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Katzen Sonstiges Alles was in keine der anderen Kategorien passt

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Alt 08.03.2015, 15:26   #1
echo
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echo
 
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Standard Farblexikon

Hallo!

Zum "Farbenthread" gesellt sich jetzt auch noch ein kleines "Farblexikon", was die Farben der Stubentiger angeht. Das hier ist dann quasi so als Überblick und Nachschlagethread gedacht. Fragen und Diskussionen sollte es dann eher im anderen Thread geben.

(Also hier bitte - erstmal - nix reinschreiben, dieMiffy und ich erstellen jetzt mal diesen Überblick und dann gucken wir weiter. )


Dann fang ich mal an... grundsätzlich gibt es bei Katzen nur zwei Farben, Rot und Schwarz. Alles andere, also blaue Katzen, Silberlinge und so fort, entsteht durch andere Gene, die quasi zu bestimmten Modifikationen führen.

Die Gene treten immer paarweise auf. Katzen bekommen da einen Teil von der Mutter und einen Teil vom Vater. Bleiben wir mal bei den Grundfarben Rot und Schwarz.

Und gehen wir jetzt mal von einem schwarzen Kater (oder einer schwarzen Katze) aus. Schwarz gehört - logischerweise - zur Schwarzserie (Braunserie). Das Gen sitzt am Genort B und bei Katzen sind drei unterschiedliche Allele an diesem Genort "wichtig". Die stehen für die "Grundfarben" der Schwarzserie: Black, Kastanienbraun (Chocolate) und Zimtfarben (Cinnamon). Die drei Allele unterscheiden sich in ihrer Dominanz. Black dominiert über Chocolate und Cinnamon, Chocolate dominiert über Cinnamon, ist aber rezessiv gegenüber Black. Und Cinnamon ist rezessiv gegenüber Black und Chocolate.

Die Katze Cookie von Anna_Boleyn hat die Farbe Chocolate.


Kater Kaba Kasimir (gehört LexiFee) ist Cinnamon.


(Rezessiv kann man sich quasi so vorstellen, dass die jeweilige Info - zB die Info für Cinnamon - von beiden Elternteilen kommen muss. Ist die Katze Cinnamon und der Kater reinerbig Black, dann kommen da nur schwarze Kitten raus.)

Was die Schwarzserie noch modifiziert, aber nur Norwegische Waldkatzen betrifft, ist Amber. Da wird Schwarz durch ein eigenes Gen zum namengebenden Amber aufgehellt. Die Katzen werden dunkel geboren und dann im Laufe ihres Lebens heller.

[Bilder]

Guckt man sich dagegen eine rote Katze an, dann gehört die - wieder logisch - in die Rotserie. Das Gen für Rot sitzt ganz wo anders als das für Schwarz (Genort O). Es gibt zwei Allele, das eine steht für "Rot" und das andere für "Nicht-Rot". Besitzt die Katze das Allel für "Nicht-Rot", dann wird die Schwarzserie schlagend und es gilt das oben schon erwähnte. Besitzt die Katze das Allel für "Rot", dann ist sie Rot. Das Rot-Gen maskiert also die Allele der B-Gruppe (sowie die Gene für Non-Agouti (=ohne Muster)). Außerdem ist das Rot-Gen geschlechtsgebunden, sitzt also am X-Chromosom. Kater haben davon nur eines und können deshalb nur entweder ganz rot sein oder gar nicht rot. Katzen haben zwei X-Chromosomen und können somit die Indo für "Rot" und "Nicht-Rot" zugleich haben, das sind dann Torties und Torbies.

Kater Pepi von dieMiffy hat ganz eindeutig die Info für "Rot" mitbekommen. Er ist ein Red Spotted-Tabby.


Soweit so gut, das wären jetzt mal die Infos, wie Katzen quasi überhaupt zu ihren Farben kommen. Jetzt ist es natürlich so, dass Katzen nicht nur "nur" Schwarz oder Rot sind, sondern auch mal Cremefarben, ein Tigermuster haben oder eben auch gar kein Muster. Für all diese Veränderungen sind wiederum verschiedene Gene verantwortlich.


Fangen wir mit den gemusterten und nicht gemusterten Katzen an. Das "Versuchskaninchen" ist wieder eine schwarze Katze, zuerst mal ohne Muster. Das ist dann eine Black Solid. Der Ausdruck "Solid" beschreibt, dass sie kein Muster zeigt. Das kommt daher, dass die Katze zweimal (von beiden Elterntieren mitbekommen) die Info für "Non Agouti" trägt. Non Agouti ist gegenüber Agouti (=mit Muster) rezessiv, es muss also von beiden Elternteilen kommen, damit die Katze diese Information auch zeigen kann.

Franz von dieMiffy ist ein langhaariger Black Solid Kater. Er zeigt kein Muster im Fell, sondern ist "einfach nur" schwarz. (Das Foto hat Rayve gemacht.)


Hier sind wieder die roten Katzen eine Ausnahme, die Information für Non Agouti wird ja vom Rot-Gen maskiert. Deshalb gibt es auch keine vollständig roten Katzen. Selbst wenn die Information für Non Agouti da ist, zeigt die Katze eine mehr oder weniger starke Geisterzeichnung.

Gigs ist beispielsweise ein Red Solid, trotzdem nicht vollständig dunkelrot, sondern mit helleren und dunkleren Stellen. Er zeigt die sogenannte Geisterzeichnung.


Kater Noc von YunaNox ist Blue. Gerade bei hellem Licht kann man erkennen, dass auch er eine Geisterzeichnung an den Beinen zeigt. Nur ist die viel schwächer als bei roten oder cremefarbenen Katzen.


Bekommt die Katze dagegen von beiden oder einem Elternteil das Gen für Agouti mit, dann zeigt sie ein Muster. (Ein Elterteil reicht, da Agouti ja dominant gegenüber Non Agouti ist) Es gibt verschiedene Tabby-Muster:
  • Mackerel (getigert)
  • Classic (gestromt, Rädermuster)
  • Spotted (getupft)
  • getickt (jedes Haar ist mehrfach gebändert)

nickers Nine ist beispielsweise eine Spotted Tabby (Chocolate Spotted Tabby).


Kater Monty (gehört Louis-Monty) dagegen ist ein Classic-Tabby-Kater (Black Siver Classic Tabby), man kann das typische Rädermuster gut erkennen.


Auch die Musterungen variieren in ihrer Dominanz: Ticked Tabby ist dominat gegenüber Mackerel-Tabby und Classic-Tabby, Mackerel ist dominant gegenüber Classic.


Dann gibts wie gesagt auch noch Katzen, die zB cremefarben sind. Da kommt die sogenannte Verdünnung ins Spiel. Genauer sind es zwei Gene, die für verdünnte Fellfarben sorgen, einmal das Verdünnungsgen und dann noch das Gen für modofizierte Verdünnung (Karamelfaktor). Beide Gene sind rezessiv gegenüber dem Gen für "Nicht-Verdünnung", beide Elterteile müssen also wieder die Infos für die verdünnten Farben mitgeben, damit die Kinder sie zeigen können.

Es ergeben sich folgende Verdünnungen:
  • Black zu Blue
  • Chocolate zu Lilac
  • Cinnamon zu Fawn
  • Red zu Cream

Bei Wyomie sieht man gleich zwei verdünnte Farben, Rot wurde zu Creme und Schwarz zu Blau. Sie ist eine Blue Classic Torbie.



Sophie von pezzi64 ist eine Katzendame in Blue Solid.


Mercy von nicker ist eine Lilac-Tortie und zeigt auch zwei verdünnte Farben, Chocolate wurde zu Lilac und Rot zu Creme. Bei ihr überwiegt aber der Lilac-Anteil eindeutig.


Durch die modifizierten Verdünnungen werden die Farben noch heller:
  • Blau zu Caramel
  • Lilac zu Taupe
  • Fawn zu Caramel Fawn
  • Cream zu Apricot
(Liegt der Karamelfaktor reinerbig vor, ist die Aufhellung noch stärker.)

[Bilder]

Der Karamelfaktor ist bei manchen Rassen (wie zB Norwegische Waldkatze oder Maine Coon) nicht zugelassen.


Das war es jetzt erstmal von meiner Seite, Infos und Bilder zu Weißscheckung, Silber und Co folgen noch.

(Quellen sind Wikipedia, Infos von befreundeten Züchtern und die Seite der Manders Maine Coons)

Lg.

Geändert von Irbis (19.03.2015 um 07:30 Uhr) Grund: Name (entsprechend Userwunsch) korrigiert
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Alt 08.03.2015, 15:36   #2
dieMiffy
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Point

Als Quelle für meinen Text habe ich das Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken verwendet.

