Vergesellschaftung mit vermutlicher Einzelkatze noch möglich?

piranhapudel

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Hallo zusammen,

ich bräuchte mal ganz dringend einen Rat von den Zusammenführungs- /Verhaltens-Spezialisten hier, da ich mit meinem Wissen leider an meine Grenzen stoße.

Kurz vorweg: vor knapp 10 Wochen hat mein Freund (Fernbeziehung Münster <-> Hamburg) bei seiner Arbeitsstelle eine völlig abgemagerte, scheue Katze entdeckt, die sich unter einem Auto versteckte. Er hat ihr dann etwas zu Fressen hingestellt, was sie nach einigem Fauchen und genügend Abstand auch angenommen hat. Nach ca. einer Woche füttern, konnte er sie erstaunlicher Weise auf den Arm nehmen und die 100m in seine Wohnung tragen.

Am nächsten Tag natürlich volles Programm …

Tierarztbesuch: weiblich, kaum über 2kg, so schlimm verfloht, dass die Haut ganz schorfig war.
Und natürlich das Übliche: nicht kastriert, nicht tätowiert, nicht gechipt.
Geschätzte 1,5 bis 3 Jahre alt.

Tierschutz vor Ort, Fundbüro, Tierheim Münster angerufen:
Laut Tierheim Münster gab es sogar eine vermisste Schildpatt-Katze, aber diese Vermisste stellte sich als bereits kastriert heraus.
Und kein Vermissten-Portal im Netz spuckte eine unkastrierte Katze mit dieser Fellzeichnung aus.
Seit 2 Monaten lässt sich kein Besitzer ausfindig machen.

Also war der Plan, es zu versuchen, sie mit meinen beiden sozialen Spaniern zu vergesellschaften, wenn sie gesund ist und nicht den ausgeprägten Drang zum Freigang zeigt.
Bei meinem Freund im WG-Zimmer zeigte sie sich sichtlich entspannt, sehr menschenbezogen und forderte auch an der Balkontür nicht nach draussen zu kommen. Der Napf war ja immer schön voll :)

Zwischenzeitlich haben wir der Kleinen, wir tauften sie Ziva, einige Katzenvideos vorgespielt um zu prüfen, wie sie vielleicht auf Artgenossen reagiert. Sie verhielt sich eher neugierig, also waren wir frohen Mutes. Dass das gar nichts sagt, weiss ich jetzt leider auch :/

Nachdem gesundheitlich alles in Ordnung, die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, und sie auch vor knapp 6 Wochen kastriert wurde, zog sie am 25. September bei mir ein.
Natürlich erst mal separiert im Schlafzimmer damit sie sich von der Fahrt erholen konnte und in Anwesenheit meines Freundes besser eingewöhnt. Am folgenden Tag habe ich dann die Gittertür für ein erstes Kennenlernen eingesetzt. Einen Feliway-Stecker hatte ich schon einige Zeit vorher eingesteckt.
Anfangs lief es ganz gut: man hat ein bisschen gefaucht und geknurrt von allen Seiten und ein paar "Wer guckt zuerst weg"-Spielchen über 3 m Flurlänge gespielt.
Aber nach einiger Zeit ging es los, dass Ziva immer gegen die Gittertür gesprungen ist, sobald sie Blickkontakt zu einer meiner vorhandenen Katzen hatte (beides auch Mädels im ähnlichen Alter und ähnlichem Spieltrieb).

Nach 8 Tagen mit Gittertür dachte ich mir, dass ich es trotzdem mal ohne versuche, und erst ging auch alles gut.
Ziva schlich geduckt durch die Wohnung, schaute sich alles an, was durch ein wenig Knurren und Fauchen seitens meiner Spanierinnen begleitet wurde.
Je sicherer sie aber wurde, desto mehr Krawall hab es. Aber ich dachte mir, die tragen das jetzt untereinander aus. Und ich bin ruhig geblieben und schlafen gegangen.

Morgens gegen 6 Uhr blieb das Jaulen dann konstanter als die Nacht über, also bin ich mal gucken gegangen und fand meine Älteste unter dem Schreibtisch neben einigen Blutflecken.
Ziva erst mal wieder separiert und die Älteste eine Stunde lang gestreichelt und beruhigt. Konnte aber nur einen kleinen Kratzer am Schwanz finden.

