ZFE / FORL / Zahn-OP - Unsere Erfahrungen

Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen

Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.
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Gargantua

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Hallo zusammen,

meistens bin ich hier nur stiller Mitleser, möchte aber nun - da ich um Erfahrungsberichte schon etliche Male froh war - auch etwas posten zu diesem mühseligen Thema. Ist etwas lang, aber es ist auch eine langwierige Geschichte.

Unser Sorgenkätzchen Baghi (bald zweijährig) hatte seit dem Zahnwechsel (!) mit ZFE zu kämpfen (dies nebst ihrer seit Babyalter bestehenden chronischen Darmentzündung). Dies ging zunächst mit penetrantem Geruch aus dem Maul (nicht nur der übliche Raubtiergeruch, sondern richtig eklig faulig) einher und geschwollenen Lymphknötchen. Nach und nach kamen weitere Symptome dazu: Sie öffnete beim Gähnen das Maul nicht mehr ganz, miaute teilweise beim Fressen oder wenn sie auf ein Spielzeug biss, verlor Futterstückchen beim Fressen und sabberte teilweise stark. Der Abstrich war Calici-positiv, behandelt wurde zunächst mit diversen immunstärkenden bzw. -modulierenden Mitteln, was nichts gebracht hat.
Irgendwann begann sie sehr schlecht zu fressen. Unter Schmerzmitteln besserte sich das Fressverhalten sofort, aber immer nur vorübergehend. Vor zwei Wochen wurden ihr nun alle Backenzähne gezogen, da diese wackelten, die Zahnhälse freilagen und laut TA kaum mehr verankert und teilweise zersetzt waren. Diagnose: Forl (leider ohne Röntgen).
Die erste Woche nach der OP war gar nicht toll. Als Schmerzmittel erhielt sie zunächst ein Opiat gespritzt, Metacam kam nicht in Frage, da sie beim letzten Mal mit totaler Apathie darauf reagiert hatte. Das Opiat hatte - anders als bei Menschen - eine enorm aufputschende Wirkung, was mir auch nicht so behagte, aber besser als Apathie. Zur Nachbehandlung bekamen wir Onsior-Tabletten (auch ein NSAID). Gut ist, dass dieses Mittel offenbar einen angenehmen Geschmack hat und sehr schnell wirkt, nur leider lässt die Wirkung auch schnell wieder nach (Halbwertszeit ist etwa 1,5h). Sobald die Schmerzen zurückkehrten sabberte die Kleine stark, das Zünglein hing ihr ständig raus, sie frass und trank kaum, schlief nur und war deutlich reduziert. Nach ca. 8 Tagen gings dann endlich bergauf. Der Maulgeruch war weg, das Sabbern und Heraushängen der Zunge hörten auf und sie begann wieder richtig zu fressen - ganz ohne Schmerzmittel. Mittlerweile ist ihr Gesamtzustand so gut wie schon lange nicht mehr, sie hat sehr deutlich an Lebensqualität und -freude gewonnen und scheint die fehlenden Zähne kein bisschen zu vermissen. Sollte die Entzündung weiterhin persistieren bzw. wieder schlimmer werden, soll mit Megecat behandelt werden, was mir gar nicht behagt. Sie bekommt schon wg. ihrer Darmgeschichte ein Medi, dass eigentlich nicht dazu bestimmt ist, aber der Erfolg damit ist beträchtlich. Im Moment hat sie noch einen rötlichen Saum, wo die Zähne waren, ich hoffe das bessert sich noch. Ihr Blutbild (gemacht vor der OP) war übrigens in Ordnung, abgesehen von erhöhten Leukos und Eiweissen, was aber laut TA mit den diversen Entzündungsherden zusammenhänge.

Die Kleine hat nun wieder Lebensqualität und das ist das Wichtigste. Leider blieben bei der Geschichte etliche Fragezeichen:
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Darm- und der Zahngeschichte?
- Gibt es eine "übergeordnete" Erkrankung, die wir noch nicht gefunden haben? Welche könnte das sein?
- Haben wir es mit einer Über- oder Unterreaktion des Immunsystems zu tun?
- Was ist die Rolle dieses Calici-Virus? Kann dieses auch für die Darmentzündung verantwortlich sein?

