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Alt 04.12.2018, 14:15   #1
Sturmscar
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Sturmscar
 
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Unglücklich 3 Blinde Tierheimkatzen

Hallo

In unserem Tierheim haben wir 3 komplett blinde Jungkatzen. Sie sind dieses Jahr geboren, Maikätzchen. Mit 8 Wochen wurden sie plötzlich blind. Sie haben 3 Katzenklos nebeneinander an einer bestimmten Stelle stehen. Oftmals koten sie und lassen Urin allerdings auch außerhalb des Klos, so das oft der ganze Raum komplett Nass/verschmiert ist. Den Raum kennen sie auch schon mehrere Monate lang. Damals war es noch viel viel schlimmer, aber es gibt noch immer Wochen wo es sehr schlimm ist und dann mal wiederrum zwischendurch ein, zwei Tage wo alles gut/besser läuft.

Im Tierheim weis denk ich niemand mehr wie man da noch unterstützen kann, vielleicht habt ihr ja Tipps. Danke schön
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Alt 04.12.2018, 14:26   #2
Minki2004
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Minki2004
 
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Katzen trennen sehr gern Kot und Pipi. Also mehr Tois (1 mehr als Katzen) und dann an verschiedensten Stellen platzieren.... oft die Lösung des Problems. Auch etwas davonstehlen, damit die Privatsphäre gewährleistet werden kann
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Alt 04.12.2018, 14:47   #3
nicker
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nicker
 
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Wurden die Kleinen schon einmal neurologisch untersucht, also auch wo die Ursache der Blindheit liegen könnte?

Und waren/sind sie mit der Mama im TH bzw. wielange waren sie bei der Mama (sofern sie nicht allein gefunden wurden)?

Meine Überlegungen gehen in die folgende Richtung:
So eine plötzliche Blindheit, aber auch die anhaltende grundsätzliche Unsauberkeit könnten neurologische Ursachen haben, die vielleicht sogar zusammen hängen. Bezüglich neurologischer Defizite kommt mir zuerst die Ataxie in den Kopf (nicht die Behinderung als solche, sondern deren Ursache - Schäden im Kleinhirn, häufig während der Trächtigkeit erworben durch Katzenseuche bei der Mutter).

Das mag jetzt etwas weit hergeholt sein, aber wenn keine Verhaltensänderungen, eine Traumatisierung o. ä. (also äußere Ursachen) erkennbar sind, würde ich zuerst an etwas Neurologisches denken.

Vom Grundsatz her lernen junge Katzen das Thema Sauberkeit von der Mama, wobei aber das Bedürfnis, sich an einer festgelegten Stelle zu lösen, sicherlich angeboren ist bei Katzen. Also losgelöst vom Thema Markieren.
D. h., dass sicherlich auch Katzen, die völlig ohne Muttertier und Artgenossen aufgewachsen sind, lernen, wozu das Katzenklo da ist, und dieses dann auch zuverlässig benutzen.

Die TH-Mitarbeiter haben ja sicherlich auch versucht, was jeder Besi einer Handaufzucht tun würde: im Klo scharren, also vormachen. Genauso: etwas benutzte Streu in die Kiste füllen, damit der Geruch den Kleinen klar macht, wofür die Kiste gut ist. Sowas.

Blindheit allein bedeutet nicht, dass Katzen zwingend unsauber sein müssen bzw. dass die Unsauberkeit durch die Blindheit bedingt ist.
Mein Sternchen Nine z. B. benutzte das Klo sehr zuverlässig; sie wurde dann und wann unsauber, wenn sie eine Blasenentzündung hatte. Aber wenn eines der Klos an eine andere Stelle gestellt wurde, fand Nine sich trotzdem ruckzuck zurecht und benutzte das Klo dann an der neuen Stelle.

Im Fall der blinden Kitten würde ich mich daher als TS-Orga mit einer der Unikliniken in Deutschland (wenn die Kitten in Deutschland sind, sonst eben Uniklinik in dem betreffenden Land) in Verbindung setzen und dort anfragen, ob die neurologischen Spezialisten eine Idee haben, wo man da ansetzen könnte.

