Die Müllers oder das Privileg von Zweibeinern

Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen

Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.
A (nett)

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Herrn Müller plagen seit Wochen Zahnschmerzen.
Nicht mal im Traum käme Herr Müller auf die Idee bei Zahnschmerzen seinen geschätzten Freund und sonst eigentlich allwissenden Hausarzt Dr. WaldundWiese zu konsultieren.

Herr Müller macht selbstverständlich und ohne wirklich darüber nachzudenken einen Termin bei dem für Zahnerkrankungen spezialisierten Facharzt Dr. Kiefer.
Wäre ja auch noch schöner wenn ein Hausarzt dem man sich zwar bei Problemen jeglicher Art anvertrauen kann und der auch mal eben schnell was bei Rücken- und Kopfschmerzen verschreiben kann seine Beisserchen behandelt:rolleyes:.

Dr. Kiefer diagnostiziert eine Wurzelvereiterung die man aber nur auf dem Röntgenbild sehen konnte.
Ein Hoch auf die moderne Technik; nicht auszudenken wie Herr Müller hätte leiden müssen wenn es dieses moderne Dings nicht geben würde.
Der Zahn wird gezogen und Herr Müller geht wieder beschwerdefrei durchs Leben.

Sonntagnacht 02:30 Uhr.
Frau Müller plagen gar schreckliche Bauchkrämpfe.
Sie krümmt sich und stöhnt.
Schon seit Tagen kann sie nicht mehr ordentlich essen und auch der Stuhlgang lässt zu wünschen übrig.
Herr Müller fragt seine Frau besorgt ob er bei Dr. WaldundWiese anrufen solle; da man privat befreundet ist hat man natürlich auch seine Mobilnummer.
Frau Müller presst unter Schmerzen hervor "Spinnst Du, was soll der denn ausrichten?"
Die Müllers haben kein Auto und eigentlich auch kein Geld für ein Taxi.
Aber das ist aber alles nicht so dramatisch.
Herr Müller ruft die 19222, eine Notarzt-Hotline für kranke Zweibeiner.
Herr Müller schildert besorgt der netten Dame am anderen Ende der Leitung die Symptome seiner Frau.
Minunten später steht der Notarzt mit Blaulicht bei den Müllers vorm Haus und Frau Müller wird ins Krankenhaus gefahren.
Nach eingehenden Untersuchungen: Blutbild, Ultraschall, Röntgen werden bei Frau Müller Gallensteine diagnostiziert.
Die Gallenblase wird entfernt und Frau Müller kann wieder beschwerdefrei durchs Leben gehen.

Sowohl Zahnbehandlung als auch Gallenblasen-OP haben die Müllers keinen Cent gekostet.:zufrieden:
Gut, Herr Müller hat jetzt eine Lücke wo einst ein stolzer Zahn stand :grummel: und Frau Müller musste sich ihr Krankenzimmer mit 2 geschwätzigen Schachteln teilen und hatte keinen Anspruch auf Chefarztbehandlung (die Müllers sind NUR pflichtversichert):mad: aber was ist das schon gegen die Tatsache diese Behandlungen aus eigener Tasche bezahlen zu müssen:eek:.

Zwei Wochen später hat Herr Müller Probleme beim "Wasser lassen" und sein Urin sieht irgenwie blutig aus.
Er macht einen Termin bei seinem guten Freund und allwissenden Hausarzt Dr. WaldundWiese.
Dr. WaldundWiese überweist ihn SOFORT und umgehend zum Urologen der dank modernster Technik Blasensteine feststellt.
Wieder wird Herrn Müller schnell und kostenfrei geholfen.


Die Frage die sich mir nun zwangsläufig aufdrängt ist:
Sind der feline Körper und die feline Anatomie so viel einfacher und durchschaubarer als der/die des Menschen?

