Chronische Zahnfleischentzündung durch Calici

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Warnhinweis bei medizinischen Ratschlägen

Achtung: Bei medizinischen Problemen sollte stets die Meinung eines niedergelassenen Tierarztes oder einer Tierklinik eingeholt werden.
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gizmo_

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Hallo zusammen

meine knapp 2 Jahre alte Maine Coon Katze leidet unter einer heftigen, immer wieder kommenden Zahnfleischentzündung durch Calici Viren.

Angefangen hat das alles damit, dass sie und ihr Bruder sich, trotz Impfung und reiner Wohnungskatzen, im Sommer letzten Jahres Katzenschnupfen eingefangen haben.
Der war dann nach mehreren Tierarztbesuchen auch verhältnismässig schnell wieder weg und es sah eigentlich alles gut aus.
Anfang diesen Jahres fing sie beim Essen dann immer an zu würgen und zu maunzen. Ich dachte erst, sie hat Sodbrennen oder so. Nach Tierarztbesuch stand dann fest: Zahnfleisch total entzündet. Der Tierarzt verschrieb Cortison, das ich dann ein paar Wochen (die Dosis wurde immer wieder reduziert) gegeben habe. Die ZFE ging dadurch weg und auch nun sah alles wieder gut aus, bis es dann 2 Monate später erneut anfing.
Zahnfleisch stark entzündet, Mundgeruch, Speichelausfluss, Fell total struppig. Wieder zum TA, dieses Mal wurde ein Abstrich gemacht und Calici positiv im Zahnfleisch festgestellt. Sie bekam Antibiotika (Convenia) und zusätzlich gegen die Schmerzen Metacam. Der TA empfahl Interferon gegen solche Fälle, deshalb bekam sie unter Narkose eine Zahnreinigung, wobei dann grad Interferon ins Zahnfleisch gespritzt wurde.
Ich sollte dann jeweils 4 Tropfen täglich, zusammen mit Metacam, bis es weniger stark entzündet wärde, oral verabreichen.
Ein paar Wochen wurde es dann besser, bis wieder ein Rückschlag kam. Wieder zum TA, wieder Convenia (im 2 Wochen Takt), weiterhin Interferon und Metacam.

Da sind wir nun und so läuft es nun schon seit Wochen. Das Interferon scheint gar nichts zu bewirken, einzig Convenia scheint (für kurze Zeit) etwas zu helfen, bis es wieder ausbricht.
Meine kleine nimmt in der Zwischenzeit immer wieder ab, wieder zu, je nach Phase, da sie das Fressen verweigert, wenn es wieder schlimm ist.

Gestern war ich nun wieder beim TA, da es am Wochenende wieder losgegangen ist und habe nach anderen Behandlungsmöglichkeiten gefragt. Sie sagen, sie hätten noch nie so einen Härtefall gehabt und nun einen Grossteil von dem, was man machen kann, schon versucht. Ein paar Sachen gäbe es da noch, zB alle Zähne entfernen. Sie möchten das aber eigentlich noch nicht machen, weil sie noch sehr jung ist. Für mich rückt diese Option aber immer mehr in den Vordergrund, weil ich möchte, dass es ihr endlich mal wieder besser geht.

Habt ihr Erfahrungen mit solchen (eher) Härtefällen? Die meisten Threads, die ich hier oder in anderen Foren zu dem Thema gefunden habe, verlaufen sich irgendwann im Sande.

Dazu erwähnen sollte ich, dass ich in der Schweiz wohne und hier einige Medikamente (u.a. Feliserin) nicht zu bekommen sind.


Gruess
Danny
 
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ninabella

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FrauFreitag

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Das Vorgehen des Tierarztes ist krass und weist wirklich eine himmelschreiende Unkenntnis auf, was diverse Zusammenhänge angeht.

Zuallererst - Cortison.
Cortison ist ein Immunsuppressivum. Es unterdrückt die körpereigene Abwehr. Das ist bei diversen Erkrankungen ein Segen, und zwar bei im weitesten Sinne Autoimmunerkrankungen. Daneben wird es z.B. bei Krebs (ohne parallele Chemo) eingesetzt usw..