Sind die Kleinen inzwischen kastriert (sie sind ja jetzt schon ein gutes halbes Jahr alt), und leben sie immer noch isoliert als kleine Familie, oder sitzen sie mit anderen Kitten/mit erwachsenen Katzen in einer Stube?

Da wäre noch die Überlegung, ob eine Leitkatze den Kleinchen gut tun könnte. Also dass sie sich das Sauberwerden von einer nicht blinden Katze "abgucken". Daher auch meine Eingangsfrage: gab es jemals eine Katze, von der die Kleinen die Sauberkeitserziehung lernen konnten (also über das hinaus, was angeboren ist).

Normalerweise braucht eine blinde Katze keine Leitkatze. Aber hier und da mag es doch so sein, dass ein körperbehindertes Tier davon profitieren kann, dass ein gesundes Tier ihm die Möglichkeiten "vorturnt", die das behinderte Tier animieren, es selbst zu versuchen und dadurch seinen eigenen Radius zu erweitern.

Sofern biologische Ursachen für die Unsauberkeit nicht festgestellt werden können, sollte m. E. auch daran gedacht werden, dass Unsauberkeit sich perpetuieren kann, wenn niemand einschreitet.
Ich muss da an einen Filmbeitrag mit Birga Dexel denken, wo eine Wohnungskatze sehr lange Zeit unsauber war und praktisch das gesamte Bad als riesiges Klo betrachtete (und das dort untergebrachte Katzenklo konsequent ignorierte). Der Lösungsansatz ging dahin, mit entsprechenden wasserfesten Unterlagen und Streu erst einmal den Fußboden des gesamten Bades in ein Katzenklo zu verwandeln und diese Fläche dann langsam immer weiter zu verkleinern.
Es kamen noch weitere Faktoren wie die bevorzugte Art des Untergrunds mit dazu; dazu fallen mir aber leider die Einzelheiten nicht mehr ein.
Dexel setzte insofern, meiner Erinnerung nach, auf eine graduelle Verhaltensänderung, weg vom Fliesenboden des Badezimmers hin zur Katzenstreu und weg von der großen Fläche hin zum eigentlichen Klo (Schale).

Und bitte auch an Biodor usw. denken, also bei den Reinigungsmaßnahmen.

Für die drei Blindchen drücke ich die Daumen und hoffe, dass das TH die Probleme in den Griff bekommen kann!
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Alt 04.12.2018, 14:58   #4
Rickie
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puh, nicker, nach Deinem Beitrag bleibt einem nichts mehr zu schreiben übrig. Ganz schön allumfassend.

Woran die spontane Erblindung aller drei Katzenkinder lag, sollte wirklich untersucht werden.

Wir haben eine Kater, der war Streuner, kannte also kein Katzenklo, bis er erblindete, der war vom ersten Tag an bei uns zu Hause sauber. Einmal Klo zeigen, dann war alles OK. Blinde Katzen sind in der Regel so gar nicht hilflos oder orientierungslos, ganz im Gegenteil.
Wenn die 3 nichts Ansteckendes haben, wäre es hilfreich, sie zu sehenden Katzen zu gesellschaften, das ist eine sehr gute Orientierungshilfe.

Ansonsten hat nicker alles umfassender geschildert, als ich es jetzt könnte.
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Alt 04.12.2018, 15:08   #5
Sturmscar
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Japp, sie waren beim Tierarzt und auch bei einem Spezialisten für Augen. Sie haben auch Neurologische Probleme (das hab ich vergessen zu schreiben), voralledingen mit den hinterbeinen zu laufen.

Sie sind ins Tierheim gekommen mit der Mutter zusammen. Es waren 2 verschiedene Würfe, der eine Wurf waren 6 Kitten und die Mutterkatze war sehr dünn/abgemagert und konnte nach kurzer Zeit die kleinen nicht mehr versorgen. 4 sind insgesamt erlblindet, die anderen 2 von den 6 nicht.
3 von den 4 sind leider schon verstorben (sie hatten epileptische Anfälle gehabt, so heftige das sie erlöst werden mussten).

Bei dem anderen Wurf waren 2 Jungkatzen an der Blindheit (auch Neurologische Probleme mit den Hinterbeinen) erkrankt. (Diese damals insgesamt 6 mussten per Hand groß gezogen werden).
Die beiden Mutterkatzen kamen vom selben Ort.
"Woher" die Blindheit schlussendlich kommt, weis man nicht zu 100% ob sie das von der Mutter bekommen haben oder durch irgendwas anderes.

