Eine Bitte um Eure Einschätzung der Situation

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Susannchen

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Hallo liebe Forenmitglieder,

ich hätte gerne mal Eure Einschätzung der Situation hinsichtlich der Vergesellschaftung von zwei Katern mit einer neuen Katzendame. Die Ausgangssituation ist die Folgende:

Bei mir leben bereits Sammy (normaler Hauskater, jetzt knapp sieben Jahre alt) und Frodo (Snowshoe-Mix, jetzt etwa sechs Jahre alt). Beide sind natürlich kastriert und stammen jeweils aus dem Tierschutz. Sammy lebte bei einer Animal-Hoarderin in einer sehr großen Katzengruppe, und Frodo stammt aus Spanien, war jedoch bereits in Deutschland im Tierheim, wo er ebenfalls ohne Probleme in einer großen Katzengruppe lebte. Ich würde beide als sehr sozial bezeichnen. Es sind reine Wohnungskatzen. Meine Wohnung ist knapp 70 m² groß mit einer Fülle von Catwalks, Versteck- und Kratzmöglichkeiten. Es gibt vier Katzentoiletten an ruhigen, etwas versteckten Ecken.

Vor zwei Monaten ist die dritte Katze, die gemeinsam mit Sammy aus dem Tierheim zu mir kam, leider verstorben, was ein großer Schock für uns alle war. Ich bemühte mich dennoch, alles so weiterlaufen zu lassen wie bisher, und nach anfänglichen Problemen hatte sich die Situation nach einigen Wochen normalisiert. Beide Kater verhielten sich wieder normal.

Für mich stand fest, dass ich wieder einer Katze aus dem Tierschutz ein zuhause geben wollte, sobald Sammy und Frodo "stabil" genug sind. Und so ist vor zwei Wochen Emy aus Spanien bei uns eingezogen. Sie ist eine kastrierte, siebenjährige Langhaarmix-Dame, die als absoluter Notfall ganz schnell vermittelt werden musste. Eigentlich sollte sie erst im neuen Jahr eingeflogen werden, aber als die ursprünglich für einen Flug eingeplanten Katzen krank wurden, bekam sie ganz plötzlich die Chance, ausgeflogen zu werden. Im spanischen Tierheim war sie mit anderen Katzen völlig problemlos.

Als sie bei mir ankam, habe ich ihr das Schlafzimmer zurecht gemacht, wo sie alles hatte was sie benötigte. Dort wohnte sie dann zunächst eine ganze Woche alleine, nur abends nach der Arbeit und natürlich nachts war ich dann bei ihr. Sie war zunächst superängstlich und verkroch sich in einer Nische am Fenster zwischen Schrank und Fenster. Es dauerte einige Tage, bis sie sich raus traute, aber dann hat sie rasch das ganze Zimmer erkundet und dabei den Rundum-Catwalk an der Wand sowie alle weiteren Versteckmöglichkeiten gut kennen gelernt. Mir gegenüber ist sie total aufgetaut und fordert nun heftig ihre Streicheleinheiten ein.

Am letzten Samstag, nachdem sie gut eingewöhnt war und sich inzwischen völlig normal verhielt, habe ich dann die beiden Kater ins Schlafzimmer gelassen. Es lief erstaunlich unspektakulär. Emy wurde interessiert beäugt, was sie mit Fauchen quittierte. Beide Kater sind eher unaufdringliche Leisetreter und haben sich ihr sehr vorsichtig genähert. Nach dem der mittlere "Fauchabstand" zuächst einige Meter betrug, ist er innerhalb einiger Stunden auf ca. 50 cm gesunken. Die Kater konnten sich ihr also sehr vorsichtig nähern, nur wenn sie eindeutig zu nahe kamen, wurde gegrollt und gefaucht. Nach einigen Stunden lagen dann alle irgendwo im Schlafzimmer und machten ein Nickerchen. Getrennt natürlich. Es hatte keine Szene gegeben, keine Prügelei, nichts.