Es ist generell eine absolute Unsitte von Ärzten, die Katzen ständig OHNE DIAGNOSE UND OHNE DIAGNOSTIK mit Cortison vollzuballern. Warum? 1.) Was soll es bringen? Klar, kein Rotz, kein Schnupfen, kein Husten, kein Eiter, kein Fieber mehr usw. - das sind ja alles Zeichen eines aktiven Immunsystems, das gegen etwas kämpft. "Scheinbar" wird es ja dann besser, wenn der Halter zu Hause ist. Aber es ungefähr so, wie wenn Du jetzt bei dem heißen Wetter einen Müllsack in der heißen Wohnung deponierst und wenn die ersten Maden und Fliegen kommen, das Licht ausmachst und noch ein Stück altes Fleisch danebenlegst. Wenn Du zwei Wochen später in das Zimmer gehst ... ist das Chaos nicht weg. Cortison "heilt" ja nicht. Und bei vielen Erkrankungen BRAUCHT der Körper eine gesunde Abwehr - natürlich nicht bei oben genannten Erkrankungen, bei denen eine überschießende Immunreaktion verantwortlich ist für z.B. ein Entzündungsgeschehen, da ist Cortison Gold wert. Aber ansonsten ...

Der Einsatz von Cortison sollte gut begründet erfolgen. Dazu braucht es eine Diagnose oder zumindest einen Diagnoseverdacht, den der TA GUT erklären kann! Es überrascht sicherlich nicht weiter, dass ein "probieren wir mal" NICHT dazu gehört ...

In meinem FAQ, das Dir gerade schon verlinkt wurde, findest Du diverse Quellen im Bezug auf feline Atemwegserkrankungen, warum Cortison und Cortison-AB-Gemische in vielen Fällen gar nicht gehen. Generell ist Cortison bei den allermeisten bakteriellen Entzündungen, von einigen Sonderfällen in Kombination mit AB und einer guuten (!) Begründung eines versierten Fachtierarztes einmal abgesehen, kontraproduktiv. Im Falle von Viren ist es absolut kontraindiziert. Warum? Weil man bei/gegen Bakterien Antibiotika geben kann, hier gibt es nicht nur Präparate, die bakteriostatisch wirken, sondern auch bakterizide Präparate. Vor allem wenn man letztere einsetzen kann, muss ja das Immunsystem jetzt nicht soo viel arbeiten. Dennoch ist Cortison hier trotzdem oft genug russisches Roulette. Gegen Viren gibt es kein "Kraut" - im Falle von Herpes gibt es aus der HumMed ein hochwirksames Virostatikum, das hemmt aber eben "nur" das Wachstum, sprich - der Körper muss den Rest machen bzw. das Immunsystem. Gegen Calici kann man nur Immunmodulatoren/-pusher einsetzen wie Feliserin, Interferon, Zylexis. Das heißt aber, dass die Arbeit beim Immunsystem liegt, gegen die Viren anzugehen. Was braucht es da? Richtig. Ein funktionierendes Immunsystem.

Bei Zahnfleischentzündungen sollte der erste Gedanke des Tierarztes in Richtung FORL gehen. Ist zwar seltener bei jungen Katzen (unter fünf), aber eben nicht unmöglich. Der zweite Gedanke - Calici. Calici tritt sehr oft in Kombination mit FORL auf. Wenn zusätzlich der Rachen Rötungen zeigt, Läsionen, Bläschen, dann sollte man IMMER an einen viralen Befall denken, hier kommen Herpes und Calici in Frage, das kann man mittels eines Abstrichs klären.

Der Tierarzt hier hat die Caliciinfektion durch seine Cortisongaben nennenswert befeuert. Es ist wirklich ABSOLUT kontraindiziert und gilt als schwerer "Kunstfehler", siehe FAQ.

