Streuner / Wildling plötzlich bei uns zu Hause - brauche Tipps

Lisa18291

Lisa18291

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Hallo Zusammen,

ich befinde mich in einer ganz neuen Situation in der ich leider keinerlei Erfahrung habe und hoffe auf wertvolle Tipps von euch . Vielen Dank!

Ich habe seit 6 Jahren zwei Sibirische Waldkatzen. Im Februar 2019 ist Milow plötzlich verschwunden. Zuletzt gab es einen Hinweis auf eine Streunerkatze etwa 35 km von uns entfernt. Es wurden Fotos von der Katze gemacht auf dem Sie sich so gleich sahen, dass ich mir sicher war, er muss es sein. Das Ende vom Lied ist, dass ich mit Hilfe ganz toller Anwohner dort die Katze nach 10 Tagen in einer Katzenfalle fangen konnte, doch es stellte sich heraus, dass es nicht Milow ist. Der unkastrierte Kater musste in Narkose auf Chip und Tattoo untersucht werden und es war mit mir vereinbart, dass er direkt kastriert, geimpft und entwurmt wird, wenn nichts gefunden wird. Und so kam es, dass ich nun seit 10 Tagen einen armen kleinen Streuner (nicht mehr ganz so jung) bei mir zuhause habe, den niemand zu vermissen scheint. Ich habe sämtliche Maßnahmen ergriffen, aber er gehört nun wohl zu uns. Man hat mich in der Klinik gewarnt, dass er sehr aggressiv war und es demnach auch sein könnte, dass er den Kontakt mit Menschen gar nicht kennt. In einem solchen Fall könnte es auch sein, dass ich ihn dort wo ich ihn gefangen habe wieder aussetzen müsste.

Nun haben wir uns natürlich aber erst einmal vorgenommen ihm eine Chance zu geben. Immerhin sollte der Kater sich erstmal von der Kastration erholen und vor allem auch zunehmen. Voraussetzung, dass er bleiben kann ist am Ende aber vor allem sein Sozialverhalten gegenüber dem anderen Kater Kasimir. Ansonsten muss er absolut kein Schmusekater werden. Sollten wir die Quarantäne-Zeit nun gut überstehen dürfte er hier als Freigänger leben. Müsste auch gar nicht zwingend zum Fressen ins Haus, das könnte sich auch auf der Terrasse einrichten lassen. Hauptsache wäre, dass man ihn im Auge behalten kann, er einen Unterschlupf und regelmäßige Nahrung hat.

Er ist nun in einem extra Zimmer. Hat dort zwei Katzenklos (unter anderem mit Lockstoffen und Erde gefüllt), einen Kratzbaum (groß, mit Hängematte und Häuschen), einen Rascheltunnel, einen Karton, ein großes Fenster Richtung Garten, ein Bett unter dem er sich verstecken kann, regelmäßige Mahlzeiten (kleine Portionen, mehr Nass als Trockenfutter), Wasser, Katzengras und einen Feliway Stecker (Pheromone gegen Stress). Ich gebe ihm ins Futter zusätzlich Bachblüten Globuli von Fressnapf gegen Aggressivität. Zum einen für den aktuellen Zustand wobei ich denke, dass die Aggressivität nur aus Angst entsteht, aber zum anderen schon hinsichtlich der Zusammenführung mit Kasimir. Kasimir bekommt die Globuli ebenfalls.

Er ist nun eine Woche bei uns. In der Regel sitzt er unter dem Bett wenn ich reinkomme. Nach ein paar Tagen versteckt er sich aber auch bereits im Kratzbaumhäuschen und nun bleibt er auch schon immer öfter in den Hängematten des Kratzbaums liegen. Wenn ich im Raum bin, bewegt er sich keinen Millimeter, beobachtet mich aber genau. Er legte zwar die Ohren an und fauchte auch schon aber kam bisher nicht auf mich zu. Ansonsten ist er eher ruhig, außer abends, da miaut/weint/plappert er. Es ist etwas undefinierbar. Die beiden Kater riechen sich bereits. Sind nur durch eine Tür getrennt. Da Kasimir als Freigänger von außen häufig in das Fenster hineinschaut, haben sie sich auch sicher schon gesehen. Außer Neugierde von meinem Kater konnte ich noch nichts feststellen. Kein Gefauche oder andere wilden Geräusche durch die Tür.
Der Streuner frisst von Tag 1 an bis auf den letzten Krümel in Rekord-Geschwindigkeit alles auf und trinkt wahnsinnig viel. Hier mache ich mir etwas Sorgen und hoffe, dass es noch die Gier oder Nachwirkungen der Narkose sind. Ich hoffe auch ihn irgendwann wieder zum Tierarzt bringen zu können, aktuell ist das aber definitiv noch nicht möglich. In der Tierklinik wurde mir auch bereits über einen sehr schlechten Zustand der Zähne berichtet, was man noch behandeln müsste, wenn es geht irgendwann. Das mit dem Katzenklo hat Anfangs nicht funktioniert. Mit Lockstoff und Erde hat sich das Thema aber zum Glück schnell geklärt. Trotzdem riecht es auch wahnsinnig in diesem Raum. Lüften ist ja leider auch nur möglich, in der Zeit, in der ich bei ihm bin. In ca. 3 Wochen sollte der Testesteron-Gehalt ja nachlassen und ich hoffe auch das wird besser.

