Sehr ängstlicher Kater

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Tigerkerle

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Hallo
Bei mir ist vor einer Woche ein total goldiger Kater eingezogen, dem das Leben bisher nicht so dolle hold war.

Der Bub wurde im Dezember 2020 in einer Gartenkolonie entdeckt. Er hatte eine schwere Vorderbeinverletzung und konnte erst am 02.01.2021 gesichert werden. Leider war jedoch sein Beinchen da nicht mehr retten, so wurde es ihm tags drauf amputiert. Gleichzeitig wurde er auch kastriert.

Die Amputation ist inzwischen recht gut verheilt, im Tierheim zeigte er sich zwar zugänglich, aber saß die vergangenen Monate eigentlich nur in seinem Hüttchen. Ich hatte ihn zweimal besucht, nach einigem Zögern kam er dann auch mal raus und hat sich ganz vorsichtig streicheln lassen, was er aber dann sichtlich genoss.

Lt. Tierheim ist er ca. 7-10 Jahre alt und wahrscheinlich schon immer ein Streunerchen gewesen (sonst wäre er ja sicher kastriert worden). Leider wurde bei der Anästhesie im Zuge der Amputation ein Herzgeräusch festgestellt, dass jedoch bisher noch keine Abklärung fand. Das soll so schnell wie möglich gemacht werden, sobald er Vertrauen gefasst hat. Die Fahrt in sein neues Zuhause hatte ihn sehr mitgenommen und aufgeregt. Ich habe noch nie eine Katze gesehen, die vor Angst so die Augen aufriss.

Ich habe ein Zimmer für meinen Bub vorbereitet, soweit die Höhen (Schreibtisch, Sideboard, Sofa) entschärft, dass er sie gut in leicht überwindbaren Stufen erreichen kann. Er war ja seit der Amputation ausschließlich in der niedrigen Box und ist daher bis dato nirgends wo runtergesprungen und konnte so das Handicap des fehlenden Beinchens noch nicht im vollen Umfang wahrnehmen.

Die ersten 24 Stunden im neuen Heim hat er vor lauter Furcht gar nicht fressen wollen. Am zweiten Tag war dann der Hunger größer als die Angst. Ich glaube, er war vorher noch nie in einer Wohnung. Nachts (ich habe eine Kamera im Zimmer installiert), schaut er sich um, geht verlässlich aufs Katzenklo und frisst ordentlich. Er nimmt die Aufstiegshilfen dankbar an, ist leider aber auch schon vom Stuhl gesprungen und konnte sich nicht richtig abfangen. Ich glaube, er denkt, sein fehlendes Beinchen ist noch da.

Tagsüber verbringt er ausschließlich unter dem Sofa, wenn ich im Home-Office bin. Ich rede dann leise aus der "Ferne" mit ihm, werfe ihm auch mal lecker Leckerlis unter die Couch. Fressen tut er sie aber erst nachts.

Die Video-AUfnahmen zeigen jedenfalls, dass er mit dem fehlenden Beinchen noch nicht so gut zurecht kommt. Er hatte sich zB. versehentlich mit dem anderen Pfötchen an einem Kuschelkissen verheddert - was für eine Panik. Er ist auch äußerst Geräuschempfindlich.

Ich weiß, eine Woche ist jetzt noch nicht lang, eine Katze aus der Reserve zu locken. Aber es stimmt mich schon traurig, dass er so ängstlich ist. Dabei kann ihm gar nichts passieren. Da tauten meine Straßenkatzen aus Bulgarien viel schneller auf. Aber die waren auch viel jünger und wer weiß, was der Bub alles in seinem Leben schon für Verfolgungen erleben musste. Es wird - glaube ich - noch sehr lange dauern, bis es zu einer Vergesellschaftung mit meinen Blindis kommt. Aber eins nach dem anderen.