Das Zeichen ^ steht im folgenden Text für hochgestellt, also c^b bedeutet c hoch b.

Die Pointzeichnung wird durch die sogenannte Albinoserie hervorgerufen. Die Albinoserie befindet sich am Genort C und besteht aus den Allelen C, c^b, c^s, c^a, c. Auch hier besteht wieder eine Dominanz entsprechend der Reihenfolge, also C dominiert über alle anderen, c^s dominiert über c^a und c, ist aber rezessiv gegenüber C. c^a dominiert über c, ist aber rezessiv gegenüber C​, c^b und c^s. Eine Besonderheit gibt es zwischen c^b und c^s: Diese beiden Allele verhalten sich intermediär, d. h. bei den Kombination c^b/c^s werden beide Merkmale gleichwertig ausgeprägt, keines dominiert über das andere (siehe Tonkanesen, Ragdoll Mink und Bengal Seal Mink Point).
Die einzelnen Allele bewirken nun folgendes:

C = Vollfarbe
c^b = Burmafärbung
c^s = Siam- oder Maskenfärbung
c^a = Albino (weiß) mit blauen Augen
c = Albino (weiß) mit roten Agen

Die typische Maskenkatzen, wie die Siam, tragen reinerbig c^s/c^s.

Durch die Allele der Albinoserie gibt es eine Melaninsynthesestörung. Die Ursprungsform des Gen's C produziert eine normale Tyrinase (wodurch in mehreren Schritten das Melanin gebildet wird). Die anderen Allele der Albinoserie bewirken eine weniger wirksame Form der Tyrinase bzw. fehlende Tyrinase, was zu reduzierter bzw. ausbleibender Pigmenteinlagerung führt.
Dadurch erfolgt eine Pigmentierung fast ausschließlich an den Extremitäten, da hier die Körpertemperatur niedriger ist als am zentralen Körper. Der gebildete Farbstoff wird also temperaturempfindlich und zersetzt sich durch die normale Körpertemperatur, deshalb bleibt die Katze am Körper weiß bzw. hell. Gefärbt wird also Gesicht, Beine, Schwanz, Ohren und bei Katern die Hoden

Die Handschuhe der Birma haben mit der Maskenzeichnung nichts zu tun. Das ist ein anderes Gen an einem anderen Genort.

Typische Katzenrassen mit Pointfärbung sind Siam, Thai, Heilige Birma, Neva Masquerade (Pointvariante der Sibirier) und Ragdoll. Ebenfalls gibt es Perser und BKH / BLH als Pointvariante, wobei sie bei den Persern als Colourpoint bezeichnet werden.



Katze Mia von Steinhoefel, Siam in Seal Point mit deutlicher Färbung an den Extremitäten Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz

Bei Katzen mit Burma-Maske sieht man z. B. viel mehr von der Farbe am Körper.
Die Maskenkatzen dunkeln während ihres gesamten Lebens noch nach. Dabei gilt, je dunkler die Farbe, desto dunkler wird auch der restliche Körper.

Geändert von dieMiffy (27.12.2016 um 21:54 Uhr)
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Alt 08.03.2015, 16:26   #3
dieMiffy
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Weiß und Weißscheckung

Wie schon im vorhergehenden Text unter Point genannt, gibt es weiße Katzen, die durch fehlende Tyrinase weiß sind, was man dann als Albino bezeichnet. Diese Katzen sind aber recht selten. Die viel häufiger auftretende weiße Katze ist durch das W-Gen (W = white, Epistatisches Weiß) weiß. Das Epistatische Weiß W ist dominant gegenüber dem nicht-weiß w. Diese Form von Weiß bezeichnet man auch als Leuzismus.

Das Weiß wurde im ersten Beitrag nicht unter den Farben genannt, da es keine Farbe ist Es ist vielmehr das Nicht-Vorhandensein von Farbe bzw. Farbstoff. Das bedeutet, dass epistatisch weiße Katzen also trotzdem auf der Schwarzserie eine Farbinformation haben und zum Beispiel eigentlich schwarz wären.

Der eigentliche Vorgang zum Ausbilden einer Farbe findet im frühen Embryonalstadium statt.
Dabei müssen sich sogenannte Melanoblasten teilen und zu pigmentbildenden Zellen (= Melanozyten) reifen und zu allen Stellen am Katzenkörper wandern und dort jeweils die Pigmentproduktion starten. Ist das Pigment produziert, muss es noch eingelagert werden in die Haare.

Der vom White-Gen nun bewirkte Leuzismus bedeutet, dass die erwähnten pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) komplett fehlen (Katze ist weiß) oder teilweise fehlen (Katze hat Weißscheckung).
Fehlen bedeutet in diesem Fall, dass die pigmentbildenden Zellen nicht gebildet werden können oder sich nicht / nur teilweise teilen können oder dass die Zellen nicht überlebensfähig sind. Das White-Gen verursacht damit vereinfacht gesagt ein Absterben der sich noch teilenden pigmentbildenden Zellen.
Die Augenfarbe von weißen Katzen kann blau, grün, gelb oder auch odd-eyed (zweifarbig) sein. Zur Taubheit von weißen Katzen schreibe ich nochmal später extra etwas.



Kater Lesharo von Sinthari von Traeumerle62 (Deutsch Langhaar), Epistatisch weiß


Damit können wir auch gleich zur Weißscheckung, oder auch Piebald-White-Spotting (S) übergehen.
Die Weißscheckung S ist ebenfalls dominant über Nicht-Weißscheckung s. Wobei man hier von sogenannter unvollständiger Dominanz spricht, da SS eine stärkere Weißscheckung bewirkt als Ss.
Denkt man an Katzen mit Weißscheckung, sind hier sehr viele Variationen möglich, von weißen Pfötchen bis hin zu Van-Färbung (nur noch der Schwanz und obere Kopfteil pigmentiert). Hier sieht man unterschiedliche Stufen der Weißscheckung:


Quelle: http://nofretetes-katzen.de


Wenn die Melanoblasten nicht alle (oder alle nicht) überlebensfähig bzw. teilungsfähig sind, dann lässt sich damit auch erklären, wieso die Weißscheckung oft ein bestimmtes "Schema" hat (häufige Variante der Weißscheckung: weiße Pfötchen). Die noch unreifen pigmentbildenden Zellen entstehen beim Embryo etwa im Bereich der Wirbelsäule und beginnen sich auch von dort aus zu teilen. Dabei gibt es gewisse "Teilungspfade", an denen die Zellen langwandern, welche schon zu einem gewissen Grad variabel sind, aber doch recht festgelegt.

Die Körperstellen, die vom Pigment als letztes erreicht werden sind Pfoten, Brust und Bauch und daher auch als erstes von einem Mangel betroffen (siehe das vorherige Bild).


Katze Mila von Mogli&Mila in Black Mackerel Tabby White ist angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 2


Maine Coon Katze Ioannina von Ioannina in Black White ist angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 3


Kater Mauri von Mautelix in Black White ist angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 4


Black White Kater Jovan (rechts) und Black Mackerel Tabby White Kater Apollo (links) von Rayve, die Weißscheckung von Apollo ist ca. Stufe 6, die Weißscheckung von Jovan ca. Stufe 5


Black-Tabby-White Kater Karlo (Bild von echo), die Weißscheckung ist angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 7


Red-White Kater Peter (Bild von echo), die Weißscheckung ist angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 7-8


Katze Sissi von Kanoute in Black Tabby White, angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 7-8

Platzhalter
Kater Hopey von Jiu in Black White, angelehnt an das Übersichtsbild ca. Stufe 8-9


Immer wieder gibt es auch Katzen mit extrem wenig Weißscheckung:


Dragoncoons Frodo (Maine Coon) von Avari in der Farbe Black (White) mit nur zwei weißen Zehen


Allerdings gibt es hier auch Abweichungen. So gibt es z. B. Katzen mit wenig bis keiner Weißscheckung, die aber eine weiße Schwanzspitze haben.



Calabrone's Serenissima, Norwegische Waldkatze in Black Tortie / White mit geringem Weißanteil und trotzdem weißer Schwanzspitze


Calabrone's Casanova, Norwegische Waldkatze ohne Weißanteil und trotzdem mit weißer Schwanzspitze



Handschuhe (Gloves)

Die Handschuhe der Birma werden nicht durch die klassische Weißscheckung S verursacht, sondern durch ein eigenes Gen G. G bewirkt gloving, also Handschuhe und g bewirkt keine Handschuhe. Die Handschuhe der Birma vererben sich also unvollständig dominant und nur bei GG sind deutliche Handschuhe vorhanden.
Mit dem Gen wird nur bei der Heiligen Birma bewusst gezüchtet, bei der Snowshoe und Ragdoll ist es nicht vorhanden.