Falls hier jemand weiterführende Hinweise hat, wäre ich sehr interessiert!

LG und alles Gute für Eure pelzigen Patienten,
Gargantua
 
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FrauFreitag

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Die Kleine hat nun wieder Lebensqualität und das ist das Wichtigste. Leider blieben bei der Geschichte etliche Fragezeichen:
1 - Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Darm- und der Zahngeschichte?
2 - Gibt es eine "übergeordnete" Erkrankung, die wir noch nicht gefunden haben? Welche könnte das sein?
3 - Haben wir es mit einer Über- oder Unterreaktion des Immunsystems zu tun?
4 - Was ist die Rolle dieses Calici-Virus? Kann dieses auch für die Darmentzündung verantwortlich sein?

Falls hier jemand weiterführende Hinweise hat, wäre ich sehr interessiert!

zu deinen fragen, ich habe sie mal durchnummeriert:
1 & 2 - nicht auf den ersten blick, nein. caliciviren treten, soweit ich weiß und soweit ich in allen mir zugänglichen publikationen nachgeschaut habe, NICHT im darm auf, sondern lediglich als erreger aus dem katzenschnupfenkomplex im rahmen von atemwegsinfektionen (im falle von calici: OBERE atemwege). es finden sich im netz ein paar wenige threads im zusammenhang mit calici&darm, ICH persönlich halte diese für absoluten nonsens auf basis meines wissenstandes und es gibt keine einzige seriöse quelle, die diesbezüglich etwas belegen würde. ABER: selbstredend ist das immunsystem (bzw. der zustand desselben) eine klammer, sprich eine übergeordnete instanz, die auswirkungen auf die entwicklung beider erkrankungen hat.
3 - UNTERfunktion bzw. immunsystem ist NICHT STARK genug!
4 - calici ist ein virus aus dem katzenschnupfenkomplex. dagegen wird geimpft, ja. diese impfung ist sinnvoll und sollte gemacht werden (= core-impfung), sie schützt aber weder vor ansteckung noch ausbruch der erkrankung, sondern mildert lediglich die symptome. da es für calici keine sogenannten virostatika gibt, ergo mittel, die DIREKT das wachstum/die ausbreitung des virus verhindern, ist das trotzdem sehr wichtig.
calici kann, wie schon erwähnt, infektionen der oberen atemwege verursachen, die sich im regelfall durch läsionen, rötungen, bläschen im rachen zeigen (achtung: hier muss im zweifelsfall gecheckt werden, ob calici und/oder herpes vorliegt, da beide ähnliche symptome zeigen!).
verringerter appetit und/oder einstellen des fressens, vermehrtes speicheln sind gängige symptome, darüber hinaus tritt calici SEHR OFT (!) im zusammenhang mit forl auf, was auf eine (bisher meines wissens nach noch nicht eindeutig und zahlreich genug belegte) korrelation hindeutet.

WAS genau hat der arzt gemacht bei der zahn-op?
warum wurde nicht dental geröntgt?
warst du bei einem FACHtierarzt für zahnheilkunde?
was für immunpusher wurden gegeben in welcher dosierung?

wenn hier tatsächlich trotz wackelnder zähne NICHT geröngt wurde trotz verdachtes auf forl (immerhin gut, dass der arzt weiß, dass es das gibt) halte ich das für "mutig" bis fahrlässig.

bei forl sollte ein kundiger tierarzt mit zusätzlicher zahnmedizinischer ausbildung ran, der genügend erfahrung, kompetenz und technische möglichkeiten (dentalröntgen!) besitzt.
zuallererst sieht man von außen oft nicht, wenn andere zähne betroffen sind und/oder noch wurzelreste vorliegen, darüber hinaus sollte man bei forl ohnehin eher großzügiger vorgehen und zur not auch umliegende zähne ziehen. siehe z.b. hier:
https://pawpeds.com/pawacademy/health/teeth/FORL.pdf

mockert die entzündung weiter in form von betroffenen zähnen, die aber drin geblieben sind, weil sie oberflächlich "heil" aussehen und/oder übersehenen wurzelresten, ist das richtig kacke in mehrfacher hinsicht. unter anderem aber hauptsächlich auch der, dass unbehandelte zahnprobleme bei katzen sehr gerne mal auf die nieren gehen - und nierenversagen ist die häufigste todesursache bei katzen.
 
