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Alt 17.10.2019, 08:37
  #16
Aristocats2017
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Aristocats2017
 
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Das ist ganz normaler puppy blues/puppy depression und vor allem bei Welpen ein Phänomen, aber kann auch bei anderen Jungtieren und erwachsenen Tieren auftreten.

Abgesehen von der hormonellen Veränderung, ist es der post-partum depression, die Mütter erleben, nicht unähnlich, nur wesentlich milder und kurzweiliger. Viele Auslöser hängen mit der ungewohnten Situation zusammen oder typischen Angewohnheiten eines Jungtieres und da diese schneller erwachsen werden, als Menschenkinder und man sich meist innert Wochen an das Zusammenleben gewöhnt, vergeht der puppy blues meist innert Wochen oder Monaten.

Aber die Gefühle sollen ernst genommen werden.

Mir ging es wie dir: Wir hatten in meiner Kindheit/Jugend Tiere, ich habe mich um zwei Pferde gekümmert, bin tier- und naturverbunden, so schwer konnte es ja nicht sein, eine Katze zu halten?

Tja, die ersten drei Nächte keinen Schlaf, weil ich immer Angst hatte, dass ein Unfall passiert, habe ich dann 5 Tage nach der Adoption heulend vor dem Sessel gesessen, fest überzeugt, dass ich es nicht schaffe, sie zurück ins Tierheim muss. Währenddessen döste sie zufrieden im besagten Sessel - sie war und ist eine unheimlich pflegeleichte, anhängliche Kätzin. Am Anfang gab es Unsauberkeitsvorfälle, aber die waren nicht der Auslöser, sondern einfach die Verantwortung, mich um ein Lebewesen zu kümmern.

Ich habe sie dann zwei Nächte wirklich aus dem Schlafzimmer gesperrt und Ohropax reingetan. Das hat enorm geholfen, auch wenn es weh tat. Seitdem können die Katzen rein und raus, schlafen neben mir - ich wache nicht auf.
Einen Artikel über puppy blues hat mir auch geholfen zu verstehen, was los war und als ich das akzeptiert habe, und uns einfach Zeit gegeben, waren die Gefühle nach ein oder zwei Wochen weg.

Dann kam Katze 2, weil von aussen auch der Druck da war, meine Kleine nicht als Einzelkätzin zu halten. Wir waren mitten in der Diagnostik zu felinem Asthma, sie fand den Neuzugang blöd, ich empfand sie zuerst auch als Eindringling, sie roch anders, sie störte die Gewohnheit.

Aber es ist ganz wichtig zu wissen, dass wir üblicherweise das von Tieren zurückbekommen, was wir ihnen geben. Liebe, Geduld, Respekt, Training tragen in der Regel Früchte. Nach 6 Monaten, in denen ich in die Beziehung zu Katze 2 investiert habe, spürte ich, wie es zurückkam. Und ein Jahr später war die harmonische und vertrauensvolle Beziehung zwischen den Katzen und mir mit ihnen fassbar, trotz schweren Krankheiten dazwischen.

Gib' wirklich Zeit, den Katzen und dir.
Seit 1 1/2 Wochen ist bei uns nun Katze 3 da, und sie ist ein schwerer Fall, da nicht voll zahm und ängstlich. Meine anderen sind absolute Anfängerkatzen. Und jetzt habe ich das Gefühl nicht mehr. Das kommt vielleicht bei einer anderen Katze wieder, aber es ist ok.