Am nächsten Tag hab ichs wieder versucht, aber Ziva fühlte sich langsam so sicher, dass die anderen beiden entweder vor ihr in Deckung blieben oder instant bejagt wurden.
Meine jüngere Spanierin, die sehr sozial und eher defensiv eingestellt ist, verbrachte den Tag oben auf dem Catwalk, bis ich sie Abends erlöste, indem ich Ziva wieder hinter die Gittertür brachte. Aber dieses Mal in der Küche, in der Hoffnung, dass die Rückeroberung des Schlafzimmers meinen Alt-Katzen das Selbstbewusstsein wieder etwas stärkt.

Sonntag bin ich dann noch zu meinem TA und hab Zylkene organisiert. Nach 3 Tagen damit liess ich es gestern Abend auf einen neuen Versuch ankommen, jedoch hat sich leider gar nichts geändert. Die jüngere Spanierin wurde sofort attackiert, obwohl sie direkt neben mir auf dem Bett sass.
Später musste ich dann feststellen, dass meine ältere Spanierin ein wenig Durchfall unter sich in ihrem Versteck unter dem Sofa verloren hatte. Da gingen dann endgültig meine Alarmglocken und ich trennte wieder. Ich muss aber dazu sagen, dass der Durchfall schon länger hier ein Problem ist, da meine Ältere mit einem schlimmen Giardien-Befall zu mir kam und wir immer noch mit der Darmsanierung kämpfen.

Was ich noch alles versucht hatte:
Zusammen Leckerchen verteilen oder spielen ging gar nicht. Das Interesse an mir ist bei Ziva sofort weg, wenn sie eine der anderen in Reichweite weiss. Kraulen ist dann auch uninteressant.
Ziva ist auch nicht auszupowern. Sie kann drei Stunden spielen und will trotzdem mehr. Ich vermute, der Freigang fehlt ihr doch mehr, als wir dachten?
Natürlich habe ich auch immer die Alt-Katzen als erstes betüdelt… aber Selbstbewusstsein haben beide kaum mehr.
Mittlerweile schaffe ich es auch nicht mehr, meine Alt-Katzen in die Nähe der Gittertür zu locken, um eine Gewöhnung der drei zu erreichen :/

Was mir noch aufgefallen ist:
Als ich gestern mit Ziva in der Küche sass und sie eine meiner Alt-Katzen an der Gittertür gesehen hat, keckerte sie auf die Art, wie Katzen es sonst nach Vögeln tun.
Betrachtet sie Artgenossen vielleicht als Jagdbeute?
Und heute morgen stand sie mit aufrechtem Schwänzchen vor mir und zitterte damit wie ein Kater, der sein Revier markiert.
Ist die Kastra vll. noch nicht lang genug her oder ist sie einfach sehr Revierbezogen?

Sonstige Probleme:
Ich lebe alleine und bin 10h werktags arbeiten.
Meine Wohnung ist nicht sehr groß, ich habe zwar 2 Zimmer plus Küche mit einigen Liegeflächen, aber leider nur 45qm + genetztem Balkon.
Daher habe ich bisher auch nur Katzen aus reiner Wohnungshaltung.
Die aktuelle Toilettensituation ist noch nicht optimal. Bisher sind es nur zwei, eines steht fix im Flur und eines in Zivas Raum.
Das muss noch geändert werden, da KaKlo-Mobbing natürlich inklusive ist :/

Ich weiss nicht ob und wie ich unter all diesen Umständen weiter verfahren soll und was das Beste für die Katzen ist.
Ich habe das Gefühl, dass ich selbst unzureichend für diese Art der Vergesellschaftung bin.
Soll ich weiter Geduld haben und es versuchen? Es sich unter sich klären lassen?
Immer wieder trennen setzt die Auseinandersetzung der Katzen auf Null zurück, aber unbeaufsichtigt kann ich sie nicht lassen.
Wie lange ist es Ziva zuzumuten, in der Küche festgesetzt zu sein als vermutlicher Freigänger? Die Küche ist von der Größe her leider kein Tanzpalast und sie robbt jetzt schon ab und an wie verrückt an der Gittertür.