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Gargantua

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Danke für Deine Antwort! Es klingt so, als hättest Du auch schon Tiere mit chronischer Darmentzündung gehabt? Wie hast Du's in Griff gekriegt?

Bezüglich des Immunsystems bin ich mir nicht sicher, ob es nicht auch eine Über- bzw. Autoreaktion sein könnte. Für die Darmentzündung wurden trotz unzähligen Kotprofilen und einer Biopsie keine auslösenden Erreger gefunden (Stichwort IBD) und Forl wäre (nach meinem Wissensstand) auch eher eine Autoimmun-Geschichte... Bezüglich Calici: Von einer Korrelation habe ich auch schon gelesen, aber wie wir wissen gibt's auch eine Korrelation zwischen dem Vorkommen von Störchen und der Geburtenrate ;-) Mich würde interessieren, ob man ein kausales Geschehen nachweisen kann.

Zur Stärkung des Immunsystems wurden v.a. Vitamine (Name ist mir entfallen) gegeben und massenhaft Impromune. Die Katzenschnupfenimpfung haben wir übrigens auf Anraten der Ex-TÄ im empfohlenen Zeitpunkt gemacht, sehr wahrscheinlich war sie zu diesem Zeitpunkt aber schon infiziert (wir haben sie in einem schlimmen Allgemeinzustand aus fraglicher Haltung gerettet).

Dass nicht geröngt wurde, ist in der Tat schlecht (und war so auch nicht abgesprochen leider). Der TA fand den Befund dermassen klar, dass er die Zähne, die nicht mehr gehalten haben, direkt gezogen hat (die Zähne waren an einem Stück, mit Wurzel). Das Vorgehen war unschön, darüber muss man nicht diskutieren. Aber wenn die Entzündung nun tatsächlich verschwinden oder sich auf ein erträgliches Mass reduzieren sollte, wonach es zur Zeit aussieht, bin ich mehr als froh. Klar muss man das Ganze nun im Auge behalten. Nierenwerte waren - obwohl ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet habe angesichts der zeitlebens schwelenden Entzündungsherde und unzähligen Medikamentengaben - unauffällig. Ich habe auch eine Katze an CNI verloren, gsd erst im hohen Alter (19).
 
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FrauFreitag

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Danke für Deine Antwort! Es klingt so, als hättest Du auch schon Tiere mit chronischer Darmentzündung gehabt? Wie hast Du's in Griff gekriegt?

nicht wirklich gut, diesbezüglich bin ich keine gute hilfe.
ist ohnehin eine ziemlich individuelle geschichte und jeder sagt etwas anderes. wissenschaftliches zu dem thema ist rar, zumindest in bezug auf darmaufbau.

Bezüglich des Immunsystems bin ich mir nicht sicher, ob es nicht auch eine Über- bzw. Autoreaktion sein könnte. Für die Darmentzündung wurden trotz unzähligen Kotprofilen und einer Biopsie keine auslösenden Erreger gefunden (Stichwort IBD) und Forl wäre (nach meinem Wissensstand) auch eher eine Autoimmun-Geschichte... Bezüglich Calici: Von einer Korrelation habe ich auch schon gelesen, aber wie wir wissen gibt's auch eine Korrelation zwischen dem Vorkommen von Störchen und der Geburtenrate ;-) Mich würde interessieren, ob man ein kausales Geschehen nachweisen kann.

ich bezog die UNTERfunktion des immunsystems auf den calicivirus.
und hier etwas zu geben - sprich: bei einem akuten schub, ansonsten ist es ohnehin nicht nachweisbar, ob eine katze caliciträger ist oder nicht -, dass das immunsystem unterdrückt, wäre sehr wahrscheinlich fatal.

