Neurologische Ausfälle - Habe Ich richtig entschieden?

Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen

Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.
ocean gipsy

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Hallo ihr Lieben, ich war lange nicht mehr hier, aber ich hoffe, es ist okay, mir hier etwas von der Seele zu reden? Manchmal hilft es ja, wenn man einfach aufschreibt, was einen bedrückt. Und ich kann einfach nicht meine Freunde und Familie immer wieder belasten. Lest das hier nur, wenn ihr es wollt und es euch nicht durch eine sehr traurige Geschichte schlecht geht, ja?

Vorweg, es gibt keine Hilfe mehr. Zwei Tierärzte und die Klinik rieten zur Euthanasie und als es vor drei Wochen akut war, stand diese Entscheidung fest, für meine Maus Minka, gegen meine egoistische Hoffnung. In der Klinik wollte man auch keine weiteren Untersuchungen mit Narkose machen und sie damit quälen. Ich wollte das damals auch nicht. Weil ich die genaue Diagnose nicht kenne und mich nicht zu einer Obdunktion entschied, leide ich aber nun darunter, zwanghaft rausfinden zu wollen, ob es richtig war. Zudem habe ich vier Jahre in der Lehre an der Uni genau in diesem Thema gelehrt und gerade weil ich mich mit Literatur erschlagen könnte, ist es so schwer für mich, keine Diagnose einfach hinzunehmen, auch wenn ich ja weiß, dass ich jetzt nicht mehr zurück kann. Die Schuldgefühle sind so intensiv und ich vermisse meine Maus so unglaublich.

Ihre Geschichte:

Vorerkrankung: Minka war 12 oder 13 und hatte seit mehreren Jahren starke Arthose. Sie stolperte auf der Treppe, lief sehr steif und unkoordiniert, wollte aber leider auch all meine gekauften Treppen und Hocker nicht nutzen, sondern sprang weiterhin ohne diese Hilfen, fiel auch oft, weil der Sprung nicht klappte. Eine Vorderpfote war fast ganz steif geworden und innerhalb kurzer Zeit vor ca. einem Jahr stark verdickt. Wir haben mit Röntgenbildern in der Klinik ein Osteosarkom oder Ähnliches ausschließen lassen. Über den Winter bekam sie Schmerzmittel. Weil sie sich dann jedoch täglich übergab, setzten wir dieses im Frühling ab (nach Absprache mit dem Tierarzt) und es zeigte sich beim Verhalten keine Veränderung. Mit der behinderten Pfote war sie zügig unterwegs, sehr verspielt, sehr verschmust, immer hinter mir her. Weil alle Gelenke betroffen waren und drei Monate im Käfig das Problem nicht gelöst hätten, entschieden wir uns auch gegen eine Versteifung. Ihr Verhalten änderte sich im letzten Jahr aber extrem, sie kam plötzlich auf den Schoß und im Bett auf meine Brust und wollte super viel und innig schmusen. Wunderschön, wenn es nicht wegen der Schmerzen so war oder weil sie etwas wusste, was mir entging.

Die letzten Wochen: Als es kälter draußen wurde, nahmen die Schmerzen zu. Sie kam kaum die Treppe rauf, wollte aber auch nicht getragen werden, jede Hilfe schien unangenehm. Wir versuchten sie dennoch überall hin mitzunehmen. Neue niedrige und große offene Klos halfen nicht, sie pinkelte immer über den Rand wiel sie sich nicht hocken konnte. Ich wollte ihr mit Akkupunktur helfen lassen, aber es war zu viel Stress für sie und wir brachen nach zwei Behandlungen durch eine Heilpraktikerin zuhause ab. Traumeel und Zeel führten zu starken Bauchschmerzen und Durchfällen (warum muss der Füllstoff auch bei Tierhomöopathie Lactose sein? Es steht nicht auf der Packung, das finde ich unverantwortlich).

Also entschied ich mich mit dem Tierarzt für Cortison. Depot für zwei Wochen. Auch ein Blutbild wurde gemacht, es war super bis auf stark erhöhte basophile Granulozyten, die jedoch nicht spezifisch auf eine Erkrankung hinweisen.

Die letzten Tage:

Am Tag nach dem Besuch beim Tierarzt ging es ihr viel schlechter, ich bemerkte zum ersten Mal, dass sie schwankte und vermutete partielle Lähmungen der Hinterbeine. Weil mein Mann und der Tierarzt aber noch sicher waren, dass sie nur Schmerzen hat, hab ich das wieder verworfen. Schmerzen waren definitiv da und nun war es unmöglich, nicht-steroidale Schmerzmittel zu geben.

