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brianna48 14.11.2015 10:56

ängstliche Katze
 
Hallo,

Ich bin neu hier und hoffe auf guten Rat von erfahrenen Katzenbesitzern. Von vornherein bitte ich um Verzeihung, wenn es jetzt ein wenig viel Text wird. Also: Vor 5 Wochen zog eine ca. 3-4 Jahre alte Kätzin (Siam-Mix) aus dem Tierheim bei mir ein. Von ihrer Vorgeschichte ist nur bekannt, dass sie tragend an einer Futterstelle aufgefunden wurde. Ihre Babies sind inzwischen vermittelt und nur sie saß noch im Tierheim, weil niemand sie wegen ihrer Scheu haben wollte. Ich bin zwar erfahrene Hundetherapeutin, aber mit Katzen kenne ich mich nicht wirklich aus. Offen gestehe ich, dass mich die Aufgabe reizte und ich ganz fest entschlossen war (und natürlich noch immer bin), der Katze alle Zeit der Welt zu lassen, um Vertrauen zu finden. Anfangs kam Princess überhaupt nicht aus ihrer Transportbox heraus. Nach und nach aber eroberte sie sich die Fensterbank, die Couch und die Couch-Lehne. Dort liegt sie stundenlang und rührt sich nicht - solange niemand in ihre Nähe kommt. Inzwischen knurrt sie zwar nicht mehr, aber sie sucht meistens sofort das Weite. Zum Glück ist sie total verfressen. Mit Futter habe ich es geschafft, dass sie es vorsichtig aus der Hand frisst und sogar zu mir auf meinen Fernsehsessel springt, wenn ich Leckerchen darauf verteile. Wenn ich dabei aber nur den kleinen Finger bewege, springt sie sofort davon.
Princess soll als ehemalige Freigängerin irgendwann wieder diese Möglichkeit erhalten, aber natürlich möchte ich damit warten, bis sie eine Bindung zu mir aufgebaut hat. Ich möchte ja, dass sie nach einem Streifzug wieder nach Hause kommt.

Hier nun meine Frage: Kann ich irgendetwas tun - außer eine Engelsgeduld zu haben - um Princess das Heimischwerden zu erleichtern? Mich schmerzt es sehr, dass das Kätzchen so wenig Bewegung hat. Aber das einzige Spiel, dass sie annimmt, ist, wenn ich Leckerchen in alle Richtungen werfe und sie die "fangen" kann. Das macht sie gern. Wie gesagt, sie ist höchst verfressen...

Weiß jemand einen Rat für mich und Princess?

Geluki 14.11.2015 11:07

Hallo, schön, daß Du die Maus mitgenommen hast.
Für eine wilde Katze sind 5 Wochen noch net lange und ich persönlich finde, es läuft ganz gut bei Euch.
Da du wohl keine andere Katze hattest, kann sie sich ja nirgends abgucken, dass du keine Katzen frisst.. :grin:
Wirf die Flinte net ins Korn.
Guck bei Taskali, die ist scheuchen Profi.
Die liest den Katzen z B viel vor...
Ich würde sagen, versuch dir dort Anregungen zu holen.
Ich habe hier 3, die direkt nach dem Einzug hier herum getrampelt sind und alles und jeden in Beschlag nehmen..

Demotivation 14.11.2015 11:24

Wie schön, dass du dich für ein Scheuchen entschieden hast :) Sie haben etwas ganz besonderes an sich.

Ich fürchte aber, du hast das wichtigste schon gesagt: Engelsgeduld. Jede Menge davon. Für fünf Wochen seid ihr schon sehr weit, da machst du offensichtlich schon einiges richtig. Eine scheue Katze braucht einfach Zeit und Geduld und ein bisschen Verständnis, das du offensichtlich mitbringst.

Ganz wichtig ist auch: Sei einfach normal und gelassen. Bemüh dich nicht ZU sehr um sie. Wenn du sie ignorierst, sie nicht anstarrst und direkt anschaust, signalisierst du "alles gut! Ich bin friedlich!" - Das ist wirklich das A und O. Wenn du sie anschaust, blinzel langsam und deutlich. Das ist quasi ein Lächeln.