Die 3 sind schon kastriert ja und leben als 3er Gruppe komplett zusammen, ohne eine weitere Katze.

(Ich bin ja selber auch da im Tierheim tätig, Freitag, Samstag und Sonntag und sehe die drei oft).

Ein Herr hat sich viele Wochen um die kleinen gekümmert, um sie ans Klo zu gewöhnen, es lief dann auch hin und wieder einigermaßen gut, was man auch noch merkte, als die letzte der drei kastriert wurde (sprich nach der kastration auch in Quarantäne war), war der Raum deutlich sauberer und die zwei anderen nutzen viel mehr das Klo.

Eine andere Katze, eine gesunde dort mit rein zu setzten, werde ich die Chefs bestimmt nicht überzeugen können :/
(Habe gerade überlegt an Klickertraining, aber Leckerchen/Trockenfutter dürfen die 3 auch nicht haben, davon bekommen sie Durchfall :/ )
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Alt 04.12.2018, 15:23   #6
nicker
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Dass die Tierchen Probleme mit den Hinterbeinen haben, hört sich für mich sehr nach Ataxie an; bitte melde dich doch einmal im Ataxiekatzenforum an!
Dort kann man sicherlich genauer auf die Probleme der Kleinen eingehen, denn dort sind ausgewiesene Spezialisten für diese Art der neurologisch bedingten Erkrankungen vorhanden.

Einen potentiellen Auslöser für Ataxie ("Wackelchen") hatte ich ja schon genannt: dass sich die Kitten im Mutterleib mit Katzenseuche angesteckt haben. Aber wenn zwei unterschiedliche Würfe, aus derselben Gegend (habe ich das richtig gelesen?), betroffen sind, hört sich das für mich auch nach potentieller Inzucht und Erbkrankheit an.

Bei Ataxie kann wohl auch geistige Behinderung auftreten, meine ich im Ataxiekatzenforum einmal gelesen zu haben.



Der Hinweis, die Klos voneinander räumlich getrennt hinzustellen, finde ich sehr sinnvoll, denn Katzen neigen dazu, Klos, die direkt nebeneinander stehen, dann einfach als ein einziges Klo zu betrachten. Jedenfalls wenn es sich um offene Schalen handelt.


edit:
http://forum.ataxiekatzen.info/
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Alt 04.12.2018, 15:38   #7
Sturmscar
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Nicker kennst du dich ein bisschen mit Ataxi aus? Ist das eine schleichende Krankheit? Denn mal haben die kleinen echt gute Tage und vorletzte Woche Sonntag war die Korordination keineswegs gut, wie ich fand.

Ja, die Mutterkatzen kommen aus der selben Gegend(vom selbem Hof).
Ja, das mit der Inzucht könnte sein :/ wer weis wer der Kater war, von den Jungenkätzchen.
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Alt 04.12.2018, 17:39   #8
Ayleen
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Was ich z. B. dazu sagen kann: Ataxie ist keine Krankheit, sondern eine Behinderung. Oft ist die Ursache unklar. Es werden etwa Katzenschnupfen aber auch Misshandlungen als Ursache angenommen. Neurologische Untersuchen können ev. aufklären.

Die betroffenen Katzen selbst leiden jedoch nicht unter ihrem Handicap. Ja, sie sind in ihren Bewegungen eingeschränkt und können, wie Nicker bereits erwähnte, auch eine geistige Behinderung aufweisen.

Bei guter Pflege mit Koordinationsförderung und Bewegungstraining kann der körperliche Zustand gefördert werden.

Betr. Klo ist ein niederer Einstieg ideal. Weiteres dazu wurde ja bereits geschrieben.
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Alt 04.12.2018, 17:45   #9
nicker
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Leider kenne ich mich nur wenig mit Ataxie aus; daher hatte ich dir ja das Ataxieforum ans Herz gelegt.