Bezüglich der Zusammenführung mit dem anderen (ebenso kastrierten) Kater würde ich mir aktuell in 3 Wochen (also 4 Wochen nach der Kastration) vorstellen. In der Klinik wurde uns 6 Wochen Quarantäne empfohlen, das halte ich allerdings für das arme Kerlchen schon für sehr lange. Nach zwei Wochen sollte ja bereits der Impfschutz wirken und Kasimir ist geimpft. Wann er dann ganz raus kann, weiß ich nicht.

Nun stellen sich mir gerade so viele Fragen zu dem Ganzen. Vielleicht kann mir der ein oder andere von euch ja weiterhelfen :). Das wäre toll!

1. Ist es für den Wildling wirklich 4 Wochen in nur einem Zimmer auszuhalten? Es kommt mir schon sehr qualvoll vor. Andererseits wie trenne ich die beiden wieder sollte es nicht funktionieren wenn ich den Wildling noch gar nicht anfassen kann. Ich bin mir aber auch unsicher was ich in 3 Wochen erwarten kann. Aktuell überlege ich ab nächster Woche eine Gittertür einzusetzen. Finde nur leider zum Kauf nichts im Internet und bin handwerklich nicht sonderlich begabt. Habt ihr auch dazu Tipps?

2. Zur aktuellen Situation im Zimmer: Ist es besser wenn er raussehen kann oder weckt das nur zu sehr seine Sehnsucht nach Freiheit? Rollos auf oder zu?

3. Kann ich das Zimmer noch in irgendeiner Art und Weise besser für ihn gestalten? Ideen? Kann ich zum Feliway Stecker zusätzlich einen Anti-Tiergeruch Stecker verwenden oder wirkt dann Feliway nicht mehr? Weiß darüber jemand etwas?

4. Kann ich auch ohne Tierarzt-Besuch mit Hilfe von bestimmten Futtermitteln etwas vorbeugend für seine Gesundheit tun? Stichwort schlechte Zähne und eventuelle Nierenbeschwerden (enorme Wasseraufnhame, wird aber langsam normaler, vielleicht war es doch nur die Gier)…

5. Wie verhalte ich mich ihm gegenüber am besten, um sein Vertrauen zu gewinnen? Am Anfang habe ich ihn so wenig wie möglich gestört und ihm nur Futter und Wasser gebracht und das Katzenklo gesäubert. Nun bin ich täglich mind. 1 Stunde bei ihm und versuche häufiger im Raum ein- und auszugehen über den Tag damit es normaler für ihn wird. In der Zeit, in der ich mich länger im Zimmer aufhalte, rede ich mit ihm oder telefoniere. Ich nehme nun auch eine Spielangel mit, auf die er aber noch nicht reagiert. Ich versuche ihn möglichst wenig anzustarren. Möchte mich ihm eigentlich nicht zwanghaft nähern solange er nicht entspannter ist. Es liegt ein getragenes Tshirt von mir im Raum. Auf das lege ich ihm Leckerlies bevor ich das Zimmer verlasse. Gibt es noch Tipps? Was kann ich besser machen? Wie kann ich sein Vertrauen gewinnen? Was ist überhaupt realistisch zu erwarten von ihm und in welcher Zeit? Eigentlich finde ich ja, dass er in der einen Woche schon gute Fortschritte gemacht hat, da er ja bereits an ungeschützten Plätzen im Kratzbaum liegen bleibt und sich nicht mehr immer verkriecht wenn ich komme.