Katze Sansara (Sterchen) von Zitronenschale, Heilige Birma in Lilac Point mit weißen Handschuhen


Katze Sansara (Sternchen) von Zitronenschale, Heilige Birma in Lilac Point mit weißen Handschuhen


Der jetzt verfasste Text ist die gegenwärtige Lehrbuchmeinung:
Genort W mit W für epistatisches Weiß und w für nicht-weiß (dominant)
Genort S mit S für Weißscheckung und s für keine Scheckung (unvollständig dominant)
Genort G mit G für Handschuhe und g für keine Handschuhe (unvollständig dominant)


Es gibt jedoch abweichend dazu auch Vermutungen, dass es sich jeweils um den gleichen Genort W handelt und nur Abstufungen von W sind:
W^t = totales Weiß
w^h = viel Weiß (high white)
w^l = wenig Weiß (low white)
w^*= Wildtyp ohne Weiß

oder auch so bezeichnet:
W (dominantes/epistatisches Weiß), w^s ("normales", variables Scheckungsweiß), w^h (high-white/harlequin), w^g (gloves), w (non-white)



Quellen des Textes:
http://www.katzengenetik.com
Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken
Genetics of Pigmentation in Dogs and Cats Christopher B. Kaelin and Gregory S. Barsh (2013)

Geändert von dieMiffy (13.01.2018 um 16:03 Uhr)
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Alt 08.03.2015, 17:04   #4
dieMiffy
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Silber

Das Silber kommt durch den sogenannten Melanin-Inhibitor I. "Inhibit" heißt verhindern, somit bewirkt dieses Gen eine Verhinderung oder Verringerung von Farbeinlagerung im Haar. Diese unausgefüllten Bereiche des Haares zeigen eine silberweiße Optik und können unterschiedlich stark ausgedehnt sein. Das Inhibitorgen I ist dominant über i (nicht-silber).

Nun werden aber nicht alle Katzen einfach als "Silber" oder "Silver" bezeichnet, die diese Eigenschaft haben, sondern es gibt die Bezeichnungen Smoke, Silver Tabby, Silver Shaded und Silver Shell.

Smoke
Solidfarbene Katzen mit Silber bezeichnet man als Smoke. Eine Katze, die Black und Silber hat, bezeichnet man also als Black Smoke. Schematisch sehen die Katzenhaare durch das Silber so aus:


Quelle: eigene Zeichnung von dieMiffy

Man sieht also, dass der Haaransatz unpigmentiert ist. Die Intensität der Unpigmentierung kann variieren und hängt auch davon ab, ob Silber I reinerbig vorliegt. Wieviel davon unpigmentiert ist, wird in der Bezeichnung bei Solidkatzen nicht näher unterschieden.



Katze Saphira von Sinthari von Traeumerle62 (Deutsch Langhaar), eine recht helle Black Smoke Katze



Katze Lilith von Königscobra, eine recht dunkle Black Smoke Katze, hier sieht man die Stichelhaare an den Vorderbeinen


Der weiße Haaransatz ist bei Königscobra's Lilith deutlich sichbar


Weißer Haaransatz bei Norweger Kater Maks von Traeumerle62


Weißer Haaransatz bei Kater Sammy von Aragon & Co.


weißer Haaransatz bei einer Creme Smoke White Katze Jeanny von *mari*


Silver Tabby, Silver Shaded, Silver Shell
Weiterhin gibt es Silber natürlich auch bei Tabby-Katzen. Ein berühmtes Beispiel für die Tabby-Katzen mit Silber sind die typischen Whiskas-Katzen: BKH in Black Silver Classic Tabby. Diese haben weiterhin ihre Streifenmusterung an den Beinen, das Schmetterlingsmuster oder Räderzeichnung am Körper, die Musterung ist nur deutlich schwarz und der Untergrund silbrig hell. Es fehlen die Brauntöne der Black Tabby Katze. Es ist bei diesen Katzen noch mehr als 1/3 des Haares gefärbt.



Katze Blue von Hansson Palace von Steinhoefel, eine ASH (American Shorthair) in Black Silver Classic Tabby


Black Silver Classic Tabby bei einer Langhaarkatze: Maine Coon Kater Gunni of Canadian Summer (Bild von Rayve)


Wird das Silber intensiver, verschwimmt die Zeichnung immer mehr. Dies ist der Fall bei sogenannten Shaded- und Shell-Katzen. Der Unterschied zwischen "Shaded" und "Shell" besteht nur darin, dass bei Shaded noch ca. 1/3 des Haarschafts pigmentiert ist, bei Shell nur noch ca. 1/8 des Haarschafts, also wirklich nur noch die Haarspitze. Im Schema sehen die Haare so aus:


Quelle: eigene Zeichnung von dieMiffy


Wenn die Katze Black Silver Shell ist, gibt es dafür auch einen eigenen Begriff: Chinchilla. Eine typische Chinchilla bzw. Silver Shell Katze ist hier abgebildet. Man sieht wirklich nur noch die dunkel umrandeten Augen, sowie die dunkel umrandete Nase, ansonsten erscheint die Katze fast weiß mit einem "Hauch schwarz in den Haarspitzen".


Traditional Longhair in Chinchilla, Quelle: http://finesse.ad.co.za/performing-c...efinesseangelo

Bei Shaded ist noch deutlich mehr Farbe zu sehen.






Kater Eros von Eppendorf von Ayleen (Sternchen ), ein Burmilla in Black Silver Shaded


Die typischen grünen Augen der Silver Shaded und Shell Katzen:


Perser Kater Milow von Feenmond in Black Silver Shaded


Zwar bedeutet der Name Shaded ja explizit "Tabbykatze mit Silber", allerdings sind in den Rassen, wo die Silberzucht herkam (Perser) keine Streifen an den Beinen und dem Schwanz erwünscht in Verbindung mit Silber.
Deshalb ist man in dieser Silberzucht dazu übergegangen, als Tabbymuster ausschließlich reinerbig "Ticked Tabby" (kennt man von Abessiniern) zu verwenden. Die Abessinier haben durch das Ticked Tabby keine klare Musterung und wirken eher marmoriert, dadurch gibt es auch keine Streifen an Beinen und Schwanz. Mit anderen Tabby-Mustern ist Streifenfreiheit wesentlich schwerer bis gar nicht zu erreichen.

Neben der Intensitätsvariierung vom Silber ansich, nimmt man an, dass es ein zusätzliches Gen namens Wb = wide band gibt, was die Intensität des Silbers variiert. Das Gen weitet die hellen Bereiche der Agouti-Bänderung und drängt damit die Farbe in die Haarspitze (Chinchilla). Es ist nur bei Tabbykatzen wirksam, da nur die eine Bänderung der Haare aufweisen. Wb bedeutet, das wide band ist wirksam, wb bedeutet kein wide band. Demnach ist der Gencode folgendermaßen, wobei bei shaded und shell noch reinerbig Ticked Tabby dazu kommt:

silver tabby: Ii wbwb oder II wbwb
silver shaded: Ii Wbwb oder II Wbwb
silver shell: Ii WbWb oder II WbWb

Nach der wide band Theorie wird vermutet, dass I und Wb auf demselben Chromosom liegen und deshalb üblicherweise zusammen vererbt werden.

Beispiel:

Chinchilla (II WbWb) x ohne Silber (ii wbwb) = 100 % mischerbig shaded (Ii Wbwb)

Bei Shaded (Ii Wbwb) x ohne Silber (ii wbwb) muss man noch beachten, dass I und Wb in der Regel auf demselben Chromosom liegen und auch gemeinsam vererbt werden. Es sollten deshalb theoretisch aus dieser Verpaarung 50 % Silver shaded und 50 % normale Tabbys geboren werden.


Dies verhielt sich jedoch schon in den Anfängen der Perser-Silberzucht nicht immer so, was wiederum zu Golden führt.


Quellen des Textes:
http://www.katzengenetik.com/shaded-katzen/
Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken

Geändert von dieMiffy (28.08.2016 um 16:33 Uhr)
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Alt 12.03.2015, 16:39   #5
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Golden

Die Zucht der silbernen Perser besteht schon sehr lange, sie begann Ende des 19. Jahrhunderts. Schon ca. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden "komische" Tabbys geboren, die man anfangs auch "Brownies" nannte. Sie sahen nicht wirklich nach Black Tabbys aus, da sie einen apricotfarbenen bis kräftig rot-orangenen Farbton zeigten, neben dem schwarzen Muster.
Zielgerichtet gezüchtet wurden diese "Brownies" erst in den 70er Jahren, wo man sie dann "Golden" nannte bzw. entsprechend Golden Tabby, Golden Shaded und Golden Shell. Zu ihnen gehörten - wie bei den Silbernen - die grünen Augen.