Wieso glauben Menschen immernoch an die Götter WaldundWiese die ganz bestimmt studiert haben, sich aber in ihrem Studium - im Gegensatz zu den Humanmedizinern - hauptsächlich mit Schweine- und Rindermast beschäftigt haben und mehr als eine komplexe Spezies behandeln (Hund, Katze, Maus, Hasen, Vögel, Reptilien, Fische etc.pp.)???

Ich freue mich auf und über aufklärende Feedbacks:).
 
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Louisella

Louisella

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Wieso glauben Menschen immernoch an die Götter WaldundWiese die ganz bestimmt studiert haben, sich aber in ihrem Studium - im Gegensatz zu den Humanmedizinern - hauptsächlich mit Schweine- und Rindermast beschäftigt haben und mehr als eine komplexe Spezies behandeln (Hund, Katze, Maus, Hasen, Vögel, Reptilien, Fische etc.pp.)???
Na Herr und Frau Müller haben doch super Erfahrungen mit Ärzten gemacht - und wurden offensichtlich auch kompetent behandelt (da hatten sie Glück, das ist ja leider auch nicht immer der Fall, tatsächlich läuft's häufig eben auch deutlich anders).
Warum sollten Herr und Frau Müller den Ärzten misstrauen?
Was Tierärzte tatsächlich gelernt haben, darüber machen sich die meisten Leute erstmal keine Gedanken.

Und mal ehrlich: Dass man einem Profi mit entsprechendem Abschluss und womöglich sogar noch jahrzehntelanger Praxis weniger trauen sollte als Fremden aus dem Internet - DAS musst Du den Leuten ja erstmal klarmachen.

P.S.: Dass die Zahnbehandlung nichts gekostet hat dürfte heutzutage auch eher selten sein. OK, den Zahn einfach zu ziehen dürfte tatsächlich nichts kosten - ein guter Zahnarzt würde aber doch wohl eher 'ne Wurzelbehandlung vornehmen und entsprechend füllen, und je nachdem ob dann gleich überkront wird oder erstmal nur gefüllt wird und je nachdem mit was ist das dann eben auch nicht kostenlos...
 
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StuartLittle

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Fehlende Aufklärung glaube ich...

Als ich früher noch Hamster gehalten habe, habe ich auch fest daran geglaubt, dass der TA schon Ahnung haben wird.
Erst als ich im I-Net recherchiert habe und Foren entdeckt habe, habe ich erfahren, dass ein TA schon ein Profi im Fachgebiet "Exoten" sein müsste, um einen Hamster korrekt behandeln zu können, da Hamster nicht unter die "normalen" Haustiere fallen.

Aus dieser Erfahrung heraus habe ich erst angefangen meine Gedanken weiter zu spinnen und das ganze TA-System zu hinterfragen.

Außerdem wissen viele Leute gar nicht, dass es Zahnärzte, Kardiologen etc. für Tiere gibt. Jedenfalls gewinne ich den Eindruck, wenn ich mich mit Tierhaltern unterhalte.
Wer mit seinem Tier zu einem "speziellen" Arzt geht, bekommt oft den Stempel "Übermutti" aufgedrückt.
Diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht und noch ein großes Problem ist, dass viele Tierärzte einen nicht darauf hinweisen, dass man mit seinem Tier lieber zum Facharzt gehen sollte.
Der Hausarzt für Menschen würde einen mit schlimmen Zahnproblemen sofort an den Zahnarzt weiter überweisen.
 
Louisella

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Sowohl Zahnbehandlung als auch Gallenblasen-OP haben die Müllers keinen Cent gekostet.:zufrieden:
Nachtrag: Das ist so - zumindest in Deutschland - auch nicht ganz richtig. Immerhin zahlt man Monat für Monat 'ne ganze Menge Geld in die Krankenkasse ein.
Irgendwo hab ich mal gelesen dass das JobCenter für jeden alg2-Empfänger monatlich 200 Euro pauschal Krankenkasse bezahlt.
Nicht gerade wenig im Vergleich zu Tierkrankenkassen...
 