Sammy läßt sie völlig in Ruhe, er bestaunt sie nur interessiert aus der Ferne. Frodo fing dann allerdings gegen Abend an, sich Emy trotz allen Gefauches zu nähern. Dabei ließ er ein langgezogenes Miauen hören und wedelt dabei mit dem Schwanz. Er macht aber keine "Bürste" und kniept ihr auch zu. Er bewegt sich dann wie in Zeitlupe und schaut zur Seite. Emy ist dann sehr aufgeregt, peitscht mit dem Schwanz und spuckt auch mal. Nachdem sie ihm dann ein paar Tatzenhiebe verpaßt hat und er sich davon nicht wirklich hat beeindrucken lassen, habe ich die beiden Kater vorsichtig mit ihren Lieblingsleckerlis aus dem Zimmer gelockt und dann die Tür wieder geschlossen, damit Emy sich erst mal wieder beruhigen konnte. Sie war allerdings sofort wieder entspannt, putzte sich und wollte von mir geherzt werden. Ich habe sie dann ausgiebig betüddelt, und dann anschließend die beiden Kater gelobt, mit ihnen gespielt und sie mit ihren Lieblingsleckerlis bestochen.

Ich habe dann nur noch abends die Türe zum Schlafzimmer geöffnet, jeden Tag ein bißchen länger, was eigentlich ganz gut und stressfrei klappte. Alle bekamen dann Leckerlis und waren zufrieden. Die Tür jedoch den ganzen Tag aufzulassen, während ich auf der Arbeit war, habe ich mich ehrlich gesagt nicht getraut.

Gestern Abend, am Freitag, habe ich die Tür dann offen gelassen, und während ich mit einer schlaflosen Nacht gerechnet hatte, bin ich nur zweimal von Emys Fauchen aufgewacht. Einmal wollte Sammy sie aus der Nähe bestaunen, und das andere Mal Frodo. Ansonsten ist nichts passiert.

Frodo nähert sich ihr jedoch immer wieder, lässt das langgezogene Maunzen hören und kriecht vorsichtig immer näher an Emy heran. Sie grollt und faucht natürlich extrem, aber erst wenn er sie quasi schon berührt, haut sie ihm eine runter. Er haut jedoch (bis jetzt) nicht zurück, sondern maunzt dann weiter und fixiert sie. Ich versuche in diesen Momenten, die Spannung zu lösen, indem ich sie mit Leckerlis oder der Spielangel ablenke, das funktioniert aber nicht immer. Das Kuriose ist, dass Frodo sich dann sehr oft etwa einen halben Meter von Emy entfernt auf den Boden legt und so tut, als wäre sie gar nicht da. Er sieht dann völlig entspannt aus und sie entspannt sich dann auch sehr schnell wieder. Jetzt im Moment liegt Emy bei offener Schlafzimmertür oben in ihrem Lieblingsplatz, dem Deckenliegeplatz, und Frodo liegt etwa zwei Meter entfernt auf dem Sekretär auf seiner Decke, beide schlafen tief und fest. Sammy beeindruckt das Ganze wie gesagt gar nicht, er ist lieb und verschmust wie immer und betrachtet Emy mit einigem Respekt aus der Ferne ohne sie jemals zu bedrängen. Das Verhalten zwischen Sammy und Frodo hat sich überhaupt nicht geändert, beide sind sehr lieb zueinander und spielen und toben wie immer.

Mein Problem ist, dass ich die Situation nicht wirklich einschätzen kann. Ich verstehe Frodos Verhalten nicht so richtig und weiß nicht, ob das nun gut oder schlecht ist. Es gab wie gesagt bisher keinen einzigen Kampf, ich weiß halt nur nicht, ob das auch so wäre, wenn ich nicht dezent im Hintergrund die Deeskalation betreiben würde. Aber Emy hat so viel Schlimmes hinter sich, dass ich den Stress für sie möglichst in Grenzen halte möchte. Doch irgendwann muss ich die Tür ja mal auflassen, wenn ich tagsüber arbeiten bin...ich habe Angst, dass ich dann ein Blutbad vorfinde...sorry wenn ich überreagiere, aber Katzen sind ja schließlich schon kleine Raubtiere...

Also, wie wertet Ihr die Situation? (Bisher habe noch keinen Feliway-Stecker oder Zylkene benutzt, das wollte ich mir noch aufsparen).