6. Sollte er sich tatsächlich nie von mir anfassen lassen, wie macht man das mit Tierarztbesuchen? Es wäre für mich wirklich in Ordnung wenn er das nicht möchte insofern wir friedlich miteinander leben. Aber Hinsichtlich der Gesundheit sehe ich es doch problematisch.

Ich würde mich wahnsinnig freuen hier erfahrene Menschen zu finden, die mir ein paar Tipps geben. Momentan fühle ich mich als hätte ich ihn entführt und ihm nicht geholfen  …

Vielen Dank und liebe Grüße,
Lisa
 
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dexcoona

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Du könntest mal die Userin Taskali anschreiben, die kennt sich gut mit Streunern aus.

Ansonsten findest du bestimmt auch in ihrem Thread wertvolle Tipps zum Umgang mit Streunern.

Pflegis by Taskali

Ich finde es toll, dass du einen Streuner aufgenommen hast und ihm eine Chance gibst. Und es ist ein absolut gutes Zeichen, dass er schon nach so kurzer Zeit nicht mehr unter dem Bett verschwindet, wenn du ins Zimmer kommst.
 
maschari

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Hi Lisa,

inhaltlich kann ich dazu leider nichts beitragen, aber ich wollte dir sagen, dass ich es super finde, was du schon alles für den Kater gemacht hast.
Hut ab! Ich bin gespannt, wie es hier weitergeht.

Viele Grüße,
 
Schnurr13

Schnurr13

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Hallo und Willkommen.

Die in der TK hatten mit den 6 Wochen recht, denn so lange braucht es bis die Hormone so langsam abgebaut sind. So lange wird er auch noch stinken. Auch wäre es wichtig, dass du die Kater noch so lange trennst. Ist sicher nicht schön, aber mit der Aussicht auf ein betreutes und versorgtes Leben sicher auch kein Drama.

Ich hab meinen ehemaligen Taskali-Kater immer so viel fressen lassen wie er wollte. Auch heute noch wo er schon ein ganz schönes Wohlstandsbäuchlein hat. Aber gerade nach einer Zeit des Mangels ist es für den Herren (hat er schon einen Namen?) gut sich den Bauch voll zu schlagen.

Hattet ihr beim TA auf ansteckende Krankheiten testen lassen? Wen nicht würde ich das noch mal nachholen. FIV wäre jetzt für mich kein Drama, aber FLEV ist schon so ansteckend, das eine Impfung nicht zu 100% schützt.

Aber frag mal Taskali, die ist da super erfahren und hilft dir sicher gern.
 
Lisa18291

Lisa18291

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Vielen Dank für die tollen Thread-Tipps. Ich werde mich hier belesen :).

Er heißt mittlerweile Adam, die Namensfindung war gar nicht so einfach weil er meiner vermissten Katze immer noch 1:1 gleich sieht und einem immer nur sein Name in den Kopf kommt, wenn man ihn ansieht. Sollte er doch nach den drei Monaten irgendwie wieder auftauchen hält er mich bestimmt für bekloppt, dass ich mir in der Zwischenzeit seinen Doppelgänger angeschafft habe... Aber es hat wohl so sein sollen, dass wir auf der Suche nach Milow aufeinander gestoßen sind. Ich hatte eigentlich schwer damit gerechnet, dass er zumindest gekennzeichnet ist, sollte er nicht mein Kater sein, da er ja auch aussieht wie eine Rassekatze. Das war leider nicht so und so blieb uns ja nicht viel übrig. Das war ich Adam dann auch schuldig, dass ich ihm helfe nach unserer 10 tägigen Einfang-Aktion. Und er hatte sich ja auch bei den Anwohnern bemerkbar gemacht und nach Futterstellen gesucht. Deswegen hoffe ich, dass es zumindest langfristig schon in seinem Sinne ist was wir gerade tun.

Ich habe ehrlich gesagt immer etwas Angst, dass sein Magen so viel auf einmal gar nicht verträgt und er Bauchweh bekommt. Gebe ihm gerade eher noch kleinere Portionen dafür öfter.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher wegen der Krankheiten. Werde das in der Klinik nochmal hinterfragen. Ich war mit der Situation vor Ort auch etwas überfordert und habe nur nach Tollwut gefragt, was man ja so einfach gar nicht testen kann, wie ich dann erfahren habe. Geht der Test über ein Bluttest? Das heißt er müsste zum Tierarzt vermutlich. Das sehe ich momentan noch als große Herausforderung. Wenn ich ihn nochmal mit einer Falle fange ist bestimmt wieder jeglicher Fortschritt verloren. Bevor das nicht ausgeschlossen ist, sollten die beide sich aber auch nicht über die Gittertür beschnuppern können, oder?