Louisella

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Der Hausarzt für Menschen würde einen mit schlimmen Zahnproblemen sofort an den Zahnarzt weiter überweisen.
Mich hat mal ein Hausarzt nicht behandeln wollen ohne dass ich vorher beim Zahnarzt war - es ging um eine Stirnhöhlenentzündung und ich starb tausend Tode vor Schmerzen. Leider war's nicht mein Hausarzt (ich war vorher in eine fremde Stadt gezogen) und mir wurde auch nicht geglaubt als ich sagte ich kenne das schon und weiss was es ist...
Was ich damit sagen will: Man kann auch bei den Menschenärzten an die falschen geraten. Und mein Beispiel ist da echt noch sehr harmlos.
 
huckelberry

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immer
Also ich habe den Glauben an die Ärzte verloren.
Ich hatte eine einfache Überbein Entfernung am Fuß, was folgte waren 20 Operationen. Mit einem nur mäßigem Ergebnis,
ich habe viel Krankenhäuser von innen gesehen, und jeder der Ärzte war von sich überzeugt, es richtig zu machen.
Habe mir einen Krankenhauskeim eingefangen, wäre beinahe dran gestorben.
Ich habe dann entschieden, ich lasse da keinen mehr ran.
Es waren alles sogenannte Fachärzte.
Ich glaube sowohl in der Humanmedizin als auch in der Veterinärmedizin, gibt es gute und schlechte.
Den TA fehlt glaube ich die Erfahrung, mit speziellen Krankheiten.
Es wäre sicher sinnvoll, wenn sie sich mehr spezialisieren, zb. Kleintiere oder Großtiere.
 
Rickie

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Ich weiss jetzt wirklich nicht, wie ein TA-Studium in D aussieht, aber in FL hatten wir ein Department of Small Animal Clinical Sciences und ein Department of Large Animal Clinical Sciences. In ersterem wurde dann sicher auch z.B. Katzenkastra unter allen moeglichen Umstaenden auch in der Praxis ausfuehrlicher gelehrt, waehrend letztere sich sicher mehr mit Pferden und Rindern befasst haben.

Wenn ich aber jetzt die Versicherungskosten fuer Personen und die erbrachten Leistungen, auch im Zusammenhang mit den Zuzahlungen sehe, ist man in D wahrhaftig privilegiert.
 
A (nett)

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:hmm: Fazit nach einigen wenige Beiträgen:
Der Mensch hat den Glauben an die menschlichen Spezialisten verloren...welchen Grund sollte es also geben an die allgemeinen TÄ zu glauben?

Und:
Gute Medizin/(medizinische Behandlung) kostet Geld; in Deutschland mögen wir Menschen dank unseres sozialen Auffangnetztes da Glück haben.
 
Louisella

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:hmm: Fazit nach einigen wenige Beiträgen:
Der Mensch hat den Glauben an die menschlichen Spezialisten verloren...welchen Grund sollte es also geben an die allgemeinen TÄ zu glauben?
Würde ich auch so sehen.
Nachdem ich schon als Kind von Arzt zu Arzt geschleppt wurde und keinesfalls zu jung war um mitzukriegen dass die alle was anderes zum Problem gesagt haben, hatte ich jetzt ohnehin noch nie einen wirklich tiefen Glauben an die Menschenärzte...

Gute Medizin/(medizinische Behandlung) kostet Geld; in Deutschland mögen wir Menschen dank unseres sozialen Auffangnetztes da Glück haben.
Unbedingt - dass wir alle monatlich 'ne ganze Menge Geld in die Kassen einzahlen wissen zwar alle, aber kaum jemand vergegenwärtigt sich das auch ständig, das scheint alles völlig selbstverständlich.
Dass Vater Staat die Krankenkassenkosten für uns bezahlt wenn wir's selbst nicht können ist ein unglaublicher Luxus der weltweit wohl einzigartig sein dürfte.
 
Paty

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  • #10
Bei uns ist es eher umgekehrt - unser TA ist besser als der Dorfarzt.