man geht bei forl aktuell eher von einer störung des calciumhaushaltes aus, evtl. auch von hormonellen störungen. bewiesen ist noch nichts. eine autoimmunerkrankung ist es insofern, als dass der körper den zahn angeht, ja. trotzdem lässt es sich nicht mit cortison stoppen, das ja bei einer autoimmunerkrankung eigentlich deren aktivität ausbremsen sollte.
http://www.svk-asmpa.ch/katze/zahn/zahn2.htm

was forl und calici angeht: es gibt etliche fälle, bei denen beides vorkommt. darüber hinaus wird ständig angeraten, bei calici auch nach den zähnen schauen zu lassen und es gibt viele berichte darüber, wie calici, der vorher trotz immunpushern usw. nicht in den griff zu bekommen war, nach einer umfassenden und korrekt vorgenommenen zahnsanierung ruhe gibt, ob nun temporär oder dauerhaft.

das leuchtet allerdings auch von seitens des immunsystems ein: entzündungsherde und viraler befall ist eben eine doppelbelastung.

mir ist bislang noch keine studie bekannt, die eine korrelation von forl und calici belegt. es MUSS ja aber auch nicht zusammen auftreten und - tierzahnmedizin ist noch keine soo alte disziplin. viele unikliniken haben keine zahnspezialisten, es gibt bisher, soweit ich das weiß, noch keine facharztrichtung in diesem bereich. die ganzen zahntierärzte, die es gibt, haben unter anderem bei dr. eickhoff gelernt, der schon lange tätig ist, nur zähne macht, ein doppelstudium absolviert hat (zahn- und tiermedizin) und auch einige der standardpublikationen zum thema zu verantworten hat.

ist vermutlich eine frage der zeit, nehme ich an.

Zur Stärkung des Immunsystems wurden v.a. Vitamine (Name ist mir entfallen) gegeben und massenhaft Impromune. Die Katzenschnupfenimpfung haben wir übrigens auf Anraten der Ex-TÄ im empfohlenen Zeitpunkt gemacht, sehr wahrscheinlich war sie zu diesem Zeitpunkt aber schon infiziert (wir haben sie in einem schlimmen Allgemeinzustand aus fraglicher Haltung gerettet).

gängig sind gegen calici vor allem feliserin und interferon.
vitamine und imopromune würde ich bei einem fetten calicischub nicht als ausreichend ansehen, weil ihre wirkwahrscheinlichkeit noch mehr in frage zu stellen ist bzw. noch unwahrscheinlicher und "schwächer" ist als die von den beiden genannten.

was calici angeht: man kann ohnehin bei keiner katze sagen, ob sie caliciträger ist oder nicht. der virus ist nur während eines akuten schubs nachweisbar - und dann auch nur bei ausreichender viruslast. einmal ausgebrochen und ausgeheilt bleibt ein hoher prozentsatz der katzen virusträger, manche aber auch nicht. bei den trägern KANN der virus erneut ausbrechen, muss aber nicht.

sollte die katze während der impfung einen akuten schub gehabt haben, war das absoluter müll - kranke katzen dürfen nicht geimpft werden.

Dass nicht geröngt wurde, ist in der Tat schlecht (und war so auch nicht abgesprochen leider). Der TA fand den Befund dermassen klar, dass er die Zähne, die nicht mehr gehalten haben, direkt gezogen hat (die Zähne waren an einem Stück, mit Wurzel). Das Vorgehen war unschön, darüber muss man nicht diskutieren. Aber wenn die Entzündung nun tatsächlich verschwinden oder sich auf ein erträgliches Mass reduzieren sollte, wonach es zur Zeit aussieht, bin ich mehr als froh. Klar muss man das Ganze nun im Auge behalten.

forl kommt gerne immer wieder, vor allem, wenn der arzt nur die augenscheinlich betroffenen zähne entfernt hat. oftmals entfernt man etwas großräumiger.

kann der arzt mit sicherheit ausschließen, dass im ganzen kiefer nicht noch sonstige wurzelreste irgendwo vor sich hinmockern? ich meinte nämlich eigentlich eher andere wurzelreste und nicht die von den entfernten zähnen - das sollte man ja merken, wenn da einer bei der op nur halb rauskommt ;)
stelle ich mir ohne dentalröntgen schwierig bis unmöglich vor.
 