Mich beschäftigt auch ob er wenn er sich nun immer sicherer fühlt mich doch eher einmal angreifen wird statt sich zu verstecken, wenn er so lange nur in einem Zimmer ist. Ich kann ihn noch gar nicht einschätzen. Einmal bin ich tatsächlich wieder rückwärts aus der Tür, weil er so böse geguggt hat, hab ich natürlich danach bereut und ich versuche nun selbstsicherer zu sein. Manchmal aber gar nicht so einfach.

Taskali werde ich direkt mal kontaktieren, danke!
 
Irmi_

Irmi_

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Huhu!

Toll, dass Du Adam ein Zuhause bieten willst. Auch wenn er es erst Mal doof findet, wird er das auf lange Sicht sicher zu schätzen wissen.:smile:

Dass er jetzt so das Futter in sich rein haut ist ganz normal. Er muss erst Mal lernen, dass es keine Hungerstrecken mehr gibt. Das Beste, was Du da machen kannst ist viel füttern.:)
Überhaupt hab ich den Eindruck, dass Du aus dem Bauch heraus ziemlich viel richtig machst. Viele lesen ihren Scheuchen auch gerne vor um sie an sich zu gewöhnen. Bei mir hat eine Streunerin dabei gerne entspannt die Augen geschlossen und ist gemütlich weggedöst.

Wie zahm er eines Tages wird kann man jetzt vermutlich noch garnicht sagen - von Kater auf Abstand bis hin zum klebrigen Sofakuschelkater kann alles drin sein.:)

Solange Du Adam nicht bedrängt, glaube ich nicht, dass er Dich jemals angreifen wird. Die Katzenangriffe, von denen wir hier im Forum lesen, sind hauptsächlich Kater, die alleine in einer Wohnung ohne äußere Reize wenig artgerecht gehalten werden.
Klar, wenn Du ihn jetzt fest packen musst (z.B. beim Tierarzt), dann sieht die Welt anders aus. Dann sind z.B. Falknerhandschuhe oder zumindestens Schweißerhandschuhe sehr zu empfehlen.

Alles in allem, so, wie Du beschreibst dass Adam bereits Verstecke abwechselt und sich nicht mehr total verkriecht denke ich habt ihr bereits einen großen Schritt gemacht.
Das Fenster würde ich dem Süßen nicht verstellen - ich denke es ist sogar ganz gut als Anreiz, sich irgendwann Mal offen aufs Fensterbrett zu setzen.

Beobachte Adam weiterhin gut und gehe immer so weit wie es für ihn okay ist. :)

(Wenn man sich sicher ist, kann man gelegentlich auch einen Zehen über diese Grenze setzen, aber da muss man sich sicher sein.;))
 
Hazelcats

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Ich freue mich sehr, daß du Adam eine Chance gibst!
Vermutlich ging er beim TA nach vorn, weil das eine aus Erfahrung für ihn erfolgreiche Methode ist, wenn er keinen Ausweg mehr sieht.
Bei mir lebt Leo, ein offensichtlich in Menschenhand aufgewachsener Kater, der jahrelang allein draußen klar kommen mußte und dann erstmal wie ein Wildling reagierte - und noch heute beim TA reagiert. Unter Angst geht er bei jedem nach vorn, dem er nicht vertraut, also bei jedem außer mir. Was aber auf keinen Fall bedeutet, daß Leo ein aggressiver Kater ist, es ist immer nur sein Mittel letzter Wahl. In der Zähmungsphase habe ich ganz viel mit Körpersprache mit ihm gearbeitet und ich denke, daß würde deinem Adam auch helfen "zu verstehen".
Wichtig ist für Adam Sicherheit zu gewinnen, die Sicherheit, daß er die Grenzen bestimmt.
Also du dich immer nur so weit näherst, wie er zuläßt (fauchen ist Signal "bis hier, bitte nicht weiter"). Auch seine zunehmende Körperspannung, Ohren die zur Seite klappen, große Pupillen, alles Warnsignale, die du beachten solltest und so wie ich deine Beiträge lese, machst du das bereits.
Am besten auch nicht direkt nähern, eher seitlich gewandt, Kopf immer wieder bewußt wegdrehen (Kontaktunterbrechung), Blinzeln, Gähnen, alles Katzensignale "ich habe harmlose Absichten".
Und keine Unsicherheit zeigen. Wenn zwei unsicher sind, muß einer die positive Führung übernehmen, also du ;) . Ganz ruhig vor dich hin reden, stell dir vor wie er positiv auf dich reagiert (visualisieren), langsam bewegen, Abstand halten. Konsequent, ruhig und berechenbar (aus seiner Sicht), das hilft.
Auch vorm Betreten seines Reiches anklopfen oder eben ein bestimmtes gleiches Signal machen. Das ist nur höflich und so wird er nicht überrascht.
Nach deinen Schilderungen wird es nicht so knifflig wie bei z.B. meinem Leo, ihr seid ja schon recht weit und ich würde sagen, alles weitere braucht nur Zeit und Geduld.

