Was nun?

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TaylorMax

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Hallo Ihr Lieben,

ich fürchte, ich muss ein wenig ausholen? Ich habe lange überlegt, ob bzw. wie ich hier um Rat frage, aber wo sonst, wenn nicht hier? Ich stecke in einem ziemlichen Dilemma...

Vielleicht hat der ein oder andere gelesen, dass mir Tiptoe vor einem guten halben Jahr zugelaufen ist. Er war ein absolut ängstlicher Streuner, der sich nach und nach an die häusliche Futterstelle hier gewöhnt hat und der mit unglaublichem Charme es innerhalb kurzer Zeit verstanden hat, sich so tief in mein Herz zu schmuggeln, wie kaum einer es jemals geschafft hat. Tiptoe ist ein Traumkater, wie er im Buche steht! Ich habe alles versucht, um zu ergründen, wo er herkommt bzw. hingehört, aber ohne Erfolg. Irgendwann habe ich ihn kastrieren lassen - recht spät, weil ich es nicht geglaubt hab, dass in Hamburg ein erwachsener unkastrierter Kater rumläuft und weil er letztendlich ja auch nicht hier zuhause war - wobei, das war er dann wohl doch recht schnell...

Wir haben hier zwei Tierheimkater, die als ca. 4-wöchige Kartonfindlinge waren und im hamburger Tierheim aufgepeppelt wurden. Als sie rund fünf Monate waren, haben wir sie zu uns geholt; das Tierheim meinte, die würde eh keiner nehmen, da sie chronischen Schnupfen hätten und auch sonst wohl... nicht lange mehr Zeit hätten. So ein Unsinn - sie sind heut das gesundeste Zweiergespann, das ich kenne! Mei, das ist jetzt auch schon wieder über zwei Jahre her, dass sie hier sind... was rennt die Zeit.
Darum gehts aber nicht, sondern darum, dass die zwei wirklich klasse sind, aber eben null sozialisiert. Sie kennen sich, sie wissen miteinander umzugehen (oder meist auch mehr aneinander vorbei), aber kätzisches Verhalten ist so gut wie nicht vorhanden. Sie zwinkern nicht, sie beruhigen nicht, sie liegen niemals zusammen uns spielen auch so gut wie nie gemeinsam. So zu zweit, das klappt gut. Sie sind allerdings auch sonst sehr unterschiedlich: Der Max ist total geschickt, schleppt ewig Getier an (und kredenzt mir dessen Gedärm gern zum Frühstück im Flur), schläft auf dem Schlafzimmerschrank, was immerhin einen Satz von gut 1,50 braucht, ist ansonsten sehr menschbezogen, liebt frisches Fleisch, Kuschelrunden, Aktion, ist neugierig. Max ist recht klein, wiegt nur rund 5 Kilo, aber ist eben neugierig und agil. Taylor ist dagegen ein Monster - er dürfte jetzt so fast 7,5 kilo haben - und das liebeste Wesen, was man sich denken kann. Taylor kann nicht springen, Taylor hat oft Bedenken, sich einfach mal zum Schmusen zu einem zu gesellen, hat Angst vor neuem, ist aber einfach nur zärtlich, lieb, anhänglich und ein schluffen. Als die beiden noch kleiner waren, hat sich Taylor immer um Max gekümmert, sich zu ihm gelegt, ihn abgeschleckt und geputzt; er hat sich aber auch an Max orientiert, weil er sich allein kaum die Erkundungen getraut hätte, die für Max einfach selbstverständlich sind. Inzwischen hat er allerdings wohl dies Nähesuchen ein wenig aufgegeben; Max mags nicht, umtüdelt zu werden und lässt den Taylor das merken und Taylor nimmt es hin. Ein wenig traurig ist das, aber er hat ja noch uns und ich glaube, er kommt auch so ganz gut zurecht. Dennoch habe ich Taylor immer einen Kumpel gewünscht, der mit ihm spielt und kuschelt; der also irgendwie das Gegenteil von Max ist.