Ataxie ist erstmal nur das Phänomen, also die Beeinträchtigung der Bewegungskoordination. Deswegen auch der liebevolle Begriff "Wackelchen" - weil viele Ataxiekatzen eben Probleme mit der Koordination der Beine (aber auch des Kopfes) haben. Aber die Ursachen der Ataxie können sehr unterschiedlich sein. Infektion im Mutterleib mit Katzenseuche ist halt eine denkbare Ursache. Die Ataxie ist im Regelfall eine neurologische Störung, und die Parvoviren (Katzenseuche) greifen wohl auch im Kleinhirn ein.

Welche weiteren Phänomene mit Ataxie verbunden sein können, ist schwer zu sagen und wohl auch sehr unterschiedlich. Das mit der potentiellen geistigen Behinderung hatte ich erwähnt, weil ich darüber gelesen hatte, dass (in einer Gruppe von Ataxisten bzw. auch anders behinderten Katzen) bei einer Frau so eine Ataxiekatze lebte, die augenscheinlich auch geistig behindert war. Also Verhalten, wie man es auch von dementen, steinalten Katzen kennt.

Über diese Zusammenhänge bzw. die Einzelheiten der Erscheinungsbilder bei Ataxie weiß ich leider nicht näher Bescheid. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass auch die Epilepsie, von der du schreibst, bei den Ataxiekitten mit zum Krankheitsbild gehört haben kann.
Ich werde mal versuchen, in meinem Lehrbuch über Katzenkrankheiten noch etwas über Ataxie etc. zu finden; das braucht aber noch einige Zeit. Ich melde mich dann.
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Alt 04.12.2018, 18:44   #10
Freewolf
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Am besten Klos mit flachem Einstieg nehmen und diese dann nicht direkt nebeneinander stellen, sondern im Raum verteilen.
Ggf auch mal mehr als nur drei Klos.
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Alt 05.12.2018, 07:17   #11
Rickie
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Wir hatten mal eine Katze mit Ataxie (Rickie), aber wie schon geschrieben, Ataxie ist nur ein Symptom, die Ursache liegt woanders.
Da die Kleinen ja schon so geboren wurden, ist es naheliegend, daß die Mutterkatzen während der Trächtigkeit einem Infekt ausgesetzt waren. Katzenseuche der trächtigen Mutterkatze, ohne, daß es bei ihr zwangsweise trotz Infizierung ausbrechen muß, führt oft zu Totgeburten oder Ataxie der Katzenkinder. Die Geh- und Koordinationsprobleme werden in der Regel eher schlimmer als besser mit fortschreitendem Alter.

Ich kann auch nur dazu raten, mehrere Kos aufzustellen, am besten Babyklos oder flache Schalen.
Den Kleinen wünsche ich alles Gute.
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Alt 05.12.2018, 10:48   #12
nicker
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Ich habe in meinem Lehrbuch über Infektionskrankheiten zum Thema Parvovirus (Katzenseuche, feline Panleukopenie) etwas zum Thema Ataxie bei Kitten gefunden:

Zitat:
Eine Sonderform der felinen Parvovirus-Infektion stellt die feline Ataxie (zerebellare Ataxie) dar. Bei Infektionen trächtiger Kätzinnen werden meist die Feten infiziert. Intrauterine Infektion der Feten im ersten Drittel der Trächtigkeit kann zu fötalem Tod und Fruchtresorption oder Geburt mumifizierter Föten führen. Infektionen im mittleren Teil der Trächtigkeit haben Aborte zur Folge. Tritt die Infektion später in der Trächtigkeit auf, kommt es zur Geburt von lebenden Welpen mit unterschiedlichen Schädigungsgraden (auch innerhalb eines Wurfs) des sich spät entwickelnden neuralen Gewebes. Einige Welpen sind durch angeborene Resistenz oder erworbene maternale Antikörper nicht erkrankt, können das Virus aber für acht bis neun Wochen latent in sich tragen. Andere Welpen zeigen Schädigungen des zentralen Nervensystems (v. a. des Zerebellums), seltener des nervus opticus und/oder der Retina. Die Virusreplikation in den Purkinjezellen des fetalen Kleinhirns führt zur Kleinhirnhypoplasie und daraus resultierend zum Krankheitsbild der felinen Ataxie. Die Katzenwelpen zeigen nach der Geburt eine charakteristische Hypermetrie, Ataxie, Inkoordination und häufig Intentionstremor. Die Störungen fallen häufig erst zwei bis drei Wochen nach der Geburt auf, wenn die Kätzchen zu laufen beginnen, und treten in Ruhe meist nicht auf. Die Symptome bleiben bestehen, die Tiere können sie aber teilweise kompensieren und trotzdem heranwachsen. Bei Schädigung des Großhirns überwiegen Symptome wie Anfälle und Verhaltensänderungen bei weitgehend normalem Gang und Defiziten in den Haltungsreflexen. Eine Reduktion und Verformung der Zellschichten während der Entwicklung der Hirnhäute ist auch noch bei einer postnatalen Infektion bis zum Alter von neun Tagen möglich. Bei bis zu 30% der Welpen mit neurologischen Störungen und gelegentlich auch bei klinisch unauffälligen Welpen werden Schädigungen der Retina festgestellt. Die Zerstörung der Zellen der Retina führt zu einer Retinadysplasie ohne Verlust der Sehschärfe. Neben dem Nervengewebe sind häufig auch Lymphgewebe (v. a. Thymus) und Knochenmark bei Kätzchen mit feliner Ataxie infiziert und verändert.
Hartmann/Hein, Infektionskrankheiten der Katze, Hannover 2008, S. 90