Als Ermunterung hier Leos Geschichte, die ich in einem anderen Thread schon geschrieben hatte, um das hier nicht zu sprengen im Spoiler:
In unserer Einfamilienhaus-Stadtgegend sind viele Freigänger unterwegs, ab und an aber auch heimatlose Katzen. Ein grauer Kater fiel mir im Herbst auf, weil er sich scheu über das Igelfutter hermachte, regelmäßig in einem Maß, daß eindeutig war, er hat keine Versorgung.
Meine fünf Katzen kamen gut mit ihm aus, obwohl er sich auf anderen Grundstücken prügelte. Er sah nach unkastriert aus und das hätte ich gern geändert. Zudem ist so ein blaues Katzentier mit grünen Augen eher selten und wird ja hoffentlich von irgendwem vermißt, vielleicht ist er gechipt. Vermißt wurde er laut Portalen, Tierheim etc. nicht. Also einfangen - aber erstmal Vertrauen aufbauen, denn er war die Sorte "du hast genau eine Chance, sonst siehst du mich nie wieder".
Ich habe ihn zwei Jahre angefüttert, bis ich so nahe ran kam, daß ich ihn im Nacken anfassen durfte, so beförderte ich ihn dann eines frühmorgens von vor der Tür in den Eingangsraum. Er versteckte sich sofort, fauchte, wurde "wild". Mit Hilfe meiner erfahrenen Freundin wurde er dann in die Box befördert, das war eine Jagd durch den Raum, aus den Verstecken immer wieder rausscheuchen, er ging zwischendrin Wände und Fenster hoch, bis er müder war und mittels Laken gefangen wurde.
Seine Box war vorher durch Fallenlassen auf Festigkeit geprüft worden, hatte eine Klappe oben und eben wie üblich vorn. Der TA sedierte ihn in der Box. Kastra, Zahnsanierung, kein Chip da, also bekam er einen.
Ab da lebte er in einem Raum allein. Erst versteckte er sich nur, dann wurde er wieder zugänglicher, aber nur "mit langem Arm anfassen am Kopf". Ob ich ihm vorlas oder nicht, war scheints egal. Federwedel fand er doof. Die Hormone liessen nach, er wurde stubenreiner, quakte aber nachts und auch sonst, hatte Langeweile (klar, draußen war der Tagesablauf erfüllt).
Also wollte ich eine Gittertür einbauen, damit er Kontakt zu meinen Katzen bekam und auch mehr vom Leben im Haus mitbekam.
Als mir mein Vater half die Türangeln in die Wand zu befestigen, mußten wir Löcher bohren. Beim Bohrgeräusch raste der Kater aus seinem Versteck, ging wieder die Fenster und Wände hoch, bis er doch wieder in ein anderes Versteck verschwand. Daraufhin bekam ich zu hören "was du machst ist Tierquälerei, lass ihn raus, das ist nichts für ihn" und das kann ich nachvollziehen. Doch der Kater sollte mit dem Drinnen erstmal richtig vertraut sein, bevor er die Wahl "drinne oder draußen" bekam. Noch machte ihm das Drinnen Angst, Draussen kannte er, also wäre die Wahl gar keine gewesen.
Mit Gittertür wurde des Katers Alltag besser und nach wenigen Wochen konnte ich sie öffnen. Der Kater lief mit meiner Katzengruppe mit, bekam Alltagsroutine, traute sich immer mehr und war kein Angstkater mehr im Haus, auch wenn er natürlich meist Abstand zu mir hielt, außer er wollte auf Armlänge berührt werden oder sich sogar vor mir hinwerfen um geflauscht zu werden. Er ging dann auch mit den anderen abends raus in den Garten und kam tatsächlich freiwillig auf Klingelton mit den anderen zurück. Die ersten Wochen hatte er Mühe mit der Türschwelle, da mußte die Eingangstür und die Tür zum Flur offen sein, damit er durchrennen konnte, sonst traute er sich nicht. Aber seine Wahl war eindeutig "drinne leben"!
Das hätte er die ersten Wochen so nicht entschieden, weil er rein aus Angst das Bekannte gewählt hätte, also draußen.
Nach weiteren Monaten hatte ich dann eine Schmusekater, der sich in meinen Arm kuschelt. Eindeutig war er also in Menschenhand aufgewachsen, auch wenn er lange draußen auf sich gestellt gewesen ist. Angesehen hätte ihm das früher niemand. Er war "wild".
TA-Besuche sind auch heute noch ein Drama, untersuchen geht nur mit Sedierung, Medizingaben läßt er sich mittlerweile von mir gefallen, nach drei Wochen "Kampfroutine", die ihm anfangs auch seelisch sehr zugesetzt haben. Sein Vorleben hat tiefe Spuren hinterlassen und so heißt es immer wieder Brücken bauen, die er dann nutzt.
Ja, er ist ein Einzelfall, aber sind sie das nicht alle? Jedes Fell ist individuell.
Keiner konnte vorher ahnen, was ihn ihm steckt, daß er drinnen glücklich sein kann, es sah nach dem Gegenteil aus. Nur über 3 Monate zwangsweise Einsperren sind wir dahin gekommen.
Es hätte auch anders laufen können, ich hatte schon eine wetterfeste Hütte für draußen gekauft, ihn auf den Surefeed mit Chip trainiert, alles für den Fall, daß er am Ende draußen leben möchte.
Doch wie soll eine Katze, die vielleicht mal vor den Menschen nach draußen geflohen ist oder die sich einfach jahrelang draußen durchschlagen mußte, sich anders als ängstlich, scheu und wild verhalten, wenn sie plötzlich drinne festsitzt?
Daß sie erstmal nach draußen fliehen möchte ist doch logisch - da kennt sie sich aus. Drinne ist sie ausgeliefert und durch die Angst muß sie erstmal durch. Das ist nicht schön, aber nur so kann man ihr die Chance auf ein versorgtes Leben drinne oder mit Ausgang überhaupt geben.
Vertrauen muß verdient werden und das braucht Zeit, Ruhe, Routine und Geduld.
Viele "wilde" Katzen brauchen nur eine Brücke die man ihnen bietet und auf dieser Brücke sind Angst, Zweifel, Selbstzweifel Wegbegleiter - doch sie führt in ein "neues" Leben.