Ziemlich schnell zeigten sich auch "Vererbungs-Regeln" bei den Goldenen:
- Sie entstanden regelmäßig aus der Verpaarung von zwei silbernen Katzen.
- Nie aber entstand eine Silberne aus der Verpaarung von zwei Goldenen.
- Niemals ist eine Katze gleichzeitig Golden und Silber.
- Und es entstanden immer nur Golden Tabbys, nie Non-Agouti-Katzen in Golden.

An dieser Stelle tritt wieder die wide band Theorie in Erscheinung, mit der man die Goldenen gut erklären konnte.

Wie schon beim Silber beschrieben, sitzen Wb (weitet die hellen Bänder aus) und I (Silber) auf dem gleichen Chromosom und werden auch normalerweise zusammen vererbt. Allerdings gibt es bei der Entstehung von Ei- und Samenzelle einen Vorgang namens "Crossing-over". Dabei wird ein Chromosom nicht korrekt geteilt, weil es z. B. mit einem anderen Chromosom überlagert liegt (siehe Abbildung). Dadurch wechselt ein Genabschnitt des blauen Chromosoms auf das rote Chromosom und umgekehrt.


Quelle: eigene Zeichnung von dieMiffy


Stellen wir uns nun vor, dies waren die Chromosomen einer Silver Shaded Katze (Ii Wbwb). Auf dem rechten Arm des blauen Chromosoms war IWb (Silber, wide band) gespeichert und auf dem linken Arm des roten Chromosoms war iwb (nicht-silber, kein wide band) gespeichert.
Nun haben die neuen, durch Crossing-over entstandenen Chromosomen die Information Iwb (Silber, kein wide band) und iWb (nicht-silber, wide band).
Nun, Iwb ist nicht außergewöhnlich, die Information trägt eine Silver Tabby Katze. Aber iWb ist neu, das bedeutet nämlich nicht-silber, aber mit wide band.
Trifft nun das iWb auf die Samenzelle einer nicht silbernen Katze iwb, ergibt sich daraus ii Wbwb: eine nicht-silberne Katze (in dem Fall Black Tabby), deren helle Bereiche durch das wide band geweitet werden. Das sind die Goldenen.

Hier gelten die gleichen "Maßstäbe" wie bei den Silbernen. Golden Shell hat nur noch eine dunkle Spitze (Tipping), der Rest des Haares ist hell und die Katze hat einen apricotfarbenen bis rötlichen Ton (auch je nach Rufismus)

Die Golden Shell hat einen warmen Aprikot-Ton, die Farbe kann variieren, je nach Rufismus-Grad:



BKH in Black Golden Shell, Quelle: http://www.katzengenetik.com/shaded-katzen/


Perserkatze Zoe vom Klippeneck in Black Golden Shell, Quelle:http://www.silverdance.de/Perser/silver-golden-d.htm


Bei der Golden Shaded ist ein größerer Bereich des Haares noch dunkel gefärbt, somit erscheint sie allgemein dunkler bzw. mit mehr Muster.





Katze Stella von Menki, Perser in Golden Shaded


Die Golden Tabbys sind nochmal einen Tick dunkler.

Alle sind aber jeweils - entsprechend dem Erbe der Silbernen - Ticked Tabby.



Kater Cosimo von Menki, Perser in Golden Tabby



Kater Iggy (Itchy vom Stolpener Berg) von GamerCat (Britisch Langhaar) in Black Golden Ticked Tabby



Farbunterschied zwischen Golden Shaded und Golden Tabby: links Stella von Menki, eine Perser in Golden Shaded, rechts Cosimo von Menki, ein Perser in Golden Tabby


Aus diesen Ausführungen erklären sich auch die anfangs beobachteten "Vererbungsregeln":
Es können nur Tabby-Katzen Golden sein, da ja das wide band nur weiten kann, wenn das Haar auch Bänderung aufweist.
Ebenfalls sieht man, dass niemals Gold ii und Silber Ii bzw. II gleichzeitig an einer Katze sein kann. Entweder die Katze ist Silber, oder wenn ii ist sie Black Tabby (wenn kein wide band) oder eben Black Golden Shaded oder Shell, wenn wide band vorhanden.
Weiterhin sieht man auch, dass aus zwei Goldenen Katzen niemals Silberne entstehen können:

Golden ii Wbwb x Golden ii Wbwb = 75 % Golden (ii Wbwb bzw. ii WbWb) und 25 % Black Tabby (ii wbwb).


Auch wenn diese ganzen Ausführungen nun sehr schlüssig klangen (oder auch nicht ), so ist beim Golden noch nicht alles geklärt
Zum Einen weiß man nicht, ob es sich beim wide band um ein Gen, oder um Gengruppen (sogenannte Polygene) handelt. Polygene bedeutet, mehrere Gene bestimmen ein Merkmal oder die Intensität des Merkmals.

Weiterhin sind jetzt auch in anderen Rassen Goldene Katzen aufgetaucht (Sibirier). Die Sibirier haben mit den Persern keine große Verwandschaft (im Gegensatz zu den Briten). Deshalb zweifelte man, ob es wirklich Golden ist, oder nicht eher Amber. Soweit ich weiß, ist man hier noch nicht sicher, was es nun genau ist (gegen Amber spricht, dass es sich nicht rezessiv vererbt).
Beispiel goldene Sibirier:
http://www.vondergoldenensima.ch/startframe.html

Und doch scheint dieses Golden zumindest nicht den Regeln des "Perser"-Golden zu folgen, da es hier sogenannte "Bi-metallic"-Katzen gibt, die (scheinbar?) Silber und Gold haben:
http://www.jerofej.de/strato-englisc...hlaege9eng.htm


Quellen des Textes:
http://www.katzengenetik.com/golden/
http://messybeast.com/chinchillas.htm
http://www.silverdance.de/Perser/silver-golden-d.htm
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Geändert von dieMiffy (15.01.2018 um 21:11 Uhr)
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Alt 18.03.2015, 17:48   #6
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Tortie - ein Alleinstellungsmerkmal der Damenwelt?

Im ersten Beitrag hieß es "Außerdem ist das Rot-Gen geschlechtsgebunden, sitzt also am X-Chromosom. Kater haben davon nur eines und können deshalb nur entweder ganz rot sein oder gar nicht rot. Katzen haben zwei X-Chromosomen und können somit die Info für "Rot" und "Nicht-Rot" zugleich haben, das sind dann Torties und Torbies." Das bedeutet eine weibliche Katze hat die Geschlechts-Chromosomen XX, ein Kater hat XY.

Demnach gibt es in der Theorie keine Tortie-Kater. Und praktisch? In Wirklichkeit kann es sie doch geben, die Tortie-Kater und wir haben sogar einen im Forum (siehe Bild).

Wie aber kommen sie nun zustande, die Tortie-Kater?
Es gibt 2 Möglichkeiten (anders gesagt: ich kenne 2 Möglichkeiten, ich weiß nicht, ob es noch mehr Möglichkeiten gibt):

Es gibt zum Einen das sogenannte Klinefelter-Syndrom: Dabei hat der Kater statt XY ein X mehr und damit XXY. Dann kann er Tortie sein. Das Klinefelter-Syndrom gibt es auch beim Menschen und die betroffenen Männer sind zeugungsunfähig. Dies vermutete man bei Katern ebenfalls. Allerdings gab es durchaus Tortie-Kater mit Klinefelter-Syndrom, die zeugungsfähig waren, z. B. "Dar-es Salaam's Varsha" (Heilige Birma):
http://www.vtsite.nl/dar-es-salaam/extra_pag.php

Ebenfalls können Tortie-Kater sogenannte Chimären sein. Dabei ist das entstehende Tier aus mindestens zwei Embryonen (bzw. Zellen / Gewebe) zusammengesetzt. Falls Zellen aus unterschiedlichen befruchteten Eizellen früh genug zusammengebracht werden, so wachsen sie zu einem Organismus zusammen.






Calabrone's Topolino, Norwegischer Waldkater in Black-Tortie (siehe Pfote rechts), er ist - aufgrund der lokal begrenzten schwarzen Farbe - wahrscheinlich eine Chimäre


Interessanterweise vererben ein Großteil der Tortie-Kater nur Schwarz oder Rot, selten beide Farben, wie es bei Tortie-Katzen der Fall ist.