Ich würde mich über Tipps freuen, wie ich ihn neugierig auf mich machen kann. Leckerlis ignoriert er leider sehr verlässlich. Dass er im Tierheim zugänglicher war, war glaub ich der kleinen Box geschuldet, in der er monatelang gesessen hat, da konnte er nicht ausweichen wie jetzt in dem großen Zimmer. Den gefundenen Äußerungen der "Katzenstreichlerin" auf der HP des Tierheimes ist zu entnehmen, dass es wohl auch sehr lange bei ihr dauerte, bis er sich auf sie eingelassen hat. Zu ihr suche ich auf alle Fälle nochmal Kontakt. Immerhin hat sie ihn 3 Monate begleitet.

Danke fürs Lesen ! Und Danke für Tipps und aufmunternde Worte.

LG
 
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vorab, super, dass du dich um den kleinen kerl kümmerst! *daumenhoch*

du machst das schon ganz richtig, und viel kann man da auch nicht zusätzlich an tipps geben.

vielleicht kannst du dich mal in seine nähe setzen, ihm den rücken zudrehen und dann mal mit papier rascheln o. ä. trotzdem nicht zuwenden, sondern abgewand bleiben.

vielleicht reagiert er auch auf leichte spiele mit einer angel oder sowas (natürlich nicht groß hoch rumwedeln sondern eher auf dem boden, unter einem kleinen teppich her etc.)

auf dem boden sitzen is oftmals dann gut, dann ist man nicht so bedrohlich groß... ;)

sonst, tatsächlich schauen, dass er sich nicht verfangen kann, daher eher keine handtücher o. ä. besser ist dann fleece oder sowas.
 
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Danke, dass du den armen Schatz aufgenommen hast 🥰 Und wie ich lese, ist er nicht dein erstes Handicapkatzi 💗

Da hat er wirklich großes Glück gehabt, ausgerechnet bei dir zu landen und seinen Lebensplatz gefunden zu haben 🙏

Da er beim Sprung noch unkoordiniert zu sein scheint, würde ich Textilien, in denen er sich verheddern kann, entfernen oder zumindest auf den Boden legen.

Mit Handicats habe ich leider keine Erfahrungen, aber mit Schüchtikatzis.

Das Verstecken erinnert mich ein bissl an die ersten Wochen meiner Fiona nach dem Einzug. Sie verließ ihr Versteck auch nur nachts.

Wirklich geholfen hat eigentlich nur Geduld, immer wieder leise mit ihr reden und sie selbst das Tempo bestimmen lassen.

Tagsüber war sie allein im Wohnzimmer, abends habe ich mich auf die Couch gelegt und gelesen, gesurft oder Filme geschaut. Also Ablenkung (war für mich wichtig) und Aufmerksamkeit von ihr abziehen (war für Fiona wichtig).

Danach kam sie gelegentlich kurz, später immer länger hervor.

Ich glaub, die Kombination aus sanfter Kontaktaufnahme und zwischendurch bewusstem Ignorieren hat es ausgemacht.

Und was ich aus heutiger Sicht auch noch viel höher bewerte als nach ihrem Einzug, ist das bewusste Loslassen von Erwartungen. Als ich nach ein paar Tagen eingesehen hab, dass sie jetzt einfach mal unterm Sofa wohnt und keine Anstalten macht, daran etwas zu verändern, hab ich mein Kreuz drüber geschlagen und das so akzeptiert, wie es ist. Für mich war es in Ordnung.

Bald darauf hat sich aber ihr Verhalten verändert, sie wurde dann doch neugierig.

Kontakt zu seiner früheren Bezugsperson aufzunehmen ist auf jeden Fall eine sehr gute Idee 👍 Bestimmt kann dir diese Dame einige wertvolle Tipps geben, wie man sein Vertrauen gewinnen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Quilla

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Hey, wie schön für den Buben. :smile:
Wie heisst er denn?
(hast du schon passende Namen in der Auswahl?)

Im Tierheim haben wir traumatisierten Tieren oft mit Sedarom *klickhier* helfen können.

Dazu wäre vielleicht ein Feliway Classic Verdampfer für das Zimmer eine Idee?

Kannst du später in dem Zimmer auch mal schlafen?
Ein schlafender Mensch ist für schüchterne Katzen "entschärft" und sie trauen sich deutlich mehr in der Nacht, wenn Mensch im Bett liegt und ratzt.
 
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