aus dem Thread: Streuner oder Wildchen? Was tun?

Ich wünsche euch alles Gute und ich bin sicher ihr findet zusammen den richtigen Weg, wenn man dem eigenen Gefühl folgt, irrt man selten und nur du hast den Kater vor dir und erlebst ihn!

Liebe Grüße
Karen
 
Lisa18291

Lisa18291

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Vielen Dank für eure lieben Nachrichten! Das sagt mir zumindest, dass wir den richtigen Weg einschlagen :). Ich meine, dass er mich nun zum ersten Mal zurück angeblinzelt hat. Ich denke es geht voran. Am Fenster sitzt er total viel. Das kann ich von draußen beobachten. Er wird nur nun auch immer lauter, vor allem abends und nachts, zum Teil nun aber auch tagsüber. Ich weiß einfach nicht wie ich ihn 6 Wochen dort drin beschäftigen soll so allein. Da sind wir ja im Grunde bei nicht artgerechter Haltung in der Aggressionen entstehen können, oder? Am meisten liegt mir momentan noch im Magen, dass in der Tierklinik vermutlich kein Bluttest gemacht wurde. Ich halte es nur leider auch nicht für möglich ihn gerade zum Tierarzt zu bringen. Wenn ich es schaffe sollte ich ihn per Blut auf FIV und FLEV testen lassen. Sollte man noch etwas ausschließen vor der Zusammenführung?
 