Letztes Jahr um diese Zeit ging es meinem Mann sehr schlecht, er hatte Schmerzen im Ober- und Unterbauch und ging zu dem Arzt hier im Ort.

Dieser sagte mein Mann hat ganz einfach Sodbrennen und verschrieb ihm Tabletten dagegen. 2 Tage spåter wurden die Schmerzen schlimmer und er bekam stārkere Tabletten und Schmerzmittel.

Weitere 2 Tage spāter hatte mein Mann 40 Fieber, konnte keinen Urin mehr absetzden und den Stuhlgang nicht mehr kontrollieren, dann habe ich den Notarzt gerufen und er kam ins KH - Not OP da die Gallenblase geplatzt war und die Nieren nicht mehr gearbeitei haben und er total vergiftet war.

Es wahr mehrere Tage nicht klar ob er űberlebt und er wird wohl fűr den Rest seines Lebens Nieren- und Darmprobleme haben

Unser TA ist weitaus grűndlicher wenn einer der Jungs was hat
 
Maiglöckchen

Maiglöckchen

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  • #11
Ich weiss jetzt wirklich nicht, wie ein TA-Studium in D aussieht, aber in FL hatten wir ein Department of Small Animal Clinical Sciences und ein Department of Large Animal Clinical Sciences.

So ist es hier nicht, hier beschäftigen sich alle TA-Studenten überwiegend mit Nutztieren.

In den USA sind sie in der Tiermedizin in vielen Punkten deutlich weiter, daher pilgern die Fachleute von hier, die Fortbildung nicht für überflüssigen Schnickschnack halten, auch regelmäßig in die Staaten oder haben auch kostenpflichtige Seiten "abonniert", wo man die neuesten Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen einsehen kann.

Viele deutsche Tierärzte hinken da um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hinterher, auch die jungen, wie ich kürzlich erst wieder feststellen durfte.

Es ist ja sogar noch so, dass manche Bluttests nach wie vor in die USA geschickt werden.
 
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Rickie

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  • #12
Maigloeckchen,
Danke fuer die interessanten Ausfuehrungen.
Ich will keineswegs sagen, dass in den USA alles besser ist; allein das Gesundheits- und Sozialsystem sind recht krank, aber was TAs betrifft, war ich oft verwundert, welcher Wind mir vom Forum entgegenschlug und woher manch eine Meinung wohl stammt (ja, der TA hat es auch so gesagt:rolleyes:).

Hoffe ich mal nur, dass ich meine gute TAE aus FL nicht gar zu sehr vermissen muss.:oops:
 
Maiglöckchen

Maiglöckchen

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  • #13
Nein, dass "drüben" alles besser ist, glaube ich auch nicht und nicht jeder Fortschritt in der Tiermedizin muss auch zum Wohle des Tieres sein, ich denke da z.B. an Nierentransplantationen für CNI-Katzen.

Aber es gibt halt eben auch so einiges, wo die TA-Kollegen jenseits des großen Teiches im Sinne der Tiere deutlich weiter sind - ich denke da nur an die Sache mit den opiathaltigen Schmerzmitteln, wo vielen deutschen Kollegen offenbar nicht einmal die entsprechenden Ausnahmeregelungen des BtmG geläufig sind.
 
Rickie

Rickie

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  • #14
Vielleicht habe ich einfach noch keinen allzu umfassenden Eindruck gewonnen, aber drueben gibt es zwei grosse Gruppen, die aus der Durchschnittsmasse hervorstechen.
Das sind die mit sehr grossem Engagement fuer die Tiere, und die mit grossem Engagement fuer ihre Geldtasche.
Das ist in D irgendwie nicht so auffaellig, finde ich.

Nierentransplantation, da mag ein reicher Kunde hinterstehen, oder auch Wissensdrang und "Experimentierfreudigkeit", ohne die es ja nun mal auch keinen Fortschritt gibt.
Aber manche "Blueten" muss es wirklich nicht treiben.
 
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