Vom Schmusekater zur Bestie

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dustyforever

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4. April 2009
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117
Heute will ich Euch etwas sehr trauriges berichten. Am 3. April - Freitag vor 4 Wochen hatte ich den 1,5jährigen Kater Merlin bei mir aufgenommen, er lebte zuvor mit 2 weiteren unkastrierten Katern (seine Brüder) in einer 3-Zimmer-Wohnung und wurde wohl auch von dem Sohn des Mannes, der immer am Wochenende zu Besuch kam, gejagt.
Merlin ist schneeweiß und eine Schönheit, war aber sehr heruntergekommen und stank. Habe ihn ganz schnell kastrieren und chippen lassen. Eine Woche lang hat er sich hinter dem Sofa unter dem Telefontischchen versteckt. Wenn man ihn ansprach, gab er sofort laut und kam, um sich Streicheleinheiten abzuholen. Danach verkroch er sich wieder.
Nach einer Woche hatte er gemerkt, dass ihm bei mir keine Gefahr drohte, und er sich nicht verstecken musste. Vielleicht trug auch das Feliway, das mein Tierarzt mit gegeben hatte, dazu bei.
Seitdem war er nur noch Schmusekater. Er begleitete mich auf Schritt und Tritt durch die Wohnung, erzählte ohne Pause "oink, oink" und fand alles FURCHTBAR aufregend, vor allem Blumen gießen... Und ich sagte ihm immer, dass sein Leben jetzt erst anfangen würde, er wüsste ja gar nicht, wie schön so ein Katzenleben sein könne.
Wenn ihm irgendwas unheimlich war, verschwand er unter dem Sofa. Vor fremden Menschen hatte er kaum Angst, wenn man ihn rief, weil Besuch da war, kam er schnell wieder unter dem Sofa hervor und holte sich bei den "Neuen" Streicheleinheiten ab.
Ich war so glücklich mit meinem kleinen Schmusebär. Und auch mit meiner 2jährigen Katze verstand er sich prima.
Donnerstag ABend sollte sich alles ändern.
Ich wollte schlafen gehen, und auch die beiden Katzen waren schon im Schlafzimmer. Ich zog mich gerade um, da entdeckte ich diese dicke große Rennspinne an der Decke - vor denen habe ich absolute Panik. Ich räumte den Wäscheständer darunter weg, dann sprühte ich die Spinne an. Sie ließ sich fallen und rannte auf mich zu, was mir ein heftiges Kreischen entlockte, gefolgt davon, dass ich die Spinne hektisch tot trat.
Beide Katzen hatten natürlich einen dicken Schwanz und Merlin fauchte mich an. Ich konnte ihn aber besänftigen und streicheln und entschuldigte mich bei den Katzen, dass ich sie erschreckt hatte. Die Katze verließ das Zimmer, ich ging hinterher, um auch sie nochmal zu streicheln. Als ich sie berührte, schrie sie nervös auf. Da schrie Merlin plötzlich auch auf und stürzte sich erst auf sie. Sekunden später kam er um die Ecke und fiel mich an, wieder und wieder. Ich wußte gar nicht, wie mir geschah, wich rückwärts ins Schlafzimmer zurück, wo ich dann in der Ecke stand und der Kater drohend vor mir, während mir das Blut von Hand und Bein tropfte. Ich versuchte beruhigend auf ihn einzureden, es erreichte ihn nicht, er machte Anstalten, jederzeit wieder zuzuspringen. Schließlich stampfte ich mit dem Fuß: "Merlin hör auf, jetzt ist Schluss!!!" Er wurde nur noch rasender. Mit einem Satz erreichte ich mein Bett und wickelte die Bettdecke um mich. Er attackierte mich erneut und sprang mich mehrmals beißend, kratzend und jaulend an. Schließlich ging ich im Schutz meiner Bettdecke ins Badezimmer, um meine Wunden zu versorgen. Als ich nach 1 Stunde wieder raus kam, saß er vor der Tür und Knurrte mich sofort wieder an. Ich flüchtete ins Schlafzimmer und konnte gerade noch schnell genug die Tür schließen, bevor er heran war.
An Schlaf war die Nacht nicht zu denken.
Morgens konnte ich ihn kurz streicheln, einen Moment später bedrohte er mich wieder. Auch mit ihr beharkte er sich. Schließlich brachte ich sie raus,da sie auch Freigänger ist. Als ich zurückkam, beruhigte er sich - ich durfte mich nur nicht dem Schlafzimmer nähern (wo ja noch alles voll Blut war: der Teppich, die Bettwäsche etc und wohl auch noch mein Angstschweiß zu riechen war), dann drehte er sofort wieder durch. Schließlich sperrte ich ihn im Wohnzimmer ein, stopfte alles blutige Zeug in die Waschmaschine, besprühte die Blutflecken auf dem Teppich und räucherte das ganze Zimmer mit Salbei (soll negative Einflüsse unschädlich machen). Dann zog ich mich um, ließ ihn aus dem Wohnzimmer und fuhr weg. Als ich wiederkam, war alles gut. Er war der liebste Kater, schmuste und kuschelte, auch mit der Katze. Gott sei Dank! Ich nahm mir also vor, mich in Zukunft beim Anblick von Spinnen zusammenzureißen oder die Katzen aus dem Zimmer zu bringen, damit so ein Auslöser nicht noch einmal vorkam. Dachte, der Sohn des Vorbesitzers hat bestimmt auch gekreischt, wenn er ihn gejagt hat und wer weiß, was der ihm getan hat.
Aber gestern Abend fiel er mich wieder an, dieses Mal ohne Grund. Hatte 1/2 Stunde vorher noch mit mir auf dem Sofa gekuschelt. Dann lief sie aus dem Zimmer, er hinterher und kam mit dickem Schwanz zurück. Sie war aber nur in der Küche, was essen. Um abzulenken, stellte ich beiden noch Trockenfutter hin (das steht im Wohnzimmer). Und als ich damit fertig war und mich gerade abwenden wollte, jaulte er auf und stürzte sich wieder wie eine Furie auf mich. Habe ihn irgendwie in die Ecke geschleudert und bin aus der Wohnung zu Nachbarn. Finde mal Sonntag Abend Hilfe... Ich traute mich jedenfalls nicht mehr in die Wohnung. Letztendlich kam die Feuerwehr und hat ihn mit Keschern eingefangen und ins Tierheim gebracht. Ich habe nur geheult, denn er kann wahrscheinlich gar nichts dafür. Nun sitzt er im Tierheim, ich war heute da, aber man ließ mich nicht zu ihm, wollte nur wissen, ob ich ihn nun wieder mitnehmen oder abgeben wolle. Ich habe nur geweint. Ich habe ihn so lieb gewonnen. Aber wieder zu mir nehmen kann ich ihn so nicht, wenn er jetzt bei jeder Kleinigkeit austickt und mich dermassen anfällt. Ich habe jetzt Angst, das riecht er und schon schaukelt sich das hoch.
Ich habe schon seit der Kindheit immer Katzen gehabt, aber sowas habe ich noch nicht erlebt. Das sich ein dermassen schüchterner, liebevoller und anhänglicher Kater in so eine reißende Bestie verwandelt und du kannst nichts mehr tun.
Das Tierheim hingegen sieht das gar nicht eng und meint, den kriegen sie schon vermittelt... hä? Na gut, ich wünsche es ihm. Vielleicht kann er bei einem anderen ruhigen Menschen der in der Lage ist, ihn bei so einem Vorfall in seine Schranken zu weisen, nochmal von vorne anfangen.
Ich wünsche es ihm von Herzen.
Niemals habe ich ein Tier, für dass ich mich einmal entschieden hatte, wieder abgegeben. Aber hier kann ich nicht anders. Mein rechter Arm ist dick, blau und mit Biß- und Kratzwunden übersät. Das Bein ebenso, aber ohne Schwellung.
Ich hab ihn trotzdem so lieb.... warum ist das Leben so grausam???:reallysad:
 