Herzlichen Dank schon mal für Eure Meinungen und Tips, ich bin sehr gespannt,

viele Grüße
 
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tiedsche

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Mein Problem ist, dass ich die Situation nicht wirklich einschätzen kann. Ich verstehe Frodos Verhalten nicht so richtig und weiß nicht, ob das nun gut oder schlecht ist. Es gab wie gesagt bisher keinen einzigen Kampf, ich weiß halt nur nicht, ob das auch so wäre, wenn ich nicht dezent im Hintergrund die Deeskalation betreiben würde. Aber Emy hat so viel Schlimmes hinter sich, dass ich den Stress für sie möglichst in Grenzen halte möchte. Doch irgendwann muss ich die Tür ja mal auflassen, wenn ich tagsüber arbeiten bin...ich habe Angst, dass ich dann ein Blutbad vorfinde...sorry wenn ich überreagiere, aber Katzen sind ja schließlich schon kleine Raubtiere...
Lieber Vorsicht als Nachsicht wäre da auch meine Devise:)
So wirklich kann ich Frodos Verhalten auch nicht einordnen und deshalb wäre ich auch vorsichtig....selbst wenn es nur respektlose Neugier wäre kann das eskalieren, wenn man Pech hat:oops:
Grad wenn die Neue schlechte Erfahrungen gemacht hat, wäre ich eher zu langsam unterwegs.
Die ungefährliche Variante ist für mich: Eine Gittertür für ein paar Euro bauen.
So können die Zwei sich in deiner Abwesenheit miteinander auseinander setzen, ohne, dass es eskalieren kann.
Wenn du die normale Tür tagsüber schließt, haben die Katzen keine Chance zu kommunizieren. Und jeden Abend baut sich erneut Spannung auf, wenn du die Tür öffnest.
Bei einer Gittertür ist der Wechsel softer.
 
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Susannchen

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Ja, sowas habe ich mir auch schon gedacht, es unterbricht den Prozess halt jedesmal, wenn die Tür wieder zugeht. Da werde ich wohl mal wieder mit meinem Freund heimwerkern müssen, vielen Dank für den Tip:)
 
Susannchen

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Danke :yeah:
 
Susannchen

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Und last but not least hier auch ein Bilder von der neuen Katzendame, gestatten, das ist Emy:

24023582ba.jpg


24023542mn.jpg


24023545ej.jpg


24023544ks.jpg


24023506ar.jpg



:pink-heart::yeah:
 
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Ich finde es problematisch, wenn du nach solchen "Fauchaktionen" die Katzen wieder trennst - aus dem Text ging nun nicht klar hervor, ob du das nur am Anfang gemacht hast oder noch immer. Das bestätigt die Katze nämlich dann in ihrem Verhalten, sie hat ja so gesehen Erfolg.
Auch bitte keine leckerlies oder Spiel in der Situation selbst, das signalisiert der Katze nämlich auch "fauchen? Super gemacht!". Also die Situation "lösen" kannst du damit nie. Also entweder musst du vorher ansetzen oder belohnen, wenn sie eben "brav" ist.

Ich persönlich hätte wohl die Gittertür gewählt, so hättest du auch entspannt das Haus verlassen können.
Umbringen werden sich die Katzen nicht, aber es könnten natürlich Situationen entstehen, die am Ende eine Zusammenführung scheitern lassen. Das musst du jetzt aber wissen, ob du da nochmal einen Schritt zurück willst.
 
Susannchen

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Ich habe seit einigen Tagen die Tür wieder komplett offen, und es läuft sehr gut. Alle schlafen ruhig im selben Raum, Emy faucht und grummelt nur, wenn die Kater ihr näher als ca. 50 cm kommen. Die haben das mittlerweile verstanden und verziehen sich dann wieder ganz langsam. Sie wird dann aus respektvollem Abstand bestaunt. Ich denke, dass ich die Tür nun einfach weiterhin offen lassen werde. Da ich eine schwerkranke Katze hatte, habe ich im Wohn- und Schlafzimmer jeweils eine kleine Kamera installiert, auf die ich per App am Smartphone zugreifen kann. Wenn ich also sehen sollte, dass da etwas richtig Schlimmes passiert, kann ich meine Mutter, die nebenan wohnt, schnell rüberschicken.
 

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