Sie konnte jeden Tag weniger, lag die ganze Zeit und stand nur auf um die paar Meter zum Klo zu laufen und zurück. Im Liegen aber spielte sie, sehr koordiniert, sehr konzentriert. Und schmusen war auch noch schön. Gefressen hat sie völlig normal, eher mehr durch das Cortison.

Eine Woche nach dem Cortison musste ich sie schon unter viel Protest zum Klo tragen. Ich rief täglich beim Tierarzt an, aber Schmerzmittel durfte er mir natürlich nicht erlauben. Ihr Schwanken, Fallen, Stolpern und schmerzhaftes Keuchen war dann so schlimm geworden, dass ich mit ihr in die Klinik fuhr. Der Arzt dort nahm sich viel Zeit und war sehr geduldig. Er vermutete einen Bandscheibenvorfall oder einen Thrombus, auf jeden Fall neurologisch. Er sagte, was ich schon wusste. CT oder MRT könnte es nur mit geringer Warscheinlichkeit abbilden und beides würde zur gleichen Behandlung führen. Ich durfte trotz des Cortisons die volle Dosis Metacam geben und zusätzlich ein Opiod und Vitamin B. Er sagte, ich solle ihr maximal 4 Tage Zeit geben. Wenn sich keine Besserung zeigt, sollte ich sie einschläfern lassen. Selbst wenn man an der Wirbelsäule etwas sieht und operiert, sie würde nie wieder auf die Beine kommen.

In der Klinik am Freitag Abend konnte sie noch wackelig-stoplernd laufen. Samstag Morgen waren die Hinterbeine bereits komplett gelähmt. Mit den Vorderpfoten über den Boden ziehend versuchte sie zum Klo zu kommen. Ich hob sie jedes Mal, machte sie sauber, weil sie sich auf die eigenen Beine machte und jede Bewegung, wo sie nicht liegen konnte, schien schmerzhaft, jede Berühung der Beine von Jammern und Schreien gefolgt. Ihr Pupillenreflex war komplett ausgefallen, die Pupillen nur noch geweitet, aber nicht durch Schmerz, denn im Liegen spielte und schmuste sie immer noch und fraß weiterhin sehr genießend, bettelte nach Leckerchen.

Samstag Abend konnte sie ihren Schwanz nicht mehr spüren und bekam Haluzinationen vom Opiod. Das Wochenende war das längste und schlimmste, das ich je erlebt hatte. Sie konnte nicht schlafen, ich durfte nicht von ihrer Seite weichen, dann wurde sie sofort nervös. Ihr flehender Blick, der "bitte hilf mir" sagte. Ich schlief nachts neben ihr bzw. schlief nicht, drei Tage lang nur Minutenschlaf, weil ich sie immer häufiger zum Klo bringen musste. Am Montagmorgen fuhr ich ohne sie zum Tierarzt und bat ihn, nach der Sprechstunde vorbei zu kommen, mein Mann blieb währenddessen bei ihr. Ich musste sie den ganzen Tag alle halbe Stunde unter Schmerzen zum Klo tragen, wahrscheinlich waren es Empfindungsstörungen der Blase oder des Darms.

Am Abend kam der Tierarzt, der völlig überrumpelt war, dass es so schlimm sein soll. Man merkte ihm an, dass er keinesfalls diese gerade noch super verspielte und glückliche Katzen einschläfern wollte. Er nahm sich viel Zeit, sie zu begutachten und mit meinem Mann und mir zu sprechen und sagte, dass er wirklich alles im Kopf durchgegangen ist, aber ihm nichts einfällt, was man noch versuchen könnte. Sie schleckte noch ganz viel Leberwurst und schmuste mit mir und dann war die Zeit da. Die Narkose in den Oberschenkel wirkte nicht, er musste noch zwei intravenöse Zugänge legen und Narkosemittel für 20kg spritzen bis er die richtige Spritze gab.