Viele Gründe beim puppy blues liegen in der Umstellung, die teilweise körperliche Auswirkungen haben:
- fehlender Schlaf, weil man dauernd horcht, was die Katzen machen oder die sogar den Schlaf unterbrechen
- finanzielle Sorgen, weil man merkt, was noch alles dahintersteckt
- Tiere quengeln auch, wenn sie unzufrieden sind - es ist erwiesen, dass gerade Frauen darauf reagieren
- äussere Erwartungen zur korrekten Haltung - während diese Richtlinien sehr wichtig sind, ist es am Anfang noch zusätzlicher Druck, gerade wenn Katze davon noch nichts gehört hat
- Sorge um die Gesundheit - gerade Katzen verstecken Unwohlsein sehr gut
- Angst vor Unfällen - Jungtiere nehmen alles in den Mund, schätzen Gefahren nicht ein
- Unsauberkeit - wenn sie beim Spiel vergessen, dass der Weg zur nächsten Katzentoilette doch noch ein wenig weit ist

Ich bin ein Anhänger davon die Umgebung mit Tieren so zu gestalten, dass sie für alle wenig Stress bedeuten und man eine Pause hat, wenn man das Problem angeht.
D.h., wenn du totmüde bist, dann leg dich mit den Katzen zu einem Nickerchen hin oder nutze Ohropax. Stelle kleine Blumenuntertöpfe mit ein bisschen Streu auf, bis sie zuverlässig auf die Toilette gehen, falls Unfälle passieren.
Wenn du Futter umstellen möchtest, führe Tagebuch - das hilft auch sonst, weil wir oft viel in der Erinnerung verwässern, und gib' ihnen Zeit.
Versicherungen beugen unerwarteten finanziellen Belastungen vor.
Meine Katzen haben in der Familie "Paten", d.h. wenn ich die Medikamente für meine eine nicht mehr zahlen kann wegen Arbeitslosigkeit o.a., springen sie ein.
Such' dir früh einen tollen Katzensitter, damit du keinen Gedanken machen musst, falls du mal weg musst oder willst - alles legitim. Dann kannst du nämlich auch spontan sein - für mich ist es nämlich eine massive Erleichterung, dass fünf Personen Medikamente geben können.

Und ganz wichtig: Spiel' mit ihnen, mach' Fotos, schmuse und blödle. Mach' genau die tollen Sachen, die du dir vor den Katzen vorgestellt hast. Es zeigt dir die schönen Seiten auf und stärkt die Bindung, dann fällt alles leichter. In 10 Tagen sieht die Welt schon anders aus.

Ob die familiäre Gemeinschaft für dich psychologisch ein Grund ist aufzuarbeiten, musst du selber wissen. Wir waren typische Schlüsselkinder mit 8 und 10 Jahren, unsere Mama musste arbeiten, nach der Scheidung. Wir waren auch viel autonomer. Und seit ich mit 20 Jahren ins Ausland zog, lebte ich alleine, bis auf ein Jahr WG.

Es ist jetzt, mit den Katzen, lustigerweise, wie früher Zuhause. Meine sind Freigänger und haben dementsprechend auch ihr Programm. Wir alle kommen und gehen, manchmal sind wir zusammen draussen, und abends erzählen wir uns vom Tag. Ihr findet schon eure Version vom Zusammenleben, da gibt es kein perfektes Bild.
Aristocats2017 ist offline  
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Alt 17.10.2019, 09:18
  #17
Castara
Benutzer
 
Registriert seit: 2015
Beiträge: 60
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@Aristocats2017
Das hast du so schön und einfühlsam tröstend geschrieben. Möchte einfach mal danke für diesen Text sagen.
Castara ist offline  
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Alt 24.10.2019, 15:49
  #18
Elisha
Neuling
 
Registriert seit: 2019
Beiträge: 27
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Ich lieeebe diesen Thread
Bin mittendrin im Kopfkinokarussel....
Der Dreck, die Kosten, der Alt-Kater ist beleidigt, werde ich die beiden Neuen so lieben wie den Alt-Kater usw.
Ist ja nicht so, als hätte ich mir vorher schon wochenlang das Hirn zermatert bis hin zur Migräne....
Leider mache ich mir auch zusätzlich noch immer Gedanken und Sorgen da drüber, was andere denken könnten... ("....so viele Tiere...")
Dabei sind die beiden Neuen bisher recht artig. Sauber, fressen gut und Schlafen nachts. Was will man mehr? Sind halt noch sehr schüchtern und schreckhaft...
*Seufz*
Elisha ist offline  
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