Aggressiver Kater - Werdegang

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Mondpuder

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Ich möchte hier über die Entwicklung von Dima schreiben, in der Hoffnung anderen Hilfestellung zu leisten bei aktiv aggressiven Katzen.

Um dieses Exemplar geht es:
http://www.tierheim-weiden.de/index.php?section=tiere&tier=3&id=2996

Kater Dima - alles unter Kontrolle

1. Dimas Vorgeschichte (was bekannt ist)*

Dima ist Baujahr 2005, wohnte bei einer älteren Dame, die ihn irgendwann nicht mehr versorgen konnte. Danach kam er zu einer russischen Familie. Dort wurde er wohl nicht gut behandelt. Die Tierheimleiterin meinte, sie hätten ihn getreten, weggesperrt etc. Dima landete nun auf Grund von wachsender Agression im Tierheim. Dort versuchte jeder sein Glück, aber die meisten Pfleger schoben mit einer Schippe das Essen in seine Zelle und schlossen schnell wieder die Tür. Zweimal wurde Dima vermittelt und innerhalb von 24 h wiedergebracht. Er hatte seine Familien mehrfach angefallen. Stürzte sich bevorzugt auf männliche Beine.*

So entschied das Tierheim ihn nicht mehr zu vermitteln, sondern einen Paten für ihn zu suchen.*

2. Der erste Kontakt - "Oh Gott, ich will weg"

Nach gehäuften Telefonaten mit dem Tierheim, einer Kontrolluntersuchung beim Arzt, etc. entschieden wir es zu versuchen. Es war mehr ein Bauchgefühl wie Vernunft.*

Im TH (das erste Kennenlernen) war die Situation unerträglich für mich. Dima war größer wie vermutet und attackierte mich permanent mit unberechenbaren Schreien, Bissen und Schlägen (Krallen können so weh tun...). Ich befand mich auf engem Raum in einem Kreislauf: Dima war gestresst - ich überfordert - er verlor die Kontrolle - ich bekam Angst, was er bemerkte...*

Die Pflegerin wehrte sich dagegen mit einem klaren "Nein!" und schlug zurück. Er solle merken, wer der Rudelchef ist. (Ich stehe nicht hinter dieser Methode, denn Katzen kennen kein Rudel u. können sehr wohl zwischen Tier u. Mensch unterscheiden, aber im TH ist der Platz begrenzt und sie hatte keine andere Möglichkeit mit Dima so umzugehen. Die beiden mussten sich arangieren)
Dima schien seine Pflegerin zu mögen, war es auch der einzige Mensch, der Dima besuchte. Katzenstreichler und andere Pfleger gingen aus Angst nicht mehr ins Gehege, der Tierarzt musste ihn sedieren.
Tolle Katze - muss ich haben.

Ich wurde gefragt, ob ich ihn wirklich haben möchte. Mein Mund sagte: Ja, bekommen wir schon hin.*
Ich solle ihn, wenns nicht geht, wiederbringen, wir würden das bestimmt schaffen, so die TH-Leiterin. Sie hätten Dima auf meinen Wunsch nüchtern gelassen, er soll Futter von mir bekommen.
Seine Pflegerin hing sehr an ihrem "Lauser", packte ihn mir ein und vergoss Tränen. Es war immerhin ihr Sorgenkind, wenn auch ein sehr dickes. Drops mag er gern und Dima kann Männchen machen und in die Vorderpfoten klatschen.*

3. Der Einzug

Die Heimfahrt verlief problemlos. Dima war im Baldrianrausch und wurde in ein separates Zimmer gestellt. Alles abgedunkelt, kein Fressen, nur Wasser und WC, Kratzbaum und einige Rückzugsorte.*
Ich stellte die Box in ein dunkles Eck, deckte die Box auf und verließ das Zimmer. Ich entspannte mich langsam...
Nach zwei Stunden, zog ich Springerstiefel, Lederjacke, Jeans und Handschuhe an, fühlte mich endlich sicher, nahm eine Wasserpistole der größeren Art mit und stiefelte ins Zimmer. Wenn er mich anfällt, passiert mir nix. Nur ins Gesicht darf er nicht kommen. Ziel: Den Korb öffnen. Die Schaniere klickten und es fauchte und drückte der Kater, die Tür sprang auf, Dima war draussen.*
Ich nahm die Beine in die Hand und ging zur Tür. Kein Blickkontakt, keine Reaktion, Dima ging sofort an die Beine, was nun nicht wehtat. Ich ignorierte ihn völlig - erste Hürde geschafft - unverletzt.
Ich ließ Dima oben 6 ganze Stunden allein. Baute vor der Tür die Gitter an. Nach der Zeit öffnete ich Dimas Tür und ließ in ans Gitter. Weiterhin völlige Ignoranz.*
Die anderen Katzen äugten und fauchten durch die Tür, Dima schaute sich das alles hinter dem Gitter an und verzog sich ins Zimmer.