A (nett)

A (nett)

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FORL nicht dental zu röntgen und dann auch noch Zähne zu ziehen ohne Nachröntgen ist grob fahrlässig:(.
Da lasse ich keine Diskussion zu;); da ich leider schon den Steinbruch meines Sternchens nach seiner letzten FORL-OP gesehen habe.
Die Wurzelkrümel waren teilweise winzig!

Einen kausalen Zusammenhang zwischen chronischem Durchfall und Calici kenne ich persönlich auch nicht...muss aber nicht heissen, dass es den nicht gibt.

FORL und Calici treten häufiger als bislang angenommen paarweise auf.
Ursachen von FORL sind leider noch lange nicht geklärt...dazu hat ja FrauFreitag schon geschrieben...aber Calici begünstigt wohl das FORL-Geschehen im Schnütchen...so lautete zumindest letztes Jahr die Aussage der Zahn-Spezialisten auf einer Fortbildung der LMU.

Was den Durchfall bei euch betrifft: Hast Du schon mal ein großes Kotprofil (Viren: FIV, FelV, Corona; Bakteriologie: eColis, Chlostriedien, etc.; Parasiten; Mykologie und evtl. sogar Narhungsausnutzung) machen lassen?

Bevor ihr eine Darmsanierung angeht würde ich das mal abklären lassen.
Eine Behandlung hängt immer vom Ergebnis ab.
 
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Gargantua

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Wir werden die Entzündung im Mund im Auge behalten, bald ist Nachkontrolle. Der Kleinen gehts jedenfalls blendend, sie beisst mich morgens sogar wieder in die Zehen :)
Bezüglich der Darmentzündung haben wir so ziemlich alles durch, inkl. Biopsie. Das Ergebnis damals war eosinophile Enteritis, ich glaube auch Neutrophile waren beteiligt. Erreger wurden keine gefunden. Einen FCoV Titer haben wir leider, gsd tief und unauffällig, trotz eines FIP falles im Haushalt :-(
Durchfall haben wir aber schon lange nicht mehr, dank Metronidazol. Sicherheitshalber gibts auch sensitiv-Futtter. Metro hat in unserem Fall Unglaubliches bewirkt. Weitere Therapien stehen daher diesbezüglich zur Zeit nicht an, mich hats nur wunder genommen wie andere das Problem gelöst haben.
 
nicker

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Dein Problem mag gelöst sein, das Problem deiner Katze wird ihr Leben lang nicht gelöst sein. IBD ist lebenslänglich. Punkt.

Ich habe mir diesen Thread eben durchgelesen und finde deinen TA - wie meine Vorredner - in Sachen FORL verantwortungslos.

Gerade heute morgen war ich wieder mit meiner Katze Nine in der TK; sie hat (neben vielen anderen Baustellen mehr) seit ihrer Kittenzeit IBD, die auch anlässlich der Bauchöffnung bei der Kastra direkt nachgewiesen wurde (stark verdickte Darmwände).