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BlackCats

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Du meine Güte, ich kann dich verstehen.
Lass dich erst einmal drücken.
Ich hatte bisher Kater die auch recht schnell gebissen und gefaucht haben, aber so wie du das beschrieben hast, kenne ich es nicht.

Warst du beim Arzt? Katzenbisse können sehr gefährlich sein!
Wenn nicht, bitte geh dringenst!

Ansonsten scheint das Th es nicht gerade ernst zu nehmen, das dieser Kater aggressiv ist und mit Sicherheit einen psychischen Knacks hat.
Ohne das er behandelt wird, und dabei auch organische Ursachen (ich denke da an einen Tumor im Kopf) ausgeschlossen werden, wird dieses arme Tier immer wieder zurückgegeben werden oder gar eingeschläfert.

Und wieder mal ein Tier das durch einen Menschen verkorkst wurde :mad:
und darunter leiden muß.

Ich verstehe deine Trauer sehr und kann es nachvollziehen.
Es tut mir wirklich sehr leid, für euch alle.
 
Alannah

Alannah

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Als ich das gelesen habe, kam mir die Idee, daß das Fußaufstampfen der Auslöser war, möglicherweise hat er damit negative Erfahrungen im alten Zuhause gemacht. Du hast ja zweimal aufgestampft, erst bei der Spinne, dann nochmal, als du in der Ecke warst, dabei hat sich der Kater noch mehr aufgeregt.
 
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Zugvogel

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Wie weit wärst Du bereit, dieses arme Tier nochmal aufzunehmen und zu versuchen, seine Traumen mit z.B. Bachblüten aufzulösen?

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wabigoon

wabigoon

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Oje, mir fehlen die Worte, das tut mir schrecklich leid für euch! Ich kapiere nicht, wie Menschen einer anderen Kreatur so schaden können wollen, wie dieser Typ den armen Katern...
 

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