Mein Charly war dabei. Er hatte schon am Wochenede Gastritis, was er immer bei Stress bekommt und übergab sich pausenlos. Trotz Cerenia (Medikament vom Tierarzt) wurde es erst eine Woche später gut. So war ich abgelenkt mit Sorgen um ihn. Dann machte mir Camillo, der dritte im Bunde, Sorgen, weil er zwei Wochen lang im Haus suchte und miaute. Aber nun geht es den beiden besser und ich komme nach viel Arbeit, die nachzuholen war, zwischendurch zur Ruhe und deshalb werden die Trauer und die Angst und Schuldgefühle immer schlimmer. Wie kann ich ohne sie leben? Ich fühle mich den ganzen Tag als hätte ich sie im Stich gelassen und alles falsch gemacht. Das alles hier aufzuschreiben hilft mir ein wenig, weil es mir nochmal vor Augen führt, wie schlecht es ihr ging. Und wie schwer es gewesen wäre, nur anhand der Arthrose zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt ist, wann die Schmerzen die Lebensfreude überwiegen. Sie war eine Kämpferin, hing an mir so stark und hätte wohl nie aufgegeben. Sie hatte nicht ein Gramm abgenommen in all der schweren Zeit, war immer noch super leicht glücklich zu machen, mit riesen Vorfreude auf Leckerchen oder Spiel, bis zum Schluss. Sie war überhaupt nicht bereit... Es war so schwer, diese Entscheidung für sie zu treffen, aber meine Kraft war am Ende.
 
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Es ist einfach so schwer, weil diese Katze meine erste war, fast mein halbes Leben bei mir. Sie kam völlig verstört und super krank zu mir. Wurde in einer leeren Wohnung mit dem Charly zurück gelassen, verlor dort fünf Babys, hatte Katzenseuche und Giardien und war, genau wie er, psychisch zerstört. Sie folgte mir von Beginn an den ganzen Tag und jeden Schritt, aber ich habe fast 5 Jahre gebraucht, um sie richtig kuscheln zu dürfen und dann ihre volle Zuneigung genießen zu dürfen, volles Vertrauen zu haben. Sie liebte es am Ende ganz nah, am liebsten das Köpfchen vergraben. Sie leckte meine Hände und mein Gesicht, aportiere Spielsachen. Aber sie war auch super schnell sauer auf mich. Wenn ich das Haus verließ, als ich arbeitete täglich, pinkelte sie mir vor die Füße wenn ich heim kam, biss mich, zeigte immer, dass sie 100% Zeit von mir verlangt. Als ich umzog, begann sie einen Leckzwang, der nie wieder aufhörte. Da ich viel arbeiten musste und auch mit der Selbstständigkeit super viel Arbeit hatte (wenigstens aber da war, viele Stunden mit ihr auf dem Schoß am PC oder sie auf einem Stuhl neben mir im Geschäft, abwechselnd streicheln und arbeiten), hatte ich ein halbes Leben lang ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber. Sie hatte auch von Beginn an schlimme Macken, zum Beispiel alles an Kunststoff zu fressen, sodass ich immer Angst hatte, ich lasse mal was liegen und sie stirbt dran. Außerdem hatte sie starke Allergien gegen Schimmel, sodass ich mir oft schlimme Vorwürfe machte, wenn mir mal eine Mandarine schimmelte und sie überall Ausschlag bekam. Diese Katze hat mir im Vergleich zu den Katern, die eher selbstständig sind und sich auch mal selbst beschäftigen können, so viel Verantwortung übertragen, dass ich jetzt nicht los lassen kann, dass ich mich immer noch schuldig und so machtlos fühle und ohne sie irgendwie mein Sinn im Leben weg ist. Gottseidank hab ich noch die Kater, aber sie sind eben viel für sich und brauchen mich nicht so stark.

Ich zerbreche mir den Kopf über die Ursache. Ein Gefäßverschluss ist so unwahrscheinlich, weil der nicht so fortschreitend kommt, hab ich noch nie gehört. Mit meinem kleinen Neuroanatomie-Wissen, das sich so höchstens auf der Höhe eines Drittsemesters befindet, vermute ich einen Tumor. An der Wirbelsäule oder vielleicht auch am Kleinhirn. Erhöhter Hirndruck oder vielleicht Komprimierung des Nervus Occulomotorius, vielleicht auch Thalamus, wegen der starren Pupille. oder ein Bandscheibenvorfall Typ 2, der langsam fortschritt. Oder eben doch ein Gefäßverschluss, wenn es etwas langsames der Art gibt, sodass der erhöhte Blutdruck bei den Tierartzbesuchen die rasche Verschlechterung danach erklärt. Aber dass die Narkose nicht wirkte, zeigt wieder auf eine Läsion im Gehirn.