4. Der erste Kontakt, fressen & co.

Der erste Fütterungsversuch wurde mit einem Geodreieck durchgeführt. Nassfutter aufs Geodreieck und dieses unter der Gittertür durchschieben. Jetzt beoachtete ich ihn erstmal: Kein schönes Tier...gehetzt, aggressiv, riesig, zu dick, aber irgendwie liebenswert, irgendwie.
Hab ich mir anders vorgestellt...
Dima schmiss sich ans Gitter und sagte mir in felinem Dialekt, ich solle mich verpissen.*
In der nächsten Woche, begann ich mit Teelöffel durchs Gitter zu füttern. Er wurde ruhiger hinter dem Gitter. Ich zog mich an in Vollmontur und ging zu ihm hinein. Mit geladener Wasserpistole und co. (Ich bin gegen Wasserpistolen, weil Katzen den Sinn nicht kapieren und sich sinnlos erschrecken, was das Verhältnis belasten kann - hier wäre es nur als Verteidigungswaffe zum Einsatz gekommen, um Verletzungen im Gesicht zu vermeiden, die Schutzkleidung macht Angriffe erträglich und kann so tun, als sei man ein Baum)
Ich sprach zuvor mit Ina (Streunerhilfe Katalonien) und nahm nun ihren Tipp wahr, mich in das Zimmer zu setzen um ein Buch zu lesen. Ziel: Dima sollte mich beobachten können - in Ruhe.*
In völliger Ignoranz trat ich ein, las und siehe da, Dima legte sich ca. 2 Meter von mir entfernt auf den Boden.*
Eine verhältnismäßig entspannte Situation.*

5. Dima ist nicht allein

Nach ca. 3 Tagen öffnete ich die Gittertür. Ich war dieses isolieren leid.*
Ziel: Dima lernt meine restlichen 4 Katzen kennen.*
Das funktionierte eigentlich absolut im Normbereich. Sie diskutierten den Rang aus, alles in Ordnung.

Solange man Dima ignorierte, hatte ich das Gefühl, er kann die Kontrolle über die Situation behalten. Das entspannt ihn. Eng wurde es, wenn er dort saß, wo er nicht darf, beispielsweise vor der Haustür. Wurde es ihm auf der Quadratmeteranzahl zu eng, attakierte er. Das ist bekannterweise ja die beste Verteidigung. Wir schmissen ein Leckerchen in die andere Richtung, so war er lenkbar.

6. Das Schlüsselerlebnis

Eines Tages kam ich sehr müde von der Arbeit heim und setzte mich aufs Sofa. Ich schlief aus Versehen sofort ein (Krankenpflegerkrankheit). Ich wachte auf, als ich bemerkte, dass eine Katze an meinem Gesicht roch. Ich wurde wacher und bekam fast einen Herzinfarkt. Was da an meinem Gesicht schnupperte, war Dima. Ab dem Zeitpunkt vertraute ich auf den Pakt: Tust du mir nichts, tu ich dir nichts.

Seitdem geht es bergauf. Dima akzeptierte und suchte immer mehr unsere Nähe, setzt seine Grenzen ohne Krallen und Gewalt, er schnurrt und schmust gerne, er freut sich auf uns, wenn wir heimkommen, ist nun ein sehr ansehnlicher entspannter Katzenmann und vertraut uns.*

7. Persönliches Fazit vom Laien

Alles was er braucht ist Kontrolle, weil Menschen seine Grenzen bisher nicht registriert haben. Auf Gewalt nie mit Gewalt reagieren - wir sind letztendlich überlegen. Bitte lasst schwierige Fälle nicht im Heim sterben, probiert es - es lohnt sich so sehr!

("Dich geb ich nie wieder her, du kleiner Wurschtlmann, du Schmusemops. Versprochen! Hier ist dein Zuhause...")
 
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Sheltiecat

Sheltiecat

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Was für eine schöne Geschichte!!
Dima hatte großes Glück, dass er so tolle Menschen gefunden hat, die ihm eine Chance gegeben haben und sich die Mühe gemacht haben ihn zu verstehen!

Gibt es Bilder von dem Glückspilz? :)
 
AnnaAn

AnnaAn

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Danke für diese wunderbar erzählte Geschichte des Katers, den alle aufgeben hatten. Ich bin, ehrlich gesagt, zu Tränen gerührt.

...und jetzt Fotos von dem Wundertier !!!
 
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fimufi

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Das ist aber wirklich eine sehr schöne Geschichte!
Und toll, was du für einen Erfolg hattest!

Bitte bitte Fotos :yeah:
 
An-Ka

An-Ka

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Wow, eure Geschichte hat mich sehr berührt.
Super, dass ihr so viel Geduld mit dem Katerbub habt.
Er wird es euch danken.

Ich schließe mich an: Bitte Fotos von dem Brummelbär.:D
 
Benny*the*cat

Benny*the*cat

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Da ist doch ein Link mit Fotos!

Tolle Geschichte! Ich bin sehr froh das es solche Menschen gibt!