Dann kommt noch der Aspekt: Die Entstehung von Gingivits und Stomatitis ist bei Katzen noch ungeklärt hinsichtlich der Ursache. Klar, Zahnbeläge/-stein können Bakterien aufweisen, man sollte diese entfernen usw., aber oft geht damit die Entzündung nicht weg. Ein Antibiotikum bringt da recht wenig (mit Ausnahme: nach einer Zahnsanierung, da ist präventiv notwendig, weil eben doch viele Keime im Rachen sind und wenn es "blutig" war bzw. offen ist, braucht man ein solches, um zu verhindern, dass die Katze eine Infektion bekommt), weil das Problem an und für sich kein bakterielles ist.

Metacam - Schmerzmittel, ok. Klar, wenn die Katze nicht mehr frisst. Das Spritzen von Interferon - auch ok. Es gibt solche Fälle im Zusammenhang mit Calici, die sind aber ÄUßERST langwierig, siehe z.B. hier: https://vet-magazin.de/wissenschaft...Fallbericht-chronische-Gingivostomatitis.html

Was aber zuerst gemacht werden muss meines Erachtens nach, selbst wenn die Katze so jung ist - Dentalröntgen. KEIN normales Röntgen, sondern Dentalröntgen, um FORL auszuschließen. Das kann eben auch schon mal bei jungen Katzen auftreten.

Warum Dentalröntgen und warum aufpassen, was ein TA macht bei Zahnsanierungen und wie? Siehe diese Artikel hier, etwas polemisch, im Kern aber fachlich absolut korrekt:
http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19837
Und der hier:
http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=20336

Insofern: Wäre es MEINE Katze, würde ich das als nächstes in Angriff nehmen. Bevor man über eine komplette Entfernung der Zähne nachdenkt, die im übrigen tatsächlich hin und wieder bei persistierenden Calici-Infektionen vorgenommen wird und helfen kann, würde ich doch mal nach FORL schauen lassen. Und - ich würde mir obigen Artikel mal zu Gemüte führen bzw. googeln, ob es noch andere seriöse Berichte/Unterlagen/Studien gibt. Wenn es kein FORL ist, kann man diesbezüglich so nochmals vorgehen in Absprache mit dem TA. Und zwar am besten auch mit dem Zahn-TA.

Die TA würde ICH jetzt kritisch sehen. Die Cortison-Gaben halte ich für absolut fahrlässig, sie werden den jetzigen Zustand noch befeuert haben. Ein Langzeit-AB war nicht wirklich indiziert, dann hat sie Dich sicherlich auch nicht darauf aufmerksam gemacht, welche potentiellen Risiken Convenia birgt, oder? Ich würde so etwas nie geben lassen, wenn eine Katze händelbar ist. Zu den seltenen, aber potentiellen Nebenwirkungen von Convenia (Unverträglichkeit --> Tod) kannst Du auch einiges im FAQ nachlesen.
 
NicoCurlySue

NicoCurlySue

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Hallo,

ich habe auch einen Kater mit Calici-Viren und chronischer Zahnfleisch- und Rachenentzündung. Wenn Du magst, es gibt hier einen Thread dazu: Entzündung heilt nicht ab

Aktuell lasse ich Findus homöopathisch in Kooperation mit meiner TÄ behandeln. Es geht auf und ab, daher habe ich noch nicht weiter geschrieben.

Hast Du die Zähne einmal röntgen lassen? Findus hat alle Zähne raus, bis auf die Calici. Ein Problem ist halt, dass sich an den Zähnen Bakterien ansiedeln, die das Geschehen verstärken.
Es könnte ja auch noch FORL vorliegen, dann müssen die Zähne raus. (Zahntierärztin!)

Dann gibt es einen Thread von tigerliilli zu ihrer Blutegel-Behandlung bei ihrer Katze/Kater.

Ich war inzwischen bei verschiedenen TÄ. Alle sagen übereinstimmend, es gäbe keine sichere Behandlungsmöglichkeit, man müsse ausprobieren, was bei der Katze anschlägt.

Da wäre z.B. auch noch Zylexis.

Meine Zahn-Tierärztin ist auch sehr ratlos. Es gibt durchaus nicht wenige Fälle, die sehr schwierig sind! Und es gibt wohl sehr aggressive Calici-Stämme.

Tja, mehr kann ich im Moment leider nicht beitragen.

Alles Gute für Euch!
 

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