Puh, aber darum geht es ja nicht, denn es geht um Tiptoe. Der war also so schleichend da; erst ganz heimlich, dann immer lieber und fröhlicher und selbstverständlicher. Er ist super sozial. Er hat lange gebraucht, mir zu vertrauen, aber die beiden Kater hier hat er gleich katzenartig umgarnt. Soviel die Rabauken auch gefaucht und gezickt haben, hat er immer nur sich hingelegt, gezwinkert was das Zeug hält, beruhigend geschnurrt und jeden Platz geräumt, den sie für sich wollten. Allerdings - und das war einer der größten Haken - er kommt ja überall hin, wo Max hinkommt, weil er auch springen kann. Das kennt Max nicht. Wenn er allein sein will, geht er wo hoch und weiß, da sitzt der dicke Taylor am Boden und kann nur gucken, nicht nachkommen. Tiptoe konnte; er ging mit auf den Schrank, legte sich in zweimeter Entfernung hin und schaute, was Max da tut. Max war pikiert, schockkiert, in seinem Innersten gestört. Taylor war auch schockiert: Er hat Tiptoe hin und wieder mal angespielt, an der Schulter geknufft und einen Heidenschreck bekommen, wenn Tiptoe drauf einging und auch knuffte und dachte, man könne sich nun jagen. Er kennt ja keine Reaktion auf sein Verhalten, als dass Max halt genervt irgendwo rauf geht...

Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt: Tiptoe wurde selbstsicherer, kam rein, knuffte, wurde angefaucht, frass unverdrossen dennoch alles, was es gab (jaha, es gibt, so lernte Tiptoe es mich, Katzen die nicht mäkeln) und hing an mir so sehr, wie ich an ihm. Es konnte ja gar nicht gut gehen - keine Zusammenführung, kein Training in Sozialverhalten...

Ich habe dann über jemanden Bachblüten bekommen für alle drei, weil ich dachte, ich muss doch etwas tun, dass es klappt. Die waren aber nicht lange im Einsatz, weil irgendwann mein Freund das hier nicht mehr ausgehalten hat: Unsere wurden ja immer gestresster und letztendlich waren es primär ja die, für die wir Verantwortung übernommen haben und die jetzt nicht klar kamen. Er hat Tiptoe ins Tierheim gebracht.

Das Mädel mit den Bachblüten meinte auch, dass das richtig sei; bei der Dynamik die zwischen den Dreien entstanden war, wäre Trennung das Beste. Ich habs nicht ausgehalten, egal, was wer sagte und egal (tut mir leid) wie wichtig mit Taylor und Mäxchen sind. Nach drei langen Nächten hatte ich eine Bekannte aus der Firma, die Tiptoe gern wollte. Ein Traumzuhause dachte ich: Haus auf dem Land, Tochter im Alter von sieben, eine Katze deren Partnerin verstorben war, die aber total sozial sein sollte. Ich habe Tiptoe aus dem Tierheim abgeholt; ich werde nie vergessen, wie der Kleene aus der Box kletterte, als ich mit ihm redete. Die Tierheimtante meinte, er liesse sich nicht anfassen - was für ein bullshit! Er hat sich sofort eng an mich geschmiegt und so angesehen, wie nur Tiere schauen können, die die Welt nicht mehr verstehen... ich habe mich noch nie so geschämt, versagt zu haben!

Mein Traumkater hat sich sofort im neuen Zuhause zurecht gefunden, liebte das Mädchen, erkundete die Wohnung und war gewohnt souverain im Umgang mit der Hauskatze. Es gab tolle Bilder... bis vor ein paar Wochen...

Gestern hat die Arbeitskollegin mir geschrieben: Täte ihr leid, sich so lange nicht gemeldet zu haben, aber Tiptoe sei nun bei der Mutter ihres Freundes, weil es bei ihnen nicht geklappt hätte mit der anderen Katze... Keine Ahnung, wer das ist, keine Ahnung, was er da soll - ich bin so traurig, so sauer, so ... verdammt, das ist doch kein Rumreichkater, das ist mein mein mein... er hat es doch überhaupt nicht verdient. Warum muss er so viel aushalten?

Ich würde ihn so gerne zu uns zurück holen. Ben hat schon zugestimmt, immerhin. Aber kann es klappen, wenn ich diesmal alle Regeln einer Zusammenführung einhalte, was damals ja nicht ging? Wenn er erst einmal nur bei mir in einem Raum ist - und verdammt, ich wäre tagsüber ja nicht einmal da. Mit Bachblüten, Felliway, klickern, Liebe und Anstrenung? Oder tue ich ihm noch mehr an, wenn ich ihn forthole, wo auch immer er ist? Aber ich glaube nicht, dass er da bleiben darf auf Dauer - ich glaub einfach nicht mehr, dass es da draußen was gibt, was ihm endlich mal Ruhe und An- und Heimkommen gibt.