Weiterhin kommt Ataxie als Symptom auch bei der Borna´schen Krankheit vor (Erreger: Borna-Disease-Virus, BDV):

Zitat:
Die klinischen Symptome variieren je nach Tierart von schweren, meist tödlichen ZNS-Veränderungen (Letalität beim Pferd bis 90%) über vorübergehende Störungen in Bewegung und Koordination oder abnormem Verhalten bis zu persistierenden, klinisch inapparenten Infektionen. Eine zunehmende Bedeutung hat die Borna´sche Krankheit bei Katzen in Nordeuropa. In Schweden gilt die Borna´sche Krankheit mittlerweile als am häufigsten diagsnostizierte entzündliche ZNS-Erkrankung bei Katzen.
Zitat:
Ein neurologische Syndrom bei der Katze, das durch Verhaltensänderung, unsicheren Gang, progressive Ataxie und Parese gekennzeichnet ist, wurde früher als staggering disease bezeichnet. Die Ätiologie war lange Zeit ungeklärt. Inzwischen ist nachgewiesen, dass diese Katzen hohe Antikörperkonzentrationen gegen Borna-Viren haben, so dass eine Infektion mit BDV als Ursache vermutet wird und die Krankheit heute als Borna-disease-like-menigoencephalomyelitis oder feline Borna-disease (FBD) bezeichnet wird.
Beide Zitate: Hartmann/Hein a. a. O., S. 119

FBD kommt aber augenscheinlich vor allem bei adulten Tieren vor, so dass bei den blinden Kätzchen eher eine Parvoinfektion im Mutterleib wahrscheinlich erscheint.

FBD kann mittels eines PCR post mortem positiv festgestellt werden; ELISA-Testverfahren beim lebenden Tier sind teilweise falsch negativ (so dass das Tier dennoch infiziert sein könnte). Eine Therapie gibt es lt. Hartmann/Hein nicht. Bei der Erkrankung besteht eine gesetzliche Meldepflicht (am verbreitetsten wohl bei Schafen und Pferden).


Parvo dagegen ist schon lange bekannt, und es besteht eine sehr wirksame und verträgliche Impfung (Impfung gegen Katzenseuche; als Kombiimpfstoff mit Katzenschnupfen gängigste Impfung bei Katzen überhaupt).
Da das Parvovirus durch die Ausscheidungen der infizierten Katzen übertragen wird und sich sehr lange in der Umwelt hält, auch gegen Reinigungsmittel sehr resistent ist, ist gerade bei Tierpensionen und Tierheimen eine strikte Quarantäne und Hygiene notwendig, um den übrigen Katzenbestand zu schützen.

Bei Kraft/Dürr, Katzenkrankheiten (2003) sind die Ausführungen zu Parvo leider deutlich kürzer gehalten als bei Hartmann/Hein, bestätigen aber die Ausführungen von Hartmann/Hein. Weitere Verweise zum Stichwort "Ataxie" als zur Felinen Panleukopenie finden sich bei Kraft/Dürr nicht, so dass das Erscheinungsbild der Ataxie offenbar weit überwiegend bei einer Parvoinfektion der Katze eine Rolle spielt.