Das schlimme daran ist, dass theoretisch diese Dinge mit Ausnahme eines fortgeschrittenen Gefäßverschlusses operabel sind und ich nicht aufhören kann mir vorzustellen, dass sie vielleicht nach einer OP noch ein paar glückliche Jahre gehabt hätte.

Oh Gott, ihr seht bestimmt, wie zwanghaft das ist. Das ist mir auch klar, ganz logisch weiß ich, dass ich jetzt nichts mehr ändern kann und einfach trauern sollte. Ich habe sogar einen Therapeuten und mit ihm schon zweimal seitdem gesprochen, aber bei diesem Thema überwiegt seine medizinische Neugier und er überlegt mit, was es sein konnte, statt mich davon abzuhalten, wie es wahrscheinlich sinnvoller wäre.

Ich wünsche mir so sehr einen Abschluss. Oder ist es auch normal und es ging euch mal so, nachdem ihr diese Entscheidung fällen musstet?
 
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Es ist auch gar nicht schlimm, wenn ihr nichts zu sagen wisst. Trost spenden in solch einer Situation ist fast unmöglich. Dass ein Neurologe hier mitliest und mir sagt, dass es definitiv keine Hoffnung gab und der Zeitpunkt richtig war, ist sehr unwahrscheinlich. Es ist nicht schlimm, wenn ihr keinen Rat wisst. Ich wollte ursprünglich sogar tippen und es löschen. Weil das Schreiben allein schon hilft. Bei Ratschlägen zur Trauerbewältigung steht, dass es gut sei, dem Tier zu schreiben, sich zu entschuldigen und den Brief einfach in eine Schublade zu stecken. Aber irgendwie war das Abschicken etwas mehr, auch wenn ich es grad ein wenig bereue, weil ich euch so zugeschwallt hab. Dankesehr, einfach danke für's Zuhören.
 
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Liebe ocean gypsy,

leider kann ich nichts beitragen, um dich von diesen nagenden Zweifeln und Überlegungen zu befreien, aber zumindest sagen, dass ich das zumindest zum Teil gut nachvollziehen kann.

Bei unserem Sternchen (sie war knapp 18) ging es zwar alles viel schneller (ab dem Zeitpunkt, wo es ihr rapide schlechter ging bis zur Erlösung hatten wir nicht mal 2 Tage), aber auch bei ihr weiß ich nicht, woran sie letztlich gestorben ist (ihre letzten Blutwerte waren für ihr Alter in Ordnung). Erst hatte sie "nur" mehrmals erbrochen, zum Schluss wirkte sie vollkommen desorientiert und hat ihre Umgebung kaum noch erkannt. Und ich werde es nie vergessen, wie sie zum Schluss auf dem Sofa lag, mühsam das Köpfchen hob und herzzerreißend maunzte als wolle sie sagen "Helft mir, ich kann nicht mehr". Da kommen mir heute noch die Tränen.
Das war dann auch der Punkt, an dem wir es nicht mehr ausgehalten haben und Samstag Nacht in die TK sind. Dort sagte man uns, dass die Prognose sehr schlecht ist und man zwar noch Diagnostik betreiben könne, aber eher davon abriet. Wir haben sie dann gehen lassen und ein Trost ist, dass sie am Ende, kurz bevor es soweit war, wieder ganz friedlich und ruhig wirkte.

Ich hab mir immer gesagt, es ist mir nicht wichtig, was die Ursache war, aber so ganz stimmt das nicht. Auch wenn ich nicht das Hintergrundwissen besitze, das du hast. War es einfach Altersschwäche? Nierenversagen (wobei ihre Werte im Rahmen waren)? Ein Schlaganfall? Ein Tumor? Irgendeine andere unentdeckte Krankheit? Hätte man doch noch was tun können?

Ich verstehe also vielleicht zumindest ein wenig, wie du dich fühlst. Und möchte dir meine herzliche Anteilnahme ausdrücken. Es tut mir sehr leid. :(
 
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Vielen lieben Dank :pink-heart:.

Ohje, ich kann auch gut verstehen, dass es für dich super schwer ist, wenn man so gar nicht weiß, was los ist. Im Nachhinein ist es eben auch so schwer, das sichere Gefühl noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, das du gewiss in den beiden Tagen hattest, als du wusstest, sie will nicht mehr.