Lass ihr Rückzugsorte und auch ruhig Plätze, an denen sie nie gestört oder angefasst wird. Bei meinem Angstkater war von Anfang an klar: Wenn er auf dem Kratzbaum sitzt, dann wird er komplett ignoriert. Dadurch hat er sich dort recht schnell sicher gefühlt, und man kann dann auch direkt an ihm vorbeigehen, ohne dass es ihn stört. Er weiß ja: Er ist sicher und wir respektieren seine Grenzen.

Vorlesen ist in der Tat gut, damit die Katze sich an deine Stimme gewöhnt. Ich habe mich anfangs - meine beiden haben die ersten Wochen durchgehend unter der Couch verbracht - einfach auf den Boden gesetzt, beide ignoriert und aus einem Roman vorgelesen. Man wird selbst ganz schön ruhig und schläfrig dabei :o

Eins noch: Auch wenn sie sich erschreckt, tröste sie nicht. Wenn du dich in so einer Situation auch noch anders verhältst als sonst, bestärkt sie das nur in ihrer Angst ("Und jetzt ist die auch noch anders als sonst, da muss ja wirklich was schlimmes sein!"). Dein Job ist es - ich nehme an, das ist bei Hunden nicht viel anders - Ruhe und Souveränität auszustrahlen. Je eher sie merkt, dass nichts passiert ist, desto eher beruhigt sie sich auch wieder.

Mit den Leckerlis ist das doch schonmal super soweit. Liebe geht durch den Magen, und wenn sie dabei ein bisschen Bewegung bekommt, umso besser - du wirst sehen, mit der Zeit wird sie auch auf andere Spielangebote eingehen. Aber man muss schon ein bisschen vertrauen, um sich beim Spielen fallen zu lassen :) Das kommt schon noch.

Es ist gut, dass sie Freigang bekommen soll. Dennoch wäre es super, wenn du mal mit dem Gedanken spielst, ihr eine gleichaltrige Freundin mit ähnlichem Charakter zur Seite zu stellen. Idealerweise eine Katze, die nicht scheu ist - dann kann sich deine Princess von ihr am besten abschauen, dass Menschen gar nicht so doof sind. In der Regel sind Katzen keine Einzelgänger, diese Meinung ist veraltetes Wissen.

ottilie 14.11.2015 13:49

Willkommen im Forum
Ich finde es ganz toll von dir das du so eine scheue Katze genommen hast
Mein ehemaliges scheuchen Lernt von seinem souveränen Katzenkumpel, Der schon immer bei mir gewohnt hat, dass Menschen toll sind. So fällt es der Katze leichter, Neue Verhaltensmuster aufzunehmen
Besonders gut finde ich das Buch von Christine Hauschild: Tierarzt Training für Katzen, da wird die kätzische Kommunikation ganz hervorragend erklärt

brianna48 14.11.2015 15:01

ängstliche Katze
 
Hey, herzlichen Dank für Eure netten Worte und Eure Tipps. Da war eine Menge Erleichterung für mich bei. Wie schon gesagt, ich habe meiner süßen Prinzess versprochen, ihr alle Zeit der Welt zu lassen. Ihr bestätigt mir auch, dass es sehr viel Ähnlichkeiten beim Umgang mit Hunden und Katzen - Ignorieren, Ruhe, Gelassenheit, nicht trösten und Augenzwinkern etc. Da war ich doch von Anfang an auf dem richtigen Dampfer. Habs nämlich genau so gemacht, weil ich mir dachte, dass dabei nicht viel schief gehen kann. Übrigens - der Gedanke, eine 2. und selbstredend zutraulichere Mietz zu holen, kam mir auch schon. Ich wohne herrlich ländlich mit großer Terrasse und Gartenanschluss, aber auf 55qm leben bereits mein Kurzhaarcollie Artus, ich und nun auch Prinzess. Ich habe Bedenken, dass das am End ein zu großes Gedränge für die Tiere gibt. Die sollen sich ja auch mal aus dem Weg gehen können...

LG

brianna48

Baldrian 14.11.2015 15:16

Wir sind gerade in einer ähnlichen Situation. Lale ist ganz jung ins Tierheim gekommen und schon ihr ganzes Leben dort! Jetzt mit 5 Jahren ist sie zu uns gekommen. Sie ist auch so scheu und läßt sich nicht anfassen, in den ersten Wochen ist sie nur nachts rausgekommen. Sie ist jetzt schon 8 Wochen bei uns und ich mache auch Futterspiele mit ihr. Leider kennt sie kein Spielzeug und hat Angst vor der Angel, so daß das erstmal warten muß. Ich finde du machst das sehr gut! Ich habe viel bei Taskali gelesen. Sie macht das ganz toll mit den scheuen Katzen, finde ich!

ottilie 14.11.2015 16:44

Für Vergesellschaftung von Hund und Katze schreib mal Userin Izz an, die kann das super weiterhelfen
Wenn du einen Garten hast: kannst du den sichern als Auslauf für die Katze?