Ich gehe daher davon aus, dass sich die Kitten tatsächlich im Mutterleib infiziert haben und dass die Blindheit auf die von Hartmann/Hein beschriebene Schädigung des Sehnervs zurück geht. Die Epilepsie der anderen, inzwischen verstorbenen Kitten, könnte auf die von Hartmann/Hein beschriebene Schädigung des Großhirns zurückzuführen sein.

Wegen der Frage, ob die Unsauberkeit von Kot und Urin vielleicht mit der Ataxie zusammen hängen könnte, würde ich einen fachlich versierten Kleintierpraktiker, vorzugsweise einen Internisten (und am besten wirklich eine universitäte Kleintierklinik) kontaktieren.
Habt ihr das Ausscheidungsverhalten der Katzen beobachtet? Hocken sie sich ausdrücklich hin zum Koten und zum Urinieren, oder verlieren sie Kot bzw. Urin, wo sie gehen und stehen? Können sie also die entsprechenden Muskeln vollständig kontrollieren?


Was vielleicht noch eine denkbare Möglichkeit wäre in Hinblick auf die Alltagstauglichkeit und eine potentielle Vermittlung der Kitten:
Bei Katzen, die durch einen Unfall querschnittsgelähmt und dadurch permanent inkontinent sind, verwendet man teilweise Windeln, die die Katzen auch gut akzeptieren. Man kann ausdrücklich für kleine Hunde gedachte Windeln verwenden, oder sonst Babywindeln für neugeborene Menschenbabys, die "verkehrt herum" (Vorderseite der Windel mit den Verschlussstreifen auf den Rücken des Tieres; passend ein Kreuz als Loch für den Schwanz reinschneiden) angelegt werden.
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Alt 05.12.2018, 13:06   #13
Sturmscar
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Danke schön für die ganzen Kommentare und auch die Ausschnitte der Artikel <3

Ja, das sie sich im Mutterleib infiziert haben, glaube ich auch :/ denn die eine Mutterkatze mit den 4 blinden, war super abgemagert gewesen und konnte deswegen die ganzen Kitten auch nicht versorgen (und diese Mutterkatze ist auch Chronische Schnupferin fällt mir gerade ein! Daran habe ich gerade gar nicht mehr gedacht)

Wegen des Kotens/Urin lassen, ich hab sie schon sehr unterschiedlich beobachtet. Bisher hab ich sie immer hin hocken gesehen, im Katzenklo, aber auch außerhalb des Katzenklos.

Ich schreibe auch zurzeit mit ein paar anderen, die sich speziell um blinde Katzen kümmern und sie hatte mir da einiges geschrieben gehabt, was auch zu dieser Unsauberkeit führen könnte.

Einer der drei, hat auch angefangen sich vom Wesen zu verändern (so an sich typisch für einen Kater in seinem alter denke ich). Mir persönlich fällt es seit 2 Wochen sehr doll auf. Er ist angriffslustiger (ich nehme mal an er will ordentlich toben), er verteidigt sein Futter wie ein Hund der niemanden an sein Futter lassen will und er soll meine eine Kollegin in den arm gebissen haben, während sie die Katzenklos sauber gemacht hatte (dieses angriffslustige soll er laut der Chefin wohl auch schon länger haben, sagte sie mir am Sonntag).

Dann vorletzte Woche Freitag, als ich am Nachmittag die Klos sauber machte und aussiebte (sprich den Kot/Urin der im Katzenklo gelandet war), raus holte, drückte sich das Mädel war das glaub ich, flach auf den Boden und schlich durch den Raum (was vorher noch nicht so war).
Ich überlegte ob sie verschmerzen mit den Ohren haben könnte und dieses "gesiebe" ihr schmerzte, aber auf andere Geräusche reagierte die Katze normal. Dann war meine Vermutung, das als jemand sauber machte, die Katze ausversehen erschreckt haben könnte und die Katze das mit dem Klo sauber machen nun verbindet.