Es klang bei mir durch den riesen Text so lang, aber eigentlich wusste ich erst freitags, dass es wirklich Lähmungen sind. Samstag verloren wir die Hoffnung durch die rasche Verschlechterung und Montag kam der Tierarzt zum Einschläfern. Zwei bzw, drei Tage können sich wie Jahre anfühlen.

Wenn ein Tier oder auch ein geliebter Mensch plötzlich stirbt, dann wünscht man sich nach dem Tod so sehr nur noch 5 Minuten, um sich zu verabschieden. Und dennoch ist es nie genug Zeit. Zwei Tage hab ich Abschied genommen und es war kein bisschen einfacher.
 
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Was mir gerade auffällt: Es gibt ja ein Thema "Seelsorge" bei der Regenbogenbrücke. Da hätte ich besser gepostet. Könnt ihr das verschieben? Bitte verzeiht die Mühe :(.
 
biveli john

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Bitte sei nicht ungeduldig, es kommen bestimmt noch Meinungen zum Thema.
Es ist schwierig als Außenstehender hier zu bewerten.
Ich glaube es ist immer zu früh oder zu spät.
Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen sind unheimlich schwer.
Wenn sich die Katze, wie in deinem Fall, nur noch quält, war es wahrscheinlich die richtige Entscheidung.
Ich verstehe deine Grübeleien, mir würde es ähnlich ergehen.
Der Druck und der Schmerz werden nachlassen, aber das dauert.:sad:
 
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Du hast Recht, Zeit heilt die Wunden irgendwann.

Vielleicht fehlt mir einfach die Erfahrung. Ich habe die letzten zwei Jahre oft geweint, gerade wenn es besonders schön mit den Katzen ist, weil sie älter werden und meine Angst vor diesem Tag immer mehr stieg. Aber solange man es nicht erlebt hat, herrscht diese kindliche Vorstellung "du weißt, wenn das Tier nicht mehr will, du siehst, wenn es so weit ist". Aber so einfach ist es sicher in den seltensten Fällen.

Ich hatte früher ein paar Jahre lang Degus aus dem Tierheim, diese quirligen süßen und schlauen Nager. 12 insgesamt musste ich gehen lassen, ein paar sind friedlich in hohem Alter eingeschlafen, ein paar musste ich erlösen. Aber Beutetiere sind ganz anders. Sie scheinen oft gesund bis zum letzten Moment und dann sitzen sie apathisch in der Ecke. Ein Röntgenbild zeigt zuvor unauffällige Zähne, die bis ins Gehirn gewachsen sind. Es war auch super traurig, aber nie so schwer. Und die Beziehung ist eben ganz anders, die Trauer ist nicht so lange bei Tieren im Käfig, die miteinander leben und den Mensch nur fürs Futter brauchen.
 
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Es klang bei mir durch den riesen Text so lang, aber eigentlich wusste ich erst freitags, dass es wirklich Lähmungen sind. Samstag verloren wir die Hoffnung durch die rasche Verschlechterung und Montag kam der Tierarzt zum Einschläfern. Zwei bzw, drei Tage können sich wie Jahre anfühlen.

Das stimmt. Da kann man sich auch noch so oft sagen, sie ist alt, irgendwann wird die Zeit unweigerlich kommen, aber wenn der Augenblick dann da ist, kommt er immer zu früh. :(
 
Quilla

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  • #10
Vielleicht fehlt mir einfach die Erfahrung. Ich habe die letzten zwei Jahre oft geweint, gerade wenn es besonders schön mit den Katzen ist, weil sie älter werden und meine Angst vor diesem Tag immer mehr stieg.
Ich sehe das inzwischen anders (auch bei Menschen, die bei jedem Geburtstag eine Krise bekommen, anstatt sich zu freuen, ein weiteres Jahr Leben gehabt zu haben) - jedes Jahr das man erleben darf (selber oder mit geliebten Wesen) ist ein wunderbares Geschenk. :)

Ich kenne deine Gedanken gut.
Drei Sternenkatzen und einen Sternenhund habe ich auf die Reise begleitet.
(und meine drei jetzigen kätzischen Gefährten sind 17, 16 und 15 ... ich kann also auch nicht die Augen verschließen)
Gottseidank hatte ich zwar keine Zweifel, dass es die richtige Entscheidung war (Diagnosen waren eindeutig; Zustand zum Schluß trotz medizinischer Hilfe nicht wirklich "aushaltbar" für die Mieze) .... und trotzdem immer der Gedanke "wollte sie das schon - war sie soweit - oder habe ich über ihren Willen hinweg entschieden?"
 