Demotivation 14.11.2015 17:05

Wenn die Gegend freigängertauglich ist, muss ja ein Garten nicht unbedingt gesichert werden. 55 m² sind nun nicht die Welt - und bei reinen Wohnungskatzen fände ich es auch definitiv zu wenig, besonders wenn noch ein Hund dabei ist. Aber wenn eh geplant ist, dass sie Freigängerin werden wird, dann sehe ich da kein Problem.

Ich würde mir halt im Vorfeld Gedanken machen um den Verkehr in der Gegend, die Nachbarn - Katzen kann man nunmal nicht vorschreiben, in wessen Gärten sie sich aufhalten dürfen - und und und. Wenn es passt, spricht in meinen Augen nichts gegen eine zweite Katze. Die Prinzessin ist ja, wie du schriebst, auch noch ein Siam-Mix - Siams sagt man nach, dass sie sehr sozial sind, wobei ich das nur vom Hörensagen kenne. Ich hatte bisher nur ganz edle Feld-Wald-Wiesen-Katzen ;)

Ich finde, ihr habt bisher einen tollen Anfang gemacht. Wenn du beschließt, dich nach einer zweiten Katze umzuschauen, empfehle ich eher Pflegestellen als Tierheim. Der Charakter muss passen, das kann ein Tierheim meist eher nicht so einschätzen - sie erleben die Tiere dort ja nicht so im Alltag. Und mit Hunden müsste die zweite Katze ja am besten auch zurecht kommen...

So eine scheue Katze kann sich ganz schnell ins Herz schleichen :p Mein ängstlicher Rühr-mich-nicht-an räkelte sich gerade vor Wonne auf dem Sofa, als ich ihm den Rücken kraulte. Man glaubt gar nicht, was da für eine Entwicklung vor sich gehen kann.

brianna48 14.11.2015 18:37

Also, Garten katzentauglich sichern entfällt. Da hätte mein Vermieter erfahrungsgemäß ein "optisches" Problem mit. Hinsichtlich der Vergesellschaftung mit meinem Wuff bin ich optimistisch. Der ist ein gaaaanz Freundlicher mit allem, was lebt und sehr respektvoll - jetzt auch mit Princess. Ob die beiden mal Freunde werden, wird die Zeit zeigen. Man geht sich momentan gepflegt aus dem Wege. Eine zweite Katze sollte natürlich ebenfalls hundetauglich sein. Der Tipp mit der Pflegestelle ist gut. Ich habe zwar gesagt, Princess sei aus dem Tierheim, aber im Grunde ist es auch eher so etwas wie eine Pflegestelle - nur mit sehr vielen unterschiedlichen Katzen eben. Ihnen gehört ein ganzes Bauerngut. Alles ist katzentauglich ausgebaut und gesichert. Ein, zwei Hunde leben mittendrin. Die freiwilligen Helfer des Vereins sind ungemein engagiert und sehr liebevoll, aber ich denke, bei ca. 40 Katzen und mehr sind das individuelle Beobachten und das Auf-das-Kätzchen-eingehen eher schwierig. Da werde ich dann doch lieber auf eine kleinere Pflegestelle zurück kommen. Aber ich lasse mir mit der Entscheidung noch etwas Zeit. Momentan müssten ja erst einmal beide Katzen in der Wohnung bleiben und bei der Enge fänden sie das wahrscheinlich nicht so prickelnd. Aber Ihr habt mir Mut gemacht, dass Princess mit viel Geduld auch so irgendwann eine Schmuserin werden könnte. Im "Katzentraum" (so heißt der Verein, von dem ich sie habe) nahm sie nämlich mit anderen Katzen keinen Kontakt auf, sondern hielt sich auch da vornehm zurück. Schaun wir also mal, dann sehn wir schon. Nochmals vielen Dank Euch allen und ganz viel schöne, schmusige Erlebnisse mit all Euren Mietzen.

LG
brianna48


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