Quellen des Textes:
http://www.birma.ch/tortiekater.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Chim%C3%A4re_%28Genetik%29

Geändert von dieMiffy (21.04.2015 um 15:51 Uhr)
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Alt 19.03.2015, 09:36   #7
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Rufismus

Rufismus kommt von "rufus" = rötlichbraun, rothaarig, hat in dem Fall aber nicht direkt etwas mit der roten Farbe bei Katzen zu tun.
Rufismus wird nicht von einem Gen verursacht, sondern von mehreren, sogenannten Polygenen. Diese Rufusgene bewirken keine Farbe im eigentlichen Sinn, sondern ändern die Grundfarbe ab.
Die Rufusgene sorgen für einen warmen Grundton bei der Ursprungsfarbe, das sieht man oft bei Black Tabby Katzen, die ein besonders "warmen" Braunton haben. Weiterhin kann es sich auch als einzelne rötlichbraune Flecken zeigen, z. B. bei Silberkatzen.
Je nach Rasse und Farbe ist Rufismus sehr erwünscht bis absolut unerwünscht (Farbfehler). Als Farbfehler gilt Rufismus bei silbernen Katzen, da diese ja, wie oben z. B. die gezeigte American Shorthair von Steinhoefel, eine kühle Farbe haben sollen, sprich schwarze Zeichnung auf silbrig-weißem Untergrund.
Sehr erwünscht dagegen ist Rufismus bei roten und goldenen Katzen. Die rote Farbe wird dadurch sehr intensiv, dunkel und satt rot, das Golden wird durch Rufismus auch intensiviert.
Die bekannste Rasse, die auf intensiven Rufismus gezüchtet wurde, sind jedoch die Abessinier. Die wildfarbenen (Ruddy bzw. Black Ticked Tabby) Abessinier sind ja im Prinzip Black Tabby-Katzen, man sieht jedoch am folgenden Bild, wie intensiv rötlich ihr Fell erscheint.


Abessinierkater wildfarben (Gr. Int. Ch. Valentino Des Entrechats of Segenas), Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Abessinierkatze


Beispiele für Rufismus bei silbernen Katzen sieht man hier:


Maine Coon Kater Guns 'n Roses of Canadian Summer "Gunni", ein Black Silver Classic Tabby Kater mit Rufismus am Schnäuzchen


Der Wurfbruder des o. g. Katers zeigt auch Rufismus: Black Silver Classic Tabby Kater Galaxis Star of Canadian Summer "Lexi"

Als Kitten zeigten sie noch weniger Rufismus, da sich dieser erst entwickelt:


Kater Gunni als Kitten mit leichtem Rufismus


Kater Lexi als Kitten mit sehr sauberen Silber


Ein einzelner Rufismus-Fleck (mittig) bei Maine Coon Kater Amaergins Sherlock (Black Silver Mackerel Tabby White) von Aragon & Co.


An dieser Norwegischen Waldkatze hier sieht man den Rufismus als bräunlich-cremefarbene Flecken am ganzen Körper recht gleichmäßig verteilt (zum vergrößern des Bildes diesen Link anklicken: http://up.picr.de/21603115sy.jpg):


Norwegische Waldkatze Izzy (Sternchen) von Samtbällchen in Black Silver Classic Tabby



Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rufismus
http://www.sibicats.de/genetik.htm
Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken

Geändert von dieMiffy (28.08.2016 um 16:36 Uhr)
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Alt 19.03.2015, 09:37   #8
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Taubheit bei weißen Katzen

Die Gefahr, dass weiße Katzen taub sein können, und besonders wenn sie noch blaue Augen haben, hat fast jeder schon gehört. Warum aber ist das so?

Vorweg, die blauen Augen ansich sind nicht das Problem, sie sind vielmehr ein Indiz

Dieser Link hier gibt Aufschluss über die Gefahren der Weißzucht und enthält auch ein paar Zahlen zur Wahrscheinlichkeit:
http://www.weisszucht.de/pdf/weiss1.pdf

Ich hab die Zahlen aus dem Link mal kopiert:
Die beziehen sich natürlich alle auf weiße Katzen

25% mit orangen Augen haben normales Gehör
31% mit blauen Augen haben normales Gehör
7% mit orangen Augen sind taub
37% mit blauen Augen sind taub

60-70% der weissen Katzen haben blaue Augen
40-50% der weissen Katzen sind taub
49% der tauben weissen Katzen haben orange Augen
51% der tauben weissen Katzen haben blaue Augen

Ein ebenfalls guter Link dazu ist dieser hier, ab Seite 39 stehen da auch Zahlen.

http://www.bmel.de/cae/servlet/conte.../Qualzucht.pdf

Hier sind folgende Zahlen genannt (Zitat von Seite 41):

Nach BERGHSMA u. BROWN (1971) sind ca. 43 % der WW-Katzen und ca. 27 % der Ww-Katzen taub. Auch ca. 7 % der gelbäugigen Tiere sind betroffen (BERGSMA u. BROWN, 1971; DELACK, 1984). Über die Türkische Angorakatze (weiß) wird berichtet, dass in bestimmten Po-pulationen bis zu 95 % der Tiere schwerhörig bzw. taub sind (GUTTENGEBER, 1995). Bei der Foreign White muss ebenfalls mit dem Auftreten von Taubheit gerechnet werden (KELLER, 1997; ROBINSON, 1991).


Man sieht also, die Zahlen aus beiden Quellen ähneln sich.


Jetzt aber zum eigentlichen Thema, warum weiße Katzen taub sein können.

Warum und wie eine Katze weiß sein kann, habe ich oben im Beitrag erläutert. Zusammengefasst liegt es am Gen W, dem epistatischem Weiß. Das White-Gen verursacht vereinfacht gesagt ein Absterben der sich noch teilenden pigmentbildenden Zellen, dadurch wird kein Farbstoff ins Haar eingelagert.

Und wenn dieses Absterben auch die Zellen im Innenohr betrifft, dann ist die Katze taub. Das wiederum liegt daran, dass weiße Haare weicher sind als farbige Haare, weil in ihnen eben kein Farbstoff eingelagert ist. Die Haare im Innenohr brauchen aber eine gewisse Festigkeit und Stabilität beim Übertragen der Schallwellen, damit das Tier hören kann. Das ist durch die Weichheit bei fehlendem Pigment nicht gegeben.

So, was hat nun die Augenfarbe mit dem Ganzen zu tun?
Blaue Augen sind im Gegensatz zu grünen oder gelben Augen auch vom einem Pigmentmangel betroffen bzw. verursacht, deshalb erscheinen sie Blau. Demnach sind blaue Augen sozusagen ein „Indiz oder Hinweis“ dafür, dass besonders starker Pigmentmangel bei der Katze herrscht. Das wiederum kann man dadurch annehmen, weil die pigmentbildenden Zellen zuerst an die wichtigen Orte wandern, nämlich die Sinnesorgane. Und wenn also keine pigmentbildenden Zellen an dem Sinnesorgan Auge angekommen sind, ist es eben sehr wahrscheinlich, dass im Sinnesorgan Ohr auch keine angekommen sind. Daher resultiert das hohe Risiko der Taubheit von blauäugigen weißen Katzen im Gegensatz zu denen mit grünen oder gelben Augen. Wobei ja auch hier die Zahlen oben zeigen, dass auch bei grünen oder gelben Augen Taubheit vorkommen kann, in diesem Fall sind dann bspw. noch pigmentbildende Zellen im Auge angekommen, aber nicht mehr im Ohr.


Daraus folgen auch die Auflagen für die Zucht weißer Katzen: Eine weiße Katze darf nur mit einer vollfarbenen Katze verpaart werden. Vollfarben bedeutet in dem Fall, eine Katze ohne Weißscheckung. Denn auch Weißscheckung ist eine Form des Leuzismus und kann die Gefahr tauber Nachkommen erhöhen.
Unerlässlich ist der Nachweis über die Hörfähigkeit der Tiere mittels Audiometrie-Test: BEAR-Test.


