


„• Als Methode der Wahl gilt die Anwendung eines NSAIDs.
• Für einen dauerhaften Erfolg der Schmerztherapie ist es notwendig, initial eine Therapie von mindestens 4 bis 12 Wochen durchzuführen. In Abhängigkeit von den klinischen Symptomen kann eine Langzeitanwendung notwendig werden.
• Die klinischen Erfahrungen haben gezeigt, dass Tiere individuell unterschiedlich auf verschiedene NSAIDs reagieren können. Bei unzureichendem Therapieerfolg ist deshalb der Wechsel zu einem anderen NSAID sinnvoll.
• Erzielt keines der NSAIDs den gewünschten Erfolg, kann als Ultima Ratio ein Glukokortikoid angewendet werden.
Glukokortikoide besitzen jedoch für diese Indikation keine Zulassung.“
Quelle: http://www.bundestieraerztekammer.de...012%20ITIS.pdf

Zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten sind Akupunktur, Physiotherapie und, gegebenenfalls, Gewichtsreduktion.

Ein kleiner Erfahrungsbericht zum Thema Physiotherapie von JFA:

Physiotherapie ist bei Katzen nicht so einfach zu bewerkstelligen wie bei Hunden, da sie häufig nicht so wirklich kooperativ sind und man als Halter den Großteil der Übungen (natürlich nach Anleitung durch eine/n Tierphysiotherapeut/in) alleine durchführen muss.
Gerade bei degenerativen Gelenkserkrankungen kann sie aber sehr hilfreich sein, weil man durch gezielte Übungen die Gelenke „schmieren“ und damit beweglicher halten kann und vor allem gezielt Muskeln aufbauen kann, die dann wiederum Gelenke und Wirbel unterstützen.
Mein Senior-Spondylosekater hat durch die Physiotherapie innerhalb von zwei Monaten sichtbar Muskeln aufgebaut, ist wieder um einiges beweglicher, benötigt weniger Schmerzmittel als vorher und hat massiv an Lebensqualität hinzugewonnen.
Alleine mit Schmerzmitteln hätten wir den Zustand definitiv nicht erreicht. Ich kann das also wirklich nur jedem ans Herz legen.

Vorsicht: „Tierphysiotherapeut“ ist kein geschützter Begriff. Man sollte daher immer darauf achten, wie gut die Ausbildung des oder der Physiotherapeutin tatsächlich ist – theoretisch kann man sich auch nach einem Wochenendseminar so nennen.
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Alt 28.11.2015, 08:26   #7
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7. Abdominaler Schmerz


Schmerzen im Bauchraum können ausgelöst werden durch z.B. Pankreatitis, Tumore, Leberentzündungen, Zysten.
Das Empfinden dieses Schmerzes kann dumpf, schneidend oder krampfartig sein.
Wie schon zu Beginn erwähnt, führt abdominaler Schmerz bei Katzen sehr oft zur Futterverweigerung, was dann wieder weitere Probleme nach sich ziehen kann (Stichwort: hepatische Lipidose).
Vergleiche auch: https://books.google.de/books?id=CV0...0katze&f=false

Eine Ursachenfindung dieser Schmerzen hat absoluten Vorrang, damit eine therapeutische Behandlung durchgeführt werden kann.
Dennoch sind diese Schmerzen nicht zu unterschätzen und sollten auch schon während der Diagnosefindung mit Schmerzmitteln behandelt werden. Wir alle wissen wie schlimm es werden kann, sollte die Katze das Fressen einstellen. Abdominaler Schmerz kann genau dazu führen.

ITIS empfiehlt hier den Einsatz von Metamizol bis zum Abschluss der Diagnosefindung wegen der geringen Nebenwirkungen. Auch Opioide können zum Einsatz kommen.

Zu beachten ist hier nicht nur die Wirkungsdauer des Schmerzmittels, sondern auch die Dauer bis das Schmerzmittel greift. Bei Opioiden ist dies ein längerer Zeitraum als z.B. bei Metamizol.
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Alt 28.11.2015, 08:27   #8
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8. Schmerzen an Zähnen, Ohren und Augen



(Bild von Tiha zur Verfügung gestellt, danke Tiha!!)

Wer einen solchen Zahn sieht, kann sich vielleicht vorstellen, mit welchen Schmerzen das verbunden sein muss.