Mein Freund liebt Ziva sehr, nachdem er sie 2 Monate bei sich aufgepäppelt und umsorgt hat (und das als Allergiker, der Asthmamittel phasenweise nehmen musste) und es wäre ein Traum, wenn das alles doch noch klappen würde. Ich hab sie auch schon lieb gewonnen, da eine Schildpatt mein Kindheitstraum ist und alleine ist sie einfach wundervoll und zuckersüß. Da vermutet man keine Krawallschachtel hinter diesem zarten Stimmchen. Aber ich merke einfach, wie meine Spanierinnen unter Stress stehen. Sie brauchen locker einen halben Tag, bis sie sich von den Zusammentreffen wieder so erholt haben, dass sie frei durch die Wohnung gehen.

Leider viel Text, aber ich weiss einfach nicht weiter.
Vielen Dank für Euren Rat und Unterstützung!!
 
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tiedsche

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Hallo,
prinzipiell habt ihr die Vergesellschaftung gut geplant (Kastration, Gittertür....).
Was allerdings wirklich kontraproduktiv ist/war ist dieser Tür zu - Probe und wieder Tür zu - Probe - Ablauf.
Da es bei diesen Proben auch noch massive Keilereien gab, hast du die Sache eigentlich verschärft. Davon abgesehen, dass es zusätzlicher Stress ist ständig das Revier wieder zu verändern.

Der richtige Ablauf wäre gewesen dieTüre solange geschlossen zu halten bis alle Katzen sich entspannt am Gitter bewegen. Wenn eine Katze noch ins Gitter springt, ist eigentlich klar, was bei richtiger Konfrontation folgt.
Sowas kann durchaus ein paar Wochen dauern und die Geduld sollte man haben.

Die Kätzin ist auch gerade erst kastriert worden und es dauert eine Zeit bis die Hormone nachhaltig abgebaut worden sind.


Fazit:
Die Fronten sind grad sehr verhärtet:oops: Ob das noch was werden kann - keine Ahnung.
Was ich tun würde: Die Katzen jetzt ein paar Tage ohne Sichtkontakt trennen, damit alle runterfahren können.
Dann nochmal ganz von vorn anfangen mit Gitter und diesmal OHNE PROBEN, sondern konsequent durchhalten. Dann wird sich zeigen, ob es noch was werden kann.

Deine räumlichen Möglichkeiten sind natürlich nicht optimal, aber anders wird das nix mehr, denke ich.
Parallel dazu vielleicht auch nach einem Traumzuhause für die Maussuchen wär sicher auch nicht ganz verkehrt (falls schon zuviel Porzellan zerschlagen wurde)
PS- 45m2 sind auch für 3 Katzen, die nicht wirklich sehr harmonisch zusammenleben, entschieden zu wenig und bedeuten Dauerstress

Nachtrag
Ob Ziva eine Einzelkatze ist kann man momentan noch gar nicht sagen.
Die Katze hat einiges hinter sich. Und für mich wäre es mehr als verständlich, wenn siejetzt erstmal alle Ressourcen sichert. Das kann sich ändern, wenn die Katze angekommen ist undmerkt, dass sienicht mehr um`s Überleben kämpfen muß
 
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piranhapudel

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Wenn eine Katze noch ins Gitter springt, ist eigentlich klar, was bei richtiger Konfrontation folgt.

Da hast du wohl Recht. Ich bin etwas zu ungeduldig an die Sache ran gegangen.
Vielleicht beflügelt von meiner Schwester, bei der die Hau-Ruck-Methode immer funktionierte, obwohl ich dafür eigentlich viel zu Risiko-unfreudig bin.

Was ich tun würde: Die Katzen jetzt ein paar Tage ohne Sichtkontakt trennen, damit alle runterfahren können.

Die Tür ist jetzt fürs Erste zu. Was meinst du, wann ungefähr ich die Gittertür wieder einsetzen kann?
Seit gestern Abend traben meine beiden Spanierinnen wieder wie wilde Ponys zusammen durch die Wohnung und gucken nur noch zur Küche, wenn da ein Pieps kommt.