Ich habe Null Verstand in der Sache, nur ganz viel Herz, was an ihm hängt und ihn heim haben will; aber Herz ist nie genug, wenn es um ein Tier geht... mei, nun wein ich wieder und das bringt mich am wenigsten weiter, und ihn nicht und die beiden Rabauken hier auch nicht und bringt einfach nichts. Wenn man weint merkt man irgendwann, dass dadurch einfach nichts besser wird, aber aufhören kann man darum noch lange nicht...
 
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tiedsche

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Das ist eine supersch... Situation und mir würde es gehen wie dir :oops:
Aber ich glaubenicht, dass esmit deinen Katern nochmal klappt, wenns schonmal schiefgegangen ist.

Vorschlag: erkundige dich nach der neuen Adresse vom Kater, deine Arbeitskollegin soll anfragen, ob du mal vorbei schauen kannst. Vielleicht hat er jetzt SEIN Zuhause gefunden und du bist beruhigt.
Außerdem kannst du versuchen abzusprechen, dass man dir Bescheid gibt, wenn man den Kater abgeben will.
Vielleicht verhilft das deinem Herz ein wenig zur Ruhe:)
 
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TaylorMax

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Natürlich war das nicht das, was ich hören wollte und angesichts der Zusammenführungen, die hier begleitet werden entsetzt es mich auch - warum steht meine Herzensangelegenheit nur auf so verlorenem Posten? Wenn man für Trauer Geld bekäme, wäre ich reich und wenn Wünschen noch helfen täte, glücklich. Und wenn ich nur eine Nina bin, leiden alle. Ich wünschte ich wäre besser und bin nur ein Leidstein im Leben der anderen. Weit fort sein wäre wohl gut...
 
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TaylorMax

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Natürlich wollte ich eine ehrliche Antwort, Geisterkatze. Ich hätte sie mir anders gewünscht, aber mit dem Wünschen ist das ja nun einmal so...
Und ich werde auf den Rat auch hören, habe ich beschlossen. Ich habe darum gebeten, mir sein neues Zuhause einmal ansehen zu dürfen und hoffe, dass das nicht nur klappt, sondern dass ich ganz fröhlich danach heim fahre, weil er es gut getroffen hat.
Er ist halt ein echter Herzenskater geworden in den paar Monaten, die ich ihn kennenlernen durfte. Er hat mich im Sturm genommen - das passiert halt manchmal. Ich habe so viele Erinnerungen an diese gewissen Momente, die man, nein, die einem das Herz aufmachen.

Aber die Zwei hier, die haben alles an Liebe verdient und wenn ich sie beschützen muss, dann tue ich das natürlich - auch gegen das Herz, das da hämmert. Und ja, Dein Rat hat mich auch beruhigt, weil ich das ahnte, dass alle Behutsamkeit nicht reichen würde, dass das ein funktionierendes Dreiergespann wird... Also fühl Dich nicht angegriffen von meinem vorherigen Post - der Dank aber, der ist sehr ernst gemeint!
 
Tilawin

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Hallo Nina,

es tut mir leid, dass sich die drei nicht verstehen, man merkt so deutlich wie sehr du Tiptoe liebst!

Ich hoffe mit dir, dass Tiptoe jetzt einen schönen Platz bekommen und und dort bleiben darf und glücklich sein kann.

Wenn nicht kannst du ihn immernoch an einen schönen Platz vermitteln? Ich glaube auch nicht, dass eine nochmalige Zusammenführung mit deinen zwei - ich sag mal speziellen - Katern klappen kann. Ich kann zwar nicht auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen aber ich kanns mir nach all den Schicksalen die ich hier im Forum schon gelesen habe und der Vergangenheit der drei echt nicht vorstellen.

Und wie sehr wärst du erst traurig wenn es dann nicht klappt?

Wie gesagt, ich hoffe Tiptoe hat jetzt ein schönes zuhause gefunden, es klingt doch schonmal gut, dass du es dir anschaun darfst!
 
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