Aber es gibt jetzt noch eine Vermutung, von einer Person. Das vielleicht die drei sich untereinander stören wenn sie aufs Klo gehen, sprich eine Katze geht aufs Klo, scharrt dann da und eine andere der drei (vielleicht ja sogar der Kater), findet das als animation zu diesem Geräusch direkt hin zu rennen und zu attackieren (und vielleicht konnte er das, bei meiner Kollegin nicht unterscheiden, ob das eine andere Katze ist oder der Mensch und hat ihr somit in den Arm gebissen)

Ich werde am Freitag nachmittag auf alle Fälle besprechen, das ich da gerne noch 2 Klos mit Deckel rein haben möchte zum testen, ob die Katzen sich vielleicht so "sicherer" fühlen. Und die drei vielleicht auch einzelnd dort einmal rein setzten, bei dem Klo mit Deckel.

Was denkt ihr darüber? Katzen sind ja oft sensible und jede Katze reagiert anders als andere, in verschiedenen Situationen.
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Alt 06.12.2018, 08:11   #14
Rickie
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Zitat:
Zitat von Sturmscar Beitrag anzeigen
denn die eine Mutterkatze mit den 4 blinden, war super abgemagert gewesen und konnte deswegen die ganzen Kitten auch nicht versorgen (und diese Mutterkatze ist auch Chronische Schnupferin fällt mir gerade ein! Daran habe ich gerade gar nicht mehr gedacht)
Das kann natürlich die Behinderungen der Kleinen erklären.

Die meisten Katzen mögen ja keine geschlossenen Klos, weil sie dort die Situation dann nicht unter Kontrolle haben, aber bei den Blindchen kann das ja ganz anders sein. Versuch macht kluch; einfach mal ein Haubenklo anbieten.

Meinen Respekt vor Deinem Engagement; da hat Du ja gerade keine leichte Aufgabe.
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Alt 07.12.2018, 20:08   #15
Sturmscar
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Ich habe jetzt schonmal ein Klo mit Deckel durch bekommen, dort auf zu stellen, die Chefin fand es sogar als gute Idee .

Ich hab die drei auch nochmal gründlicher beobachtet gehabt.
Der Kater ist ein richtiger Raufbold, ich hab auch das Gefühl das er überhaupt nicht ausgepowert ist. Auf Geräusche reagiert er so gut, als würde er sehen (er wäre auch gerne auf meine Schuhe los gegangen, so zum raufen).
Beim fressen hab ich beobachtet gehabt, das er sein Futter mit sehr lauten knurren verteidigte, als er dann zu einem Napf der Mädels ging, versuchte er sie weg zu knurren, sie beeindruckte das aber nicht (das ist die taffere der beiden Mädels). Dann ging er auch wieder zu seinem Napf rüber.

Als ich dann die Klos sauber machte, merkte ich wie sich der Kater an mich anschlich und am liebsten mir dazwischen gehen wollte (so in Kauerstellung/anschleichen/dann rennen/toben).
Das Mädel was zurückhaltender ist, duckte sich wieder auf dem Boden und schlich etwas herum/weg von den Klos.

Ich bin gespannt, wie der Raum morgen aussehen wird, das Mädel (die taffere) hat sich schon auf den Deckel des Klos gesetzt (wo ich den Deckel oben rauf getan habe). Natürlich müssen die erstmal richtig realisieren, das da ein Klo mit Deckel ist, ich bin gespannt �� und danke für eure Hilfe ��

Meiner Meinung bräuchte dieser Kater auch einen Kater mit dem er so richtig raufen könnte (aber da kommen dann auch wieder die blindheit und die neurologischen Probleme zum vorscheinen)

Was dem neurologischen betrifft, ist mir auch aufgefallen, das der Kater die Zunge zur seite hällt, wenn er sein Maul öffnet, nicht außerhalb des Mauls, sondern im Maul ist die Zunge zur Seite gelegt (das ist mir heute das erste mal aufgefallen/habs das erste mal gesehen). Das zählt auch mit zu dem neurologischen Dingen.

Edite: In dem Ataxie Forum hab ich mich angemeldet, ich muss aber noch aktiviert werden
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Geändert von Sturmscar (07.12.2018 um 20:14 Uhr)
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