Parallel dazu vielleicht auch nach einem Traumzuhause für die Maussuchen wär sicher auch nicht ganz verkehrt (falls schon zuviel Porzellan zerschlagen wurde)
PS- 45m2 sind auch für 3 Katzen, die nicht wirklich sehr harmonisch zusammenleben, entschieden zu wenig und bedeuten Dauerstress

Ja, die Wohnungsgröße ist eigentlich wirklich nichts für solche "Großprojekte".
Ich schaue eine gewisse Zeit dann noch, wie es mit Gittertür wieder läuft. Aber wenn sich da nichts entschärft und es bei der "Ins-Netz-Springerei" bleibt, ab wann sollte ich denn lieber einsehen, dass die drei niemals ein Dream-Team werden und ein entspannteres Plätzchen für Ziva suchen (auch wenn es mir das Herz brechen würde)?

Danke dir vielmals, für die schnelle Hilfe!
 
tiedsche

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Die Tür ist jetzt fürs Erste zu. Was meinst du, wann ungefähr ich die Gittertür wieder einsetzen kann?
Seit gestern Abend traben meine beiden Spanierinnen wieder wie wilde Ponys zusammen durch die Wohnung und gucken nur noch zur Küche, wenn da ein Pieps kommt.
Bauchmäßig würde ich sagen: ne Woche.
Stresshormone brauchen ne Zeit bis sie abgebaut werden (kennt man ja von sich selbst - nach stressigen Zeiten reicht ein Wochenende nicht, um wieder ruhig zu werden )

Ich hab ja erst ganz am Schluß meines Kommentars realisiert, dass du nur so eine kleine Wohnung hast.....und wenn die Katzen sich nach spätestens 3 Wochen immer noch nicht entspannt am Netz begegnen können,wäre für mich Hopfen und Malz in deiner Situation verloren
Ganz ehrlich? Als dauerhaftes zuhause für 3 junge Katzen ist das einfach nicht geeignet
Und klar hängt man sein Herz schnell an so ein gerettetes Tier, aber es soll ja allen Dreien dauerhaft gut gehen :pink-heart:
Einen Platz wirst du eh nicht von Heute auf Morgen finden- deshalb wäre es ratsam direkt zu suchen (es zwingt dich keiner das erstbeste Zuhause zu nehmen;) und wenn es wider Erwarten doch ein Dreamteam werden sollte kannst dus immer noch abblasen.
Wenn allerdings die Situation über Wochen so angespannt bleiben sollte und du dann erst anfängst zu suchen, hast du viel Zeit verloren :oops:
 
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piranhapudel

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Als dauerhaftes zuhause für 3 junge Katzen ist das einfach nicht geeignet

Ich hab das mal vom ältesten, geschätzten Alter geschrieben:
Spanierin Nr. 1 ist schon 6 Jahre alt,
Nr. 2 ist jetzt grob 3,5 Jahre alt.
Dann ist Ziva vielleicht auch etwas zu jung für beide...

Und klar hängt man sein Herz schnell an so ein gerettetes Tier, aber es soll ja allen Dreien dauerhaft gut gehen :pink-heart:

Da stimme ich dir absolut zu.

Dann baue ich mal eine hübsche Anzeige für die Kleine :(
Vielleicht finden wir ja etwas Schönes im Raum Münster, falls es nicht mehr klappt, dann kann mein Freund sie wenigstens mal besuchen.
 
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6 und 3 Jahre zählt bei mir noch zu den Jungspunden:p;) Und wenn das Temperament stimmt dann könnte da Ziva auch mitlaufen. Ich denke das Alter ist bei euch das geringste Problem

Na dann viel Glück - wenn sich ein wirklich schönes Zuhause auftut, kann man meist auch loslassen :)
Und ein Zuhause mit Freigangmöglichkeit ist auch die sicherste Lösung für eine Katze, die Freigang kennt. Im Winter mag sieWohnung vielleicht akzeptieren. Spätestensim Frühjahr habt ihr sicher ein weiteres Problem.
 
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