Lisa18291

Lisa18291

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  • #10
Nun hat sich in neues GROßES PROBLEM aufgetan:
In dem Ort, in dem ich ihn nach 10 Tagen einfangen konnte, wird er nun vermisst. Von einer älteren Bäuerin. Ich hatte mit so vielen Anwohnern gesprochen, keiner kannte das Tier und jedem viel er seit einigen Wochen erst auf. Grundsätzlich würde ich mich ja freuen, ihn in sein Zuhause zurück bringen zu können. Aber unter diesen gesundheitlichen Umständen stehe ich nun vor einem Rätsel. Der Kater war nicht kastriert (ich habe ihn kastrieren lassen), er hat schlechte Zähne, ist total dürr, trank anfangs bis zu 500 ml in nur einer Nacht (vermutlich doch nur aus Gier, denn es wird nun weniger) und hat Hunger ohne Ende obwohl er im gleichen Ort sein Zuhause hat? Er ging auch auf Anwohner zu um Futter zu bekommen, so fiel er speziell einer Dame ja erst auf, die nach einen Besitzer suchte und ich aufmerksam wurde weil er aussah wie mein vermisster Milow. Die Bäuerin sagt er habe jeden Tag bei ihr gefressen, ihr sei aber aufgefallen, dass er so abbaute. Er sei aber nicht so zahm, dass sie ihn zum Tierarzt bringen könnte. Was nun tun? Weder behalten noch zurückbringen fühlt sich jetzt richtig an... Ich treffe mich am Donnerstag mit der Frau, erstmal ohne Katze.
 
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dexcoona

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  • #11
Nun hat sich in neues GROßES PROBLEM aufgetan:
In dem Ort, in dem ich ihn nach 10 Tagen einfangen konnte, wird er nun vermisst. Von einer älteren Bäuerin. Ich hatte mit so vielen Anwohnern gesprochen, keiner kannte das Tier und jedem viel er seit einigen Wochen erst auf. Grundsätzlich würde ich mich ja freuen, ihn in sein Zuhause zurück bringen zu können. Aber unter diesen gesundheitlichen Umständen stehe ich nun vor einem Rätsel. Der Kater war nicht kastriert (ich habe ihn kastrieren lassen), er hat schlechte Zähne, ist total dürr, trank anfangs bis zu 500 ml in nur einer Nacht (vermutlich doch nur aus Gier, denn es wird nun weniger) und hat Hunger ohne Ende obwohl er im gleichen Ort sein Zuhause hat? Er ging auch auf Anwohner zu um Futter zu bekommen, so fiel er speziell einer Dame ja erst auf, die nach einen Besitzer suchte und ich aufmerksam wurde weil er aussah wie mein vermisster Milow. Die Bäuerin sagt er habe jeden Tag bei ihr gefressen, ihr sei aber aufgefallen, dass er so abbaute. Er sei aber nicht so zahm, dass sie ihn zum Tierarzt bringen könnte. Was nun tun? Weder behalten noch zurückbringen fühlt sich jetzt richtig an... Ich treffe mich am Donnerstag mit der Frau, erstmal ohne Katze.

Hmm...Wenn er nur bei ihr gefressen hat, ist es ja nicht unbedingt ihr Kater, nachweisen könnte sie das durch einen Chip und einen Impfausweis oder Kaufvertrag.
 
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Lisa18291

Lisa18291

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  • #12
Chip und Tattoo hat er nicht. Nach Impfausweis und Kaufvertrag frage ich. Gute Idee, danke. Hat sie aber sicherlich nicht. Was dann tun?
 
maschari

maschari

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  • #13
Hallo Lisa,

oh nein, was für eine b* Situation :sad: Gibt es bei euch eine Kastrationspflicht?
Ich würde die Dame auf jeden Fall darauf ansprechen, dass ihr Kater unkastriert draußen herumgelaufen ist, und ihr ihn aus diesem Grund für einen Streuner gehalten habt.
Ich würde ihr auch klar machen, dass ihr diese Kosten von dir weiter verrechnet werden, wenn sie den Kater zurücknimmt. (sowie alle weiteren Kosten, die ihr bereits getragen habt).
Vielleicht sieht sie dann davon ab, ihn zurückzunehmen. (Zumal er ja keine neuen Kitten produzieren kann)

Versteh mich nicht falsch: Unter anderen Umständen würde ich sowas niemals raten, aber wenn ich dran denke, in was für ein Leben der Kater dann zurückmüsste. :reallysad: (Und das geht dir bestimmt auch so)

Schwierige Situation!
 
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dexcoona

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  • #14
Impfausweis und Kaufvertrag kann man ja nur durch Chip zuordnen. Ein Beweis ihres angeblichen Eigentums dürfte also zumindest durch Urkunden nicht möglich sein.

Mascharis Ansatz mit der Kostenübernahme finde ich gut. Ich würde es erst einmal mit einem Gespräch versuchen, vielleicht lässt sie sich ja überzeugen, dass er es bei euch besser hat.
 