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  • #11
trotz der vorerkrankung liest sich das für mich nach einem trombus.

aber ich kann natürlich keine ferndiagnose stellen. aber ich bin nach der beschreibung des verlaufs fest überzeugt, es war die richtige entscheidung, sie zu erlösen.

mein beileid
 
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  • #12
Ich glaube, das kommt auch auf die Lebensumstände an.
Wenn man gut eingebettet ist, das halbe Leben vor sich hat, ist es vielleicht
leichter seelischen Schmerz wegzustecken.
Wenn Partner und nahe Familienangehörige versterben und man vielleicht
allein und einsam ist und kein Auffangnetz hat, ist es ungemein schwerer ein geliebtes
Haustier, das Trost und Halt gab, zu verlieren.
 
ocean gipsy

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  • #13
Ich sehe das inzwischen anders (auch bei Menschen, die bei jedem Geburtstag eine Krise bekommen, anstatt sich zu freuen, ein weiteres Jahr Leben gehabt zu haben) - jedes Jahr das man erleben darf (selber oder mit geliebten Wesen) ist ein wunderbares Geschenk. :)

Ich kenne deine Gedanken gut.
Drei Sternenkatzen und einen Sternenhund habe ich auf die Reise begleitet.
(und meine drei jetzigen kätzischen Gefährten sind 17, 16 und 15 ... ich kann also auch nicht die Augen verschließen)
Gottseidank hatte ich zwar keine Zweifel, dass es die richtige Entscheidung war (Diagnosen waren eindeutig; Zustand zum Schluß trotz medizinischer Hilfe nicht wirklich "aushaltbar" für die Mieze) .... und trotzdem immer der Gedanke "wollte sie das schon - war sie soweit - oder habe ich über ihren Willen hinweg entschieden?"

Es ist so ein Segen, mehr im Jetzt zu leben und zu genießen, die Sorgen um eventuelle Zukunft nicht in den Gedanken kreisen zu lassen. Ich müsste das mehr versuchen. Und alles wäre auch leichter, wenn die Gesellschaft den Tod nicht so ausschließen würde, als etwas, über das man nicht spricht, verdrängen würde. Da sind andere Länder viel offener, auch was die Seele angeht und den Glauben an ein Leben nach dem Tod. In Deutschland ist man einfach viel zu verhalten, darüber seine Meinung zu äußern, das macht es so beängstigend.
 
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  • #14
trotz der vorerkrankung liest sich das für mich nach einem trombus.

aber ich kann natürlich keine ferndiagnose stellen. aber ich bin nach der beschreibung des verlaufs fest überzeugt, es war die richtige entscheidung, sie zu erlösen.

mein beileid

Meinst du echt? Ach ich wünschte, ich hätte mehr praktische Erfahrungen. So viel Wissen und in der Praxis entscheidet man sich falsch. Hätte ich mich bei den ersten Anzeichen für Metacam statt Cortison entschieden, hätte ich es vielleicht verhindert :-(. Aber mir ist klar, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht anders entscheiden konnte, da wollte ich ihren Magen schonen und war mir sicher, dass es sich um einen Schub von Arthritis / Arthrose handeln müsse. Trotzdem, es ist so traurig 😢.
 
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  • #15
Ich glaube, das kommt auch auf die Lebensumstände an.
Wenn man gut eingebettet ist, das halbe Leben vor sich hat, ist es vielleicht
leichter seelischen Schmerz wegzustecken.
Wenn Partner und nahe Familienangehörige versterben und man vielleicht
allein und einsam ist und kein Auffangnetz hat, ist es ungemein schwerer ein geliebtes
Haustier, das Trost und Halt gab, zu verlieren.