Die Foreign White


Da weiße Katzen mit blauen Augen, wie oben erwähnt, oft unter Taubheit und Sehstörungen leiden, wurde ein Weg gesucht, weiße Katzen mit blauen Augen ohne diese Probleme zu züchten. Die Idee war, die blauen Augen der Siamkatze auf eine weiße Katze mit grünen Augen zu übertragen. Diese Augenfarbe wird nach der englischen Katzenzüchterin Patricia Turner Turner-Blau genannt.
Die blauen Augen der Siamkatzen unterscheiden sich in zweifacher Hinsicht von den blauen Augen der weißen Katzen, die ihre Augenfarbe vom W-Gen haben: Zum Einen ist das Siamblau ein dunkleres, tiefes, intensives Blau, während das Blau, dass vom W-Gen verursacht ist, oft eher hellblau oder wasserblau ist (siehe folgendes Bild). Zum Anderen besitzen Katzen, die ihre blauen Augen durch den Pointfaktor haben das sogenannte Tapetum Lucidum, während es bei Katzen, die ihre blauen Augen durch das W-Gen haben fehlt. Das Tapetum Lucidum spielt für das Sehvermögen bzw. genauer für eine gewisse Lichtempfindlichkeit und Sehschärfe (vorallem bei Dämmerung) eine wichtige Rolle.
Demnach war es natürlich von Anfang an ein Ziel, nur Katzen mit blauen Augen mit Tapetum Lucidum zu züchten (Kontrolle mit Augenspiegel).


Die typisch tiefblauen Augen einer Siamkatze (Turner-Blau) bei Katze Oralee Concorde von nicker in Chocolate Ticked Tabby Point

Da erfahrungsgemäß die Katzen mit dunkler Pointfärbung, also Seal (= Black) Point die dunkelsten Augen haben, sollte vorwiegend mit ihnen gezüchtet werden. Ausgeschlossen sind Katzen mit roter Maske, Point-Katzen mit Weißscheckung sowieso, und auch verdünnte Farben als auch Tabby-Point werden nicht gerne genommen. Überwiegend wird mit Seal und Chocolate Point gezüchtet.

Das englische Zuchtziel hatte verschiedene Gruppen und Stufen:

Gruppe I (höchste Stufe) AugenfarbeTurner blau
- Klasse 1 Zuchtrein für Weiß und Sealpoint mit ,,Turner'' blauen Augen
- Klasse 2 Weiß mit Turner blauen Augen Zuchtrein für Sealpoint
- Klasse 3 Weiß mitTurner blauen Augen Sealpoint Erbanlage

Gruppe II Sealpoint Erbanlage
- Klasse AAA :Zuchtrein für Weiß und Sealpoint
- Klasse AA :Weiß und Zuchtrein für Sealpoint
- Klasse A :Weiß mit Sealpoint Erbanlage

Gruppe III Orange / Rot Faktoren nicht vorhanden
- Klasse AB :Reines Weiß. Frei von orange/rot

Gruppe IV
- Klasse C :Weiß. Fehlen von orange/rot Faktoren werden nicht gezeigt


Das Zuchtziel, reinerbig auf Black, reinerbig auf Point und mit Turner-blauen Augen und zu anfangs auch reinerbig auf Weiß, ist bis heute nicht erreicht und es ist fraglich, ob es noch erreicht wird.
Auch unter Foreign White kann Taubheit auftreten bzw. tritt sie auf. Leider kann man nicht steuern, ob bei einer Verpaarung einer Siamkatze mit einer weißen Katze die Augenfarbe der Nachkommen durch den Pointfaktor überdeckt wird oder nicht.

Es gab sogar mal eine Untersuchung an Foreign White Katzen, bei der sich rausstellte, dass nur 30 % das Tapetum Lucidum beidseitig besaßen:

"Eine ophtalmologische Untersuchung an 39 Foreign Whites hat ergeben, dass nur 30 % die Turner-blaue Augenstruktur hatte. (M. Raadsveld, Het Syndroom Van Waardenburg Bij De Foreign White Kat, 1977, Faculteit de Diergeneesekunde, Utrecht):

24 Foreign Whites hatten beiderseits kein Tapetum lucidum
6 Foreign Whites hatten das Tapetum lucidum einseitig, F.W. odd-eyed,
9 Foreign Whites hatten das Tapetum lucidum in beiden Augen."


Es gibt aktuell also kein Zuchtverfahren, welches das Risiko von Taubheit bei weißen Katzen auf das Risiko der Nicht-weißen Katzen reduziert!



Foreign White, Quelle: http://www.taiyoukai.de/rasse_2.html






Püppi von Regine, aufgrund ihrer tiefblauen Augen sicher eine Foreign White, das heißt, die blaue Augenfarbe kommt vom Pointfaktor


Püppi von Regine neben einem Seal Point Siam, beide haben die gleiche tiefblaue Augenfarbe


Quellen:
http://www.weisszucht.de/pdf/weiss1.pdf
http://www.bmel.de/cae/servlet/conte.../Qualzucht.pdf
Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken
http://www.weisszucht.de/index1.htm
http://www.weisszucht.de/pdf/foreign_white.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Foreign_White

Geändert von dieMiffy (19.09.2016 um 19:41 Uhr)
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Alt 19.03.2015, 09:38   #9
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Die Besonderheiten der Bengalen: Rosetted- und Marbled-Musterung und Charcoal


Bevor man die speziellen Tabbymuster der Bengalen, Marbled und Rosetted Tabby, genauer betrachten kann, braucht man ein paar Grundlagen zu den üblichen vier Mustern der Katze.

Es gibt Classic oder Blotched Tabby (gestromt),
Mackerel Tabby (getigert),
Ticked Tabby (getickt),
Spotted Tabby (getupft).

Classic Tabby weist relativ dicke Streifen auf und das Rädermuster an der Seite, auch oft als „Bull‘s Eye“ bezeichnet.
Mackerel Tabby ist mit dem deutschen Begriff „getigert“ gut beschrieben. Die dünnen Streifen laufen vertikal am Körper runter und können auch teilweise unterbrochen sein.
Spotted Tabby, zu deutsch gepunktet, ist bezeichnend für alle Spots, Kringel und Punkte verschiedener Größe. Es können kleine Punkte sein oder eher größere Flecken. Auch können Spotted Tabby Katzen noch teilweise Streifen aufweisen, z. B. an den Beinen.
Ticked Tabby, übersetzt mit getickt, beschreibt die Wildform des Tabby. Da alle Haare mehrfach gebändert sind, hebt sich das Muster quasi auf und die Katze wirkt marmoriert. Ticked Tabby kann man sehr gut an Abessiniern anschauen. Liegt das Ticked Tabby nicht reinerbig vor, können auch noch teilweise Streifen vorhanden sein, besonders am Schwanz und den Beinen.

Classic Tabby:


BKH-Kater Karasek von Vandeeik in Black Golden Classic Tabby


Katzen Trielo und Naris von tiedsche in Black Classic Tabby


Katze Pahaska (Sterchen) von Husky92 in Black Classic Tabby


Mackerel Tabby:


Kater Hanejo von saga in Black Mackerel Tabby



BKH Katze Daisy Boo von Deichkind&7 in Black Mackerel Tabby


Kater Octavio von cordophone in Black Mackerel Tabby White


Türkisch Angora Kater Never Stopped (Nevel) von susagu in Black Mackerel Tabby


Ticked Tabby:


Somali Kater Limbo von Bernstein von Ayleen in Black Ticked Tabby (= Ruddy)


Ticked Tabby bei einer Pointkatze: Oralee Concorde ("Pfötchen") von nicker in Chocolate Ticked Tabby Point


Vorne: Katze Hoppskopp von Menki in Black Ticked Tabby


Katze Amonet von Amonet in Black Ticked Tabby


Katze Momo von Sandowa in Seal Ticked Torbie Point


Spotted Tabby:


Katze Tigris (vorne) von saga in Black Spotted Tabby


Katze Cookie von Kajci in Black Spotted Tabby White


Katze Sira von Amonet in Black Spotted Tabby


Nach Heather Lorimer sind die verschiedenen Tabbygene an unterschiedlichen Genorten zu finden:
- am 1. Genort ist das Ticked Tabby
- am 2. Genort ist das Blotched und Mackerel Tabby
- am 3. Genort befinden sich modifizierende Gene für Spotted Tabby

Ticked Tabby ist epistatisch (= überdeckend) über Mackerel und Blotched (= Classic) Tabby. Mackerel Tabby ist dominant über Blotched Tabby.
Von den modifizierenden Genen gibt es zwei Gruppen: Die erste Gruppe modifiziert Blotched und Mackerel Tabby. Es bricht die Streifen von Mackerel zu kurzen Riegeln oder Spots auf. Bei der Modifikation von Blotched ergeben sich größere, runde Spots. Dieses modifizierende Gen, welches die Spots erzeugt, ist dominant.
Die zweite Gruppe modifiziert sich selbst, es kommt dadurch zu einer größeren Deutlichkeit in der Ausbildung der Spots. Es werden z. B. rundere, deutlichere Spots in zufälligen Mustern gebildet.
Spotted Tabby überdeckt Mackerel und Classic Tabby, ist aber rezessiv gegenüber Ticked Tabby.