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keeza

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  • #15
Ich würde mir die Frau einfach mal anschauen und die Geschichte dazu hören und dann bewerten wo der Kater langfristig besser aufgehoben ist....
Du wirst merken ob sie an dem Kater hängt. Vielleicht ist sie einfach nur überfordert.
Im Zweifel muß sie erstmal nachweisen, dass es ihr Kater war, wenn du m,einst, dass es ihm dort schlecht gehen würde..
 
Lisa18291

Lisa18291

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  • #16
Mensch sowas blödes und ja genau das ist natürlich auch mein Gedanke. Ich will ihn nicht wohin zurück schicken müssen wo er Hunger und Durst haben muss... Ich würde mich ehrlich so freuen, ihn zu einer Familie zurückzubringen, die ihn vllt auch schon längere Zeit vermissen und er sein liebevolles Zuhause auf Umwegen verloren hat. Aber zu jemandem der aus dem gleichen Ort ist wo ich ihn 10 Tage versucht habe zu fangen, weil er aussah als würde er den nächsten Winter definitiv nicht schaffen?! Generell würde ich auch von niemandem Geld verlangen weil ich einem Tier geholfen habe aber vielleicht ist das tatsächlich ein Weg. Schön wäre es wenn sie einsichtig wäre... vor diesem Gespräch graut es mir jetzt schon sehr auch wenn es für mich auch gerade nicht so einfach ist ihn bei mir zu haben. Das nehme ich für den kleinen, gerne in Kauf wenn es ihm dann bald besser gehen würde. Wenn man nur wüsste was er mag. Er hat sicherlich auch große Sehnsucht nach seiner Freiheit... vllt sogar nach der Frau.
 
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dexcoona

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  • #17
Hallo Lisa,

wie ist denn der Stand der Dinge? Hast du mit der Frau gesprochen?
 
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dexcoona

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  • #18
Schade, mich hätte interessiert, was das Gespräch ergeben hat...
 
Lisa18291

Lisa18291

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  • #19
Hallo liebe Sandra,
tut mir leid, dass ich nun nicht mehr aktiv war. Die Frau hat es leider abgelehnt. Ich habe mich dazu entschieden mit einer anderen Frau gemeinsam die Kosten für die Op zu tragen und dass er dann zurück kommt. Ich weiß, dass das eigentlich die falsche Lösung ist. Mir wurde allerdings sogar mit der Polizei gedroht, meine Adresse ist in dieser Nachbarschaft bekannt und die Frau ist 93 Jahre alt. Wenn ihr durch diesen Streit etwas zustößt würde ich auch hierfür die Schuld tragen. Leider die einzige Lösung zumindest mit halben Gewissen richtig gehandelt zu haben. Ich hätte mir ein schöneres Happy End aber sehr gewünscht. Adam wurde heute operiert für rund 300,- EUR und kann sich nun kastriert und mit besseren Zähnen hoffentlich durchschlagen. Er kommt heute noch zurück.
 
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dexcoona

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  • #20
Hallo liebe Sandra,
tut mir leid, dass ich nun nicht mehr aktiv war. Die Frau hat es leider abgelehnt. Ich habe mich dazu entschieden mit einer anderen Frau gemeinsam die Kosten für die Op zu tragen und dass er dann zurück kommt. Ich weiß, dass das eigentlich die falsche Lösung ist. Mir wurde allerdings sogar mit der Polizei gedroht, meine Adresse ist in dieser Nachbarschaft bekannt und die Frau ist 93 Jahre alt. Wenn ihr durch diesen Streit etwas zustößt würde ich auch hierfür die Schuld tragen. Leider die einzige Lösung zumindest mit halben Gewissen richtig gehandelt zu haben. Ich hätte mir ein schöneres Happy End aber sehr gewünscht. Adam wurde heute operiert für rund 300,- EUR und kann sich nun kastriert und mit besseren Zähnen hoffentlich durchschlagen. Er kommt heute noch zurück.

Oh nein:reallysad:Ich hatte mir für Adam eine andere Lösung erhofft. Kann er sich nicht noch wenigstens von der OP bei dir erholen? So wie ich dich verstanden habe, muss er bei ihr ja draussen leben...

Ich bin zwar kein Jurist, aber das Tier so verwahrlosen zu lassen und ihm nicht die notwendige tierärztliche Versorgung zukommen zu lassen, muss doch gegen das Tierschutzgesetz verstossen. Ich würde zumindest mal überlegen und prüfen, das Vetrinäramt zu informieren. Adam zuliebe.
 
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