Da hast du so recht! Ich glaube auch, dass es mir bei zukünftigen Katzen nicht so schlimm ergehen wird. Ich bin erst zwei Jahre glücklich verheiratet und beruflich bin ich noch nicht lange auf sicheren Beinen. Es geht mir viel besser als vor ein paar Jahren noch. Und da hänge ich emotional mit den beiden ersten Katzen wohl fest. Sie waren alles für mich damals. Freunde verloren sich in alle Winde, Familie war und ist kein Halt, diese beiden Katzen waren meine Rettung auf allen Ebenen und eben auch beidseitig, weil ich für so kranke und misshandelte Katzen so viel Verantwortung trug. Als Camillo zu mir kam, der zweite Kater, ging es mir schon besser und zu ihm hab ich ein viel normaleres Verhältnis. Der ist so lieb und psychisch stabil, bei ihm gehe ich alles viel entspannter an. Als er operiert werden musste und lange im Käfig saß m, haben mein Mann und ich das gemeinsam so gut gestemmt. Gewiss hilft es mir in Zukunft auch mehr, dass mein Mann mich unterstützt. Bei Minka und Charly hab ich das Gefühl, allein die Verantwortung zu tragen, weil ich sie 9 Jahre allein trug. Mein Mann gibt sich so viel Mühe für mich da zu sein, ich müsste das viel mehr annehmen können.
 
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  • #16
Meinst du echt? Ach ich wünschte, ich hätte mehr praktische Erfahrungen. So viel Wissen und in der Praxis entscheidet man sich falsch. Hätte ich mich bei den ersten Anzeichen für Metacam statt Cortison entschieden, hätte ich es vielleicht verhindert :-(. Aber mir ist klar, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht anders entscheiden konnte, da wollte ich ihren Magen schonen und war mir sicher, dass es sich um einen Schub von Arthritis / Arthrose handeln müsse. Trotzdem, es ist so traurig 😢.

nein. das ist keine falsche entscheidung, die du gefällt hast. du hast das bestmögliche getan.

übrigens wäre die thrombose auch eine schlimme diagnose, nahezu gar nicht behandelbar bzw. mit einer überaus schlechten prognose.

aber wir wissen es alle nicht genau, von daher ist für mich entscheidend gewesen, dass katze in meinen augen schmerzen hatte und keine lebensqualität mehr.

alleine daran habe ich festgemacht, dass ich sie auch erlöst hätte.

lieben heißt manchmal loslassen. das ist leider manchmal so.
 
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  • #17
Ich danke dir sehr. Ich hoffe, ich fühle mich irgendwann zuversichtlicher. Als ich mit ihr litt und sie erlösen wollte, war alles so klar, weil es ihr so schlecht ging. Es hat wirklich gut getan, das hier nochmal aufschreiben zu können, sich zu erinnern, wie hoffnungslos es aussah. Ich hatte die ganze letzte Woche schreckliche Alpträume, wo sich alles wiederholte, aber sie jedes Mal ganz gesund schien und dann starb oder Ähnliches meinen beiden Katern passierte. Ich danke euch so fürs zuhören, dass ich mich nochmal an die Realität erinnern konnte und mir nochmal klar machen kann, dass es für sie am besten war.
 
Ronjakatze

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  • #18
Vielleicht hätte man noch was tun können.
Aber nicht alles, was man tun kann, sollte man auch tun.
Vieles sind einfach nur lebenverlängernde Maßnahmen für den Halter, die Miez hat nichts davon.
Eine Freundin von mir ist TA und sagte mal zu mir:
"Diese Entscheidung rechtzeitig zu treffen, ist der größte Liebesbeweis, den wir unseren Lieblingen erweisen können.
Leider ist es auch der letzte...."
 
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  • #19
Ich danke dir sehr, wirklich sehr.

Mein Mann und ich reden fast täglich über die Miez und nach ein paar weiteren Recherchen in dicken veterinärmedizinischen Büchern konnte ich nun auch endlich aufhören damit. Ich bin mir jetzt viel sicherer dass es richtig war. Dass eine eventuell mögliche OP für sie mit ihrer Arthrose nicht richtig gewesen wäre. Und auch dass es richtig war, nicht die Zeit abzuwarten bis sie nicht mehr kann, sondern es mit Leberwurst und glücklich schnurrend vor Vogelvideos enden zu lassen. Ich bin erleichtert, dass nach vier Wochen die Frage nach dem Warum mich nicht mehr wach hält. Aber ihr Fehlen ist so traurig und stark wie am ersten Tag. Es ist einfach wunder-, wunderschön und schrecklich zugleich, ein Tier so sehr zu lieben...

Danke für alles ihr Lieben.

Habt alle wunderschöne Weihnachten und eine friedvolle Zeit.
 

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