Wer es genetisch genauer wissen will:


Höchstwahrscheinlich gibt es aufgrund der Vielzahl der Streifen- und Tupfenvariationen noch weitere modifizierende Gene.

Verschieden große Tupfen:


Ägyptisch Mau Katze Minki von giovi in Black Silver Spotted Tabby, kleine Spots


Katze Olga von Rickie in Black Silver Spotted Tabby, kleine Spots


Katze Jessie von ninabella in Black Spotted Tabby, mittelgroße Spots


Kater Fritz von Tiffy 06 in Black Spotted Tabby, mittelgroße Spots


Kater Pepi von dieMiffy in Red Spotted Tabby mit großen Spots


Marbled Tabby

Da die Bengalen Hybriden aus Hauskatzen und ALC sind, haben sie vermutlich weitere modifizierende Gene, welche von der ALC kommen. Das Marbled Muster der Bengalen basiert auf dem Muster des Classic Tabby. Im Gegensatz dazu soll aber vorallem das typische "Bulls Eye", der große seitliche Kreis, nicht sichtbar sein. Das Muster soll horizontal fließend sein und vorzugsweise aus 3 Farbtönen bestehen.

Bsp.:


Bengal Kater Finn von Jolinar in Black Marbled Tabby



Rosetted Tabby

Das Rosetted Tabby basiert auf dem Spotted Tabby, nur sind es hier nicht mehr einfarbige Punkte auf andersfarbigem Hintergrund, sondern es zeigen sich auch vorzugsweise 3 Farbtöne: heller, sandfarbiger Untergrund, schwarze Umrandung der Rosette, rötlich-braune "Füllung" der Rosette. Der Kontrast sollte so stark wie möglich sein.
Im Laufe der Zucht zeigten sich viele verschiedene Formen der Rosetten, z. B. "Arrowhead" (Pfeilspitzen-Form), "Paw-Print" (Pfotenabdruck-Form) und "Doughnut" (geschlossene Rosetten). All diese Rosettenformen sind aber "Spots" u damit Spotted Tabby.


Anmerkung:
Wie genau die Genetik hinter Marbled u Rosetted Tabby aussieht, konnte ich im Zuge der Recherchen nicht rausfinden, kann aber z. B. diesen Artikel hier empfehlen:
http://messybeast.com/spotted-cats.html

Bsp.:


Bengal Kater Maleko von Akina in Black Spotted (Rosetted) Tabby


Bengal Katze Phoeny von Jolinar in Black Spotted Tabby


Bengal Kater Arthur von Arthur in Black Rosetted Tabby, seine Rosetten haben in etwa die Form "Arrowhead"


Bengal Katze Seraphina von der Loreley von Aragon & Co. in Black Rosetted Tabby, Rosetten in "Paw-Print"-Form


Bengal Kater Aragon von der Loreley von Aragon & Co. in Black Rosetted Tabby, Rosetten in "Paw-Print" oder "Doughnut"


Charcoal

Eine weitere Besonderheit der Bengalkatzen ist Charcoal, was soviel wie "mit Kohlenstaub überzogen" bedeutet.
Um das Gen für Charcoal (von der ALC kommend) und dessen Vererbung zu verstehen, müssen wir uns den A-Locus (Agouti, Tabby) ansehen. An diesem Genort sind 2 Zustandsformen des Gens möglich: A und a. A bedeutet Agouti, d. h. die Katze zeigt ein Tabbymuster (welche Art Muster ist an einem anderen Genort festgelegt!), a bedeutet non-agouti, die Katze zeigt kein Tabbymuster, sondern ist Solid. A dominiert über a.
Demnach gibt es folgende Kombinationen:
AA = Katze zeigt Tabbymuster, Agouti
Aa = Katze zeigt Tabbymuster, Agouti
aa = Katze zeigt kein Tabbymuster, non-agouti

Von der ALC kommt nun aber noch eine mutierte Variante dieses Allels hinzu, bezeichnet als A1. Dies bewirkt in Kombination mit a einen dunklen "Überzug" über das Fell (breiter dunkler Rückenstreifen, wesentlich dunkleres Gesicht, dunklere Untergrundfarbe). Tritt A1 jedoch in Kombination mit A oder einem weiteren A1 auf, sind diese Katzen nur Charcoal-Träger und sehen nicht wie typische Charcoals aus. Das A1 scheint also nur über a zu dominieren.
Demnach gibt es folgende Kombinationen:
AA = Bengale mit Tabbymuster
Aa = Bengale mit Tabbymuster
aa = Bengale ohne Tabbymuster, bezeichnet als "Melanistic" (Black Solid)
A1A1 = Bengale mit Tabbymuster, Charcoal-Träger
A1A = Bengale mit Tabbymuster, Charcoal-Träger
A1a = Bengale mit Tabbymuster und Charcoal

Bsp.:


Bengal Kater Shiroi von Arthur in Seal Lynx Charcoal (Seal Tabby Point mit Charcoal-Überzug)


Quellen:
Buch "Das kleine 1x1 der Genetik" von Claudia Ricken
http://www.bengal-ac.de/farben_und_zeichnungen.htm
http://www.bengal-estel.de/home/beng...fellzeichnung/
http://www.bengalen-vom-weinberg.de/...l_genetik.html
http://messybeast.com/spotted-cats.html

Geändert von dieMiffy (24.02.2018 um 16:05 Uhr)
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Alt 22.12.2015, 22:37   #10
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Amber

Die Farbe Amber und ihre Verdünnung Light-Amber kommt nur bei den Norwegischen Waldkatzen (NFO – Norwegian Forest Cat) vor. Verursacht wird sie durch ein eigenes mutiertes Gen am Genort Extensionlocus, welches die Farbe Schwarz abändert, dem Black modifier Bm. Amber ist rezessiv, d. h. die Information muss von beiden Elternteilen kommen, damit die Katze phänotypisch Amber zeigt.

Das Besondere an der Farbe Amber ist die stetige Veränderung der Farbe. Kitten in Amber Tabby sehen bei Geburt wie Black Tabbys aus, Kitten in Light-Amber Tabby sehen bei Geburt wie Blue Tabbys aus. Im Laufe der Lebenswochen (ab ca. Woche 5) hellt sich die Farbe immer mehr auf bis Amber einen rötlich-gold-braunen Farbton aufweist und Light-Amber einen asch-creme-farbenen Ton. Rückstände der eigentlich ursprünglichen Farbe bleiben an den Pfotenballen (schiefergrau) bzw. dem Fell um die Ballen herum und oftmals an der Schwanzspitze.


links: Junger Norwegerkater Higgins von Ceridwen90 in Amber Tabby, man sieht noch den dunkel gefärbten Schwanz


Norwegerkater Higgins von Ceridwen90 erwachsen, deutlich heller


"Schmutzpfötchen" bei Norwegerkater Tom von Jade in Light-Amber Silver Classic Tabby


Dunkle Schwanzspitze bei Norwegerkatze Luna von Jade in Amber Classic Tabby


Nach anfänglicher Verwirrung in der Zucht wurden die bis dahin als „X-Farben“ bezeichneten Farben Amber (NFO nt) und in der verdünnten Version Light-Amber (NFO at) am 28.05.2004 auf der FIFè-Generalversammlung in Portugal anerkannt.

Die Entschlüsselung des Black modifier-Gens als eigenes Gen auf dem Extensionlocus gelang Marc Peterschmitt´s in seiner Doktorarbeit an der Universität von Lyon (2007 / 2008).


Geschichte der Farbe Amber

„komische“ Tabbies
Die Anerkennung der Norwegischen Waldkatze in der FIFé erfolgte 1976. Nach und nach wurden vorallem in den 80ern die Farbgruppen definiert (Agouti, Non-Agouti, mit Weiß, ohne Weiß etc.).
Die ersten Katzen in „komischen“ Farben wurden 1992 in Schweden im Zwinger vom S*Wildwood´s (Sylvia Erikers, Falun) geboren. Die Kate namens Wildwood´s Imer (Zuchtbuchnummer (S)SVERAK 87869 K) und Wildwood´s Iros (Zuchtbuchnummer (S)SVERAK 87868 K) zeigten ein rötliches Black Tabby bzw. ein cremiges Blue Tabby. Die Eltern waren Blue Spotted Tabby (NFO a 24) und Black Classic Tabby (NFO n 22). Man erklärte die Kitten mit einem extrem warmen Braunton und sie wurden als Black Classic Tabby (NFO n 22) und Blue Mackerel Tabby (NFO a 23) registriert. Im Alter von 16 Wochen wurde der Züchterin nahegelegt, den Black Tabby Kater in Golden Tabby (NFO ny 22) umzuschreiben.