Schmerzbehandlung bei Zähnen sollte sofort nach Erkennen eines Zahnproblems erfolgen und nicht erst nach der wahrscheinlich notwendigen Operation. Oft ist auch das umliegende Zahnfleisch betroffen und stark entzündet.
„Auch die Nervenzellen der Zahnhöhle übertreffen bei weitem die der Haut, bis zum vierzigfachen!“
siehe Quelle: http://www.tierarztpraxis-moeller.de...-muenchen.html


NSAIDs bieten sich hier an, da sie auch entzündungshemmend wirken. Auch eine Verwendung von Opioiden wird, besonders bei geriatrischen (älteren) Patienten, empfohlen. Eine Behandlung sollte so schnell wie möglich erfolgen, da sonst das Schmerzgedächtnis (cave - > Achtung) zum Tragen kommt.


Ohrenschmerzen (Otitis)

Es gibt mehr Ohrerkrankungen unserer Katzen als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Klassisch bekannt ist der Befall mit Milben. Viele Katzen haben im Laufe Ihres Lebens einmal oder öfter einen Milbenbefall in den Ohren.
Dieser geht einher mit Rötung, Schwellung und Juckreiz bis hin zur Verkrustung und Verstopfung des Gehörganges.
Die Gehörgänge müssen gereinigt werden und es sollte über einen längeren Zeitraum eine Anti-Parasiten-Behandlung erfolgen.
Kratzer im Ohr, aufgrund des Juckreizes, können zu einer dauerhaften Deformierung des Ohres führen und sollten behandelt werden.
Auch Bakterien und Pilze können zu Entzündungen des Ohres führen und müssen mit Antibiotika behandelt werden ebenso wie Bissverletzungen am äußeren Ohr, besonders wenn der Knorpel mitbetroffen ist.

Infektionen des Nasen- oder Rachenraumes können in die Ohren aufsteigen und zu einer Otitis media (= Mittelohrentzündung) führen.
Diese ist schmerzhaft und sollte mit Schmerzmitteln begleitet werden, es bieten sich hier NSAIDs aufgrund der auch entzündungshemmenden Wirkung an.

Bei Erkrankungen des Innenohres kann es, wenn sie nicht behandelt werden, zu Ausfallerscheinungen, Gleichgewichtsstörungen, Schielen, weiterführenden Erkrankungen des Zentralennervensystems, Hirnhautentzündungen und Epilepsie kommen.

„Ohrenerkrankungen sollten mit Schmerzmitteln begleitet werden, besonders bei Gehörgangsentfernungen und/oder zerstörtem Trommelfell. Hier werden Opioide oder Metamizol empfohlen.“
Quelle: http://www.bundestieraerztekammer.de...012%20ITIS.pdf


Augenschmerzen

Erkrankungen der Augen einer Katze sind in der Regel sehr schmerzhaft.
Bei Veränderungen der Augen sollte daher immer schnellstmöglich ein TA aufgesucht werden und auch eine Schmerztherapie, neben der ursächlichen Behandlung, begonnen werden.

„So enthält die Hornhaut 300 bis 600 Mal mehr Nervenzellen als die Körperhaut. Ein Hornhautgeschwür der Katze, wie es bei Herpesinfektionen vorkommen kann, darf also niemals unbehandelt bleiben.“ siehe Quelle: http://www.tierarztpraxis-moeller.de...-muenchen.html


Wer sich näher mit den unterschiedlichsten Erkrankungen des Auges beschäftigen möchte: http://www.eyevet.ch/augerkrankg.html
http://www.mueller-heinsberg.de/html...ckmessung.html


Zu beachten ist:
„• NSAIDs sind die wichtigsten Analgetika in der Ophthalmologie.
• Atropin und andere Zykloplegika wirken analgetisch bei Erkrankungen, die zu einer Reizmiose (= Pupillenengstellung) (z. B. Uveitis) führen. Die Schmerzreduktion wird durch Entspannung des Irissphinkters und des Ziliarmuskels erzielt (Cave! Sekundärglaukom).
• Topische NSAIDs und Glukokortikoide dürfen nicht bei Verletzungen der Hornhaut eingesetzt werden, da sie die Wundheilung stören.“
Quelle: http://www.bundestieraerztekammer.de...012%20ITIS.pdf

Geändert von Regine (28.11.2015 um 08:44 Uhr)
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Alt 28.11.2015, 08:27   #9
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9. Akute Diskopathie

Krankhafte Veränderungen der Bandscheibe unterliegen dem Sammelbegriff „Diskopathie“.
Die weich-elastischen Bandscheiben sitzen zwischen den Wirbelkörpern und ermöglichen den knöchernen Wirbeln eine gewisse Beweglichkeit. Dies wirkt bei Bewegung wie ein Puffer oder Stoßdämpfer.