Nines Krankengeschichte im Schnelldurchlauf:
- aktuell 6,5 Jahre alt
- als Kitten IBD-Diagnose
- im Alter von ca. 1 Jahr erster akuter Schub nach bestimmtem neu eingeführten Futter: Kragen aufkratzen, Cortison subkutan
- IgE-Test negativ (bei Katzen allerdings auch nicht sehr aussagekräftig)
- Ausschlussdiät, Beschränkung auf das gewohnte und vertragene Futter
- im Alter von zwei Jahren FORL-Diagnose und radikale Entfernung aller betroffenen Zähne sowie vorsorglich aller nicht betroffenen Zähne außer den Canini
- bei gelegentlichen Schüben (Kratzen) Cortison
- zwischendurch bei Auftreten von erkennbaren Schmerzen Metacam (nie gleichzeitig mit Cortison)
- im Alter von vier Jahren Abbrechen eines Caninus und nachfolgend zweite FORL-OP: Nine ist komplett zahnlos
- akuter Schnupfenschub, Nachweis und Behandlung von Calici, wahrscheinlich caliciinduzierte Stomatitis (Rachenschleinhautentzündung), chronifiziert, wiederkehrend; ärztlich eigentlich empfohlener Einsatz von Zylexis ist gegenindiziert durch die IBD
- im Alter von sechs Jahren (also letzten Winter) radikaler Abbau des ohnehin geringen Gewichts, dramatischer A/G-Quotient, FIP-Verdacht und seitdem ständige Untersuchungen und Behandlungen wegen des desolaten Zustandes der inneren Organe: Gallengang- und Leberentzündung, Mottenfraßleber, wiederkehrende Blasenentzündung, vergrößertes Nierenbecken, Verdacht auf Zystenniere, Anzeichen von Störungen der Funktion der Nebenniere, unsicherer Pankreaswert, Lungengeräusche, prominente Bronchialäste und prominente Aorta in den bildgebenden Verfahren, stark gestörter Wasserhaushalt
- aktuell: stark erhöhter Blutdruck, Glaukom auf beiden Augen, stark erhöhter Augeninnendruck, komplett zurückgebildeter Sehnerv auf beiden Augen ---> offenbar seit geraumer Zeit stockblind

Blutdruck und IBD haben augenscheinlich nichts miteinander zu tun, wobei sich die chronische Darmentzündung durch das Ungleichgewicht im Zusammenspiel der Verdauungsorgane über die Jahre natürlich auf die anderen inneren Organe ausgewirkt haben kann, also auch auf die Nieren (Nieren und Blutdruck, soviel habe ich inzwischen kapiert, beeinflussen sich gegenseitig, d. h. der Blutdruck kann die Nieren kaputtmachen, aber auch umgekehrt).
Calici und IBD hängen vermutlich nicht zusammen, aber nachdem ich hier aktuell zwei FORL-Katzen mit Calicinachweis habe, denke ich auch, dass die Calici und FORL einen Zusammenhang haben könnten.

Unser Sternchen Nicki wurde noch im Alter wegen FORL operiert (das war meine erste Begegnung mit diesem Begriff), und Nicki war halb blind, vermutlich aufgrund von Katzenschnupfen.
Weder Nicki noch Moody (unser aktueller Calici- und FORL-Kater) haben/hatten Probleme mit dem Verdauungstrakt.

Nine hat übrigens seit langen Jahren weit weit überwiegend einen guten Stuhl, aber sie hatte immer wieder Schübe, die wir auch gut mit Cortison in den Griff bekommen hatten, wo dann DF war und sie wieder Diät (selbstgekochtes Huhn und Reis) bekam, bis sich der Stuhl wieder stabilisiert hatte.

Thema Dentalröntgen usw.:
Das ist unabdingbar bei FORL-Beteiligung!!!
Unsere Katzen sind mit entsprechendem Röntgen vorher (gucken, ob FORL vorliegt, und dann absprachgemäß alles raus, egal ob gesund oder krank, bis auf die Canini) und Kontrollröntgen hinterher operiert worden, jeweils mit Inhalationsnarkose. Sternchen Nicki und Nine bei der ersten OP nicht (die war nicht in der TK), aber die drei anderen OPs. Jede mit Inhalationsnarkose, weil diese (auch wenn es für den TA etwas störender ist, aber ein erfahrener TA macht das eh und operiert drumrum); die dritte FORL-Katze (aber ohne Calici) ist Pfötchen, unser Dreirad.
Sie fressen alle weiterhin begeistert ihr Futter (BARF mag leider keiner; da war Nicki der einzige Kunde, und er mümmelte das dann auch auf der Felge sehr gern ;)) und sind bisher auch als reine Vampire (= nur noch die Canini vorhanden) fresstechnisch allem, was des Weges kommt und appetitlich genug ist, gewachsen.