Chocolate und Lilac
Als die beiden Kater ca. ein Jahr alt waren, war offensichtlich, dass sie weder Black Tabby, noch Golden Tabby, noch Blue Tabby waren. Daraufhin wurde beschlossen, die Kater als Chocolate und Lilac Tabby zu registrieren: S*Wildwood´s Imers bekam die Farbe in NFO c 24 geändert, während S*Wildwood´s Iros die Farbe NFO b 22 in seinen Stammbaum eingetragen bekam.
Im Laufe des Jahres 1992 und auch in den Jahren danach wurden weitere der „komischen“ Chocolate und Lilac Tabbies geboren, insgesamt wurden in Schweden innerhalb von sieben Jahren 30 Kätzchen in 21 verschiedenen Würfen in "Chocolate" und "Lilac" geboren (in Deutschland das erste Mal 1997).

Cinnamon und Fawn
Mitte der Neunziger gab es Einwände, dass doch einige Katzen eher wie Cinnamon und Fawn aussehen, statt wie Chocolate und Lilac. Auch auf einem Farbseminar am 08.02.1998 in Köping kam man zu diesem Schluss, da hier einige der Chocolate- und Lilac-farbenen Norweger anwesend waren und man sie direkt mit Chocolate- und Lilac-farbenen Tieren anderer Rassen vergleichen konnte. Die größte Ähnlichkeit hatte die Farbe mit den Cinnamon- und Fawn-Abessiniern (Sorrel).
Weitere Untersuchungen von Haarproben unter dem Mikroskop führten auch zum Ergebnis, diese Norweger müssen Cinnamon bzw. Fawn sein.

Die „X-Farben“
Auch in Deutschland gab es 1994 im Zwinger av Takeskog Kitten in einer ungewöhnlichen Farbe, z. B. Bedellin av Tageskog. Unter den gemeinsamen Vorfahren dieser beiden Würfe befanden sich die Katzen Kløfterhagen´s Babuschka und Niro´s Dunder. Kløfterhagen´s Babuschka geht in direkter Linie auf Pan´s Truls, den Stammvater aller Norwegischen Waldkatzen zurück.
Auch hier nahm man zunächst an, es handelt sich um Chocolate und Lilac, dann ausgehend von den o. g. Einwänden kam man auf Cinnamon und Fawn. Da alle 4 Farben bei der FIFè für die NFO nicht anerkannt sind, nannte man sie entsprechend dem EMS-Code die "X-Farben". Immer lauter wurden hier die Gerüchte, dass es heimliche Rasseeinkreuzungen gegeben haben muss, um Cinnamon und Fawn zu erzeugen. Vermutet wurden hier an erster Stelle Fremdeinkreuzungen mit Somalis. Schon allein deshalb blieb eine Anerkennung der X-Farben innerhalb der FIFè aus.

Testverpaarungen
Daraufhin wurde in Schweden eine Testverpaarung gemacht zwischen einem Somalikater in Fawn (S*Walkabout´s Gibson Hot; SOM p) und einer Norwegischen Waldkatze im sogenannten Cinnamon getupft (S*Kattbossenes Ludmilla, im Stammbaum noch geführt als NFO xb 24). Hätte die NFO wirklich Cinnamon als Farbe, würden hier nur Katzen in Cinnamon oder dessen Verdünnung Fawn herauskommen. Weiterhin müssten alle Kitten das Ticked Tabby des Somali-Vaters zeigen, da dies dominant ist.
Es fielen nur ein Schwarz geticktes und ein Blau geticktes Mädchen. Obwohl durch das Ticking der Kitten eigentlich klar war, dass der Somalikater der Vater war, wurde diese Verpaarung vielerorts stets angezweifelt.
Bei dieser Testverpaarung zeigte sich aber eindeutig, dass die Farbe der NFO nicht Cinnamon sein konnte.

In anderen Ländern zog man folgende Resultate aus dieser Testverpaarung: Man registrierte die Katzen mit X-Farben ab jetzt nicht mehr in Cinnamon oder Fawn sondern in Golden. Da Golden von der FIFè anerkannt war, konnte man somit Punkte und Titel erlangen. Diese Vorgehensweise war schon allein deshalb falsch, da die X-Farben bereits in Kombination mit Silber vorkamen und damit konnte es kein Golden sein (siehe Beitrag über Golden).

Daraufhin wurde vom Zuchtausschuss des 1. DEKZV e.V. eine Testverpaarung zwischen einem Heilige Birma-Kater in Chocolate Point (Orlando vom Dürrleberg, SBI-b) und einer Norwegischen Waldkatze in Cinnamon getupft (Kalahari v. Arlesbrunnen, NFO-xo-24) genehmigt. Es wurden nur Schwarz und Blau getigerte bzw. gestromte Kätzchen geboren.
Damit konnte auch hier wieder ausgeschlossen werden, dass es sich bei diesen X-Farben um Chocolate, Lilac, Cinnamon oder Fawn handelt.

Weiterhin wurde mit diesem Wurf mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, dass die X-Farben durch ein rezessiv getragenes Point-Allel (c^s) verursacht werden (dies war so oder so unwahrscheinlich, da sonst auch mal Norweger in Point hätten fallen müssen bei Verpaarung der X-Farben untereinander).

Damit stand fest, dass die NFO "Kalahari v. Arlesbrunnen" genetisch schwarz ist, also B- (der Strich bedeutet, man kennt das zweite Allel nicht, kann B, b oder b‘ sein).
Für genauere Untersuchungen des Zusammenspiels von Chocolate (b), Maskenfaktor (c^s) und dem Gen für die X-Farbe wurde eine weitere Testverpaarung durchgeführt.
Dazu wurden die Vollgeschwister aus dem o. g. Wurf miteinander verpaart: Orlandos`B. vom Arlesbrunnen, (männlich, XLH-n-22) und Orlandos`S. Tibeth vom Arlesbrunnen, (weiblich, XLH-n-22). Aus dieser Verpaarung fielen 5 Jungtiere: 2x männlich Schwarz gestromt (XLH-n-22), 1x männlich Seal Tabby Point + Weiß (XLH-n-09-33-64), 1x weiblich „Cinnamon“ gestromt + Weiß, 1x weiblich Chocolate-Weiß (XLH-b-09).

Aus dieser Verpaarung können nun folgende Schlüsse gezogen werden:
- Beide Elterntiere trugen das Chocolate-Allel (b) und das Allel für die X-Farbe parallel, was wieder bestätigt, dass es sich nicht um ein bekanntes Allel der B-Serie handeln kann
- Beide Elternteile trugen das Allel c^s
- 2 Kitten zeigten Weiß (Sporen), obwohl beide Elterntiere kein Weiß zeigten --> muss sich dabei um das „Birma-Weiß“, also „Gloves“ handeln

Weiterhin wurde noch eine dritte Testverpaarung durchgeführt, um abzuklären, ob es die X-Farben auch bei Non-Agouti gibt, da bereits einige Tiere existierten, bei denen man vermutete es sind Non-Agoutis in X-Farbe. Verpaart wurden Aragon aus Broetzingen, männlich, registriert als Schwarz-Silber getigert (diese Farbe ist es definitiv augenscheinlich beim erwachsenen Tier nicht), NFO-ns-23, und die Katze Cassandra av Lysøen, weiblich, Schwarz-Weiss, NFO-n-09.
Die Kitten aus dieser Verpaarung waren alle Non-Agouti: Schwarz, Schwarz-Weiß, Schwarz-Silber-Weiß. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Aragon aus Broetzingen Non-Agouti sein könnte.
Für die neuen Farben wurde also ein einfach rezessiver Erbgang angenommen.

Da die vorgenommenen Testverpaarungen zeigten, dass die X-Farbe nicht auf rezessive Allele der B-Reihe oder C-Reihe zurückzuführen ist, konnte auch die vormals befürchtete Fremdrasseeinkreuzung entkräftet werden, was schließlich 2004 zur Anerkennung der neuen Farben führte (Amber NFO nt und Light-Amber NFO at).

Der französische Tierarzt Marc Peterschmitt identifizierte 2007 / 2008 in seiner Doktorarbeit das Ambergen als eigenständiges Gen, entstanden durch eine Mutation, auf dem Extensionlocus (bei Hunden, Pferden und Menschen auch bekannt). Da das Gen die schwarze Farbe abändert, bekam es den Namen Black modifier Bm.

Quellen:
http://www.vombergwald.de/deutsch/amberkatzen.htm
http://www.vombergwald.de/deutsch/infoseite4.htm
http://www.pyxis-norweger.de/x-colours.html
http://magic-tigers.at/amberkatzen.html

Geändert von dieMiffy (05.06.2016 um 15:11 Uhr)
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