„Grundsätzlich gibt es zwei Formen von Bandscheibenvorfällen:
1. Der faserknorpelige Ring reißt ein und der gallertige Kern fällt plötzlich in Richtung Rückenmark in den Wirbelkanal vor (Bandscheibenvorfall Hansen Typ 1). Diese Vorfälle sind meistens mit einer akuten Symptomatik verbunden (plötzliche Schmerzen, plötzliche neurologische Ausfälle bzw. Lähmungserscheinungen). Teilweise beginnt die Symptomatik mit plötzlichen Schmerzen und verschlimmert sich dann durch den Vorfall weiteren Bandscheibenmaterials, einen Bluterguss oder die entzündliche Reaktionen weiter.
2. Es kommt zur Aufweichung des Faserringes. Er wölbt sich vor. Der Gallertkern ist zu diesem Zeitpunkt meistens ebenfalls schon degeneriert und drückt den Faserring weiter vor in Richtung Rückenmark (Hansen Typ 2). Die Symptome entwickeln sich bei dieser Form häufig schleichend und werden nach und nach schlechter. Durch die lang anhaltende Beeinträchtigung der Blutversorgung treten hier häufiger Dauerschäden der Nerven auf, die Prognose ist also bei vergleichbaren Ausfällen in der Regel schlechter als bei Hansen Typ 1-Vorfällen.“
siehe Quelle: http://www.kleintierspezialisten.de/...l-discopathie/


Bandscheibenvorfälle können die gesamte Wirbelsäule betreffen, besonders schmerzhaft soll es an der Halswirbelsäule sein.
Im Lendenwirbelbereich kann es zu schweren Lähmungen und Ausfällen der Darm- und Blasenfunktion führen.

„Empfohlen werden als Schmerzmittel NSAIDs mit absoluter Ruhigstellung der Katze. In einigen Fällen kann eine Operation notwendig und hilfreich sein.“ (http://www.tierklinik-kaiserberg.de/...ie/discopathie )

Katzen mit Bandscheibenvorfällen brauchen besondere Pflege und Aufmerksamkeit. Was ebenfalls hilfreich sein kann, ist eine Physiotherapie.
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Alt 28.11.2015, 08:28   #10
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10. Tumorschmerz

Tumore zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Katzen. Sie entstehen z.B. durch unkontrollierte Teilung der Körperzellen. Durch die Veränderung der Zellen können diese ihre normale Funktion nicht mehr vollbringen. Wie bei Menschen auch gibt es lokale, eingekapselte Tumore oder auch sich im ganzen Körper verteilende Tumorzellen. Auch gutartige Tumore können durch die Druckbelastung auf umliegende Organe Schmerzprobleme hervorrufen. Bösartige Tumore, die unter Umständen auch streuen können, sind ebenfalls mit schmerzhaften Prozessen verbunden, da sie langfristig die Funktionen des Körpers außer Kraft setzen.

Wer mehr lesen möchte, eine Beispielquelle: http://www.tierklinik-hofheim.de/fil...tierpraxis.pdf

Tumorschmerzen sollten unbedingt mit einer Schmerztherapie behandelt werden. Morphine sind wohl besonders hilfreich:
„…. wurde den Katzen leider lange Zeit eine ansonsten sehr gut verträgliche und nebenwirkungsarme Methode der Schmerzbekämpfung vorenthalten. Morphine wirken besonders gut auf Eingeweide- und Tumorschmerzen und sind hierbei allen anderen Schmerzmitteln überlegen. Morphine gehören arzeneimittelrechtlich zu den Betäubungsmitteln und dürfen daher nur von Ärzten verschrieben werden.“ Quelle: http://www.tierarztpraxis-moeller.de...-muenchen.html


Anwendung findet wohl auch bei der Katze immer noch das 3-Stufen-Schema (Mensch).
siehe: http://flexikon.doccheck.com/de/WHO-Stufenschema

Tumore, die operabel behandelbar sind, sollten auch entfernt werden. Bei inoperablen Tumoren sollte für ein ausreichendes Schmerzmanagement für die verbleibende Zeit gesorgt werden.
Auch Chemotherapie oder Bestrahlung, anstelle von Operationen oder auch nach Operationen, sind eine Behandlungsmöglichkeit. Auch hier muss mit Schmerzmitteln weitergearbeitet werden, wobei die Dosierung einer ständigen individuellen Anpassung bedarf.

weiterführende Quellen zu Bestrahlung: http://www.tierklinik-hofheim.de/die...stherapie.html
http://www.tiergesundheitszentrum.co...ahlentherapie/
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