Ich sehe bei euch insofern zwei getrennte Baustellen und dass sich die eigentlich sinnvollen Behandlungsmöglichkeiten - wie bei Nine auch - widersprechen: Cortison lässt die Calici jubeln, Zylexis kann den Darm noch kaputter machen, als er eh schon ist.

Nine bekam versuchsweise in diesem Frühjahr Autovakzine, die aus ihrem Kot im Labor gewonnen worden waren, also quasi als immunanregendes sanftes Mittel, durch das sich der Darm mit der Autoimmunabwehr auseinander setzen sollte. Schon da freuten sich die Calici.

In der vergangenen Woche war es so schlimm (nachdem zwischendurch wieder Ruhe gewesen war und Nine auch schön zugenommen hatte und sich deutlich besser fühlte), dass Nine komplett das Fressen und damit auch ihre wichtigen Medis gegen Leber/Galle und Blutdruck verweigerte. Seitdem bekommt sie Feliserin, und es wird langsam, langsam besser. Sie frisst wieder, aber bei weitem nicht genug; seit einem guten halben Jahr bekommt sie wegen des schlechten Fressens regelmäßig Infusionen mit Päppelmitteln und Anabolika.

Das ist alles suboptimal, aber sie hat auf diese Weise doch immer noch und wieder eine gute Lebensqualität.

Mein Lottotip betreffend Nine wäre: durch die IBD ist langsam das gesamte Verdauungssystem den Bach runter gegangen, die Calici haben sich iwann draufgesattelt, und der hohe Blutdruck ist dann aus der Niere entstanden. Das hätte eine gewisse Logik.
Aber: es kann auch alles ganz anders sein...... :alien:

Daher: lass bitte das Dentalröntgen bei einem spezialisierten TA nachholen und lass auch vorbeugend alle gesunden Zähne operativ entfernen (die Canini sind insofern noch ein gesondertes Thema, weil deren Entfernung allein schon eine eigene OP ist, die - je nach Katze - mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann).
Und: wenn es bei Nine darum geht, ob sie Zylexis bekommt oder gleich verhungert, ist für mich inzwischen Zylexis das letzte Mittel der Wahl, egal, was das mit dem eh kaputten Verdauungstrakt macht. Soll heißen: sie bekommt es, falls es wieder mit den Calici so fröhliche Urständ feiert und sie noch mehr abnimmt und ihre anderen Medis in die Tonne tritt. Da geht es dann um das reine Überleben.

Ich wünsche mir aber (naturgemäß! :)) was anderes: dass Nine noch eine gute Zeit hat, am besten einige schöne Jahre, obwohl das eher unwahrscheinlich ist. Zwei schöne palliative Jahre würde ich mir für sie wünschen. Dass sie 10 wird, ist sehr unwahrscheinlich, und je nachdem, wie es mit Herz und Nieren genau aussieht, müssen wir uns evtl. auch auf eine kürzere Zeit einstellen.

Wichtig ist mir als Info für dich: bitte behalte bei der IBD auch die anderen Organe im Auge, lass in regelmäßigen Abständen, am besten mit einem mittelfristigen Monitoring (vielleicht alle halbe Jahr) die Blutwerte und die wichtigen Kontrollwerte der inneren Organe (Leber, Niere, Pankreas) erheben und lass auch den Blutdruck regelmäßig messen. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen des Bauchraums im bildgebenden Verfahren (Röntgen und Schall).
Wir wussten das damals nicht, sonst hätte ich es schon damals machen lassen. Für Nine ist es heute zu spät: die Schäden sind vorhanden und so massiv, dass bei ihr eh alles kaputt ist und wir nur Schadensbegrenzung machen können.
Aber: wenn Nines Schicksal deiner Katze, die ja anscheinend noch sehr jung ist, nützt, hat ihr Leiden wenigstens eine gute Folge gehabt!

LG
 

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