Der Kater hatte großes Glück. Danke Mondpuder das Du diese Geschichte teilst, vielleicht hilft es noch vielen anderen Fellchen ein neues Heim zu bekommen und anderen Menschen mutig zu sein.
 
Tilawin

Tilawin

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Was für eine schöne Geschichte :)

Wie schön, dass du Dima eine Chance gegeben hast! :pink-heart:
 
elvaza

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Das finde ich toll, dass Du Mut bewiesen hast und damit Dima damit quasi das Leben gerettet hast!
Auf den alten Tierheim Fotos sind man schon, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen war - die Haltung der Ohren sagt alles.

Ich würde mich freuen, wenn Du weiter über Deine Bande und speziell Dima berichten würdest. Vielleicht hast Du ja tatsächlich schon Fotos, wo er ein bisschen freundlicher schaut?
 
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Jonika

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Oh, wie schön! Was hat der Große für ein Glück gehabt, daß ihr ihn gefunden habt:)
Eine ganz tolle Mutmach-Geschichte, die auch mir dei Tränen in die Augen trieb.

Schön, daß es Menschen wie dich gibt:pink-heart:
 
M

Mondpuder

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  • #10
Dima Wurschtlmann

Vielen vielen Dank für's lesen und die netten Rückmeldungen.
Hier sind Bilder von dem Süßen.

Hab sogar ein Video, wo Dima Männchen macht:
http://m.youtube.com/watch?v=PvhsqhfSCP8
 

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nandoleo

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  • #11
Oh, wie schön! Was hat der Große für ein Glück gehabt, daß ihr ihn gefunden habt:)
Eine ganz tolle Mutmach-Geschichte, die auch mir dei Tränen in die Augen trieb.

Schön, daß es Menschen wie dich gibt:pink-heart:

Dem schließ ich mich aus vollem Herzen an.:)
 
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Tanja88

Tanja88

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  • #12
Einen tollen Kater hast du da!
Wunderschön & er sieht wesentlich entspannter & zufrieden aus, als auf dem einen anderen Bild.:)
Ich finde es super, dass du ihm eine Chance gegeben & ihn nicht einem traurigen Schicksal überlassen hast. Es sollte mehr Menschen wie dich geben.
 
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Mondpuder

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  • #13
Tut gut zu lesen. Vielen Dank! Unsere Katzen sind unsere Ersatzkinder (ohne sie zu vermenschlichen)
 
Catbert

Catbert

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  • #14
:grin: Toll! So ein schöner Kater und sein Männchen/Bitte machen ist ja grandios. Wie schön, dass Du Dich nicht hast abschrecken lassen.
 
Tigerin74

Tigerin74

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  • #15
Super. Finde ich auch toll dass du ihm eine Chance gegeben hast und er ist wirklich ein wunderschöner schwarzer Kater (habe auch so einen der genauso aussieht!!! :D).

Jedenfalls sieht er auf deinen Bildern viel viel glücklicher und entspannter aus als auf den Bildern vom Tierheim.

Wielange ist er denn schon da?
 
Tilawin

Tilawin

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  • #16
Ein Unterschied wie Tag und Nacht :)
 
Tanjuschka

Tanjuschka

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  • #17
Vielen vielen Dank für's lesen und die netten Rückmeldungen.
Hier sind Bilder von dem Süßen.

Hab sogar ein Video, wo Dima Männchen macht:
http://m.youtube.com/watch?v=PvhsqhfSCP8


Ist das toll, wie Dima Männchen macht :pink-heart:
Da sollen mal meine Jungs von Dima ein Beispiel nehmen :D
Unglaublich wie sich eine Katze verändert, wenn sie zu dem "richtigen" Menschen kommt. Ganz toll!
Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Spaß mit dem wunderschönen Katermann Dima ;):pink-heart:
 
Mikesch1

Mikesch1

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  • #18
Auch von mir ein ein kräftiges Schulterklopfen für Deine Geduld und Dein Verständnis :) Schön, dass es Menschen wie Dich gibt.

Ein wunderschönes Lackfellchen hast Du da.
 
Petra-01

Petra-01

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Ort
Rhein-Ruhr-Gebiet
  • #20
Dankesehr! ich liebe Lackfellchen :)

Ich überlege zur Zeit ob Puppy nicht mein neues "Projekt" wird..
http://www.rassekatzen-im-tierheim.de/puppy-paula-muenchen/


Ich finde sie hinreissend :pink-heart:

Oh wow, das wäre ja toll.

Ich bin oft auf dieser Seite, ich kenne sie alle die da schon so lange warten. Einige finde ich absolut besonders und Paula-Puppy gehört sicher dazu.

Der hier hat es mir ja angetan, Nestor. Wartet auch schon 1 1/2 Jahre.
http://www.rassekatzen-im-tierheim.de/13-jahr-nestor-kassel/

Und Angel:
http://www.rassekatzen-im-tierheim.de/angel-baden-baden/

Und Lena:
http://www.rassekatzen-im-tierheim.de/lena-herford/

Und noch ein paar andere. *seufz*


Bitte berichte weiter.
 
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